Umweltinstitut München warnt vor Londons Atomplänen:
Kinderkrebs auch rund um britische AKWs
München, 14. Januar – Angesichts der Pläne Londons zum Neubau von Atomkraftwerken
warnt das Umweltinstitut München auch vor Krebserkrankungen bei Kindern in
Großbritannien. Verschiedene Untersuchen zeigen ähnlich alarmierende Ergebnisse wie die
Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" (KiKK), die Ende 2007 in
Deutschland für Aufsehen gesorgt hatte. Zudem stellt der Klimawandel ein völlig neues
Sicherheitsrisiko für Atommeiler auf der Insel dar.
In Großbritannien wurde schon in den 1980 Jahren nicht nur ein erhöhtes Krebsrisiko, sondern auch
eine signifikant höhere Mortalität bei Jugendlichen in der Umgebung von Atomanlagen festgestellt.
Alfred Körblein, promovierter Physiker und Autor der Analysen, die zur deutschen KiKK-Studie geführt
haben: "Die ersten Studien, die eine Häufung von Leukämiefällen belegen, kommen aus England. Da
es in Sellafield, dem früheren Windscale, zudem schwere Unfälle mit radioaktiver Freisetzung gegeben
hat, ist es unverständlich, dass sich gerade England zum Vorreiter für neue Atommeiler macht."
Auch eine im vergangenen August veröffentlichte US-Studie hat eine alarmierende Botschaft. Die so
genannte Metaanalyse wertete Daten aus 17 internationalen Studien der Jahre 1984 bis 1999 aus.
Sie kommt zu dem Schluss: Je näher der Wohnort an einem AKW liegt, desto höher ist die
Wahrscheinlichkeit für Kinder unter zehn Jahren, an Leukämie zu erkranken. Auch die Sterberate ist
signifikant erhöht. Untersucht wurde die Umgebung von 136 Atomkraftwerken in Deutschland,
Großbritannien, Frankreich, Spanien, Japan und den USA.
An Studien mit eindeutigen Hinweisen auf das gesundheitsgefährdende Potenzial von Atomanlagen
mangelt es also nicht. Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut München: "Die
Untersuchungen zeigen, dass auch britische Atomkraftwerke schon im Normalbetrieb ein
Gesundheitsrisiko darstellen. Ein Nachdenken über neue AKWs verbietet sich, denn jedes Kind, das in
der Nähe eines AKWs an Krebs erkrankt oder gar stirbt, ist ein Kind zuviel."
Ob die Londoner Ankündigung überhaupt umgesetzt werden kann, ist indes zweifelhaft. Christina
Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München: "Glaubt man der britischen Regierung, sollen die
neuen Meiler rein privat finanziert werden und keine staatlichen Subventionen bekommen. Für die
Betreiber wäre das völlig unattraktiv. Im Augenblick ist die Atom-Option aus London nichts als heiße
Luft." Die Kosten für neue AKWs würden zudem auf Grund des Klimawandels enorm steigen: Weil die
Atomanlagen alle in der Nähe der Küste gebaut werden sollen, müssten wegen des steigenden
Meeresspiegels aufwändige Flut-Schutzmaßnahmen getroffen werden. Das gibt Anlass zur besonderen
Sorge, sollten die britischen Pläne tatsächlich verwirklicht werden. Karin Wurzbacher: "Ein neues und
zusätzliches Risiko, denn es ist denkbar, dass ein Betreiber ohne staatliche Unterstützung diese
Zusatzkosten an anderen sicherheitsrelevanten Punkten einsparen wird."
Das Umweltinstitut München fordert angesichts der offenkundigen Risiken der Atomenergienutzung,
auf jeglichen Neubau zu verzichten und alle bestehenden Atomanlagen schnellstmöglich stillzulegen.
Christina Hacker: "Großbritannien wäre, wie alle AKW-Betreiber-Staaten, gut damit beraten, besser in
den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu investieren als in eine gefährliche Dinosauriertechnologie."
Informationen über das Umweltinstitut München finden Sie unter:
www.umweltinstitut.org/selbstdarstellung
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Christina Hacker, Karin Wurzbacher
Tel. (089) 30 77 49-11
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