PM_2009_10_29
23
Jahre nach Tschernobyl:
Strahlende Pfifferlinge aus der
Fußgängerzone
Umweltinstitut
München weist hohe radioaktive Belastung von Pilzen nach
München, 29.
Oktober – In der Münchner
Fußgängerzone sind in der vergangenen Woche
Pfifferlinge mit deutlich erhöhten Strahlenwerten verkauft
worden. Das Umweltinstitut
München hat im Rahmen einer Stichprobenuntersuchung eine
Cäsium-137-Belastung von
knapp 1400 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg) Frischmasse nachgewiesen.
Der EUGrenzwert
liegt bei 600 Bq/kg. Die Pilze waren mit der Herkunftsbezeichnung
„Karpaten“
deklariert.
„Diese Ware hätte nicht in den Handel gelangen
dürfen“ sagt Christina Hacker, Vorstand im
Umweltinstitut München. „Das zeigt, dass die
Verbraucherinnen und Verbraucher sich auf die
Einhaltung der Grenzwerte nicht immer verlassen
können“. Ungesetzlich ist zudem auch die
Deklarierung, denn in der Herkunftsbezeichnung muss ein Ursprungsland
genannt sein.
Sofort nach dem Fund hatte das Umweltinstitut München weitere
Pilzproben aus der Großmarkthalle
München gemessen. Dabei wurden keine weiteren
Grenzwertüberschreitung festgestellt. Allerdings lag
eine Probe von Pfifferlingen aus Weißrussland mit 590 Bq/kg
Frischmasse knapp unter dem
Grenzwert. Eine weitere, ebenfalls aus Weißrussland, wies den
geringsten Cäsium-137 Wert auf: Sie
war mit nur 14 Bq/kg belastet.
Pilze, die deutlich über dem EU-Grenzwert liegen, sind auch in
Südbayern immer noch zu finden. Die
routinemäßigen Messungen des Umweltinstituts
erbrachten in diesem Jahr wieder Spitzenwerte von
1300 Bq/kg bei Maronen aus der Gemeinde Dietramszell und von 1900 Bq/kg
bei
Semmelstoppelpilzen vom Ammerland. Diese Sorten sind dafür
bekannt, dass sie das Cäsium sehr gut
aufnehmen. Steinpilze und Pfifferlinge aus der selben Gegend sind
vergleichsweise weniger belastet.
Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut, weist allerdings darauf
hin, dass der EU-Grenzwert
nichts über die gesundheitliche Bedenklichkeit aussagt.
„Bei der Radioaktivität ist es leider so, dass es
keinen Schwellenwert gibt, der die Grenze zwischen
‚unbedenklich’ und
‚gesundheitsgefährdend’
angibt.“ Deshalb solle so wenig zusätzliche
Radioaktivität wie möglich aufgenommen werden.
„Das
gilt vor allem für Kinder, Schwangere und Menschen mit
schwachem Immunsystem“.
Christina Hacker fordert die Kontrollbehörden auf, Pilze, die
auf den Markt kommen, schärfer zu
überwachen. „Die Problematik der Strahlenbelastung
durch den Tschernobyl-Unfall vor allem bei
Pilzen ist durchaus bekannt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher
müssen sich darauf verlassen
können, dass die Pilze, die sie kaufen, zumindest den
EU-Grenzwert einhalten.“
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Karin Wurzbacher, Christina Hacker
Tel. (089) 30 77 49-11
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