Das Faltblatt zum Download (pdf):
Klimaretter Atomkraft ?
Mit Volldampf in die Katastrophe
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Was tun gegen den Klimawandel?
Die Frage ist nicht mehr, ob es tatsächlich einen Klimawandel
gibt. Er hat uns längst eingeholt. Seine Ursache
liegt im Anstieg der Konzentration von Treibhausgasen in
der Atmosphäre. Dazu kommt es unter anderem durch die
Verbrennung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas,
wobei Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird. Vor allem unser
hoher Energiebedarf seit Beginn der Industrialisierung hat
dazu beigetragen, dass sich der Treibhauseffekt verstärkt
hat. Folge dieses Effekts: Die Durchschnittstemperaturen
auf der Erdoberfläche steigen – begleitet von extremen
Wetterverhältnissen wie Wirbelstürmen, Hochwasser und
Dürreperioden. Die Frage lautet deshalb: Was müssen und
können wir gegen den Klimawandel tun?
Als möglicher Klimaretter wird gern die Atomkraft bemüht,
denn nuklear erzeugter Strom hat den scheinbaren
Vorteil, dass er vergleichsweise CO2-arm erzeugt wird.
Egal, ob Öl teurer wird, Russland den Gashahn zudreht
oder eine neue Klimastudie vorliegt – reflexartig wird der
Ruf nach Atomkraft laut. Atomkraftwerke (AKWs) erzeugen
aber ausschließlich Strom, während Öl vorrangig als
Treibstoff und Gas großteils zum Heizen eingesetzt wird.
Diese fossilen Energieträger stehen nicht in direkter Konkurrenz
zur Atomkraft.
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Wer an der Atomenergie festhält, verliert Zeit und Geld
für die notwendige Umstrukturierung in eine nachhaltige
Energieversorgung – zum Beispiel mit Windenergie. (Foto: BMU / Böhme)
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Atomenergie – ein Nischendasein
Weltweit wurden im Jahr 2005 nur zwei bis drei Prozent des
Gesamtenergieverbrauchs nuklear erzeugt. Damit schneidet
Atomenergie im Vergleich zu Erneuerbaren Energien
schlecht ab: Denn Energie aus Sonne, Wind & Co. kam
schon auf 20 Prozent. Global gesehen ist Atomstrom als
Klimaretter damit bedeutungslos.
Die Euphorie um die Atomenergie ist spätestens seit
Tschernobyl vorbei. Weltweit waren nach Angaben der Internationalen
Atomenergiebehörde Anfang 2007 435 AKWs in
Betrieb, sechs weniger als ein Jahr zuvor. Zudem sind sie
stark überaltert: 327 von ihnen laufen seit mehr als 20 Jahren,
114 sogar seit über 30 Jahren. Jünger als zehn Jahre
sind nur 33. Anfang 2007 waren weltweit 29 Blöcke in Bau,
elf davon schon seit 20 Jahren oder länger. Bauruinen, Fertigstellung
ungewiss.
Unter der großzügigen Annahme, dass die durchschnittliche
Laufzeit eines AKWs etwa 40 Jahre beträgt, müssten innerhalb
der nächsten zwei Jahrzehnte drei Viertel aller laufenden
Anlagen stillgelegt werden. Nur um den Status Quo aufrecht
zu erhalten, müssten in den kommenden 20 Jahren
also mehr als 300 neue AKWs gebaut werden. Ein illusorisches
Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die gesamte
Bauzeit eines AKWs, von der Ankündigung bis zur Stromeinspeisung,
mindestens zehn Jahre beträgt.
Einsparpotenzial zu gering
Verschiedene Studien haben das CO2-Einsparpotenzial durch
Atomstromerzeugung untersucht. Ergebnis: Eine Verdreifachung
der AKW-Leistung bis zum Jahr 2050 würde rund
fünf Milliarden Tonnen CO2 einsparen – verglichen mit dem
Ausbau der Stromerzeugung auf der Basis herkömmlicher
Kohle- und Gaskraftwerke. Klimaforscher fordern jedoch,
weltweit bis zum Jahr 2050 25 bis 40 Milliarden Tonnen
Kohlendioxid einzusparen. Eine Verdreifachung des bestehenden
AKW-Parks brächte also lediglich 12,5 bis 20 Prozent
dieser erforderlichen Reduzierung. Wenn Atomkraft aus Klimaschutzgründen
einen deutlich höheren Anteil am weltweiten
Energiebedarf abdecken wollte, müssten in kurzer Zeit
demnach mehrere Tausend neuer AKW gebaut werden – ein
unrealistisches Szenario.
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AKWs zu Freizeitparks. Der Schnelle Brüter in Kalkar
am Niederrhein wurde nie in Betrieb genommen. Nach
dem Verkauf wurde aus ihm das "Wunderland Kalkar". (Foto: Wunderland Kalkar)
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Auch Uran ist endlich
Fossile Brennstoffe sind endlich, auch der Rohstoff
Uran. Studien rechnen bei Beibehaltung des heutigen
Verbrauchs mit Reserven für etwa 70 Jahre. Rechnet
man die noch nicht erschlossenen geologischen Ressourcen
dazu, kommt man auf maximal 200 Jahre.
Wollte man den Atomstromanteil aus Klimaschutzaspekten
drastisch erhöhen, stünde der Brennstoff Uran
entsprechend kürzer zur Verfügung. Man müsste entweder
auf Thorium als Brennstoff umsteigen, das auch
nur endlich vorhanden ist, oder in die Schnelle-Brüter-
Technik samt Wiederaufarbeitung einsteigen. Beide
Varianten bergen unbeherrschbare Risiken und haben
zudem in der Praxis bereits versagt, wie z.B. das gescheiterte
deutsche Brüter-Projekt in Kalkar oder der
nie über den Probebetrieb hinausgegangene Thorium-
Hochtemperaturreaktor (THTR) in Hamm-Uentrop.
Der bereits eingesetzte Klimawandel würde auch die
Energieversorgung gefährden: AKWs brauchen zwingend
Kühlwasser, deshalb stehen sie an Küsten oder
Flüssen. Steigende Meeresspiegel und orkanartige
Stürme würden Millionen-Investitionen in Schutzmaßnahmen
erforderlich machen. Und die heißen Sommer
der letzten Jahre haben gezeigt, dass Atomanlagen
runtergefahren werden müssen, weil die Kühlung nicht
mehr gewährleistet werden kann. Die erhoffte Klimarettung
durch Atomkraft würde am schon existierenden
Klimawandel selbst scheitern.
Die endgültige Katastrophe
Wir brauchen keine Atomenergie, um die Klimakatastrophe
abzuwenden. Die Einsparpotenziale im Energiesektor
sind enorm, wir müssen sie nur nutzen. Klima
retten durch Atomenergie – das würde den Teufel
mit dem Beelzebub austreiben: Der Bedrohung durch
den Klimawandel mit all seinen katastrophalen Auswirkungen
steht das unbeherrschbare Risiko von Atomanlagen
mit der Möglichkeit verheerender Unfälle gegenüber.
Der globale Anteil der Atomenergie mit gerade
einmal zweieinhalb Prozent am Gesamtenergieverbrauch
ist viel zu gering, als Beitrag für einen wirksamen
Klimaschutz taugt er nicht. Selbst ein unrealistisch
starker Ausbau der Atomkraft könnte weltweit
nur marginal zur CO2-Einsparung beitragen. Mit dem
Festhalten an der Atomenergie würden wir nur wertvolle
Zeit und Finanzkraft für nachhaltig sinnvolle Maßnahmen
vergeuden. Die dringend notwendige Umstrukturierung
der Energieversorgung wäre damit blockiert.
Atomkraft würde uns endgültig in die Klimakatastrophe
führen.
Einen ausführlicheren Text zu dem Thema finden Sie hier....
Das Umweltinstitut München e.V. fordert:
- Eine nachhaltige Energieversorgung mit
erneuerbaren Energieträgern als Klimaretter
Für diese Ziele setzt sich das Umweltinstitut München e.V. ein:
- Den Atomausstieg zügig umsetzen
- Keine Laufzeitverlängerungen für Altmeiler
- Keine Neubauten von Atomkraftwerken
- Die zukunftsfähigen Erneuerbaren Energien
fördern
- Den Energieverbrauch reduzieren
- Die Energieeffizienz erhöhen, z.B. durch Kraft-
Wärme-Kopplung
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