Pharma-Pflanzen
Pillen vom Acker
Profite zu Lasten der Umwelt
Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden die Weichen für
eine hochriskante neue Anwendung der Gentechnik gestellt: Genmanipulierte Pflanzen,
die Impfstoffe, Antikörper, Hormone, Industrieenzyme oder andere Wirkstoffe
gegen Krankheiten produzieren, sollen in Zukunft auf freiem Feld angebaut werden.
Zu diesem Zweck werden den Pflanzen unter anderem Gene aus Mensch oder Tier eingebaut.
Die Gentechniker verwenden fast ausnahmslos zentrale Nahrungs- oder Futterpflanzen.
Vor allem Mais, aber auch Raps, Reis und Kartoffeln wurden schon zu Pharma-Pflanzen
gemacht. Traum der Pharmaindustrie ist es, zum Beispiel Gen-Bananen oder -Brot
mit integrierten Impfstoffen und anderen Medikamenten zu produzieren.
Der Anbau von Medikamenten auf dem Acker birgt völlig neue ökologische
und gesundheitliche Risiken. Großflächig angebaut, sollen Pharma-Pflanzen
die Kosten der Unternehmen senken: Anbau unter freiem Himmel, keine strengen
Sicherheitsbeschränkungen wie im Labor, Verzicht auf Personal etc. Doch
die Höhe des Profits ist wesentlich von der Höhe der gesetzlichen
Auflagen abhängig. Berechnungen zeigen, dass relevante Kosteneinsparungen
nur dann zu erwarten sind, wenn Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit hinter
den Interessen der Gentechnik-Industrie zurückstehen.
Kontamination - aber sicher!
Pharma-Pflanzen werden vor allem in den USA, in Kanada und der EU entwickelt.
Mehr als 400 Freilandversuche fanden bislang statt, davon 87 Prozent in Nordamerika
und 13 Prozent in Europa. In Deutschland gab es ein solch gefährliches Experiment
mit Arzneimittel produzierenden Pflanzen erstmals 2006. Die Kartoffeln enthielten
genetisches Material aus dem Cholera-Bakterium bzw. einem Kaninchen-Virus und
sollten der Produktion von Impfstoffen dienen.
Das ostdeutsche Unternehmen Novoplant experimentierte 2007 mit Pharma-Erbsen.
Wissenschaftler hatten die Pflanzen mit Mäusegenen manipuliert, um ein
Medikament gegen Durchfallerkrankungen von Schweinen herzustellen.
Werden Pharma-Pflanzen angebaut, gibt es keine Möglichkeit, die Kontamination
der Nahrungskette und des Ökosystems mit Sicherheit zu verhindern. So könnte
etwa Pharma-Mais durch Pollenflug, Insekten oder Vögel andere Maispflanzen
und damit Lebensmittel kontaminieren. In den USA ist das schon passiert: Maispollen
von einem Versuchsfeld mit Pharma-Pflanzen landeten in benachbarten Maisfeldern.
In einem anderen Fall keimten nicht geerntete Pharma-Maiskörner in der
Soja-Folgekultur erneut. Der Mais wurde zusammen mit den Sojabohnen geerntet.
13.500 Tonnen Sojabohnen mussten vernichtet werden.
Gewaltiges Gefahrenpotential
Weil pharmazeutische Stoffe zum Teil schon in geringsten Dosen im Organismus wirken,
könnte eine Verunreinigung der Nahrungskette schwerwiegende Folgen für
die Gesundheit von Mensch und Tier haben. Untersuchungen zu den ökologischen
Risiken von Pharma-Pflanzen gibt es nicht. Angesichts der erwarteten Renditen
scheinen mit Medikamenten kontaminierte Lebensmittel sowie Gefahren für die
Umwelt nebensächlich.
Obwohl weltweit noch keine Pharma-Pflanzen für den kommerziellen Anbau
im Freiland zugelassen sind, werden einige Produkte aus dem Gewächshaus
im Forschungs- und Zellkulturbereich verwendet:
- USA: Impfstoff für Tiere aus Pharma- Pflanzen
- Kuba: Pharma-Tabak zur Produktion eines Impfstoffs
- Island: Zellhormone aus genmanipulier- ter Gerste als Nährmedium für Zellkul- turen
Die ersten Pharma-Pflanzen könnten schon in wenigen Jahren großflächig
angebaut werden:
- Transgener Reis der US-Firma Ventria, der menschliche Gene enthält,
beige- mengt als funktionelles Lebensmittel zum Beispiel in Gesundheits-Riegeln
Nur weltweites Verbot schützt
Zunehmend regt sich selbst in den USA öffentlicher Widerstand gegen solche
Pflanzen. In Europa geht die Zahl der Freisetzungsversuche mit Pharma-Pflanzen
unter dem Druck einer gentechnikkritischen Öffentlichkeit und wegen des Trends
zu strengeren Sicherheitsbestimmungen zurück. Vor allem die Lebensmittelindustrie,
die eine Kontamination ihrer Produkte befürchtet, wehrt sich gegen den Anbau.
So konnte bislang verhindert werden, dass die riskante Pharma-Saat großflächig
aufgeht.
Andererseits flüchten Pharma-Pflanzen-Firmen immer öfter in Länder,
in denen es weder transparente Informationen noch gesetzliche Beschränkungen
für den Gentechnik-Anbau gibt. Beliebte Kooperationspartner gibt es in
Süd-amerika, Asien und Südafrika. So fördert die EU den Zusammenschluss
von 39 europäischen Pharma-Forscher-Gruppen und einer südafrikanischen
mit zwölf Millionen Euro.
Zahlreiche Wissenschaftler halten es für unausweichlich, dass die Nahrungskette
verunreinigt wird. Sie plädieren, wie der deutsche Sachverständigenrat
für Umweltfragen, mit deutlichen Worten gegen einen Freilandanbau transgener
Pharma-Pflanzen.
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
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