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Taetigkeitsbericht_2009

Tätigkeitsbericht für das Jahr 2009


Radioaktivität

Wahlen
Titelbild Flyer2009 stand ganz im Zeichen der Europa- und Bundestagswahl. Dafür haben wir den Flyer „Atomkraft abwählen“ erstellt, in dem wir kurz und knackig die Lügen der Atomlobby widerlegt haben. Diesen Flyer konnten wir mithilfe vieler UnterstützerInnen eine halbe Million Mal produzieren und verteilen.

Unter dem Motto "Endlich mal richtig abschalten!" organisierten wir im Juli auf dem Weißenburger Platz in München eine „Endlagersuche“ mit der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Mit ihrer Tour durch die Republik mobilisierte die BI für die bundesweite Anti-Atom-Demo in Berlin im September. Begleitet mit Infoständen vom Umweltinstitut München, den Müttern gegen Atomkraft und der BI gegen Forschungsreaktor Garching, brachten sie ihr "Endlager Suchgerät" zum Einsatz. 

Castortransport Demo


Kurz vor der Bundestagswahl fand im September eine weitere Endlagersuche, diesmal am Odeonsplatz statt. Ein Castortransport rollte vom Sendlinger-Tor-Platz mitten durch die Münchner Innenstadt zum Odeonsplatz, wo schließlich nach einem möglichen Endlager für die zigtausende von Jahren strahlende Fracht gesucht wurde. Mit dieser Aktion hat Campact zusammen mit dem Umweltinstitut München und weiteren Organisationen auf die weltweit ungelöste Frage „Wohin mit dem Atommüll?“ aufmerksam gemacht.


KiKK
Im Februar stellte die Strahlenschutzkommission (SSK) ihre Bewertung der Kinderkrebsstudie (KiKK-Studie) im Bundesumweltministerium in Bonn vor. An dem Fachgespräch nahmen wir als Mitglied der Expertengruppe, die die KiKK-Studie kritisch begleitet hat, teil und diskutierten die Position der SSK. Ergebnis unbefriedigend: http://umweltinstitut.org/radioaktivitat/krebs-um-atomkraftwerke/ssk_stellungnahme-666.html

Auf der Tagung der Petra-Kelly-Stiftung "Atomkraft am Ende?“ Perspektiven der aktuellen Atom- und Energiedebatte" im März referierten wir in Landshut über die Ergebnisse der Kinderkrebsstudie und ihre Bewertung.


Bildung und Unterricht
Im Juni referierten wir an der Österreichischen Gesundheitsakademie in Wien zu Radioaktivität in Lebensmitteln.
 
Fachlichen Input vom Umweltinstitut München holte sich der focus multimedia Verlag, der eine DVD für den Physikunterricht in Schulen erarbeitete: „Kernkraft – Fluch oder Segen?“. Dabei geht es nicht nur um die physikalischen Prozesse, die in einem Atomkraftwerk ablaufen, sondern auch um die gesellschaftliche Diskussion pro oder contra Atomkraft in Deutschland.

Auch in 2009 betreuten wir wieder eine Physik-Facharbeit eines Gymnasiasten zum Thema „Radioaktivität in Pilzen“.


Messprogramm
Außenluftüberwachung
Das Projekt „Überwachung der Außenluft auf ihren Radioaktivitätsgehalt“ führten wir auch in 2009 weiter. Unser Gammadosisleistungsmessgerät lief rund um die Uhr. Außergewöhnliche Auffälligkeiten konnten nicht registriert werden.

Folgende Grafik zeigt den Verlauf der externen Gammadosisleistung für Dezember 2009. In diesem Zeitraum gab es keinen Hinweis auf künstliche Radioaktivität in der Luft. Jede überdurchschnittliche Erhöhung fiel zeitgleich mit starkem Niederschlag zusammen. Mit dem Niederschlag wird natürliche Radioaktivität (Radon-Zerfallsprodukte) aus der Luft ausgewaschen.

Aussenluft Dezember 2009


Lebensmittelmessungen

Unser langfristig angelegtes Forschungsprogramm zur Ermittlung der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln konnten wir erfolgreich weiterführen. Die Ergebnisse bestätigen den langjährigen Trend, denn auch 23 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe sind unsere heimischen Waldprodukte zum Teil noch erheblich radioaktiv kontaminiert. Auch in diesem Jahr haben wieder Fernsehteams, so z.B. das Bayerische Fernsehen mit der „Abendschau“, das Thema aufgegriffen.

Im Oktober haben wir im Rahmen einer Stichprobenuntersuchung Pfifferlinge mit deutlich erhöhten Strahlenwerten entdeckt. Sie waren in der Münchner Fußgängerzone gekauft worden und wiesen eine Belastung von knapp 1400 Bq/kg Cäsium-137 auf. Der EU-Grenzwert liegt bei 600 Bq/kg. Demnach hätten diese Pilze nicht in den Handel kommen dürfen. Das Umweltinstitut München hat Strafanzeige erstattet.

Energie und Klima

UN-Klimakonferenz
2009 hat das Umweltinstitut München e.V. erstmalig eine eigenständige Akkreditierung für die Weltklimakonferenz in Kopenhagen erhalten. Mit „Beobachter-Status“ begleiteten wir die Konferenz und haben uns vor Ort dafür eingesetzt, dass weder die Atomkraft noch Kohlekraft mit CO2-Abscheidung und Speicherung als so genannte "Clean Development Mechanism" (CDM), also als nachhaltige Energie anerkannt werden.
 
Dort konnten wir bei einem von uns mitorganisierten Side Event unsere Ergebnisse zur KiKK-Studie (Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken) einbringen, ebenso wie auf dem Gegengipfel „Klimaforum09“, der zeitgleich in Kopenhagen stattfand. Die Veranstaltungen waren gut besucht und fanden große Beachtung.
Flyerserie Extra für den Klimagipfel haben wir die Faltblattserie „false friends“ (Atomkraft, CCS-Speicherung, Agrosprit) in deutscher und englischer Sprache erstellt und in Kopenhagen auf der UN-Konferenz wie auch auf dem „Klimaforum09“ verteilt.Die deutschsprachigen Faltblätter wurden z.B. den Münchner Stadtgesprächen beigelegt. Mit in Kopenhagen dabei waren auch unsere aktualisierten Factsheets zu verschiedenen Atomthemen und ein neu erstelltes zum Thema Kinderkrebs in der Umgebung von Atomkraftwerken.



Wirtschaftlichkeitsberechnungen

Dach mit Solaranlage Unsere Berechnungstabellen zur Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen haben wir wieder aktualisiert, sie werden laufend den geänderten Gegebenheiten angepasst. Sie erfreuten sich einmal mehr großer Beliebtheit. Verschiedene Energieberatungsfirmen verlinken inzwischen auf unsere Tabellen.


Vorträge und Podiumsdiskussionen
Im März hatte die VHS Günzburg zur Podiumsdiskussion "Energiebedarf und Energieversorgung in Deutschland – heute und morgen" eingeladen. Experten, u.a. vom Umweltinstitut München, diskutierten die Fragen der Energiepolitik, der alternativen Energiequellen, der Endlagerung und der gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung.

Im April fand der vierte McPlanet.com-Kongress „McPlanet.com 2009: Game Over. Neustart!“ in der TU in Berlin statt. Dort wurden Fragen nach den globalen Zusammenhängen rund um die Wirtschaftskrise gestellt und nach umfassenden und nachhaltigen Alternativen gesucht. Das Umweltinstitut München war dabei und referierte in einem Forum zum Thema Klimawandel und Atomenergie.


Münchner Klimaherbst
Titelblatt StadtgesprächeDer Münchner Klimaherbst stand 2009 unter dem Motto „Energie“. Wir beteiligten uns daran mit der Herbstausgabe der Münchner Stadtgespräche „Die Energie der Zukunft“ mit Themen wie:

  • Desertec: Die wüsten Ideen der Konzerne;

  • Atomkraftwerk Isar 1: Mit dem Joystick ins letzte Gefecht;

  • Elektromobilität: Das Atom- und Kohleauto?;

  • Gorleben: Der verbrannte Standort;

  • München: Die Stadt macht ernst beim Ökostrom und:

  • Kohlekraftwerke: Neue alte Klimakiller.

Das Heft war rege nachgefragt und erntete viel Lob.


Agrosprit
Vom 30.Jan. bis 1.Feb. fand parallel zum Weltsozialforum in Brasilien in Stuttgart das Festival "Stuttgart Open fair" mit Workshops, Podiumsdiskussionen, aber auch Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen statt. Der Schwerpunkt in diesem Jahr: Energie. Das Umweltinstitut München beteiligte sich mit einem Workshop zum Thema Agro-Kraftstoffe und einem Infostand an "Open Fair".

Gentechnik

Freisetzungen
Ende Februar endete unsere fundierte Einwendungskampagne gegen die Cholera-Kartoffel. Mit Hilfe von 57.000 Einwendungen ist es uns gelungen den Anbau bis heute zu verhindern.

Im April forderte das Umweltinstitut München zusammen mit einem breiten Bündnis von Verbänden in einem Offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) eine eindeutige Position der Bundesregierung gegen die Zulassung neuer Gentechnik-Maissorten durch die Europäische Union. "Bt11" von Syngenta und "1507" von Pioneer wären die ersten Gentech-Pflanzen, die seit 1998 in der EU zum Anbau zugelassen würden. Gleichzeitig ging es um Monsantos Mais MON810 – die einzige Gentechnik-Pflanze, die in der EU zugelassen ist. Mehrere Mitgliedsstaaten hatten die Anbaugenehmigung verweigert. Sie sollten gezwungen werden, den Anbau zu erlauben.

Ende April fand unter Mitwirkung des Umweltinstituts München die 5. Europäische Konferenz der gentechnikfreien Regionen "Food and Democracy“ in Luzern statt. Themen waren unter anderem Strategien für die Mitbestimmung in Europa, zukunftsfähige Lösungen für die Landwirtschaft und Gentech-Moratorien für europäische Länder.


Demonstration gegen Genpatente Patente
Zum Ende der Einspruchsfrist gegen ein Patent, das 2005 von der Firma Monsanto angemeldet wurde und sich auf die Zucht von ganz normalen, konventionell gezüchteten Schweinen erstreckt, beteiligten wir uns ebenfalls im April mit einem Infostand an der Demo auf dem Marienplatz „Stoppt das Patent auf die arme Sau“. Wir informierten darüber, dass das Patent nicht dem Schutz einer Erfindung dient, sondern dazu beitragen soll, dass internationale Konzerne umfassende Kontrolle über die Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung erlangen und bei Bauern und Verbrauchern kräftig Kasse machen können.


Zivilcourage
Die Globalisierungsstrategie zerstört bäuerliche Strukturen weltweit. Wird sie fortgesetzt, werden viele Betriebe die Produktion für immer einstellen müssen. Deshalb veranstalteten die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bund Naturschutz in Bayern, der Landesverband Bayerischer Imker und Zivilcourage Rosenheim zusammen mit dem Umweltinstitut München am 15. April eine Kundgebung vor der bayerischen Staatskanzlei unter dem Motto „Die Globalisierungsstrategie ist gescheitert. Für den Erhalt der ländlichen und regionalen Strukturen.“

Das Bündnis Zivilcourage Bayern / Österreich informierte am 18. Juni in der Salzburgarena Landwirte und Verbraucher über die Agro-Gentechnik unter dem Motto „Lass dich nicht pflanzen! Risiken der Agro-Gentechnik“. Diskutiert wurden: Welche Gefahren gehen von der Freisetzung genmanipulierter Organismen aus? Warum sind die Folgen nicht revidierbar? Hauptredner waren Vandana Shiva und Percy Schmeiser, beide Träger des Alternativen Nobelpreises. Das Umweltinstitut München war mit dabei.

Einen Tag danach, am 19. Juni, waren Vandana Shiva und Percy Schmeiser in der Oberpfalz auf der Veranstaltung „Lieber lüGENFREI“ in der Neumarkter Großen Jurahalle. Auch dort war das Umweltinstitut mit einem Infostand vertreten.

Logo Unesco Bildung für nachhaltige Entwicklung

Im Rahmen des vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München geförderten Projekts „Ökolandbau erleben und verstehen“ führten wir im Jahr 2009 über 30 Veranstaltungen und Exkursionen auf Bio-Bauernhöfe durch. Dabei konnten wir mehr als 800 Kindern und Jugendlichen die Vorteile des Ökolandbaus nahe bringen. Dieses Projekt ist für die Jahre 2009 /2010 von den Vereinten Nationen als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ anerkannt.

Elektrosmog / Mobilfunk

Über unser Forschungsprojekt „Immissionsminimierung von Funkstrahlung“ konnten wir 2009 in zahlreichen bayerischen Städten und Gemeinden einen wichtigen Beitrag bei der Strahlenreduzierung neuer geplanter Mobilfunkstandorte leisten.

Hauptsächlich haben wir unsere Berechnungen in den Dialog zwischen Bürgern, Kommunen und Mobilfunkbetreibern eingebracht, zum Teil ergriffen Kommunen auch baurechtliche Maßnahmen und setzten sich mit den Mobilfunkbetreibern vor Gericht auseinander – unter Einsatz der Begutachtung des Umweltinstituts bisher stets erfolgreich, was nicht zuletzt der wissenschaftlich-präzisen Bearbeitung zu verdanken ist.


Kempten
Neue Mobilfunk-Standorte wurden in Kempten vor wenigen Jahren noch unabgestimmt errichtet – was verlorene Gerichtsverfahren und einige ausgesprochen unbeliebte Stationen mit unnötig kräftiger Bestrahlung der benachbarten Bevölkerung zur Folge hatte. Unter Empfehlung des Umweltinstituts beschloss der Stadtrat im November 2008, dass neue Standorte nun im Dialog errichtet werden sollen. Die Stadt nimmt sich mit Entscheidungen zu strahlenminimierten Standorten in die Pflicht, auch von den Betreibern erfordert dies Kompromissbereitschaft. „Wenn wir so nicht weiterkommen, können wir immer noch die Keule auspacken“, sagte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, was ihm Dank der eingetretenen Versachlichung der Diskussion bisher erspart blieb. Der unter technischer Beratung des Umweltinstituts München 2009 geführte Dialog zu zwei Standorten war von Erfolg gekrönt: Die Strahlenbelastung der Nachbarn reduziert sich gegenüber einem klassischen Dachstandort um 97 Prozent (Lenzfried) bzw. 75 Prozent (Nähe Klinikum).

Wegweisend ist auch die im November 2009 präsentierte Immissionskarte, welche unter Einsatz einer besonders realitätsnahen Prognosetechnologie hausgenaue Informationen zur Strahlenbelastung durch Mobilfunkanlagen liefert. Initiieren konnten wir das neue Rechenmodell der Gebäudeüberschneidung, welches die plastische, realitätsnahe Darstellung ermöglicht, anhand von im Rahmen des Forschungsprojekts erhobenen Daten. Die unter www.kempten.de abrufbare Karte zum gesamten Gemeindegebiet ist in dieser Präzision die größte Immissionskarte Deutschlands und zeigt auf den ersten Blick, dass es bei der Strahlenbelastung in der Nähe von Mobilfunkanlagen große Unterschiede gibt, die es bei Neuplanungen auszunutzen gilt.

Immissionskarte Kempten


Aßling
Da in Aßling das dialogische Verfahren kein Ergebnis brachte, steuert die zwischen München und Rosenheim gelegene Gemeinde den Aufbau von Mobilfunkanlagen derzeit mit baurechtlichen Mitteln und nannte Alternativen mit minimierter Strahlenbelastung. Zwei bestehende Standorte konnten auf den außerhalb der Bebauung gelegenen Wertstoffhof verlegt werden, bei einem dritten Standort konnte der Betreiber seine Planung nicht durchsetzen und nutzt nun ebenfalls den Wertstoffhof.

In den juristischen Auseinandersetzungen war die Gemeinde bisher erfolgreich, weil sie anhand von Gutachten des Umweltinstituts überzeugend darlegen konnte, dass mit diesen Alternativen eine Versorgung in guter Qualität und mit Kapazitätsreserven möglich ist.


Eggstätt
Eine Gemeinde an einer idyllischen Seenplatte gelegen, jeder kennt sich, alle Standorte dreier Netzbetreiber sind gekündigt und ein vierter Netzbetreiber sucht noch für seinen ersten Standort: Genau die richtige Herausforderung für unsere technisch-strategische Beratung. Hauruck-Aktionen der Betreiber, die das Aufklaffen größerer Versorgungslücken erfahrungsgemäß nicht akzeptieren, konnten so vermieden werden. Der absehbare Eklat im Falle eines Misslingens, die konstruktive Sachlichkeit seitens der Gemeindeverwaltung, der Bürgerinnen und Bürger sowie der Netzbetreiber ermöglichten eine dialogische Lösung, welche in einem größeren Masten am Ortsrand mündete.

Im Rahmen unseres Forschungsprojekts „Immissionsminimierung von Funkstrahlung“ konnten in zahlreichen weiteren Städten und Gemeinden strahlungsminimierte Standorte gefunden werden. Die typischen Minderungspotenziale liegen bei 60 bis 95 Prozent, welche in vielen Fällen ausgenutzt werden konnten.

Am 4. Dezember referierte unser Mobilfunk-Experte im Maximilianeum in einer Öffentlichen Anhörung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zu den Themenblöcken "Elektrosmog und Gesundheit" sowie "Breitbandversorgung – technische Alternativen". Er informierte dabei zur Strahlenbelastung verschiedener Verfahren der Breitbandversorgung.

Agenda21

Titelblatt Münchner Stadtgespräche Münchner Stadtgespräche
Die Münchner Stadtgespräche erschienen in Zusammenarbeit mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München 2009 vier Mal in einer Auflage von je 10.000 Heften:

  • Nr.52 „[frei]_zeit“ im April,

  • Nr.53 „Umwelt in den Zeiten der Krise“ im Juli,

  • Nr.54 „Die Energie der Zukunft“ als Beitrag zum Münchner Klimaherbst im Oktober und

  • Nr.55 „Der Wald“ im Dezember.


www.muenchner-stadtgespraeche.de
Die Ausgaben der Münchner Stadtgespräche stellen wir im pdf-Format auf der Webseite www.muenchner-stadtgespraeche.de Internet-NutzerInnen als Download zur Verfügung, wovon 2009 knapp 100.000-mal Gebrauch gemacht wurde. Auf der Webseite veröffentlichen wir auch die Agenda-Termine, die wir monatlich per Newsletter verschicken.
Statistik Downloadzahlen


Agenda-E-Mail-Newsletter
Auch 2009 erstellte die Redaktion der Münchner Stadtgespräche den monatlichen E-Mail-Termine-Newsletter mit ausgewählten Terminen zu Agenda-Themen.


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
In 2009 haben wir unser Logo modernisiert und ansprechend neu gestaltet. Gleichzeitig wurde das Layout unserer Briefe und Mailings völlig überarbeitet. Nach der Neugestaltung und dank der für die Mitgliederwerbeaktion gestifteten Preise stellten sich bereits Erfolge ein: Wir konnten ca. 200 neue regelmäßige Förderer gewinnen.


Münchner Erklärung gegen den ökologischen Wahnsinn
2009 haben wir unseren Internet-Auftritt www.umweltinstitut.org weiter ausgebaut. So haben wir etwa die „Münchner Erklärung gegen den ökologischen Wahnsinn“, die wir Ende 2008 starteten, auf unsere Homepage gestellt – mit der Möglichkeit auch online zu unterzeichen. In der Erklärung wenden wir uns gegen die Atomkraft, Gentechnik in Lebensmitteln und Agrosprit. Stattdessen fordern wir eine nachhaltige Energienutzung, eine biologische Landwirtschaft und eine intelligente Verkehrspolitik. Bis Ende 2009 hatten 42.000 UnterstützerInnen davon Gebrauch gemacht.



www.umweltinstitut.org
Das Internet ist inzwischen ein wesentlicher Faktor bei der Verbreitung unserer Informationen und Aktionen geworden. Auf unserer Homepage verzeichneten wir im Jahr 2009 wieder eine Million Besucher.
Statistik Zahlen Webbesucher
Die Abteilung Radioaktivität stellte eine weitergehende Internet-Version der „Atomkraft abwählen!“-Kampagne (siehe oben) auf die Homepage. Dazu kam eine ausführliche Berichterstattung über das „Versuchsendlager“ Asse. Zunehmend machen die BesucherInnen der Homepage von der Möglichkeit Gebrauch, unsere Broschüren und Faltblätter online bestellen zu können.


E-Mail-Newsletter
Im Jahr 2009 haben wir 19 Newsletter an über 30.000 Empfänger verschickt und informierten über aktuelle Aktionen, Termine und wichtige Ereignisse.
Statistik Newsletterempfänger


Häufig gestellte Fragen
Das von der Stadt München geförderte Projekt „Häufig gestellte Fragen unserer Umweltberatung“ (FAQ) wächst immer weiter. Die Zahl der Seitenabrufe des FAQ-Projekts lag 2009 bei knapp 230.000. Highlights im Jahr 2009 waren die FAQs zur Bekleidung und vor allem zu Energiesparlampen. Das umfangreiche Feedback zu diesem Thema wird teilweise in die FAQs eingearbeitet bzw. ergänzt.
Statistik FAQs
In der praktischen Arbeit kommen bestimmte Fragestellungen immer wieder vor. Um diese Grundkenntnisse über das Medium Internet effizient zu vermitteln, haben wir sie mit den entsprechenden Antworten in die Homepage aufgenommen. Über das FAQ-Projekt wird eine Personengruppe erreicht, die nicht in erster Linie telefonisch oder im Rahmen eines Besuchs um Rat fragen würde.

Durch die umfassende Information der Seitenbesucher zu einzelnen Themenkomplexen des gesamten Umfelds seiner Fragestellung wird der Internet-Besucher präzise und kompetent informiert. So erhält er umfassend Antwort auf seine Fragen. Bei weiterem Bedarf nach persönlicher Beratung findet der Nutzer am Ende jedes Themenblocks eine verlinkte E-Mail-Adresse, an die er seine zusätzlichen Fragen richten kann. Diese E-Mails werden ebenfalls zur Ergänzung des Fragenkatalogs herangezogen. Über das Medium Internet wird somit zusätzliches Potenzial für eine Änderung des Umweltverhaltens genutzt.


Medienkontakte
Die Pressearbeit wurde kontinuierlich fortgesetzt. Im Lauf des Jahres haben wir 18 Pressemitteilungen verschickt. Die Berichterstattung findet in allen Medien statt: Print, Hörfunk, Fernsehen, Internet. Das Umweltinstitut München ist bei JournalistInnen ein bundesweit gefragter Ansprechpartner.


Titelseite Infobrief 05 Printmedien
Im Mai ist die Ausgabe Nr. 05 unseres „Infobriefs“ erschienen, der auf vier Seiten die wichtigsten Nachrichten aus unseren Arbeitsbereichen bringt. Unser Faltblatt „Superwahljahr 2009 – Atomkraft abwählen!“ fand reißenden Absatz: Wir ließen im Vorfeld der Bundestagswahl insgesamt 500.000 Exemplare drucken!

Für die Klimakonferenz in Kopenhagen legten wir die dreiteilige Faltblattserie „Klimaschutz – false friends“ auf. Teil 1: Atomkraft, Teil 2: CO2-Speicherung und Teil 3: Agrosprit hatten eine Auflage von jeweils 40.000 Stück, hinzu kamen je 5000 Exemplare der englischen Übersetzung. Vier Flyer unserer Serie zur Gentechnik waren vergriffen und wurden im Mai in einer Auflage von jeweils 25.000 Stück neu aufgelegt.




Infostände

Verschiedene Infostände und Vorträge zu den Themen ökologischer Landbau, regenerative Energien, Gentechnik in der Landwirtschaft, Produkte aus fairem Handel und vieles mehr gab es auf dem Ökologischen Hoffest in Riem am 20. September. Mit dabei war natürlich auch das Umweltinstitut München – unter anderem mit unserer Aktion "Atomkraft abwählen!".

Auf dem Sommer-Streetlife-Festival am 19. Juli fand die Podiumsdiskussion „Kampf um unsere Zukunft – die neue Umweltbewegung“ statt: Vom Müsliesser und Birkenstockträger zum Trendsetter und Lifestyle-Vorreiter. U.a. nahm an der Diskussion der Referent für Energie und Klimaschutz vom Umweltinstitut München teil.

Im Rahmen der Nacht der Umwelt am 18. September zeigten wir Filme über den Widerstand gegen die Atompolitik und die unkalkulierbaren Risiken, die von genmanipulierten Pflanzen ausgehen. Die Besucher konnten Pilze mitbringen, die kostenlos auf ihre radioaktive Belastung untersucht wurden. Neben einem „Körner-Quiz“ berieten wir auch rund um das Thema Mobilfunk.

Zusätzlich zu den genannten Infoständen haben wir die Arbeit des Umweltinstituts München auch 2009 wieder sehr vielen Menschen bei Veranstaltungen vorgestellt: Sozialforum Stuttgart (Januar), Energiewende Grafrath, Umweltmesse Landshut (beide im März), Messe + Kongress „Zukunft Gemeinsam Gestalten“, Friedrichshafen (Mai), „Lass dich nicht pflanzen!“ und „Lieber LüGENfrei“, mit Vandana Shiva und Percy Schmeiser in Salzburg bzw. Neumarkt (beide im Juni), Atommüllendlagersuche auf dem Weißenburger Platz, Podiumsdiskussion beim Streetlife-Festival (beide im Juli), Großdemo gegen die Atomkraft in Berlin, Anti-AKW-Demo mit Atommüllendlagersuche auf dem Odeonsplatz (beide im September) sowie die Weltklimakonferenz in Kopenhagen (Dezember).

Beteiligung des Umweltinstituts an der Anti-Atom-Demo in Berlin



Beratung

Umweltberatung
Auch im Jahr 2009 haben viele Bürgerinnen und Bürger unsere Umweltberatung in Anspruch genommen. Dank der finanziellen Unterstützung des lokalen Anteils durch die Stadt München konnten wir wieder zahlreiche telefonische, persönliche oder auch E-Mail-Anfragen beantworten. Viele der Interessenten wünschten eine ergänzende Informationsquelle zu behördlichen oder Firmeninformationen. Sie zeigten sich über unsere differenzierte, unabhängige und engagierte Herangehensweise in den Themenbereichen Elektrosmog / Mobilfunk, Radioaktivität / Strahlenschutz, Energieeinsparung / Klimaschutz, Wohngifte / gesundes Bauen und Gentechnik / Landwirtschaft und Verbraucherschutz in der Regel sehr zufrieden. Dies zeigte sich auch daran, dass viele Personen unsere Umweltberatung wiederholt in Anspruch nahmen.

Im Bereich Elektrosmog informierten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger über die Auswirkungen von Funkanwendungen und Alternativen dazu. Einem großen Anteil der Ratsuchenden war neu, dass es zu der elektrosmogintensiven, schnurlosen Internet-Verbindung W-LAN mittels Adapter über das hauseigene Stromnetz eine elegante Alternative gibt: D-LAN oder „HomePlug“ – ganz ohne Funk und mit einem Kabel nur bis zur nächsten Steckdose.

Ungebremst intensiven Beratungsbedarf gibt es, wenn neue Funkmasten geplant oder gebaut werden. Im Herbst z.B. informierten sich viele Anwohner zu einem in München-Trudering geplanten, 40 m hohen Stahlgittermast über das Für und Wider.

Auch der Beratungsbedarf zu Schnurlostelefonen war ungebrochen groß – die Verkäufer sind selten gut informiert und die Auslobungen der Hersteller zu den Geräten, welche in unterschiedlichem Umfang strahlungsminimiert arbeiten, führen nicht immer dazu, dass kritische Vorsorge-orientierte Verbraucher das bekommen, was sie wünschen.

Im Bereich Gentechnik konnten wir auch in 2009 wieder viele Bürgerinnen und Bürger bei ihren Einwendungen und Protesten gegen die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen beraten und betreuen. Darüber hinaus hatten wir einen hohen Bedarf an Beratung zu Fragen der Risiken von Agro-Gentechnik und ökologischem Landbau.

Informationen rund um die Atomenergie waren vor allem im Vorfeld der Europa- und Bundestagswahlen gefragt. So beantworteten wir zahlreiche Fragen zu den von uns enttarnten Lügen der Atomlobby unseres Flyers „Atomkraft abwählen“, aber auch zum Strahlenschutz, zur Belastung von Baustoffen oder Lebensmitteln, nicht zuletzt, weil wir zu Ende der Pilzsaison Pfifferlinge (gekauft in der Münchner Fußgängerzone) beprobten, die weit über dem zulässigen Grenzwert lagen und nicht in den Handel hätten gelangen dürfen.

Ein wesentlicher Anteil unserer Beratung im Bereich Klimaschutz / Energie war bestimmt von Schritt Eins zur Abschaffung der Glühbirne. Viele Anfragen kamen wieder in Zusammenhang mit unserer Wirtschaftlichkeitsrechnung von Solaranlagen wie auch zu energiesparenden Maßnahmen bei Hausrenovierungen. Im Juni und Juli hatten wir Studentengruppen aus Südkorea zu Besuch, die sich über unsere Arbeit informiert haben. Aus diesen Veranstaltungen soll eine dauerhafte Kooperation mit der Austauschorganisation entstehen.

Besuch aus Korea
Studentengruppe aus Südkorea beim Umweltinstitut München


Naturschutz

Im Jahr 2009 wurde die vor einigen Jahren begonnene Umbaumaßnahme im von uns betreuten Biotop in München-Denning fortgeführt. Die Laichgewässer wurden mit heimischer und standorttypischer Ufer- und Wasservegetation bepflanzt und eingesät. In einem natürlich gewachsenen Gehölzbereich wurden im Herbst zusätzliche Versteck- und Überwinterungsquartiere angelegt. An der Situation der Amphibien hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum etwas geändert; erfreulicherweise ist die Zahl der Gelbbauchunken leicht, und die der Grasfrösche stark angestiegen. Erfreulich war auch der akustische Nachweis eines balzenden Knoblauchkröten-Männchens – die erste Beobachtung freilebender Knoblauchkröten im Münchner Stadtgebiet seit mehr als vier Jahrzehnten.

In 2010 möchten wir die Umbaumaßnahmen abschließen. Dann soll dieser Teil als Referenzfläche für Führungen des ÖBZ fungieren, auf der man viele Pflanzen und Tiere beobachten kann, ohne das gesamte Biotop durchstreifen zu müssen.