PressemitteilungErster Freisetzungsversuch mit transgenen Pharma-Pflanzen in Deutschland geplantKartoffelsalat mit Cholera-Genen?Das Umweltinstitut München e.V. ruft zu Einwendungen auf. München, 27. Februar 2006 | Einwendungs- Vordruck zum Herunterladen und Ausdrucken |
In diesem Jahr sollen erstmals in Deutschland gentechnisch veränderte Pharma-Pflanzen auf freiem Feld angebaut werden. Dies geht aus den Antragsunterlagen der Universität Rostock hervor, die dem Umweltinstitut München e.V vorliegen. Wissenschaftler der Universität Rostock haben Gene aus dem Cholera-Bakterium und aus einem Virus, das die hämorrhagische Kaninchenkrankheit (RHD) - eine meist tödlich verlaufende Erkrankung - hervorruft, in zwei verschiedene Kartoffellinien transferiert. Diese sollen im Rahmen eines Freisetzungsversuchs in Großlüsewitz in der Nähe von Rostock angebaut werden und der Produktion von Impfstoffen gegen Cholera und RHD dienen. Der Versuch ist von Mai 2006 bis Oktober 2008 beantragt. Dazu Harald Nestler vom Vorstand des Umweltinstitut München e.V.: "Niemand sollte Gene aus Pest oder Cholera, den Geißeln der Menschheit, in unsere Nahrungsmittel einbauen. Pharma-Pflanzen stellen eine gefährliche Ausweitung der Risikotechnologie Gentechnik dar. Wenn Medikamente in Nahrungspflanzen auf freiem Feld hergestellt werden, sind die Lebensmittelskandale der Zukunft vorprogrammiert." Pharma-Pflanzen sind durch gentechnische Methoden so verändert, dass sie pharmazeutisch wirksame Proteine, Antikörper, Impfstoffe oder Hormone produzieren. Die Hersteller versprechen sich von einem Anbau dieser transgenen Pflanzen im Freiland eine Senkung ihrer Produktionskosten. In fast allen weltweit durchgeführten Freilandversuchen wurden die pharmazeutisch wirksamen Stoffe in Nahrungspflanzen wie Mais, Reis, Soja, Kartoffeln oder Gerste erzeugt. Dadurch entsteht ein hohes Risiko, dass zur Lebensmittelerzeugung genutzte Pflanzen und damit die Nahrungskette durch diese Konstrukte verunreinigt werden. Die meisten der in Pharma-Pflanzen eingebauten Gene stammen aus dem Menschen bzw. Tierarten wie Schweinen, Rindern oder Kaninchen. Nach Ansicht von Andreas Bauer, Agrarwissenschaftler und Gentechnikreferent beim Umweltinstitut München e.V. ist es ausgeschlossen, im Freiland die vollständige Kontrolle über gentechnisch veränderte Pflanzen zu behalten. "Eine Auskreuzung pharmazeutischer Wirkstoffe in Nahrungspflanzen könnte jedoch gravierende gesundheitliche Folgen für Menschen oder Tiere haben, die mit diesen Pflanzen in Berührung kommen. Kartoffelsalat mit Cholera-Genen stellt ein unakzeptables und völlig unnötiges Risiko für die Lebensmittelsicherheit dar", so Bauer. Das Umweltinstitut München e.V. fordert vom zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, den Antrag der Universität Rostock abzulehnen, und vom Bundesforschungsministerium, keine weiteren Mittel für die Pharma-Kartoffeln der Universität bereitzustellen. Das Umweltinstitut München e.V. ruft zu Einwendungen gegen den Freisetzungsversuch auf. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können hier auf dieser Seite eine Mustereinwendung als PDF-Datei herunterladen und ausdrucken. Unterschriebene Einwendungen müssen bis zum 20. April an das Umweltinstitut München e.V. zurückgeschickt werden. Die Einwendungen werden dann gesammelt weitergeleitet. (aktualisierte Fassung vom 14.3.2006)
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