Umweltinstitut München e.V.
  change to english
Umweltinstitut München fordert:

AKW Krümmel darf nicht mehr ans Netz
Störfall als Chance für eine echte Energiewende nutzen

München, 5. Juli - Erst fünf Tage nach dem Brand in einem Transformator im Atomkraftwerk Krümmel hat die zuständige Kieler Aufsichtsbehörde bekannt gegeben, dass auch der Reaktor selbst vom Brand betroffen war. Weil der Betreiber, der Energiekonzern Vattenfall, das Ausmaß der "Störung" zu vertuschen versucht hatte, fordert das Umweltinstitut München, das Atomkraftwerk nicht mehr ans Netz zu lassen. Vor dem Hintergrund der Reihe von Störfällen in den vergangenen Monaten muss endlich eine echte Energiewende eingeläutet werden.

Beinahe zeitgleich zum Brand in Krümmel war auch im sicherheitstechnisch mangelhaften AKW Brunsbüttel ein Feuer ausgebrochen. Brunsbüttel ist, wie Krümmel, ein Siedewasserreaktor, der im Vergleich zu den Druckwasserreaktoren weniger Sicherheitsreserven hat, und wird ebenfalls von Vattenfall betrieben. Der Konzern ist auch für den bauähnlichen Skandalreaktor Forsmark in Schweden verantwortlich. Weil sich in Krümmel die Unzuverlässigkeit des Betreibers einmal mehr bestätigt hat, fordert das Umweltinstitut München, dass Vattenfall die Betriebsgenehmigungen für seine Atommeiler entzogen werden. "Muss denn wirklich erst ein neuer GAU passieren, bevor auch die letzten Atombefürworter merken, dass Atomkraft gefährlich, weil nicht beherrschbar ist", fragt Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München. "Die jüngsten Beispiele sollten uns eine Warnung sein. Wir müssen uns unverzüglich von dieser Risikotechnik verabschieden."

Beim jüngsten Klimagipfel ist allerdings versäumt worden, die Weichen für eine menschen-, umwelt- und klimafreundliche Zukunft zu stellen. Auch wenn Minister Gabriel am Atomausstieg und die Kanzlerin wenigstens an der Koalitionsvereinbarung dazu festhalten - die Botschaft an die Energiekonzerne ist fatal: Bis zur nächsten Bundestagswahl ist Stillstand vereinbart. Danach könnte bei einem entsprechenden Wahlausgang die von der Union geforderte Laufzeitverlängerung von Altmeilern verhandelt werden.

Das ist das völlig falsche Signal an die Wirtschaft. Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut: "Die Energiewirtschaft hat unterschrieben, den vereinbarten Atomausstieg dauerhaft umzusetzen. Dafür hat sie reichlich Geschenke erhalten." So kann sie etwa über ihre immensen Rückstellungen für Stilllegung und Endlagerung frei verfügen. Zudem gilt der vorgeschriebene Entsorgungsnachweis mit dem Bau der Zwischenlager als erfüllt, die Haftung für schwere Unfälle hat größtenteils der Staat übernommen, und die AKWs mussten nicht zum Schutz vor Terrorangriffen nachgerüstet werden.

Vereinbart war auch, dass ältere, besonders gefährdete Atomanlagen früher vom Netz gehen. Karin Wurzbacher: "Dies alles wird jetzt auf den Kopf gestellt: Anträge auf Laufzeitverlängerungen sind inzwischen gestellt, und zwar für die ältesten, störanfälligsten Meiler." Solange aber die Industrie hoffen darf, ihre Altmeiler als Gelddruckmaschinen behalten zu können, wird es keine Energiewende geben. Deshalb fordert das Umweltinstitut München, endlich eine klare verbindliche Richtungsentscheidung zu treffen und den Erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und dem Energiesparen den Vorrang zu geben. Auch das von der Atomlobby gerne bemühte Argument, nur die Atomkraft könne das Klima retten, muss endlich enttarnt werden. Das Umweltinstitut München hat unlängst aufgezeigt, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Im Gegenteil: Die Atomkraft führt endgültig in die Klimakatastrophe. Hier kann das Faltblatt "Klimaretter Atomkraft?" heruntergeladen werden.


Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Christina Hacker, Karin Wurzbacher
Tel. (089) 30 77 49-11
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können