Forschungsreaktor Garching:
Waffenfähiges Uran bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag?
Umweltinstitut München fordert Abrüstung und den Rücktritt des Projektsleiters
München, 12. September – Die Technische Universität München wird ihre
Genehmigungsauflage, den Forschungsreaktor FRM-II bis Ende 2010 auf niedriger
angereichertes Uran umzurüsten, nicht einhalten. Das ist durch einen Besuch von
Umweltminister Gabriel in Garching bei München bekannt geworden.
Der FRM-II steht international in der Kritik, weil er hoch angereichertes, also waffenfähiges Uran als
Brennstoff verwendet. Die weltweiten Bestrebungen des internationalen Programms zur
Nichtverbreitung von Atomwaffen, bestehende Atomanlagen auf niedrig angereichertes Uran
umzurüsten, werden in Garching untergraben.
Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München, kritisiert: "Die TU München torpediert das Ziel
der internationalen Staatengemeinschaft, einen Markt für hoch angereichertes Uran zu unterbinden."
Würde der FRM-II nicht in Deutschland sondern im Iran oder einem anderen so genannten
Schurkenstaat stehen, er wäre längst im Visier der "Terrorbekämpfer" – und Grund genug für einen
Angriffskrieg, so Hacker.
Aus gutem Grund wurde in der Genehmigung des FRM-II und in einer Vereinbarung zwischen dem
Bund und dem Land Bayern festgelegt, dass in Garching bis Ende 2010 auf einen niedriger
angereicherten Brennstoff umgerüstet werden muss. Die Garchinger Betreiber sind in der
Verpflichtung, einen entsprechenden Brennstoff unter 50 Prozent Urananreicherung rechtzeitig bis
2010 zu entwickeln und auszutesten. Bei Nichteinhaltung wurde eine Abschaltung des Reaktors in
Aussicht gestellt.
Etwas mehr als ein Jahr vor Fristablauf steht fest, dass der Termin nicht eingehalten werden kann. Die
TU München nennt Schwierigkeiten bei der Entwicklung als Grund. Karin Wurzbacher, Physikerin am
Umweltinstitut München: "Das rechtfertigt nicht, die Umrüstung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu
verschieben. Schließlich hat Projektleiter Petry nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den FRM-II nur
mit hochangereichertem Uran betreiben will." Nach heutigem Stand der Entwicklung sei 2016 ein
realistischer Termin. "Wenn Herr Petry so wenig Engagement zeigt, dass er die Umrüstung nicht
einmal bis 2018 in Aussicht stellen kann, so sollte er die Projektleitung unverzüglich an einen
ambitionierteren Kollegen abgeben." Das Umweltinstitut München fordert zudem, Brennstoff mit einer
Uran-Anreicherung von unter 20 Prozent zu entwickeln. Denn nur dieser gilt als nicht waffentauglich
und erfüllt die Anforderungen der internationalen Abrüstungsbemühungen.
Informationen über das Umweltinstitut München finden Sie unter:
www.umweltinstitut.org/selbstdarstellung
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Christina Hacker, Karin Wurzbacher
Tel. (089) 30 77 49-11
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