Amphibienschutzprojekt im Münchner Osten Heftige Balz im Biotop Ein Freitagabend im Mai: Ein Konzert ganz besonderer Art ist in vollem Gange. Hauptakteure dieses amphibisch-musikalischen Spektakels sind Dutzende von paarungshungrigen Wasserfröschen, die mit ihren "quuak-quuak"-Rufen den Ton angeben. Im 5-10 sekündigen Rhythmus wird ihr Balzgesang zusätzlich von einem lautstarken, sägenden "äpp-äpp-äpp-äpp-äpp-äpp" übertönt. Dieses metallisch klingende Geräusch stammt vom Laubfrosch, jenem kleinen, knallgrünen Lurch, der zu Großmutters Zeiten, als er noch zu den häufigsten Amphibien zählte, in's Marmelade-Weckglas gesperrt wurde, um leiterauf- bzw. -abwärts kletternd das Wetter vorherzusagen. Daneben sind auch die meckernden "ke-ke-ke-ke-ke"-Rufe des Seefrosches, unserer größten einheimischen Froschart, zu vernehmen. Schließlich untermalen noch sanftere, melodische Klänge dieses akustische Schauspiel, wenn die trillernden "ürrrrr"-Rufe der vom Aussterben bedrohten Wechselkröte erklingen, die den Laien eher an das Zirpen von Grillen als an den Paarungsruf einer Kröte denken lassen. Doch - wo könnte so eine Darbietung stattfinden? Sicherlich irgendwo draußen auf dem Land, in einer unberührten, naturnahen Landschaft, vielleicht an einem idyllisch gelegenen Weiher? Weit gefehlt! Diese Szene spielte sich - wie übrigens in den vorangegangenen warmen Nächten dieses Jahres auch - inmitten einer Millionenstadt ab, genauer im Münchner Stadtteil Bogenhausen-Denning.  Wechselkröte | In der Tat entwickelt sich das seit 1993 vom Umweltinstitut München e.V. betreute Biotop prächtig: Es ist nach wie vor mit den neun vorkommenden Arten Grasfrosch, Wasserfrosch, Seefrosch, Laubfrosch, Erdkröte, Wechselkröte, Gelbbauchunke, Teichmolch und Bergmolch das artenreichste Amphibienbiotop im Stadtgebiet und Landkreis München. Anderswo in Deutschland sind Biotope mit einer derart großen Artenvielfalt die Ausnahme. 10-12 Arten werden nur sehr selten erreicht. Diese positive Bilanz soll nun aber nicht heißen, dass wir schon am Ende unserer Artenschutzbemühungen angelangt wären, sie ist vielmehr eine Zwischenbilanz, die zum Weitermachen geradezu auffordert. Nach wie vor sind wir nämlich damit beschäftigt, neue Laichgewässer anzulegen, das Versickem des Wassers durch Bodenverdichtung zu verhindem oder - in Ausnahmefällen - auch einmal Teichfolien zu verlegen. Wir pflanzen einheimische Bäume und Sträucher, um die Fläche mit schützenden Pufferzonen zu verstärken. Eines unserer größten Anliegen ist es, immer mehr Teilbereiche von der artenarmen "Graswüste" in blühende Blumenwiesen voller Leben, ob Kalkmagerrasen, Feucht- oder Fettwiese, zu verwandeln, um noch mehr Arten von Insekten, Vögeln und Säugetieren ein Leben in diesem Biotop zu ermöglichen. Wir errichten Verstecke in Form von Reisig-, Stein- und Laubhaufen, schichten Trockenmauern auf und schaffen Rohböden für Pionierarten. Und zu guter Letzt ist uns auch daran gelegen, durch die naturnahe Gestaltung der benachbarten Grünflächen Vernetzungsmöglichkeiten zu weiteren Biotopen der Umgebung im Sinne eines Biotopverbundes zu realisieren. Stefan Freiberger aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 68/96
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