Pressemitteilung / -Einladung vom 22. Oktober 2007
50 Jahre Atomforschungsreaktor - kein Grund zum Jubeln
50 Jahre Forschungsgelände Garching bedeutet 50 Jahre Atomreaktor vor den Toren Münchens. Es bedeutet auch 50 Jahre Schlampereien, Tricksereien, Vertuschungen und Verseuchungen ebenso wie harte Auseinandersetzungen der kritischen Öffentlichkeit einerseits und den unnachgiebigen Betreibern andererseits. Darüber wollen wir informieren und laden Sie am Dienstag Abend, den 23. Oktober 2007 zur Diskussion nach Garching ein.
Das "Atomei" aus den 1950er Jahren hat inzwischen ausgedient, heute ist es nur noch "Denkmal". Abgelöst wurde es vom neuen Forschungsreaktor München II (FRM-II). Das Projekt war von Beginn an in Politik und Fachwelt höchst umstritten, wurde es doch mit hochangereichertem, also waffenfähigem Uran als Brennstoff (93 % Anreicherung) konzipiert. Damit sind die Garchinger Reaktorplaner ausgeschert aus dem bereits Ende der 1970er Jahre aufgelegten internationalen Programm RERTR (Reduced Enrichment for Research and Test Reactors). Ziel dieses Abkommens war es, hoch angereichertes Uran (HEU) aus dem zivilen Kreislauf herauszunehmen, um die Proliferationsgefahr, den Handel und die Weiterverbreitung von waffenfähigem Material, zu unterbinden. Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München: "Würde der FRM-II nicht in Deutschland sondern im Irak, Iran oder in einem anderen so genannten Schurkenstaat stehen, er wäre längst im Visier der "Terrorbekämpfer" – und Grund genug für einen Angriffskrieg".
Die Betriebsgenehmigung, die mit Zustimmung der obersten Aufsichtsbehörde, des Bundesumweltministeriums erteilt wurde, enthält allerdings die Auflage, dass der FRM-II bis Ende 2010 auf nicht waffentauglichen Brennstoff umgerüstet werden muss. Die Technische Universität München als Betreiberin ist aber lediglich bereit, auf einen Brennstoff mit geringerer Urananreicherung (ca. 50%) umzusteigen, der noch immer als hoch angereichert – also waffentauglich gilt. Dazu Karin Wurzbacher, Physikerin im Umweltinstitut München: "Eine Umrüstung auf niedrig angereichertes Uran bis maximal 20 % Anreicherung (LEU) ist sinnvoll und technisch möglich. Eine Umrüstung auf höher angereichertes Uran, so wie es die Betreiberin wünscht, ist keine Abrüstung in proliferationspolitischer Hinsicht."
"50 Jahre Forschungsgelände" nehmen wir zum Anlass, die Entstehungsgeschichte vom Atomei bis zum Forschungsreaktor FRM-II kritisch zu beleuchten. Das Umweltinstitut München e.V. lädt zusammen mit den Bürgern gegen Atomreaktor Garching e.V., den Müttern gegen Atomkraft e.V. in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung, Bayerisches Bildungswerk für Ökologie und Demokrafie in der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. zur Veranstaltung "50 Jahre Atomreaktor – kein Grund zum Jubeln" ein. Unsere Referenten werden nicht nur zur Entstehungsgeschichte vom Atomei bis zum FRM-II referieren, sondern auch zur Verwendung von hoch angereichertem, waffenfähigem Uran (HEU) in Garching und über Möglichkeiten und den derzeitigen Stand der Umrüstung auf niedrig angereichertes, nicht waffenfähiges Uran. Dabei wird der Focus auch auf die globalen Aspekte Abrüstungspolitik und Internationale Sicherheit gerichtet und die Proliferationsproblematik im Zusammenhang mit der zivilen Nutzung von HEU thematisiert.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Ort der Veranstaltung: Bürgerhaus, Bürgerplatz 3, 85748 Garching
Zeit: Dienstag, 23. Oktober 2007, 19 Uhr
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Christina Hacker, Karin Wurzbacher
Tel. (089) 30 77 49-11
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