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Umweltinstitut München kritisiert Klientelpolitik für deutsche
Automobilwirtschaft
Spritschlucker grün lackiert
München, 11. Juli 2011 – Der Bundesrat genehmigte am Freitag
eine neue PKW-Effizienzkennzeichnung. Diese begünstigt schwere Spritschlucker und
verstößt womöglich sogar gegen europäisches Recht. „Der Kauf besonders
umweltschädlicher Autos wird durch die neue Verordnung befördert“, sagt Antje Wagner,
Referentin für Energie am Umweltinstitut München. „Die neue Verordnung trägt klar die
Handschrift der deutschen Automobilwirtschaft.“
Denn in welche der Effizienzklassen von A+ (besonders effizient) bis G (ineffizient) ein Auto
eingeteilt wird, ergibt sich gemäß der neuen Kennzeichnung aus der Relation von Gewicht und
Verbrauch, wie vom Verband der deutschen Automobilwirtschaft explizit gefordert. Denn die
deutschen Autobauer verkaufen immer mehr schwere und damit umweltschädliche Geländewagen
(Sport Utility Vehicle – SUV). Jeder siebte Neuwagen ist ein SUV, Tendenz steigend. Diese
Entwicklung wird durch die neue Effizienzkennzeichnung unterstützt.
Nach Berechnungen des Verkehrsclub Deutschland bekommt der Porsche Cayenne Hybrid, ein 2,25
Tonnen schwerer Geländewagen mit einem CO2-Austoß von 193 g/km, nach der neuen Regelung die
Kennzeichnung B. Kleinwagen wie der Toyota Aygo, Citroen C1 und Peugeot 107 mit einem CO2-Ausstoß
von 106 g/km bekämen hingegen ein D. Selbst der 62-Tonnen-Panzer Leopard 2 von 218 l/100 km
würde nach der neuen Kennzeichnungsverordnung noch in Effizienzklasse E eingestuft.
Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe ist die Berechnung der Effizienz auf Basis des
Fahrzeuggewichts sogar rechtswidrig, da sie die Ziele der EU-Richtlinie unterläuft, den
Verbraucher transparent zu informieren und seine Kaufentscheidung zugunsten CO2-reduzierter
Fahrzeuge zu beeinflussen.
Da Autokäufer ein Fahrzeug nicht nach dem Gewicht, sondern nach Kriterien wie Größe,
Spritverbrauch oder Sozialprestige bewerten, wäre eine Effizienzkennzeichnung abhängig von der
Fahrzeuggrundfläche sinnvoll, wie sie von zahlreichen Umweltverbänden vorgeschlagen
wurde. Dies würde eine echte Effizienzbewertung innerhalb der unterschiedlichen Fahrzeugtypen vom
Kleinwagen bis zur Luxuslimousine ermöglichen und damit die prestigeträchtige grüne
Note an die absolut sparsamsten Autos jeder Klasse vergeben.
Ein weiterer Kritikpunkt des Umweltinstitut München: Die Einführung der Klasse A+ und
später auch A++ und A+++. Damit werden Autos gekennzeichnet, welche die Anforderungen der
Klasse A übertreffen. Doch schon am Beispiel der Effizienzkennzeichnung für
Elektrogeräte zeigte sich: Die „+“ - Klassen verwirren den Verbraucher. So sind mittlerweile
die meisten Elektrogeräte in der Effizienzklasse A. Trotzdem wird die A-Note von den
Verbrauchern – zu Unrecht – als Auszeichnung empfunden. Und dieses ineffiziente System der
Verbraucherverwirrung wird nun für die PKW-Effizienzkennzeichnung übernommen.
Das Umweltinstitut München fordert, die Verordnungen zur Energieeffizienzkennzeichnung so
zu überarbeiten, dass absolut weniger Energie verbraucht wird. Bis dahin müssen sich
Verbrauchern, die objektive Ergebnisse über Kraftstoffverbrauch und Umweltwirkung eines PKW
suchen, vor dem Kauf weiterhin beim ADAC EcoTest oder der VCD-Auto-Umweltliste informieren.
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Rückfragen gerne an:
Umweltinstitut München e.V.
Antje Wagner
Referentin Energie und Klima
Tel. (089) 30 77 49 – 29
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Informationen über das Umweltinstitut München finden Sie unter: www.umweltinstitut.org
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