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Böse
Überraschung zu Weihnachten:
Cholera-Gene auf ostdeutschen Äckern
Die Universität
Rostock will genmanipulierte Pharma-Kartoffeln anbauen
München, 23.
Dezember – Die Universität Rostock will von 2009 bis
2012 einen
Freilandversuch mit genmanipulierten Kartoffeln in Ostdeutschland
durchführen. Die
Pflanzen sollen Arzneimittel produzieren. Einen entsprechenden Antrag
hat heute das
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
(BVL) veröffentlicht.
Einem Teil der Pflanzen wurden Gene des Cholera-Bakteriums eingebaut.
Sie sollen einen Impfstoff
bzw. ein Impfstoff-Hilfsmittel herstellen. Andere Gen-Kartoffeln sollen
einen Impfstoff gegen die
Kaninchenseuche RHD produzieren, eine weitere Linie den Stoff
Cyanophycin. Dieser könnte laut
Antrag der Universität Rostock, der dem Umweltinstitut
München vorliegt, in der Bau- oder
Waschmittelchemie eingesetzt werden. Der Versuch soll an den Standorten
Üplingen (Sachsen-Anhalt)
und Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) durchgeführt werden.
In Üplingen sollen die Pharma-
Kartoffeln sogar in einem Gentechnik-Schaugarten wachsen und ohne
besondere
Sicherheitsvorkehrungen unter anderem Schulklassen gezeigt werden.
Das Umweltinstitut München lehnt den Anbau genmanipulierter
Pharma-Pflanzen strikt ab und fordert
von Landwirtschaftsministerin Aigner und dem ihr unterstellten BVL als
Genehmigungsbehörde, das
geplante Experiment der Universität Rostock zu unterbinden.
Nach Ansicht von Andreas Bauer,
Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München, ist es
ausgeschlossen, im Freiland die Kontrolle
über gentechnisch veränderte Pflanzen zu behalten.
Eine Kontamination der Lebensmittelkette durch
Pharmazeutika produzierende Pflanzen sei daher nicht
auszuschließen. „Pharma-Pflanzen haben nichts
auf dem Acker zu suchen, zumal wenn der öffentlich
zugänglich in einem Gentechnik-Schaugarten
liegt. Die Sicherheit unserer Lebensmittel darf durch die riskante
Ausweitung der Agro-Gentechnik
nicht noch weiter gefährdet werden“, so Bauer.
Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München,
kritisiert zudem den Zeitpunkt des
Auslegungsbeginns: „Es ist ein Skandal, dass die Auslegungs-
und Einwendungsfrist einen Tag vor
Weihnachten beginnt. Das legt den Verdacht nahe, dass hier
klammheimlich und ohne großes
Aufsehen ein hoch brisanter Versuch durchgewinkt werden soll.
Ministerin Aigner muss die Serie der
gentechnikfreundlichen Entscheidungen ihrer Behörde endlich
stoppen und dem Schutz von
Gesundheit und Umwelt Geltung verschaffen.“ Nestler ruft zu
Protestschreiben an
Landwirtschaftsministerin Aigner und zu Einwendungen gegen das geplante
Experiment bei der
zuständigen Genehmigungsbehörde auf. Eine
E-Mail-Protestaktion sowie eine Mustereinwendung
stellt das Institut unter der Adresse
www.umweltinstitut.org/cholerakartoffel zur Verfügung.
Dass der Widerstand gegen riskante Experimente mit Pharma-Pflanzen in
Deutschland erfolgreich sein
kann, zeigt der massive Protest gegen Freilandversuche in den
vergangenen Jahren. Mehr als
100.000 Menschen haben sich an den Aktionen des Umweltinstituts
München gegen genmanipulierte
Pflanzen beteiligt. 75.000 Einwendung allein gegen genmanipulierte
Pharma-Erbsen in Gatersleben
(Sachsen-Anhalt) hatten dazu geführt, dass das freisetzende
Unternehmen, die Novoplant GmbH, in
der Folge keine Geldgeber mehr fand. Es musste zu Beginn des Jahres
2008 Insolvenz anmelden.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Andreas Bauer
Tel. (089) 30 77 49-14
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