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*** Pressemitteilung *** Pressemitteilung *** Pressemitteilung ***Genehmigung des Forschungsreaktors mit zweifelhaftem Nutzen für die Medizin Neutronen in der Krebstherapie - Schnee von gesternMünchen, 17. April 2003 Auf der heutigen Pressekonferenz warb Minister Zehetmair anlässlich der Zustimmung des Bundesumweltministeriums zum Betrieb des Forschungsreaktors München II (FRM II) mit dem angeblichen Nutzen des Atommeilers für die Medizin und bedauerte, dass seit vielen Monaten Krebspatienten nicht mit Neutronen behandelt werden konnten. "Die Freude über das grüne Licht für eine Genehmigung des Forschungsreaktors mag ja groß sein, dennoch ist ein Lob mit unredlichen Argumenten nicht gerechtfertigt" kommentiert Karin Wurzbacher, Physikerin im Umweltinstitut München e.V.
Die ursprünglich sehr hohen Erwartungen an die Krebstherapie mittels Neutronenstrahlen konnten nicht erfüllt werden. Neutronen haben im Gewebe eine schlechtere Dosisverteilung als z.B. die konventionelle Photonenstrahlung. Außerdem haben Neutronen den großen Nachteil, dass sie den größten Teil ihrer Energie im gesunden Gewebe abladen und dieses damit stark schädigen. Eine Bestrahlung mit Neutronen, die zwar zunächst eine gute Tumorkontrolle zur Folge hat, wird meist von starken Nebenwirkungen begleitet.
In Europa war England der Vorreiter in der Neutronentherapie, heute ist sie dort nicht mehr zugelassen. In den USA gibt es nur noch zwei von ursprünglich 12 solchen Bestrahlungszentren. Auch in Deutschland wurde die Neutronentherapie stark zurückgefahren. Ein Beispiel dafür ist das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, das die Neutronentherapie eingestellt hat. Die medizinische Anwendung von Neutronen dient offensichtlich nur noch zur Rechtfertigung von Reaktorneubauten.
Protonen und schwere Ionen, wie Kohlenstoff, besitzen im Vergleich zu Neutronen sehr günstige physikalische Eigenschaften und versprechen optimale Therapieergebnisse. Eine präzise Dosisverteilung in der Körpertiefe und damit im Tumor zeichnet sie aus. Gesundes Gewebe erhält eine geringere Dosis und bleibt geschont. In München entsteht derzeit ein privat finanziertes Protonen-Therapiezentrum. In Heidelberg entsteht ein Zentrum für die Krebstherapie mit Schwerionen. Die Krebstherapien mit Protonen oder Schwerionen sind erheblich besser als die Neutronentherapie. Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut München e.V.: "Die Patientenbestrahlung am neuen Garchinger Forschungsreaktor ist bereits vor Inbetriebnahme ein alter Hut."
Hintergrundinformationen zur Tumorbekämpfung durch Strahlen finden Sie hier auf unserer homepage.
Zu unserer Pressemitteilung vom 15. April 2003: "Garchinger Forschungsreaktor FRM-II erhält dritte und letzte Genehmigung: Atomwaffenstoff für Bayern!"
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Umweltinstitut München e.V.,
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