PM_2010_06_02
Merkels Haushaltskonsolidierung:
Deutschland wird an die Atomkonzerne verkauft
München, 2. Juni – Bundeskanzlerin Merkel plant, in einer Hau-Ruck-Aktion die
Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke (AKW) zu verlängern. Die Atomindustrie
lockt mit dem Angebot, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zukünftige
Gewinne aus der Laufzeitverlängerung vorfinanziert und als Darlehen an die
Regierung sofort auszahlt. Die Atomkonzerne würden dieses Darlehen dann im
Laufe der kommenden Jahre und Jahrzehnte mit ihren Extragewinnen tilgen. Das
Umweltinstitut München fordert Bundeskanzlerin Merkel auf, diese Pläne
aufzugeben und Deutschland nicht an die Atomkonzerne zu verkaufen.
Bundeskanzlerin Merkel möchte die Debatte über die Laufzeitverlängerung von
Atomkraftwerken offenbar über´s Knie brechen. Eine Entscheidung soll bis zum
Wochenende fallen. Im Vorfeld berät sich die Kanzlerin nur mit den fünf
Ministerpräsidenten der Länder, die Atomkraftwerke betreiben.
„Die Verlockung ist sicher groß, mit dem schnellen Geld den desolaten Bundeshaushalt zu
sanieren“, kritisiert Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München. „Wenn sich
Frau Merkel darauf einlässt, hätten die Atomkonzerne nicht nur die jetzige, sondern auch
jede künftige Regierung in der Hand. Würde die Laufzeitverlängerung wieder
zurückgenommen, könnten die Konzerne das Darlehen nicht zurückzahlen und der Staat,
sprich die Bürgerinnen und Bürger, bliebe auf den Darlehens-Kosten sitzen.“
Ob diese Winkelzüge rechtlich Bestand haben werden, ist fraglich. Offen ist unter
anderem, ob die Entscheidung den Bundesrat passieren muss oder nicht. Ebenso die
Frage, ob eine langjährige Abnahmegarantie nicht einen massiven Eingriff in den
Wettbewerb im liberalisierten Strommarkt bedeute, was einige Stadtwerke im Falle einer
Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke bereits angemahnt haben. Klagen gegen eine
Laufzeitverlängerung sind von mehreren Seiten bereits angekündigt. Auch das
Umweltinstitut wird diese Möglichkeit prüfen.
Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut München erklärt: „Die Regierung soll
endlich zur Kenntnis nehmen, dass Atomkraft in Deutschland nicht gewollt ist und auch
nicht gebraucht wird.“ Die alternden Atommeiler würden das Risiko eines schweren Unfalls
vergrößern und immer mehr hochradioaktiven Atommüll erzeugen, für den es weltweit kein
Endlager gibt. Dies sei nicht zu verantworten.
Das Umweltinstitut München fordert die Bundesregierung auf, die
Laufzeitverlängerungspläne ein für allemal aufzugeben und stattdessen den Atomausstieg
voranzutreiben. Denn Atomkraft blockiert eine nachhaltige, zukunftsfähige Energiepolitik.
Statt alte, marode Meiler länger am Netz zu lassen, müssen die Erneuerbaren Energien
zügig ausgebaut werden.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Karin Wurzbacher, Christina Hacker
Tel. +40 (0)178 3067068 oder +49 (0)170 7592158
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
|