PM_2009_07_10
Tarnkappe Klimaschutz
Vattenfall-Chef Josefsson
will als UN-Beauftragter seinen Konzern retten – nicht das
Klima
München, 10. Juli – UN
Generalsekretär Ban
Ki Moon hat der Umwelt mit der Berufung des
Vattenfall-Chefs Lars Göran Josefsson als Berater in
Klimaschutzfragen einen Bärendienst
erwiesen. Denn der schwedische Energiekonzern Vattenfall setzt weiter
vor allem auf die
klimaschädliche Braunkohle und pannenträchtige
Atommeiler wie Krümmel und Brunsbüttel.
Josefssons vorgeschobenes Engagement für das Klima ist
Lobbyarbeit in eigener Sache.
„Jemand, der rückwärtsgewandt nur auf
klimaschädliche und gefährliche Steinzeittechnologien
setzt,
ist als Klimaschutzberater untauglich“, meint Christina
Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München.
Josefsson soll künftig nicht nur die Vereinten Nationen
beraten, er ist auch bei Bundeskanzlerin Merkel
ein willkommener Gast und berät die Bundesregierung in
Energie- und Klimafragen. „Kohle und Atom
sollen laut Josefsson das Klima retten. In Wirklichkeit sollen sie
Vattenfall retten. Das grüne
Mäntelchen von Herr Josefsson ist ziemlich
durchsichtig.“
In Schweden, dem Heimatland von Vattenfall, ist der Konzern erst
kürzlich von der
Wirtschaftsministerin gerügt worden und muss jetzt mehr in
regenerative Energien investieren. In
Deutschland und Polen setzt Josefsson weiter nahezu
uneingeschränkt auf Atom und Kohle. „Dass
Vattenfall gleichzeitig eine klimaneutrale Energieerzeugung bis 2050
propagiert, ist frech“, meint
Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut München. Gelder
für alte Atommeiler,
Kohlekraftwerke und unterirdische CO2-Speicherung als
Umweltinvestitionen zu bezeichnen, sei in
Wirklichkeit ein Umweltbluff, so Wurzbacher.
Die jüngsten Störfälle im 26 Jahre alten
Pannenreaktor Krümmel kommen Josefsson in dieser
Situation ungelegen. In dem AKW südöstlich von
Hamburg war es beim Anfahren zweimal zu einer
Reaktorschnellabschaltung gekommen – und das nach
zweijährigem Stillstand und angeblich
umfassenden Reparaturarbeiten. Beim zweiten Versuch hatte es einen
Kurzschluss in einem Trafo
gegeben. Dasselbe Problem hatte 2007 zu einem Brand und in der Folge
zur Abschaltung geführt.
„Was Vattenfall hier vorführt, ist an Dreistigkeit
kaum zu überbieten und erfordert endlich
Konsequenzen“, sagt Christina Hacker.
„Krümmel ist nicht nur berüchtigt wegen der
vielen
Leukämiefälle in der direkten Umgebung. Es ist
erwiesenermaßen überflüssig, denn obwohl es
zwei
Jahre lang nicht am Netz war, hat Deutschland einen deutlichen
Überschuss produziert und Strom
exportiert.“
Der Betreiber Vattenfall hat seine Unzuverlässigkeit einmal
mehr unter Beweis gestellt. Nach den
skandalösen Störfällen der letzten Tage und
der katastrophalen Informationspolitik muss die
Abschaltung als letzte Konsequenz endlich vollzogen werden. Und Lars
Göran Josefsson muss seinen
Hut nehmen, als Atomchef und als „Klimaberater“.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Christina Hacker, Karin Wurzbacher
Tel. (089) 30 77 49-11
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
|