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Tätigkeitsbericht für das Jahr 2005

Radioaktivität

Messprogramm
Für das langfristig angelegte Forschungsprojekt zur Ermittlung der Radioaktivität in Waldprodukten benötigen wir eine große Anzahl von Proben. Auch im Jahr 2005 hat sich unser Sonderservice wieder großer Beliebtheit erfreut: die kostenlose Messaktion von Waldfrüchten und Pilzen zwischen August und Oktober. Wegen des feuchten Sommers startete die Pilzsaison diesmal erst Ende August, reichte dafür aber bis weit in den Oktober hinein. Spitzenreiter bei den Messergebnissen waren einmal mehr die Maronenröhrlinge, deren Cäsium-Belastung zum Teil noch immer im vierstelligen Becquerel-Bereich pro Kilogramm Frischmasse (Bq/kg) lag. Den Höchstwert lieferten Maronen aus Oberösterreich mit knapp 3300 Bq/kg Cäsium-137, gefolgt von Maronen aus der Gegend um Zorneding mit mehr als 1300 Bq/kg und aus der Fürstenfeldbrucker Region mit 1050 Bq/kg. Bei Steinpilzen kamen die Spitzenreiter aus der Steiermark, sie wiesen eine Belastung von mehr als 2600 Bq/kg auf, Steinpilze aus Oberösterreich erreichten 650 Bq/kg und lagen damit auch noch über dem EU-Grenzwert von 600 Bq/kg Frischmasse. Bei Pfifferlingen war die Ausbeute an heimischen Proben gering, das Angebot auf den Märkten aber groß. Das Magazin Öko-Test hat diesmal eine ganze Reihe von Pfifferlingen, vorwiegend aus osteuropäischen Ländern, bei uns untersuchen lassen. Dabei fanden wir einen Ausreißer, der nicht in den Verkehr hätte gelangen dürfen: Eine Probe, ausgezeichnet mit Herkunft Litauen, wies einen Wert von mehr als 800 Bq/kg auf. Aus Litauen stammte auch die Probe mit dem niedrigsten Ergebnis, nämlich 0,4 Bq/kg. Das Umweltinstitut München e.V. wird diese Messreihe fortsetzen und den Verlauf der Pilz-Belastungswerte weiter verfolgen.
Erstmals gab der bayerische Umweltminister Schnappauf im Jahr 2005 keine Entwarnung mehr, dass Pilze im Freistaat grundsätzlich unbedenklich genießbar seien. Vielleicht hat unsere Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen, da wir seine Aussagen mit seinen eigenen Messergebnissen wiederholt widerlegen konnten. Inzwischen weist auch das Umweltministerium auf eine erhöhte radioaktive Belastung bei Maronenröhrlingen hin.
Unverändert gilt unsere Empfehlung für die "Risikogruppen" Kinder, Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem: die individuelle Strahlenbelastung minimieren und Lebensmittel, die radioaktiv belastet sein könnten, im Zweifelsfall meiden.
Neben Lebensmitteluntersuchungen führt das Umweltinstitut München e.V. auch gammaspektroskopische Untersuchungen von Boden-, Baustoff-, Niederschlags- und Luftproben durch. Mittels Aktivkohledosen als so genannten Passivsammlern untersuchen wir die Strahlenbelastung in Wohnräumen, die durch das radioaktive Edelgas Radon verursacht wird. Unsere Überwachung auf künstliche Radioaktivität in der Außenluft mit unserem Gammadosisleistungsmessgerät läuft nach wie vor rund um die Uhr. Die Ergebnisse unserer Lebensmitteluntersuchungen und der Verlauf der Gammadosis werden in unserem Mitgliederbrief, den Umweltnachrichten, veröffentlicht. Die Daten können auf unserer Homepage eingesehen werden. Dort finden Sie auch die Ergebnislisten unserer Waldprodukte-Untersuchungen der letzten Jahre.
Im Rahmen unserer freiwilligen Qualitätsüberwachung nahmen wir Ende 2005 wieder an einem Ringversuch teil, diesmal zur Bestimmung von Gammanukliden in Babynahrung. Betreut wurde er von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel. Das Ergebnis steht noch aus.

FRM-II
Die von drei Garchinger Bürger/innen eingereichte Klage gegen die Betriebsgenehmigung des Forschungsreaktors München II (FRM-II) wurde bereits im November 2004 abgewiesen. Allerdings wurden damals von den Kläger/innen gestellte Hilfsanträge von der Hauptverhandlung abgekoppelt, die dann im Sommer 2005 ohne Verhandlung ebenfalls abgewiesen wurden.
Im Juli 2005 präsentierte der Autor Armin Simon auf einer Pressekonferenz sein Buch über den FRM-II. Das atomare Kuckucksei stellt den Werdegang des international umstrittenen Atomforschungsreaktors ausführlich und eindrücklich dar. Für die Entstehung dieses Projekts leisteten wir umfangreichen Fach- und Sachbeistand. Da das Umweltinstitut München e.V. das Genehmigungsverfahren zum FRM-II von Anfang an kritisch begleitet hat, ist dieses Buch auch ein Stück unserer Geschichte. In den Umweltnachrichten 102/05 haben wir Das atomare Kuckucksei vorgestellt.
Nach wie vor unterstützt das Umweltinstitut München e.V. die Initiative Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V. und steht dem Bündnis gegen Atomreaktor Garching fachlich zur Seite. Auch nach der Inbetriebnahme des FRM-II können wir den Aktendeckel noch nicht schließen. Die Auflage der Bundesregierung, bis Ende 2010 von hochangereichertem, waffenfähigem Brennstoff auf niedriger angereicherten Brennstoff umzustellen, werden wir weiter verfolgen und einfordern. Einen ausführlichen Bericht zum Stand der Umrüstung gaben wir in den Umweltnachrichten 101/2005.

Zwischenlager
Die im Atomgesetz fixierte Regelung, dass ab Sommer 2005 keine abgebrannten Brennelemente mehr in die französische Aufarbeitungsanlage La Hague transportiert werden dürfen, hat den Bau der Standort-Lagerhallen für Atommüll beschleunigt. Trotz der 170.000 Einwendungen gegen die drei atomaren Zwischenlager in Bayern wurden die Genehmigungen mit einem Sofortvollzug ausgestattet.
Die Arbeit zu den Zwischenlagern nahm im Jahr 2005 großen Raum ein. Akteneinsicht, Beratung mit Klägern und Rechtsanwalt und schließlich die Mitarbeit bei der Gutachten-Erstellung beanspruchten viel Zeit. Die Klagen gegen alle drei bayerischen Lager wurden schließlich im Dezember 2005 am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof mündlich verhandelt. Zum Auftakt der Verhandlung am 13. Dezember begleiteten wir mit verschiedenen anderen Organisationen in einem eindrucksvollen Demonstrationszug eine "lebensgroße" Castor-Attrappe vom Münchner Hauptbahnhof zum Verwaltungsgerichtshof.

Mit einem Gutachten der Gruppe Ökologie e.V. und des Umweltinstitut München e.V. hatten die Kläger ausführlich dargelegt, dass weder die Hallenwände der Atommülllager noch die darin abgestellten heißen CASTOR-Behälter einen Flugzeugabsturz oder den Beschuss mit modernen panzerbrechenden Waffen überstehen würden. Das Urteil ist Anfang 2006 ergangen: Die Klagen wurden abgelehnt, eine Revision nicht zugelassen. Kläger/innen aus der Umgebung des Atomkraftwerks Gundremmingen haben dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingelegt.

Kinderkrebs um AKW
Unsere Studien zu erhöhten Kinderkrebsraten im Nahbereich von deutschen Atomkraftwerken haben den Anstoß gegeben für eine Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs und Fehlbildungen in der Umgebung von Kernkraftwerken, abgekürzt KiKK-Studie. Sie wird derzeit im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) erstellt. Die Studie ist in drei Teile gegliedert: Eine Fall-Kontroll-Studie ohne Befragung zu Krebs im Kindesalter, eine Fall-Kontroll-Studie mit Befragung und eine Machbarkeitsstudie für eine mögliche Fall-Kontroll-Studie zu angeborenen Fehlbildungen. Diese inzwischen abgeschlossene Machbarkeitsstudie führte im Jahr 2005 dazu, dass nun auch die Fehlbildungen im Umkreis von Atomkraftwerken untersucht werden. Durch unsere Mitarbeit im Beratergremium können wir die Studie kritisch begleiten und darauf achten, dass sie sorgfältig durchgeführt wird.

Niedrigdosisstrahlung
Im Frühjahr 2005 fand in Amman, Jordanien, ein Treffen zwischen deutschen und irakischen Wissenschaftlern statt, an dem unser Mitarbeiter Dr. Körblein teilnahm. Hintergrund ist die Problematik der Uranmunition, die u.a. im Irak-Krieg eingesetzt wurde. Das von den Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg (IPPNW) organisierte Treffen sollte dazu dienen, die Voraussetzungen für eine mögliche künftige Zusammenarbeit bei der Erforschung der Ursachen für die in den letzten Jahren deutlich angestiegenen Leukämieraten bei Kindern zu schaffen. Am Ende wurde eine Absichtserklärung für eine mögliche Zusammenarbeit vereinbart und ein Austausch von Wissenschaftlern geplant. Was davon umgesetzt werden kann, wird sich erweisen.

Tschernobyl-Folgen

Ein Anklicken des Bildes führt Sie zum Download-Bereich. Dort können Sie die Broschüre als PDF-Datei herunterladen.
Die Broschüre können Sie gerne auch in größeren Stückzahlen bei uns bestellen.

In 2005 konnten wir mit finanzieller Unterstützung der Stadt München eine neue Broschüre erstellen: Pilze und Wild - Tschernobyl noch nicht gegessen berichtet kompakt, gut verständlich und detailliert über die heute noch vorhandene radioaktive Belastung in Waldprodukten. Die Broschüre informiert Pilzesammler, Jäger und andere Interessierte über die - hauptsächlich durch den Tschernobyl-GAU verursachte - Radioaktivität in Böden, erläutert, warum sie im Wald weniger schnell abgebaut wird und klärt über Risiken beim Verzehr auf. Infografiken, die auf unseren Messungen basieren, zeigen die unterschiedliche radioaktive Belastung im Umkreis von München.

Vorträge und Pressearbeit
Einen Vortrag zu Atomenergie und alternativen Energien hielten wir im Oktober in einem Ottobrunner Altenheim. Das Interesse war bei den überwiegend älteren Herrschaften erfreulich rege, die anschließende Diskussion sehr lebhaft.
Auch im Jahr 2005 haben wir Interviews für Presse, Funk und Fernsehen gegeben. Ein Beitrag über die Renaissance der Atomkraft ist vom Westdeutschen Rundfunk als Fernsehinterview aufgezeichnet worden, konnte aber nicht - wie vorgesehen - in der Sendung Monitor ausgestrahlt werden. Grund dafür waren aktuelle Ereignisse, die dem Thema Atompolitik vorgezogen wurden. Ein Beitrag zur Belastung von Wildschweinen, den wir fachlich begleiteten, wurde dagegen in der Sendung Quer vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt.
Zur Fortbildung, aber auch zum "Einmischen" als kritische Begleiter haben wir Fachtagungen besucht, wie z.B. das Symposium Perspektiven der Energiewirtschaft - technisch, politisch, gesellschaftlich, zu dem die Bayerische Akademie der Wissenschaften im April in München eingeladen hatte. Im Juli nahmen wir an der Informationsveranstaltung Neue Energie für Arbeit, Mittelstand und Klima mit dem damaligen Bundesumweltminister Trittin teil, die von den bayerischen Grünen im Landtag organisiert worden war. Ebenfalls im Bayerischen Landtag besuchten wir Ende Oktober die Veranstaltung Strategien und Wege zur zukunftsweisenden Energieversorgung, die im Rahmen Dialog im bayerischen Landtag stattfand.
Eine Einladung zu einem Workshop erhielten wir vom Bundesamt für Strahlenschutz: Im Dezember diskutierten wir über die Leitlinien des Strahlenschutzes. Die Diskussion wird voraussichtlich im Jahr 2006 fortgesetzt.
Vorwiegend zum Feiern, aber auch zum fachlichen Austausch am Rande des Festes waren wir im September nach Darmstadt eingeladen, um mit den Mitarbeiter/innen und Gästen verschiedenster Organisationen den 25. Geburtstag des Öko-Institut zu feiern.

Neue Studien und aktuelle Berichte über Reformen, Novellen oder sonstige wichtige atom- oder energiepolitische Themen werden regelmäßig veröffentlicht. Im Jahr 2005 befassten wir uns mit der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag, die im Mai in New York stattgefunden hat. Wir berichteten über begleitende Aktionen und hinterfragten, ob Atomwaffen heute als Faustpfand gegen Angriffskriege dienen.
In 2005 jährte sich der Atombombenabwurf von Hiroshima und Nagasaki zum 60. Mal - Grund genug, dieses Thema in den Umweltnachrichten aufzugreifen. Etwa zeitgleich und kurz vor dem 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe gab die Internationale Atomenergiebehörde in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation und weiteren UN-Organisationen eine neue Studie zu den Auswirkungen des Tschernobyl-Unfalls heraus. Unter dem Titel Die Atomlobby verhöhnt die Opfer zeigten wir die Schwächen der Studie auf und kritisierten die Verharmlosung der Auswirkungen.
Ein weiterer Block befasste sich mit der neuen Trinkwasserverordnung und den zulässigen Höchstmengen unerwünschter Bestandteile im Wasser, u.a. Uran. Insbesondere bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung sollte auf mögliche giftige Rückstände geachtet werden.
Einige unserer Artikel aus den Umweltnachrichten werden immer wieder gerne von anderen Fachzeitschriften übernommen. So zum Beispiel in der Zeitschrift anti-atom-aktuell, die in ihrer Ausgabe Nr. 166 vom November 2005 unsere Beiträge zum Atomwaffensperrvertrag brachten. Franz Alt hat in seinem regelmäßig erscheinenden Newsletter Sonnenseite unseren Artikel Tschernobyl verhöhnt die Opfer übernommen.

Gentechnik

Genmais-Anbau
Im vergangenen Jahr konnten Bürger/innen sich erstmals im Internet darüber informieren, ob in ihrer Umgebung Gen-Mais angebaut wird. Nachdem das Umweltinstitut München e.V. zu Beginn des Jahres 2005 darauf hingewiesen hatte, dass allein in Bayern über 40 Standorte mit Gen-Pflanzen auf insgesamt 60 Hektar angemeldet worden waren, konnten wir im Sommer berichten, dass aufgrund von Protesten viele Gen-Landwirte ihre Anmeldungen zurückgenommen hatten. In Bayern wurden schließlich nur mehr 17 Hektar Gen-Mais angebaut. Die größte Fläche nahmen dabei Äcker auf Gütern des Freistaats Bayern ein. Der Protest von Bürger/innen, Bäuer/innen und Umweltorganisationen hatte auch bundesweit großen Erfolg: Von angemeldeten 1000 Hektar Gen-Mais konnten im Herbst ganze 345 Hektar geerntet werden.

Konferenz in Zürich
In der Schweiz fand im November 2005 eine Volksabstimmung über ein fünfjähriges Moratorium für den Anbau von Gen-Pflanzen statt. 55 Prozent der abstimmungsberechtigten Schweizer/innen votierten schließlich dafür, Gentechnik von den Äckern zu verbannen. Im Vorfeld hatte das Umweltinstitut München e.V. Gelegenheit gehabt, bei einer hochrangig besetzten Konferenz in Zürich zum Thema Pharma-Pflanzen zu referieren. Andere Vortragende waren Olivier Keller, Generalsekretär der französischen Bauerngewerkschaft Confédération paysanne, der kanadische Bauer Percy Schmeiser, Prof. Sigmar Groeneveld, Prof. Arpad Pusztai und Dr. Angelika Hilbeck von der ETH Zürich. Während der Konferenz konnten wir u.a. Percy Schmeiser und Prof. Pusztai interviewen - zentrale Persönlichkeiten der Gentechnikkritik. Diese Interviews wurden unseren Fördermitgliedern über die Umweltnachrichten zugänglich gemacht.

Terminator-Technologie
Zentraler Schwerpunkt in der zweiten Jahreshälfte war die Arbeit zu den so genannten Terminator-Pflanzen. Mittels Gentechnik werden bei der "Terminator-Technologie" Pflanzen so verändert, dass die Ernte nicht mehr keimen kann. Dazu produziert ein "Selbstmord-Gen" in einem fortgeschrittenen Wachstumsstadium ein Gift, das zur Abtötung des Embryos im Korn führt - die Pflanzen sind steril. Durch eine Kommerzialisierung dieser Sterilisierungstechnologien würde den Bauern die Jahrtausende alte Möglichkeit genommen, einen Teil ihrer Ernte aufzubewahren, sie mit anderen Bauern zu tauschen oder im nächsten Jahr als Saatgut zu benutzen. Sie wären gezwungen, jedes Jahr aufs Neue Saatgut bei den Agro-Konzernen zu kaufen. Für die Konzerne wäre dies das Schlaraffenland, für alle Bauern auf der Welt, für die Ernährungssouveränität und die biologische Vielfalt dagegen eine Katastrophe. Denn entgegen der Propaganda der Industrie, Terminator-Pflanzen würden endlich das Problem der gentechnischen Verunreinigung lösen, können Terminator-Pollen ihrerseits andere Felder kontaminieren und deren Samen unfruchtbar machen. Gegen die Einführung dieser Technologie haben sich Organisationen auf der ganzen Welt zusammengeschlossen. Das Umweltinstitut München e.V. beteiligt sich aktiv an der deutschen Kampagne Terminator-Technologie ächten - Freie Saat statt tote Ernte!

Pharma-Pflanzen
Ebenfalls ins Jahr 2005 fiel die Fertigstellung der Diplomarbeit unseres Gentechnikreferenten Andreas Bauer über genmanipulierte Pharma-Pflanzen. Diese Pflanzen werden mit gentechnischen Methoden so manipuliert, dass sie Pharmazeutika oder industrielle Werkstoffe produzieren. Die Arbeit mit dem Titel Transgene Pharma-Pflanzen: Entwicklungsstand, Risiken, Kontrollversuche steht auf unserer Webseite www.umweltinstitut.org zum freien Download bereit.
Wir hatten die Gelegenheit, zwei Artikel zum Thema Pharma-Pflanzen im Gen-ethischen Informationsdienst, der angesehenen Zeitschrift des Gen-ethischen Netzwerks, zu veröffentlichen. Einer der Beiträge beschäftigt sich mit einer kritischen Analyse der ökonomischen Versprechungen der Hersteller von Pharma-Pflanzen. Im zweiten Beitrag geht es um die weitgehend fehlgeschlagenen Versuche von Industrie und Wissenschaftlern, so genannte essbare Impfstoffe in genmanipulierten Pflanzen zu erzeugen.

Hintergrundartikel
In den Umweltnachrichten berichteten wir über weitere Themen aus dem Bereich Gentechnik, unter anderem über von Lobbygruppen gefälschte Zahlen zum weltweiten Gentechnikanbau oder den Versuch des Agro-Konzerns Syngenta, sich zentrale Teile des Reisgenoms patentieren zu lassen. Über dieses Thema sprachen wir auch mit dem Kanadier Pat Mooney, Träger des alternativen Nobelpreises. Auch dieses Interview wurde in den Umweltnachrichten und - nur dort in voller Länge - im Internet veröffentlicht.

Irak
Im März 2005 berichteten wir über eine Verordnung der USA im Irak, die den gesamten landwirtschaftlichen Sektor den Agro-Konzernen ausliefert, indem sie die Patentierung von Pflanzen erlaubt, den überlebenswichtigen Nachbau von Saatgut durch die Bauern erschwert und auch die Zulassung genmanipulierter Pflanzen gesetzlich festschreibt. Unser Bericht wurde von verschiedenen Zeitungen aufgenommen. Nachgedruckt wurde er u.a. in der Wochenzeitung Freitag. Die Thematik wurde zudem von der Initiative Nachrichtenaufklärung in die Top 10 der in der Bundesrepublik Deutschland am meisten vernachlässigten Themen und Nachrichten aufgenommen. Eine Jury dieser unabhängigen Initiative wertet Vorschläge von Medienschaffenden, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Institutionen und interessierten Bürger/innen aus und benennt auf dieser Grundlage Nachrichten, die ihrer Meinung nach stärkerer Aufklärung bedürfen.

Bt10 und der Syngenta-Konzern
Als erste deutschsprachige Organisation wiesen wir im April darauf hin, dass der Schweizer Konzern Syngenta über Jahre hinweg nicht zugelassenes Genmais-Saatgut mit dem Namen Bt10 an US-Bauern verkauft hatte. Von den USA aus war der Mais, der auch ein in der EU verbotenes Antibiotikaresistenzgen enthält, in die ganze Welt verkauft worden. Die EU verhängte daraufhin ein Importverbot für Maislieferungen aus den USA, die kein Zertifikat besitzen, das bescheinigt, dass kein Bt10-Mais enthalten ist.

Broschüre Gentechnik: Manipuliertes Leben

Im November erschien eine aktualisierte zweite Auflage unserer Broschüre zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft. Die 16-seitige Broschüre deckt die Themen Pflanzen, Tiere und Lebensmittel ab. Sie wurde gänzlich aus Beiträgen und Spenden von Fördermitgliedern und Unterstützern unserer Arbeit finanziert. Innerhalb eines Jahres konnten wir so 30.000 Gentechnik-Broschüren an interessierte Bürger/innen verteilen.

Neue Faltblätter zur Gentechnik

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Die Faltblätter können Sie gerne auch in größeren Stückzahlen bei uns bestellen.

Im Laufe des Jahres veröffentlichten wir vier Faltblätter zu verschiedenen Themengebieten der Agro-Gentechnik. Sie stehen auf unserer Website zum Download bereit oder können bei uns bestellt werden. Die Titel:
• Kontamination: Gen-Pflanzen außer Kontrolle
• Gentechnik: Wir wissen nicht, was wir tun,
   aber wir fangen schon mal an
• Wachsende Gefahr: Pharma-Pflanzen
• Gentechnik im Tierfutter: Verbraucher im Dunkeln

Vorträge und Pressearbeit
Neben den regelmäßig in den Umweltnachrichten erscheinenden Artikeln hielten wir auch im Jahr 2005 Vorträge zum Thema Gentechnik in Lebensmitteln und in der Landwirtschaft, gaben Interviews und nahmen an Streitgesprächen teil. Über Pressemitteilungen, Newsletter und unsere Homepage informierten wir schnell und aktuell über neue Entwicklungen. Unsere Arbeit im Gentechnikbereich wurde ab September durch eine Kollegin unterstützt, die uns im Rahmen ihres freiwilligen ökologischen Jahres tatkräftig bei den Recherchearbeiten hilft.

Belastung in Innenräumen

Es besteht erheblicher Beratungsbedarf: Im Jahr 2005 haben wir gut 2000 Beratungen zu Innenraumbelastungen und gesundem Wohnen durchgeführt. Anfragen zu Geruchsbelästigungen durch neu gekaufte Einrichtungsgegenstände und zu Schäden durch Feuchtigkeit bzw. Schimmelpilzbelastungen wurden ähnlich häufig gestellt wie die zu Alternativen, d.h. zur gesunden und umweltverträglichen Renovierung bzw. zum Kauf schadstoffarmer Möbel.
Auf der Anhörung der SPD-Bundestagsfraktion "Dicke Luft im Kinderzimmer? - Hearing: Kindergesundheit und Innenraumluft" hatte das Umweltinstitut München e.V. am 9. Mai 2005 die Gelegenheit gehabt, über Problematik und Handlungsbedarf bei Schadstoff- und Strahlenbelastungen in den Wohnungen junger Familien zu referieren und Ergebnisse unseres Forschungsprojekts "Innenraumschadstoffe" vorzustellen.

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Die Broschüre können Sie gerne auch in größeren Stückzahlen bei uns bestellen.


In Zusammenarbeit mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München konnte im Oktober 2005 die Broschüre Gesund wohnen: Schadstoffe in Innenräumen erkennen und beseitigen erscheinen.
In übersichtlich zusammengefassten Kapiteln und in gut lesbarer Sprache mit anschaulichem Bildmaterial klärt die Broschüre Leser/innen über mögliche Schadstoffquellen in Wohnräumen und deren Vermeidung auf. Nach einer Einführung, die über Beschwerden aus Innenraum-Schadstoffen informiert, werden die Themen übersichtlich dargestellt: richtiges Lüften und Heizen, Schimmelpilze, Herkunft von möglichen Schadstoffen aus Wänden und Einrichtung und ihre Feststellung, verständliche Informationen zu häufig vorkommenden Schadstoffen sowie Auftreten und Bekämpfung von Schädlingen, schadstoffarmes Renovieren und Elektrosmog. Besondere Hinweise gibt die Broschüre auch zu Kinderzimmereinrichtung und Kinderbekleidung sowie zu Gütesiegeln.
Der Serviceteil bietet den Leser/innen Adressen zu Beratungsangeboten, Anlaufstellen für Messungen und Einkaufsratgebern. Die Angabe wichtiger Internet-Informationsquellen rundet den Serviceteil ab.

Elektrosmog / Mobilfunk

Es gibt nach wie vor einen sehr großen Bedarf nach unabhängiger Information: Auch im Jahr 2005 haben wir - wie im Jahr zuvor - wieder ca. 4000 Beratungen durchgeführt. Unser Fachwissen gaben wir zudem bei zahlreichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen weiter.
In mehreren Gemeinden konnten wir durch Beratungstätigkeit und gutachterliche Stellungnahmen zur Suche eines verträglicheren Mobilfunk-Standorts beitragen, bei der die Immissionsminderung für die Anwohner Priorität hat.
Ein Anklicken des Bildes führt Sie zum Download-Bereich. Dort können Sie die Broschüre als PDF-Datei herunterladen.
Die Broschüre können Sie gerne auch in größeren Stückzahlen bei uns bestellen.

Die 16-seitige Broschüre Mobilfunkstrahlung - wie schädlich ist Elektrosmog? fand auch in der 4. Auflage reißenden Absatz und viel Lob. Die Gesamtauflage beträgt inzwischen rund 190.000. Aktive Bürger/innen holten vielfach größere Mengen zum Weiterverteilen ab, zahlreiche Info-Stellen forderten Exemplare an. Auch an Infoständen und in privaten Geschäften sowie anderen Einrichtungen mit Publikumsverkehr lagen die Broschüren zur Mitnahme aus. Die Online-Fassung der Broschüre (PDF-Datei) wird von unserer Webseite derzeit monatlich ca. 5000 mal heruntergeladen.

Energie & Klima

Der Schwerpunkt der Beratungsanfragen liegt weiterhin bei der Dämmung schlecht isolierter Altbauten. Die Menschen möchten wissen, wie und mit welchen Materialien am besten gedämmt werden kann.
Weiter gestiegen ist die Nachfrage nach den Berechnungstabellen zur Wirtschaftlichkeit von Solarstromanlagen (PV-Anlagen) und thermischen Anlagen zur Brauchwassererwärmung. Die Excel-Tabellen wurden unter www.umweltinstitut.org/solar im letzten Jahr ca. 48.000 mal heruntergeladen. Zum Vergleich: 2004 verzeichneten wir 40.000 Downloads. Wichtige Energie-Info-Dienste verlinken direkt auf unsere Webseite und führen so zahlreiche Interessenten direkt an unser unabhängiges Informationsangebot heran.

Agenda 21

Münchner Stadtgespräche
Die Münchner Stadtgespräche erschienen auch im vergangenen Jahr vier Mal und informierten die Münchner/innen über interessante Themen aus dem Umfeld der Agenda 21. Diese entwickelten wir wieder in Zusammenarbeit mit dem Agenda-Büro der Stadt München. Die Schwerpunkte der Hefte waren: Bewegung und Lernen, Konsum, Finanzmärkte und Demokratie sowie Böden.
In jedem Heft brachte ein vier- bis sechsseitiger Dossierartikel eines ausgewiesenen Experten einen Überblick über das Thema. Im Magazin stellten wir dazu die lokalen Aktivitäten von Organisationen und der Stadt mit Interviews, Textbeiträgen, Grafiken und Fotos dar. Adressen und Ansprechpartner erleichterten es den Leser/innen, sich bei Interesse weitergehend zu informieren.
Aufgrund der mit der Haushaltskonsolidierung der Stadt München einhergehenden Budget-Kürzung konnten auch 2005 zwei der Hefte nur mit je 16 Seiten erscheinen, die beiden anderen mit je 24 Seiten. Auch die Auflage konnte nicht der steigenden Nachfrage angepasst werden, sie musste bei 7000 Exemplaren bleiben.

Agenda-E-Mail-Newsletter
Auch 2005 verschickte die Redaktion der Münchner Stadtgespräche mindestens einmal im Monat per E-Mail den Termin-Newsletter. Er enthält ausgewählte Termine zu Agenda-Themen im Bereich der Stadt München. Links auf die Seiten der Veranstalter ermöglichen einen schnellen Zugriff auf alle Informationen im Agenda-Bereich. Die Abonnent/innen tragen sich über ein elektronisches Formular in eine Mailing-Liste ein und werden automatisch und kostenlos mit den aktuellen Informationen versorgt.

Webseite
Die Ausgaben der Münchner Stadtgespräche stellen wir im pdf-Format auf der Webseite www.muenchner-stadtgespraeche.de Internet-Nutzer/innen zum Herunterladen zur Verfügung. Die Zahl der heruntergeladenen Hefte erhöhte sich auch im vergangenen Jahr: 16.000 mal mehr - insgesamt 43.000 mal - sind die Hefte im Jahr 2005 auf dem Computer als PDF-Dateien angesehen worden. Auf der Webseite veröffentlichen wir auch ausgewählte Agenda-Termine.

Verteilung
Die Münchner Stadtgespräche sind z.B. in der Stadtinformation am Marienplatz, den städtischen Bibliotheken, im Umweltladen und im EineWeltHaus erhältlich.

Öffentlichkeitsarbeit

Inzwischen verzeichnet unsere Homepage ca. 200.000 Seitenabrufe im Monat.


Webseite

Auch im Laufe des Jahres 2005 haben wir unseren Internet-Auftritt www.umweltinstitut.org erweitert. Durchschnittlich besuchen rund
40.000 Menschen monatlich unsere Webseite, die dabei gut 200.000 Seiten abrufen.

E-Mail-Newsletter
Die Zahl der Empfänger/innen hat sich im Laufe des letzten Jahres wieder stark erhöht: aktuell auf ca. 3500. Beinahe täglich melden sich über das Eingabefeld auf der Webseite neue Abonnent/innen an. Über den Newsletter informieren wir aktuell ca. ein bis drei Mal monatlich über Aktionen, Termine und wichtige Ereignisse. Dieser kostengünstige und ökologische Nachrichtentransport ist für uns eine einfache Möglichkeit, aktuelle Informationen schnell zu verbreiten.

Häufig gestellte Fragen
Das von der Stadt München geförderte Projekt "Häufig gestellte Fragen unserer Umweltberatung" (FAQ) setzt trotz des lokalen Bezugs bundesweit Maßstäbe. Das Internetportal www.deutschland.de des Bundespresseamts beurteilte das Angebot wie folgt: "Die FAQ auf dem Portal des Umweltinstituts München e.V. bieten ökologisch Interessierten eine fesselnde Lektüre". (www.deutschland.de, Suche nach "Umweltinstitut"). Sie finden auf unserer Webseite, thematisch gegliedert, Informationen zu über 275 Fragestellungen aus den Bereichen Elektrosmog, Ozon, Energie/Rohstoffe, Gentechnik, Lebensmittel, Radioaktivität, Schimmelpilze, Asbest und Wohngifte.

Medien
Letztes Jahr konnten wir wieder zwei Ausgaben unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten herausgeben. Zusätzlich erschienen in Zusammenarbeit bzw. mit Unterstützung des Referats für Gesundheit und Umwelt der Stadt München folgende Broschüren: Gesund wohnen: Schadstoffe in Innenräumen erkennen und beseitigen sowie Pilze und Wild: Tschernobyl - noch nicht gegessen. Die zweite, überarbeitete Broschüre Gentechnik: Manipuliertes Leben wurde übrigens ausschließlich aus Spenden finanziert - Fördermittel waren für dieses brisante Thema trotz intensiver Versuche unsererseits nicht zu bekommen. Noch im Herbst 2005 erschienen vier Ausgaben der Gentechnik-Faltblattserie (Gentechnik: Wir wissen nicht was wir tun, aber wir fangen schon mal an; Wachsende Gefahr: Pharma-Pflanzen - Weizenfeld, Maisfeld, Pillenfeld; Gentechnik im Tierfutter: Verbraucher im Dunkeln und Kontamination: Gen-Pflanzen außer Kontrolle. Dank der Spenden unserer Unterstützer/innen konnte diese Faltblattserie Anfang 2006 in einer Gesamtauflage von 80.000 gedruckt werden, gerade noch rechtzeitig in der wiederaufflammenden Gentechnik-Diskussion.
Mit zahlreichen Pressemitteilungen machten wir auch im Jahr 2005 auf drängende Probleme im Umweltbereich aufmerksam.
Das Umweltinstitut München e.V. war Anlaufstelle für Journalist/innen aus allen Medienbereichen. Regelmäßig konnten wir Hintergrundinformationen zu Umweltthemen liefern, aber auch unser Wissen, unsere Bewertungen und Forderungen direkt in TV, Radio und Presse darstellen. Zunehmende Beachtung findet unsere Arbeit bei Journalist/innen, die über die Homepage leicht auf Originaltexte und -zitate zugreifen können.

Umweltberatung
Über 10.000 Menschen konnten wir telefonisch, per E-Mail und persönlich auch dank der finanziellen Unterstützung des lokalen Anteils durch die Stadt München beraten. Die Themenvielfalt war breit gestreut: Elektrosmog/Mobilfunk, Radioaktivität/Strahlenschutz, Energieeinsparung/Klimaschutz, Wohngifte/gesundes Bauen und Gentechnik/Verbraucherschutz waren Thema der Anfragen.

Naturschutz
Das Umweltinstitut München e.V. hat nach wie vor die Schirmherrschaft über ein Biotop im Stadtteil München-Denning. Unter der Leitung eines unserer ehemaligen Zivildienstleistenden wird die Tümpellandschaft gepflegt und das inzwischen gut eingewachsene Biotop betreut. Baumaßnahmen in größerem Stil sind derzeit nicht notwendig, aber auch die Pflege benötigt ihre Zeit und beansprucht vor allem unsere Zivildienstleistenden.