Umweltinstitut München e.V.
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Ponies ins Moos

Pferde als Landschaftspfleger

Exmoorponies

Eignen sich Pferde für die Landschaftspflege? Was ist hier eigentlich mit dieser zunächst doch recht merkwürdigen Frage gemeint. Ist mit dieser Fragestellung die schonende Bewirtschaftung extensiver Flächen unter Einsatz von Zug- oder Rückepferden zu verstehen? Bei der artenschutzfreundlichen Pflege von Feuchtwiesen oder auch in der Forstnutzung finden Pferde, besonders die kräftigen Kaltblut-Rassen, neuerdings wieder die ihnen angestammte Verwendung.

In unserem Fall ist etwas anderes gemeint: Hier soll eine Gruppe von Wildpferden in einem begrenzten Areal so natürlich wie nur möglich leben und sich von dem was da wächst ernähren: Gräser, Kräuter, Büsche und Bäume. Landschaftspflege durch Beweidung und Verbiss spart vermutlich im Gegensatz zum konventionellen Einsatz von Maschinen eine Menge Kosten, nicht nur den Einsatz von Arbeitszeit und Maschinen, sondern auch die Kosten, die für die Entsorgung des Mäh- und Schnittguts anfallen würde.

Aber: eigentlich ist diese Argumentationslinie schon ein Vorgriff auf das erwartete oder besser: erhoffte Ergebnis. Ziel des Projektes soll vor allem sein, Erfahrungen mit dem Einsatz von Rindern, Pferden und dem konventionellem Einsatz von Maschinen auf vergleichbaren Versuchsflächen zu erhalten und so Erfahrungen für die Pflege von Offenlandschaften zu sammeln.

Eine genetisch besonders wertvolle ursprüngliche Pferderasse in der Landschaftspflege einzusetzen heißt, eine Idealkombination zu verwirklichen. Freilandhaltung unter halbwilden Bedingungen ist optimal für die Tiere und diese spielen zugleich einen wichtigen Part im Naturhaushalt.

Das Donaumoos - eine Überschwemmungslandschaft

Unser Projekt findet im Schwäbischen Donaumoos statt, in der Nähe von Günzburg. Die Grenze von Württemberg und Bayerisch-Schwaben verläuft hier durch den Donaugrund. Die Landschaft ist flach. Den Untergrund bilden Kiese und andere Schwemm-Materialien, die von der Donau in ihrem breiten Urstromtal transportiert wurden. Einst schlängelte sich der Fluss, wechselte immer wieder seinen Lauf, bildete dabei immer wieder Altwasserschleifen, die sich zu Teichen und Tümpeln entwickelten, dazwischen vielfältige Landbiotope. Aufgrund der Grundwassernähe und der immer wiederkehrenden Überflutungen entwickelten sich ausgedehnte Niedermoore, dazwischen auch Kiesbänke ohne Humusauflage. Letztere, auch Brennen genannt, bieten besonders solchen Arten ihren Lebensraum, die auf trockenwarmen Habitat besonderen Wert legen, etwa die Zauneidechse, viele Heuschrecken oder auch Sandlaufkäfer, um nur einige Beispiele zu nennen.

Im Gegensatz zu den Hochmooren, den Filzen, werden im süddeutschen Sprachgebrauch die Niedermoore als Moose bezeichnet. Beispiele für Niedermoore in Oberbayern sind das Erdinger Moos und das Murnauer Moos, Beispiel für ein Hochmoor sind die Kendlmühlfilze im Süden des Chiemsees. In Hochmooren wie auch in Niedermooren fand in den letzten Jahrtausenden die Bildung meterdicker Torfschichten statt. Wichtigster Faktor für die Bildung von Mooren ist die Zufuhr von Wasser. Im klassischen Hochmoor wird der Wasserkörper rein vom Regen aufgefüllt, der von den Sphagnum-Moosen wie ein Schwamm aufbewahrt wird. Das Wassermilieu ist hier vergleichsweise sauer und extrem nährstoffarm. Nur besonders robuste Spezialisten können daher im Hochmoor überleben. Das Niedermoor ist reicher an Arten. Überschwemmungen oder steigende Grundwasserstände versorgen das Moos mit Mineralien und Nährstoffen. Während sich an den trockenen Randstandorten des Hochmoors lediglich Baumarten wie die Birke, der Faulbaum, die Kiefer, Spirke und Moorlatsche, hier und da auch die Fichte halten, finden wir im Niedermoor auch anspruchsvollere Baumarten, die gerne mal einen nassen Fuß haben. Hier sind vorallem die Arten der Erlen (Gattung Alnus) und Weiden (Gattung Salix) zu nennen.

Um solche Überschwemmungslandschaften besser nutzen zu können, wurden nicht nur die Flüsse begradigt, mit einem Korsett aus Dämmen und Deichen in einen festen Lauf gezwungen. Beim Lech etwa handelt es sich heute über weite Strecken nurmehr um eine Kette von Stauseen. Das Schwemmland im Umgriff der Flüsse wurde mit Gräben entwässert und mit Dämmen vor Überflutungen geschützt. So konnte der Mensch diese Gebiete, die sich einst lediglich temporär für die Waldweide eigneten, im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte erst richtig in Besitz nehmen: besiedeln, feste Gehöfte und Siedlungen errichten, Ackerbau und Viehzucht betreiben.

Heute will man hier im Schwäbischen Donaumoos wieder gegensteuern, die Ausbeutung der Natur zurückführen auf ein ökologisch verträglicheres Maß. 20 Millionen DM wurden von beiden Bundesländern für Maßnahmen zur Verbesserung des Wasser- und Naturhaushaltes zur Verfügung gestellt. Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos steht hier in unmittelbarem Zusammenhang. Sie soll die Schutzbemühungen, die zuvor hauptsächlich von privaten Naturschutzorganisationen getragen und von den Behörden unterstützt wurden, als Auftrag des Staates umsetzen. In den Schutzgebieten stehen großräumige Pflegemaßnahmen sowie ein großflächiger Wandel ider landwirtschaftlichen Nutzung an: Rückbau der Entwässerungssysteme und Extensivierung der Nutzung. Es ist beabsichtigt, den Grundwasserstand wieder zu heben und die Flächen weitgehend ökologisch und schonend zu nutzen. Die Flächen sollen sich natürlich entwickeln und dabei nicht verbuschen und verwalden. Gerade in diesem Zusammenhang sind wir gespannt, wie sich unsere Urponies als Landschaftspfleger bewähren.

ExmoorPony

Bei der für das Projekt ausgewählten Rasse handelt es sich um ExmoorPonies, einer besonders urigen Rasse unter den europäischen Pferden. Die Vermutung, die Bezeichnung 'Exmoor' rühre daher, dass die Tiere in ihrer Heimat im Süden Englands abends ins Pub gehen, um dort immer wieder "ex" und "more" zu wiehern, bleibt bei näherer Überprüfung eine zunächst plausible Annahme. Richtig ist jedoch: Die Rasse ist nach ihrem Ursprungsgebiet, dem Exmoor im Südwesten Englands benannt, einer rauhen Mittelgebirgslandschaft. Oft pfeift hier der nasskalte Wind über das hügelige Land. Dann halten sich die Ponies gerne im Windschutz der die Landschaft prägenden Wallhecken auf. Nicht zu groß sein kann dann durchaus von gewissem Vorteil sein.

PONY

Im englischen Sprachgebrauch umfasst der Begriff Pony den Großteil aller Pferderassen bis auf Araber, Warm- und Kaltblüter, aber auch die Wildpferde gehören dazu. Im Deutschen werden die Kleinpferderassen als Ponies bezeichnet, die eine Höhe unter 140 cm im Widerrist erreichen.

Im Stockmaß (Widerrist) erreichen diese Pferde zwischen 114 und 129 cm. Ihre Fellfärbung spielt zwischen hellbraun und fast schwarz. Dabei können goldbraune Tönungen hereinspielen. Unregelmäßige weiße Flecken gibt es nicht, weder im Gesicht, noch an den Beinen oder Hufen, noch irgendwo sonst. Ein solches Abzeichen wäre untypisch. Kennzeichnend sind das helle Maul (Mehlmaul), die helle Augenumrandung und Aufhellungen an den Flanken. Auch die Hinterseite der Tiere ist durch eine Aufhellung gekennzeichnet, die an dem Spiegel von Rehen und Hirschen und anderen Wildtieren erinnert. Das Erscheinungsbild dieser Pferde erinnert insgesamt an andere Wildtiere.

Was aber ist noch so besonders an dieser Rasse? Es handelt sich um eine der wenigen, wenn nicht die einzige europäische Pferderasse, die sich seit der Eiszeit als wildlebendes Pferd unverändert erhalten hat. Im Exmoor selbst leben noch einige Herden halbwild. Sie bilden den wertvollsten Bestand, denn sie sind ganzjährig den Kräften der Natur ausgesetzt. Selektion an Geist und Körper durch harte Bedingungen - Wachsamkeit und Fitness, Robustheit und Intelligenz - wichtige Rahmenbedingungen für die Erhaltung einer wertvollen Tierpopulation und dies in vielfacher Hinsicht: als wertvoller Genpool, als lebende Repräsentanten der Wildpferde Europas.

Wildpferde wurden vom Menschen schon seit Jahrtausenden gejagt und verzehrt, aber auch gefangen und als Reit- und Zugtiere genutzt. Hierbei griff der Mensch wohl zunächst kaum verändernd ein, und doch: Die wilderen Unbezähmbaren wurden wohl meist geschlachtet und verzehrt, nur die braven zutraulicheren hatten eine Chance, als Diener oder Freunde des Menschen zu überleben.

So haben zwei unserer Stuten mächtig Glück, in unser Projekt zu kommen: Beide sind im Gegensatz zu den meisten anderen Exmoors für uns Menschen kaum nutzbar. Sie sind nicht aggressiv, sie bleiben auf Distanz; Reiten oder Kutschieren: Keine Chance. Die eine, Jamaika, ist gar nicht so scheu, aber versucht man, ihr ein Halfter überzustreifen - das mag sie gar nicht. Unsere Bewertung: die Dame ist kopfscheu. Die andere, Whinnetely Two, wirkt meist ängstlich und ist auf Distanz bedacht. Sind die beiden nun Fälle für den Pferdeflüsterer oder ist in ihnen das vorsichtige argwöhnische Verhalten des Wildpferdes einfach noch mehr vorhanden als in unseren anderen Exmoors? Bei uns, im Donaumoos-Projekt haben die beiden ein freies Pferdeleben. Idealbedingungen, auch solche Individuen für die Erhaltung einer derart ursprünglichen Rasse zu halten und an der Weiterzucht teilnehmen zu lassen. Hier soll es ja nicht darum gehen, Tiere zum Nutzen oder Wohlgefallen des Menschen zu "veredeln", sondern einen wertvollen Bestand möglichst in seiner gesamten Ausstattung und Variation zu bewahren.

Unsere Ponies werden von Mitgliedern der Deutschen Exmoorpony-Gesellschaft für das Projekt zur Verfügung gestellt. Auch das Umweltinstitut München ist beteiligt. In regelmäßigen Abständen beobachtet ein Mitarbeiter die Tiere im Gelände.

Bestand und Erhaltung

Der Weltbestand des ExmoorPonys liegt bei über 1200 Tieren. Etwas über 100 davon leben in Deutschland, in einigen Tierparks, hauptsächlich bei privaten Haltern. Das ExmoorPony gehört zu den seltensten und ursprünglichsten Pferderassen der Welt. Leider heißt das auch, dass sein Fortbestand nicht gesichert ist. Wer sich daher für Haltung und Zucht von Exmoors begeistern kann, trägt auch dazu bei, den Bestand dieser einzigartigen Pferderasse zu fördern.

Haltung und Pflege sind unproblematisch, wenn man die Regeln artgerechter Robusthaltung beachtet. Exmoors sind durchaus umgänglich, in den meisten Fällen kinderfreundlich und zum Reiten und Kutschieren geeignet. Besonders im Herbst, wenn der Nachwuchs in das Stutbuch eingetragen wird, ist der Kauf von Fohlen möglich.

Die allermeisten Halter in Deutschland sind Mitglieder der Deutschen Exmoorpony-Gesellschaft als Tochterverband der englischen Exmoor Pony Society, die das Stutbuch für die "Exmoors" führt. Vorrangiges Ziel ist es, die Zukunft dieser Rasse in der Hand von Pferdefreunden wie auch in wildlebenden Rudeln und Herden zu sichern.

800 Jahre totes Pferd gefunden

Bei Schleenheim, südlich von Leipzig (SZ, 17./18. Okt. 1998) wurde jüngst ein etwa 800 Jahre altes Pferdeskelett bei Ausgrabungen freigelegt. Nach Grabungsleiter Ingo van Campen handele es sich um einen in Deutschland einmaligen Fund. Das Pferd sei einst stehend mit Steigbügel und Trense bestattet worden. Es habe sich hier wohl entweder um ein besonders wertvolles Tier gehandelt und/oder sein Reiter sei wohl besonders angesehen und vermögend gewesen. Zumindest zeuge die Bestattung von einer besonderen Beziehung zwischen Besitzer und Ross. Es sei nämlich bei den Germanen absolut ungewöhnlich gewesen, sein Pferd mit wertvollem Zaumzeug aufwendig zu bestatten und nicht einfach im Wald liegen zu lassen. Das Skelett soll ins Landesamt für Archäologie nach Dresden gebracht werden. Da wird sich vielleicht noch klären, ob sein Besitzer überhaupt ein Germane war. Für Zoologen und Domestikationsforscher (Haustierkundler) noch spannender ist natürlich die Frage, welcher Pferdetyp hier repräsentiert ist. Handelt es sich um ein den Wildpferden Mitteleuropas ähnliches Pferd oder um eines, dessen Merkmale eher auf andere Rassen oder Pferdetypen aus Innerasien, Vorderasien oder der Iberischen Halbinsel hinweisen.

Besonders durch Reitervölker, Kriegszüge und Eroberungen wurden Pferde ganz unterschiedlicher Herkunft und Eigenschaften vom Menschen in andere Gebiete gebracht und dort mit heimischen Pferden vermischt. Die Neukombination ihrer Eigenschaften erhöhte dann zusätzlich die Möglichkeit des Menschen, durch Auslese und gezielte Verpaarung züchterische Veränderungen vorzunehmen und die Vorläufer der heutigen Rassen entstehen zu lassen.

Vor 3.000 bis 2.000 Jahren ritten die Menschen Mitteleuropas - hauptsächlich sind hier die keltischen Kulturen zu nennen - vermutlich auf für heutige Verhältnisse kleinen, unseren Exmoor-Pferden ähnlichen Gäulen. Hier und da wird das ExmoorPony auch als Kelten-Pony bezeichnet. Solche Pferde gab es vor 2000 Jahren natürlich nicht nur im Exmoor. In vielen Rassen und Unterarten erstreckte sich die Verbreitung der Wildpferde einst über die ganze nördliche Halbkugel. In vielen Gebieten verschwanden die vollkommen wilden Populationen, wohl in aller Regel durch Bejagung und Verdrängung durch den Menschen. Übrig blieben dann nur die gefangenen, vom Menschen mehr oder weniger genutzten Schläge.

Urwildpferd

Einziges von der Fachwelt vollkommen als Wildtier anerkanntes Pferd ist das als Urwildpferd bezeichnete Przewalski-Pferd (Equus p. przewalskii). Diese Unterart des Pferdes galt im Freiland als ausgestorben. Dennoch ist nicht ganz auszuschließen, dass in den endlosen Weiten der innerasiatischen Steppen Chinesisch Turkestans (Sinkiang) und der Mongolei nicht doch noch wilde Herden dieser ganz besonders klimaharten Pferde überlebten. Entscheidende Verdienste um die Erhaltung und Rettung der Urwildpferde haben die Zoologischen Gärten. Die Zoobestände haben sich in den letzten Jahrzehnten derart günstig entwickelt, dass Przewalski-Pferde wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum ausgewildert werden können. Auch in der Presse wurde hierüber wiederholt berichtet. Damit die Tiere im Freiland auch wirklich überleben, müssen sie zunächst von den wesentlich milderen Klimabedingungen der meisten Zoos allmählich an härtere Bedingungen gewöhnt werden. In der Schorfheide in Brandenburg gibt es ein derartiges Vorbereitungs-Reservat auf das karge Leben im Freiland. Auch im Aussetzungsgebiet kommen die Urwildpferde zunächst in kontrollierte Gehege, in denen sie betreut, beobachtet und beschützt sind. Erst später wurden und werden sie oder ihre Nachkommen ganz in die Natur entlassen.

Tarpan, Konik, Dülmener

Das Wildpferd Mittel- und Osteuropas war der sogenannte Tarpan, ein graues Pferd, dessen letzte wildlebenden Exemplare Ende des 18. Jahrhunderts gejagt und gefangen wurden. Zum Glück lebt ein Gutteil des Tarpanblutes dennoch fort. Bauern hatten zum Teil die gefangenen Tiere erhalten und mit ihren Hauspferden verkreuzt. Später wurde der Wert dieser Tarpan-blütigen Tiere erkannt. Sie wurden wieder von den Bauern abgekauft und es wurden den ehemaligen Tarpanen ähnliche Pferde zurückgezüchtet. Genannt werden diese Tiere Konik, was auf polnisch oder im slawischen soviel bedeutet wie Pferdchen. Die Koniks ebenso wie die ähnlichen Huzul-Pferde aus den Nordkarpathen sind robust und ursprüngliche Pferde Europas, ähnlich unseren Exmoors.

Auch auf dem Gebiet des heutigen Deutschland gab es einst wilde Pferde. Noch heute lebt im Meerfelder Bruch im Münsterland ein Bestand des Dülmener Ponys. Weil aber immer wieder fremdblütige Pferde vor allem als Zuchthengste in diesen Bestand kamen, ist das Dülmener Pony aufgrund der beschriebenen Zuchtpolitik hinsichtlich seiner Ursprünglichkeit umstritten.

Moritz und seine wilden Weiber

Unsere Exmoorpony-Viererbande für das Projekt im Schwäbischen Donaumoos besteht momentan aus Hengst Moritz und drei Stuten. In einer provisorischen Koppel wurden zunächst die drei Stuten ein- und zusammengewöhnt. Später kam Moritz hinzu. Inzwischen haben sich die vier gut zusammengelebt und es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass ab Juni '99 auch ein paar Fohlen in wilden Verfolgungsjagden durchs Moos springen.

Die Zusammengewöhnung von Hengst und Stuten war zunächst gar nicht harmonisch. Jamaika, die stattlichste der Stuten, war in den Wochen zuvor Whinnetely Two und Wilma gegenüber zur Leitstute aufgestiegen und betrachtete nun die beiden anderen als ihr Rudel. Und nun kam da so ein Hengst, dunkler, etwas kleiner und viel leichter als sie selbst. Dem würde sie es schon zeigen. Ihre Ausstrahlung und ihr Verhalten verführte den Betrachter zu dieser zugegeben vielleicht etwas vermenschlichten Verhaltens-Beschreibung. Sie war zunächst überhaupt nicht gewillt, irgendwelche Kompetenzen an den in dieser Gruppe neuen Hengst abzugeben. Aber Moritz, mit 18 Lenzen ein gestandener Exmoor-Hengst hat es in den Tagen und Wochen danach geschafft, das Trio, das sich ihm zunächst wie eine Phalanx entgegenstellte, ihn gar unter Führung der starken Jamaika heftig verfolgte und verjagte, zu sprengen und sich die Pferde-Damen mit unterschiedlicher Taktik geneigter zu machen. Ja, zwischen Wilma und Moritz schien die Beziehung von Beginn an vergleichsweise harmonisch. Ob sich der Hengst noch an die Stute erinnerte, oder sie an ihn? Vor Jahren wuchs sie seinem damaligen Rudel als Fohlen heran. Nun genoss sie im Gegensatz zu Whinnetely und Jamaika bei Moritz besonders hohe Freiheitsgrade, suchte oft die Nähe des Hengstes und wies auch keine Bissspuren auf - im Gegensatz zu den beiden anderen Stuten.

Die Situation hatte sich ins Gegenteil verkehrt. Whinnetely und Wilma waren nun Besitz von Moritz. Jamaika dagegen wurde immer wieder vom Hengst vertrieben. Dennoch: Ein Pferd ist nicht gern allein. Sie versuchte es daher immer wieder, sich den beiden anderen, ihr vertrauten Stuten zu nähern, wenn der Hengst gerade etwas entfernt stand. Doch schnell war die Situation wieder geklärt. Moritz preschte heran und verfolgte die kräftige Stute, bis sie mindestens 80 oder 100 Meter vom Rudel entfernt war oder hinter einem Gebüsch seinem Blick entschwand. In den Wochen danach verbesserte sich ihre Rolle ganz allmählich, so wie auch die Abneigung des Hengstes ihr gegenüber langsam abnahm. All diese Beobachtungen machten auch den Betrachter des Geschehens zufrieden. Friedliche Verhältnisse schienen eingekehrt. Wenn es im Herbst kälter wird, nehmen Aggressionen und Animositäten zwischen den Tieren ab. Die Ponies werden ruhiger. Von Natur aus heißt es nun für sie: Energie-Sparen und gut durch den Winter kommen. Erst im April und Mai, wenn die "Frühlingshormone" Einzug halten, wird sich dies wieder ändern.

ExmoorPonies schmeckt fast alles

Was die Nahrungswahl betrifft, sind ExmoorPonies nicht allzu wählerisch. Aber es gibt natürlich Vorlieben und Abneigungen. Im Frühling besonders beliebt ist der Löwenzahn. Aber unsere Vielfresser sind an Lebensbedingungen in kargen Landschaften angepasst. Die fetten Wiesen und Weiden unseres gut gedüngten Grünlandes sind für Pferde weniger geeignet. Im Februar und März, wenn der Saft in die Knospen steigt, fällt uns die Vorliebe der Ponies für die Triebe der Rotbuche auf, die auch im Frühjahr und Sommer nach dem Blattaustrieb begehrt bleibt. Auch viele andere Gehölze sind für unsere Vierbeiner durchaus schmackhaft, manche offensichtlich aber auch gar nicht. Echte Abneigung zeigen die Exmoors z.B. gegenüber allen Holunder-Arten (Gattung Sambucus) und gegenüber der Traubenkirsche (Prunus padus), die sich durch einen besonders hohen Gehalt an Bitterstoffen auszeichnet. Aber auch hinsichtlich ihrer Nahrung sind die Exmoors erstaunlich robust. Im Exmoor verbeißen sie, wenn es nichts Besseres mehr gibt, sogar die giftigen Ginsterbüsche.

Neben Bitterstoffen und Giften zählen Dornen und Stacheln zum Abwehrarsenal der Pflanzenwelt gegen die großen Pflanzenfresser. Ein Schlehenbusch oder eine Brombeerstaude sind uneinnehmbare Wehrgehölze, in deren Mitte später auch andere Gehölze, wie durch einen Gartenzaun vor Pferden und anderen Großtieren geschützt, gedeihen können.

Im Winter, wenn saftige Gräser und Kräuter immer seltener werden, wenden sich unsere Pflanzenfresser auch den Bäumen und Büschen zu, deren Knospen und fingerdicke Triebe sie verbeißen. Wie sonst auch geht es dabei ganz nach Gusto: Immer erst das, was am besten schmeckt; aber auch Abwechslung ist gefragt. Im Dezember und Januar knabbern unsere Urponies sogar an heimischen Fichten, Kiefern und Tannen. Dies käme ihnen im Sommer, bei Angebot von Gräsern und Kräutern und saftigem Löwenzahn nicht in den Sinn. Aber wir werden unsere Ponies nicht darben lassen. Pferde-Fan Siegfried Wiedemann wird im Auftrag der ARGE Donaumoos die Tiere täglich besuchen und nach dem Rechten sehen. Bei Tiefschnee gibt es auch eine Zufütterung von Heu. Dies aber nur soweit wie unbedingt nötig. Die Flächen mit zugeführten Nährstoffen via Pferdeäpfel anzureichern, ist nicht das Ziel, sondern eher im Gegenteil, das Gebiet auszuhagern. Zwei ähnlich große Flächen dienen Vergleichsbeobachtungen. Die eine wird mit einer Gruppe halbwild lebender Rinder gepflegt, die andere konventionell mit Maschinen.

Detlef Schilling
aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 80/98

Der Bericht wird regelmäßig fortgesetzt.

Die Pferdeartigen

Die Pferdeartigen zählen zur Zoologischen Ordnung der Unpaarhufer. Das Körpergewicht lastet bei diesen Huftieren im Gegensatz zu den Paarhufern hauptsächlich oder ganz auf der Mittelzehe, die entwicklungsgeschichtlich unserem Mittelfinger oder unserer Mittelzehe entspricht. Sind bei der Familie der Nashörner noch 4, bei den Tapiren noch drei Zehen deutlich und funktionell vorhanden, besitzt der Einhufer nurmehr eine Zehe: die Mittelzehe. Von anderen finden sich höchstens noch Rudimente. Der Huf des Pferdes entspricht demnach dem Nagel unseres Mittelfingers bzw. unserer Mittelzehe.

Mit Nashörnern, Tapiren und Einhufern ist die Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla) hinsichtlich ihrer Artenzahl im Vergleich zu der der Paarhufer (Artiodactyla) verschwindend klein. Auch die Einhufer oder Pferdeartigen Equidae selbst umfassen nurmehr sechs Arten. Zwei davon haben ihr Verbreitungsgebiet in Eurasien: Pferd und Halbesel (E. hemionus), die anderen vier, Esel (E. asinus), Grevy-Zebra (E. grevyi), Steppenzebra (E. quagga) und Bergzebra (E. hartmannae) sind Faunenelemente Afrikas. Mit Ausnahme des Grevy-Zebras finden sich jeweils eine Reihe gut unterscheidbarer Unterarten. Geschichtlich wurden nicht nur Pferd und Esel sondern auch die asiatischen Halbesel domestiziert. Als Haustiere sind Halbesel heute nicht mehr vertreten.

Das Pferd und die anderen Equiden leben von Natur her meist in Rudeln unter Führung einer Leitstute und eines Hengstes. Diese Rudel können sich bei manchen Arten, besonders den Steppenzebras zu großen Wander-Herden vereinen, ohne sich jedoch in diesen aufzulösen. Die Neugeborenen sind weit entwickelt und bald nach der Geburt lauf- und folgefähig. Zwillinge sind extrem selten.

Die Pferdeartigen lassen sich untereinander kreuzen. Die Mischlinge sind in aller Regel unfruchtbar, in ganz seltenen Fällen eingeschränkt fruchtbar. Mischlinge zwischen Pferden und Zebras bezeichnet man als Zebroide. Besondere Verwendung fanden die Kreuzungsprodukte zwischen Pferd und Esel. Maultiere = Mulis (Mutter Pferd und Vater Esel) sowie Maulesel (Mutter Esel und Vater Pferd) sind geduldige und trittsichere Lasttiere, in dieser Merkmalskombination vereinigen sie positive Eigenschaften beider Elternarten.