30
Jahre nach dem Beinahe-GAU im AKW Harrisburg:
Atomunfälle auf der Tagesordnung
Auch in deutschen Reaktoren häufen sich in jüngerer
Vergangenheit die Zwischenfälle
München, 25. März – Am Samstag
jährt sich zum 30. Mal der schwerste Atomunfall in der
Geschichte Amerikas. Die partielle Kernschmelze im AKW Three Mile
Island in der Nähe von
Harrisburg gehört zusammen mit dem GAU von Tschernobyl zu den
bekanntesten Unfällen
in der Geschichte der Atomkraft. Dass bis heute nicht noch mehr
passiert ist, hat nur mit
Glück zu tun.
Der Unfall der Stufe 5 auf der siebenstufigen INES-Skala ereignete sich
am 28. März 1979. Auslöser
war ein kleines Leck im Reaktorsystem, das erst erkannt wurde, nachdem
der nukleare Brennstoff im
Reaktorkern schwer beschädigt war und zu schmelzen begann.
Radioaktivität wurde freigesetzt und
Menschen mussten evakuiert werden, weil die überforderte
Betriebsmannschaft von Three Mile Island
nicht in der Lage war, angemessen zu reagieren. Die Beseitigung der
havarierten Anlage dauerte über
zwölf Jahre und soll etwa eine Milliarde Euro gekostet haben.
Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München:
„Harrisburg und Tschernobyl sind zwar die
prominentesten AKW-Unfälle, doch sie sind bei weitem nicht die
einzigen. Und oft genug haben wir
dabei einfach großes Glück gehabt.“
Bedenklich ist, dass sich die Zwischenfälle in Atomkraftwerken
in
der jüngeren Vergangenheit häufen – auch in
deutschen Atomkraftwerken.
So zerfetzte im Dezember 2001 im AKW Brunsbüttel in
unmittelbarer Nähe zum Reaktordruckbehälter
eine schwere Wasserstoffexplosion ein Rohr auf einer Länge von
knapp drei Metern. Eine solche
Explosion hatte man für unmöglich gehalten.
Mittlerweile ist Brunsbüttel wegen einer Reihe von
Mängeln schon seit zwei Jahren nicht mehr in Betrieb.
Im schwedischen AKW Forsmark kam es 2006 zu einem Kurzschluss und dem
Versagen der
Notstromdiesel. Im Juni 2007 misslang im AKW Krümmel infolge
eines Trafobrands eine geregelte
Schnellabschaltung, woraufhin die interne Notstromversorgung ausfiel.
Der Reaktor steht seitdem still.
Zwei extrem kritische Vorfälle, denn wenn die Stromversorgung
zusammenbricht und ein Reaktor nicht
mehr gekühlt wird, kann es schnell zu einer Kernschmelze
kommen. Das AKW Forsmark stand kurz
davor.
In der französischen Atomanlage Tricastin trat 2008 eine
große Menge mit Uran kontaminiertem
Wasser aus und verseuchte das Grundwasser und drei nahe
Flüsse. Kurz danach wurde in zwei
weiteren Atomanlagen in Frankreich Radioaktivität freigesetzt.
Ebenfalls 2008 wurden unglaubliche Schlampereien um das deutsche
„Forschungsendlager“ Asse
aufgedeckt, die jahrzehntelang die versuchsweise Einlagerung von
Atommüll begleiteten. Kaputte
Fässer, die im Salz vor sich hinrosten, mit radioaktivem
Inventar, das niemand genau kennt, und das
alles in einsturzgefährdeten Schächten. Ob die
katastrophalen Zustände ohne weiteren Schaden
beseitigt werden können und der strahlende Müll
wieder geborgen werden kann, ist immer noch
ungewiss. Die Asse galt als Versuchsanlage für Gorleben. Der
Salzstock Gorleben soll nach dem
Willen der Atomlobby einmal den heißen und hoch aktiven
Atommüll für eine Million Jahre sicher
verwahren. In der Asse gelang das noch nicht einmal für 30
Jahre.
Für Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut
München, zeigt die Geschichte der Atomenergie,
dass schwere Unfälle nicht verhindert werden können.
„Je älter die Anlagen werden, desto
größer wird
das Risiko eines Unfalls mit schwerwiegenden Konsequenzen. Insbesondere
bei den in die Jahre
gekommenen AKWs Biblis A und B, Neckarwestheim 1, Brunsbüttel
und Isar 1 verbietet sich deshalb
30 Jahre nach Harrisburg jede Diskussion um
Laufzeitverlängerungen. Ein Ausstieg aus dem Ausstieg
wäre blanker Wahnsinn.“
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Karin Wurzbacher, Christina Hacker
Tel. (089) 30 77 49-11
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