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zeitstrahl 25 Jahre Umweltinstitut München e.V.

1986

Mit Tschernobyl fängt alles an. Nachdem die radioaktive Wolke am 30. April Südbayern erreicht und Politiker wie auch Behörden die Bevölkerung buchstäblich im radioaktiven Regen stehen lassen, beschließt eine Gruppe engagierter WissenschaftlerInnen und BürgerInnen rund um den Physiker Dr. Eckhard H. Krüger das Umweltinstitut München zu gründen. Als Chef des Energie- und Umweltbüros in Garching liefert er den inhaltlichen Input und verfügt als einer der wenigen über das radiologische KnowHow. Schnell werden Möglichkeiten gefunden, nuklidspezifische Untersuchungen durchzuführen. Lebensmittel, Bodenproben, Pflanzen, Zaunpfähle, Sand von Spielplätzen - alles Mögliche wird auf seinen Radioaktivitätsgehalt untersucht und die Ergebnisse zusammen mit Verhaltensempfehlungen an die Medien und interessierte Menschen weitergegeben.

Im Juli wird der Verein als e.V. eingetragen. Die ersten Spendengelder verhelfen zu einem eigenen Gammaspektrometriemessplatz, der in Garching in den Räumen des Energie- und Umweltbüros eingerichtet wird. Eine erste Broschüre "Es liegt was? In der Luft, auf dem Boden, in der Milch, im Obst ..." erscheint, ein Informationsheft über Radioaktivität im Allgemeinen und über die aktuelle Situation in Bayern durch Tschernobyl im besonderen. Die Arbeit ist ehrenamtlich, der Verein selbstverwaltet, die Entscheidungen fallen im Konsens. Und wenn es keinen Konsens gibt, wird so lange diskutiert, bis schließlich einer gefunden wird. Die Nächte konnten damals folglich lang werden.



1987

Schnell werden die Räumlichkeiten in Garching zu klein. Anfang des Jahres zieht das Umweltinstitut München nach Haidhausen in die Elsässerstraße um. Unsere anfangs wöchentlich zusammengefassten und interpretierten Messlisten bekommen eine neue Form: die "Umweltnachrichten", unser Mitgliederbrief, wird aus der Taufe gehoben. Als weitere Radioaktivitätsüberwachung schaffen wir neben dem Gammaspektrometer ein so genanntes Ortsdosisleistungsmessgerät an, mit dem die Münchner Außenluft auf ihren Radioaktivitätsgehalt rund um die Uhr untersucht werden kann. Beide Messeinrichtungen - wenn auch nicht mehr die selben - bestimmen heute noch unser Messprogramm im Bereich Radioaktivität.

Da die Arbeit rein ehrenamtlich nicht mehr zu leisten ist, richten wir ABM-Stellen ein: vom Staat befristet geförderte Arbeitsplätze für "Langzeitarbeitslose". Damit können wir uns nicht nur mengenmäßig vergrößern, sondern auch inhaltlich breiter aufstellen. Erstmals wird neben der Radioaktivität ein neuer Bereich geschaffen. Wir beginnen, Nitrat-Messungen im Wasser durchzuführen und richten ein neues Forschungsprojekt ein: die Untersuchung von Innenraumschadstoffen, mit Schwerpunkt auf Formaldehyd, PCP, Lindan etc., später auch Asbest und Mineralfasern.



1988

Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich entsteht: Gentechnik. Als völliger Außenseiter innerhalb der Umweltorganisationen starten wir eine kritische Informationskampagne, die über die Risiken der angeblich heilbringenden Gentechnik aufklärt, während andere Umweltorganisationen darin tatsächlich eine Chance gegen den Hunger in der Welt vermuten. Die Zeit gibt uns recht: Heute sind alle Umweltverbände einig darin, dass Gentechnik genau wie die Atomkraft eine Risikotechnologie ist, die von einer skrupellosen Lobby eingeführt wurde, um daraus Kapital zu schlagen.

Der Arbeitsbereich Radioaktivität bekommt ein neues Projekt: Im heißen Herbst `88 begleiten wir auf Einwenderseite die Erörterung zur Verhinderung der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Als das Vorhaben nach dem Tod vom ersten und einzigen Atomminister Franz Josef Strauß schließlich überraschend aufgegeben wird, können wir den Erfolg selbst kaum fassen!



1989


 Die Wasseruntersuchungen werden ausgeweitet, die Landkreise Dachau, Freising, Erding und Ebersberg werden bezüglich Nitrat- und Pestizidbelastung genauer unter die Lupe genommen.

Der nächste neue Arbeitsbereich hält Einzug: die Abfall AG. Sie knöpft sich die neue Errungenschaft, die PET-Recyclingflasche, vor und zeigt in unserer ersten Broschüre ihre Schwächen auf. Mit Erfolg: die PET-Flasche für Sprudelgetränke kann zumindest vorläufig verhindert werden!



1990

Von diesem Erfolg getragen, starten wir das Volksbegehren "Das bessere Müllkonzept", das schließlich zum Volksentscheid führt. Bayernweit müssen wir uns zwar mit (immerhin!) 43 Prozent Zustimmung geschlagen geben, da ist der lokale Erfolg in München mit 62 Prozent nur ein schwacher Trost. Denn unser Einsatz gerade in den letzten Tagen ist enorm: Mit Megafon rufen wir die MünchnerInnen unermüdlich dazu auf, sich zu beteiligen. Aber München allein ist halt nicht ganz Bayern.

Im Bereich Gentechnik starten wir eine Infokampagne zum Gentechnikgesetz und zur Patentierung von Lebewesen. Und die Wasser AG veröffentlicht die Trinkwasseruntersuchungen im Landkreis München in einer Broschüre.



1991


Kurz darauf folgt die nächste Broschüre: "Trinkwasser im Landkreis Fürstenfeldbruck". Und weil unsere Broschüren gut angenommen werden, fassen wir in einem nächsten Projekt Untersuchungen zur "Säuglingssterblichkeit nach Tschernobyl in der BRD" zusammen. Ein Teil der Radioaktivitätsgruppe befasst sich kurz nach der Wende mit den Folgen des Uranabbaus in der ehemaligen DDR. Im Gebiet der Wismut AG werden Bodenproben genommen, die gammaspektrometrisch untersucht und zusammenfassend ausgewertet werden. Die zum Teil stark radioaktiven Altlasten werden die Menschen dort noch lange begleiten. Das Gelände der Wismut ist bis heute noch nicht komplett saniert.

In der Gentechnik starten wir eine groß angelegte Kampagne "Essen aus dem Genlabor? - Natürlich nicht!"



1992

Dazu gestalten wir eine Wanderausstellung "Essen aus dem Genlabor und andere GENiale Geschäfte". Gegen die geplante EG-Verordnung "Novel Food" sammeln wir 10.000 Unterschriften, die wir in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion dem Bayerischen Innenministerium übergeben. Mit Erfolg: Es fordert daraufhin eine Kennzeichnungspflicht für genmanipulierte Lebensmittel. Schließlich befassen wir uns mit den ersten vier Freisetzungsanträgen der Firma Planta für genmanipulierte Zuckerrüben: Wir reichen umfangreiche Einwendungen gegen die Projekte ein.

Mit Bekanntwerden der zunehmenden Ozonbelastung durch den Autoverkehr starten wir den neuen Arbeitsbereich "Verkehr" und richten eine mobile Messstelle ein. Die Veröffentlichung unserer Ozon-Messwerte führte mittelfristig dazu, dass heute auch staatliche Stellen ihre Werte bekannt geben und bei erhöhter Ozonbelastung z.B. über die Rundfunksender Warnungen ausgeben.

Unsere Wasser AG veröffentlicht ihre Ergebnisse vom "Trinkwasser im Landkreis Weilheim-Schongau" und weitet die Nitrat- und Pestizid-Messungen nun auch auf Lebensmittel aus. Und die Abfall-AG befasst sich im Jahr des "Grünen Punkts" mit den Schwächen des DSD (Duales System Deutschland) und startet eine Aufklärungskampagne.

Ein neuer Bereich etabliert sich: Energieberatung. Wir beginnen mit der Erstellung von Energiegutachten für Wohngebäude und beraten die Eigentümer in allen Fragen zur Reduzierung ihres Energieverbrauchs.



1993

Der Widerstand gegen die Freisetzungen genmanipulierter Zuckerrüben in Niederbayern nimmt Gestalt an. Trecker werden mit Banderolen geschmückt - aber nicht GEGEN die Freisetzungen, sondern dafür! Die örtlichen Bauern organisieren quasi den Widerstand gegen den Widerstand. Die Erörterung der Einwendungen findet im niederbayerischen Wallerfing statt, wo solcherlei Aktionen bis dato unbekannt waren. In der Turnhalle der Schule ist das Podium aufgebaut, im Hintergrund eine hochalpine Theaterkulisse mit röhrenden Hirschen - es ist Faschingszeit. Entsprechend skurril läuft auch die Erörterung ab. Gleich am ersten Tag legt ein Einwender einen Befangenheitsantrag gegen einen der Sachverständigen ein. Dem Antrag wird zwar nicht stattgegeben, der Sachverständige wird trotzdem ausgewechselt. Dass der Verhandlungsführer vom Bundesgesundheitsamt, Klaus Wichmann, das Ergebnis der Erörterung schon vor dem Anhörungsverfahren kommuniziert hatte, stört offenbar niemand. In einem Interview hatte er deutlich gemacht, dass die Genforschung gebraucht wird und keinerlei Schäden zu erwarten sind. Neutralität sieht irgendwie anders aus.

Aber nicht nur die Zuckerrüben in Niederbayern beschäftigen uns, auch die Firma Hoechst will durch die TU München genmanipulierte Raps- und Maispflanzen freisetzen. Mit 200.000 Postwurfsendungen als Aufklärungsmaterial in den betroffenen Gemeinden können wir 18.000 Einwendungen gegen die geplanten Freisetzungen gewinnen!

Die Abteilung Radioaktivität bekommt Arbeit, die uns über viele Jahre begleitet (und bis heute nicht zufriedenstellend abgeschlossen ist): Das atomrechtliche Genehmigungsverfahren zum neuen Forschungsreaktor in Garching wird eingeleitet. Umfangreiche, ausgiebige und mehrmalige Akteneinsicht der Genehmigungsunterlagen im Umweltministerium führen dazu, dass am Ende 50.000 Einwendungen gegen das Projekt gesammelt und gebündelt in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion den Verantwortlichen im Ministerium übergeben werden können. Im selben Jahr beginnen wir mit unserer unabhängigen Umgebungsüberwachung von bayerischen Atomanlagen: In Gundremmingen, Ohu (Isar 1 und 2), später auch in Grafenrheinfeld und am noch laufenden Garchinger Atomei nehmen wir in unregelmäßigen Abständen Proben und untersuchen sie auf ihren Radioaktivitätsgehalt.

Die Energieabteilung veröffentlicht die erste Auflage eines Dauerbrenners: Unsere Broschüre "Wärmedämmstoffe im Vergleich" wird sogar heute noch ab und an nachgefragt, obwohl längst vergriffen. Außerdem geben wir die Broschüre "Asbest - die krankmachende Faser" heraus, gefolgt von "KMF - Künstliche Mineralfasern in der Diskussion" im Folgejahr. Auch hier werden die Infos dazu auf unserer Internetseite nach wie vor häufig aufgerufen.

In diesem Jahr übernehmen wir die Schirmherrschaft über die Restaurierung eines Feuchtbiotops im Münchner Stadtteil Denning. Unter Aufsicht unseres damaligen Zivildienstleistenden ist das Projekt inzwischen gut gediehen und eingewachsen und wird von ihm noch immer betreut.

Ein weiterer Bereich kommt hinzu, der uns auch heute noch beschäftigt: Elektrosmog. Wir führen erste Messungen niederfrequenter Wechselfelder im privaten Wohnraum durch. Eine Gratwanderung zwischen "Pest des 20. Jahrhunderts" und "keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen" beginnt. Die Wissenschaft ist sich heute noch nicht einig. Dem Vorsorgegedanken verpflichtet, setzen wir uns für eine Minimierung der Strahlenbelastung ein.



1994

Während das Erörterungsverfahren zum Garchinger Forschungsreaktor FRM-II in die heiße Phase geht und uns wochen- und monatelang beschäftigt, wird das Gentechnikgesetz dahingehend geändert, dass es im Rahmen geplanter Freisetzungsvorhaben keine Erörterungen mehr gibt. Zack - weg! Deshalb verlagern wir unsere Aktivitäten hin zu intensiver Infomaterialerstellung und -verbreitung. Mit unserer Aufklärungsarbeit zum Rinderwachstumshormon rBST erreichen wir immerhin ein Moratorium bis zum Jahr 2000, das bis heute nicht aufgehoben ist.

Auch wenn die Erörterungen weggefallen sind, Einwendungen gegen Freisetzungsvorhaben sind nicht verboten. So können wir 50.000 Einwendungen gegen die Freisetzung transgener Pflanzen einreichen. Erstmals beginnen wir im Bereich Gentechnik themenbezogene Faltblätter zu erstellen.



1995

Mit "Sicher ist sicher, aber nichts ist gewiss" starten wir mit Unterstützung der Petra-Kelly-Stiftung eine Reihe von Infoveranstaltungen zum FRM-II. "Neue zusätzliche Unterlagen" zum FRM-II führen zu 30.000 zusätzlichen Einwendungen. Außerdem startet die Umweltverträglichkeitsprüfung zur Wasserhaltung vom FRM-II, eine eigene abgespaltene Erörterung. Und damit sich nicht alles nur um den Garchinger Reaktor dreht, sind wir als Sachbeistand im MOX-Klage-Verfahren in Gundremmingen vertreten. MOX steht für Mischoxid-Brennelemente aus Plutonium und Uran, die in den Reaktoren in Gundremmingen eingesetzt werden sollen.

In der Gentechnik beteiligen wir uns zusammen mit über 300 Organisationen gegen das erste Patent auf Säugetiere, die "Krebsmaus" und erheben Einspruch dagegen. Genauso wie auf das Patent für die so genannte Anti-Matsch-Tomate.

Der Bereich Verkehr startet eine Projektreihe "Mobil ohne eigenes Auto" und erstellt die neue Broschüre "Ozon - Reizgas und Pflanzengift".

Ende Oktober verlassen wir Haidhausen und ziehen in das ehemalige Gelände der Stettenkaserne in der Schwere-Reiter-Straße in großzügige Räumlichkeiten. Endlich Platz! Ein Kraftakt, da unser bleibeschwertes Gammaspektrometer nun in den ersten Stock gehievt werden muss!



1996

Der zehnte Jahrestag von Tschernobyl rückt näher: Wir organisieren unsere erste große Demo in München. Mit Unterstützung von vielen HelferInnen und angenehmem Frühlingswetter mobilisieren wir knapp 10.000 TeilnehmerInnen , damals für München ganz ordentlich!

Zwei Wanderausstellungen bringen wir auf den Weg: "Energiesparen heißt Klimaschützen" und "Wärmedämmung" mit Begleitbroschüren. Außerdem legen wir zwei weitere Broschüren auf: "Wohnen und Wohlfühlen", die über lange Jahre nachgefragt wird und "Gentechnik am Scheideweg", ein kritischer Beitrag zur Risikodiskussion in der Gentechnik.



1997

Das Aktionsbündnis "Garantiert gentechnikfrei aus Bayern" startet eine Postkartenaktion mit einem Gesetzentwurf, der aber im Landtag mit den Stimmen von CSU und SPD abgelehnt wird. Nach der Überarbeitung des Gesetzentwurfs startet dann im Herbst das Volksbegehren "Gentechnikfrei aus Bayern", vom Umweltinstitut München koordiniert, parallel zu unserer Kampagne "gut statt Gen". Bis Ende des Jahres gehen 230.000 Unterschriften ein. Die Zulassung für das Volksbegehren wird im Folgejahr erteilt. Allerdings wählt das Innenministerium einen sehr ungeschickten Termin für die Eintragung: In den 14 Tagen Eintragungsfrist liegt ein langes Wochenende um den 1. Mai. Erfolg: negativ. Das Volksbegehren scheitert mit nur 4,9 Prozent. Aber ganz erfolglos bleibt es nicht: Immerhin bewirkt es eine bundesweite Regelung für die Kennzeichnung "gentechnikfrei".

Bei unserer jährlichen Pilz-Messaktion kommen wir einem riesigen Schwindel auf die Spur: In zwei Stichproben aus der Münchner Großmarkthalle stellen wir Cäsium-Werte von rund 7000 bzw. 10.000 Bq/kg Frischmasse fest. Unsere Nachforschungen ergeben, dass ein österreichischer Zwischenhändler hochverstrahlte Ware, die vermutlich aus der Ukraine stammte, umdeklarierte und illegal als mazedonische bzw. ungarische Pfifferlinge auf den Markt bringen konnte. Der Fall beschäftigt schließlich sogar die Europäische Kommission, die aber lediglich eine "informelle Mitteilung" ausgab. Das schwarze Schaf konnte zwar ermittelt werden, bekommt aber nur eine Abmahnung.

1997 ist auch das Geburtsjahr der "Münchner Stadtgespräche", das wir mit Unterstützung des Referat für Gesundheit und Umwelt herausgeben. Entstanden aus der Idee, den Agenda-21-Prozess in München damit zu begleiten.



1998

Anfang des Jahres wagen wir den Eintritt in neue Sphären: Noch etwas sperrig starten wir mit www.m.shuttle.de/umweltinstitut unseren Internetauftritt.

Der neue Reaktor in Garching begleitet uns nach wie vor. Im "Verfahren zur Gewässerbenutzung", sammeln und übergeben wir weitere 5000 Einwendungen und übergeben eine Petition für eine "Denkpause für eine Neubewertung des Projekts" an den bayerischen Landtag. Zudem kommt in diesem Jahr die Broschüre "HEU - der Garchinger Sündenfall" heraus, in der wir den Einsatz von hochangereichertem und damit waffenfähigen Uran (HEU) als Brennstoff anprangern.

Im Rahmen des Förderprogramms der SWM "Solarstrom lohnt sich" organisieren wir die erste Photovoltaik-Gemeinschaftsanlage in München; mit 256 kW Leistung kommt die bis dato größte Bürgerbeteiligungsanlage auf das Dach der Haidhauser Grundschule am St. Johannes-Platz.

Großen Wirbel verursachen wir mit der Postkarten-Aktion "Butterfinger", einem Schokoriegel der Firma Nestlé, in dem genmanipulierte Zutaten entdeckt wurden. Mit Erfolg: 22 kg Postkarten sorgen schließlich dafür, dass Nestlé den "Butterfinger" vom Markt nimmt.



1999

Und wieder Garching: Wir beschweren uns bei der EU wegen mangelhafter Umweltverträglichkeitsprüfung zum FRM-II. Im Auftrag der Stadt München nehmen wir Stellung zum Kommissionsbericht zur von uns geforderten Umrüstung des FRM-II von hochangereichertem und damit waffenfähigem Uran als Brennstoff (HEU) auf niedrig angereichertes Uran (LEU). Wir starten einen Aufruf für eine Umrüstung, den 200 internationale Wissenschaftler unterzeichnen. Diesen übergeben wir im Auswärtigen Amt persönlich an den amtierenden Außenminister Joschka Fischer. Wir erstellen zwei Petitionen zum FRM-II: HEU-Einsatz national wie international verbieten und weltweit alle Reaktoren von HEU auf LEU umrüsten. Und schließlich bringen wir die Broschüre "Die außenpolitische Bedeutung des FRM-II" heraus.

Eine Neuauswertung des Umweltinstituts einer Studie schlägt hohe Wellen. Es handelt sich um die so genannte Michaelis-Studie vom Institut für Medizinische Statistik und Dokumentation IMSD, dem Mainzer Kinderkrebsregister.. Unsere Auswertung ergibt, dass die Kinderkrebs- und Leukämierate bei Kindern in den Landkreisen um die drei bayerischen AKW signifikant gegenüber dem bayerischen Durchschnitt erhöht sind. Das Fazit der IMSD-Studie kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass keinerlei Effekte erkennbar sind. Dies ist der Grundstein der späteren KiKK-Studie, die eine signifikante Erhöhung der Leukämie- und Krebsrate bei Kindern in der Umgebung von allen deutschen AKW aufzeigt. Außerdem erstellen wir zwei Studien: "Lungenkrebs und Radonbelastung in Bayern" und "Krebsraten und Säuglingssterblichkeit in Gegenden Bayerns mit geologisch bedingter erhöhter Hintergrundstrahlung". Die Studien beschäftigen auch den bayerischen Landtag und führen zu einer Anhörung mit unserer Beteiligung.

Im Bereich Gentechnik schlagen wir uns mit zwei Freisetzungsversuchen von Gen-Kartoffeln herum, gegen die wir Einwendungen erheben: in Weihenstephan und auf Gut Roggenstein. Wir geben Verbraucherinfos zu genmanipulierten Lebensmitteln und deren ökologischen Risiken.

Mit der Petra-Kelly-Stiftung starten wir ein längerfristiges Kooperationsprojekt und bieten Exkursionen durch attraktive Landschaften und schützenswerte Lebensräume, u.a. zu den seltenen Exmoor- oder Keltenponies im Donaumoos an, die gerne wahrgenommen werden.

Schließlich überarbeiten wir unseren Internetauftritt und bekommen unsere heutige Adresse www.umweltinstitut.org



2000

Die rot-grüne Bundesregierung beschließt den "Atomkonsens", der nicht unsere uneingeschränkte Zustimmung findet. Unter dem Motto "Atomausstieg - geordneter Rückzug" werden wir zu Vorträgen und Fachgesprächen eingeladen. Neben dem Atomkonsens wird auch der Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung beschlossen. Grundsätzlich ist dieser Schritt lobenswert, dennoch beschert er uns viele Auseinandersetzungen mit den nun beschlossenen Zwischenlagern an allen AKW-Standorten, auch noch in den folgenden Jahren. Als Sachbeistand bei den Anhörungen dazu touren wir durch ganz Deutschland.

Bei der Uni Edinburgh erheben wir Einspruch gegen das Patent auf menschliche Embryonen. Wir erstellen die Basis-Genbroschüre "gut statt Gen" und erweitern bzw. ergänzen den Bereich Gentechnik um den Ökolandbau.

Wir nutzen zunehmend die Möglichkeiten des Internets und starten unseren elektronischen Newsletter.



2001

Unsere signifikanten Ergebnisse zu Kinderkrebs um Atomkraftwerke haben heiße Diskussionen ausgelöst. Angestoßen von der Ulmer Ärzteinitiative, tritt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit uns und der Organisation IPPNW in einen Dialog. Mit dem Ergebnis, dass das BfS weitere Studien in Auftrag geben will. Bei der Entwicklung des Studiendesigns werden wir mit einbezogen, außerdem begleiten wir die Studie in einer "Expertenkommission". Vorträge dazu werden in den Folgejahren nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Slowakei angefragt.

Wir beteiligen uns an öffentlichen Diskussionsforen zur Kommerzialisierung transgener Pflanzen. Die Gemeinde Olching unterstützen wir gegen den Freisetzungsversuch von herbizidresistentem transgenem Raps und sind Sachbeistand der Patentkritiker gegen das Krebsmauspatent.



2002

BSE erhitzt die Gemüter, unsere Informationen dazu sind sehr gefragt. Zusammen mit der Initiative "Nahrungskette" sind wir zum Gespräch mit Vertretern des bayerischen Ministeriums für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz eingeladen. Die Themen: BSE und Gentechnik in Lebensmitteln. Wir unterstützen die Petition der Zukunftsstiftung Landwirtschaft "Save our Seeds" an die Europäische Kommission und können 70.000 UnterstützerInnen gewinnen. Außerdem nehmen wir an der mündlichen Verhandlung der Einspruchsabteilung des EPA zum "Embryonen-Patent" der schottischen Universität Edinburgh teil. Mit Erfolg: Das Patent wird teilweise widerrufen.

Das Thema Elektrosmog findet mehr und mehr öffentliches Interesse. Wir beteiligen uns im Rahmen der bundesweiten Telefon-Hotline "Science Call" der Europäischen Wissenschaftswoche als Partner des VDI, zusammen mit BUND und BfS an der Elektrosmog-Beratung. Aufgrund der großen Nachfrage legen wir die Broschüre "Mobilfunkstrahlung - Wie schädlich ist Elektrosmog?" auf, die reißenden Absatz findet und über viele Jahre zum Renner wird.



2003

Mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen beteiligen wir uns an der Auseinandersetzung um den E-Smog, ebenso wie mit Hearings zu "Mobilfunk und Gesundheit" oder "UMTS - Chancen und Risiken". Außerdem nehmen wir an einer Expertenbeteiligung zur Entwicklung der Stadtratsvorlage "Mobilfunk - Münchner Vorsorgemodell 2003" teil und beraten zunehmend Gemeinden bei der Suche nach verträglichen Mobilfunkstandorten. Die Mobilfunkbroschüre geht in die zweite Auflage.

Mit einer Masseneinwendung protestieren wir gegen die Freisetzung der genmanipulierten Zeaxanthin-Kartoffel in Olching. Bei den Münchner Wissenschaftstagen sind wir als einzige kritische Organisation an der Podiumsdiskussion "Pflanzenzüchtung mit Gentechnik - brauchen wir das?" beteiligt.

Der Bereich "Erneuerbare Energien" nimmt zunehmend Raum ein. Um dem Verbraucher eine Entscheidungshilfe zu geben, erstellen wir Tabellen zur Wirtschaftlichkeitsberechnung von Solarstromanlagen und thermischen Anlagen zur Brauchwassererwärmung ins Netz. Die Seiten werden extrem gut nachgefragt. Dank regelmäßiger Aktualisierungen und Anpassungen an die neuen Gesetze und Förderrichtlinien sind sie auch heute noch stark frequentiert.

Der FRM-II hat uns noch immer fest im Griff. Wir nehmen Akteneinsicht zur letzten Teilerrichtungsgenehmigung und sind Sachbeistand für die KlägerInnen gegen das Projekt. Wir geben die Broschüre "Krebsbehandlung mit Neutronen fragwürdig" heraus und zeigen darin, dass andere Strahlenarten effektiver und schonender wirken. Obwohl wir in der Auseinandersetzung um die Zwischenlager an den bayerischen AKW-Standorten 170.000 Einwendungen vorlegen, können wir die Genehmigungen nicht verhindern.



2004

Während der FRM-II offiziell in Betrieb genommen wird, gehen unsere Infoveranstaltungen weiter. Mit unserer Beteiligung entsteht das Buch "Das atomare Kuckucksei", das die gesamte Historie vom Atomei bis zum FRM-II beschreibt. Zwei neue Studien werden erstellt: "Lungenkrebs in Gegenden Bayerns mit erhöhter Radonbelastung" und "Fehlbildungen in Bayern nach Tschernobyl". Wir beteiligen uns an einer Schulung für irakische Wissenschaftler zum Thema "depleted uranium", Waffen mit abgereichertem Uran, in Jordanien.

Und wieder die Gen-Kartoffeln: Für das Möttinger Aktionsbündnis gegen einen Freisetzungsversuch der BASF von genmanipulierten Kartoffeln mit höherem Stärkeanteil erstellen wir eine Mustereinwendung. Auf Europa-Ebene starten wir eine E-mail-Protestaktion an die EU-Kommission gegen die Einführung von legalen GVO-Verschmutzungswerten von Saatgut und erheben Einspruch bei Europäschen Patentamt gegen ein Monsanto-Patent auf natürliche genetische Anlagen einer Weizensorte. Mit Erfolg! Unsere Basis-Info zur Gentechnik wird in neuem Gewand aufgelegt und heißt nun "Gentechnik - Manipuliertes Leben".



2005

Zur Gentechnik-Basis-Broschüre gesellen sich verschiedene Faltblätter zu einzelnen Themen. Der Start einer Serie, die immer wieder erweitert wird. In diesem Jahr beschäftigen uns vor allem die Pharmapflanzen und die Terminator-Technologie. Ein Artikel zu einer Verordnung der USA, die mit dem Erlauben von Pflanzenpatentierung im Irak den überlebenswichtigen Nachbau von Saatgut erschwert, wird von der "Initiative Nachrichtenaufklärung" in die "Top 10 der in der BRD am meisten vernachlässigten Themen und Nachrichten" aufgenommen.

Weil die Medien jedes Jahr mit großen Interesse auf unsere Pilzmessaktionen eingehen, geben wir die Broschüre "Pilze und Wild - Tschernobyl noch nicht gegessen" heraus.

Zunehmend erweitern wir unseren Internetauftritt mit Informationen aus allen Themenbereichen, was schließlich dazu führt, dass im Dezember die letzte Ausgabe unserer "Umweltnachrichten" erscheint.



2006

Der 20. Jahrestag von Tschernobyl naht. Zusammen mit den Müttern gegen Atomkraft organisieren wir eine Benefizveranstaltung für die "Kinder von Tschernobyl" im Alten Rathaussaal. Außerdem bekommen wir die Gelegenheit, in Kooperation mit WECF ( Women in Europe for a Common Future) die Liquidatorin Natalia Manzurova für eine Informationsveranstaltung zu gewinnen. Für den Kinofilm "Die Wolke" nach einem Buch von Gudrun Pausenwang, der auf bedrückende Art und Weise einen Atomunfall im AKW Grafenrheinfeld in Szene setzt, sind wir als fachliche Betreuung dabei.

Und schon wieder genmanipulierte Kartoffeln: Mit unserer Einwendungskampagne können wir diesmal die Freisetzung von transgenen Kartoffeln bei Fürstenfeldbruck verhindern. Auch gegen genmanipulierten Weizen in Gatersleben erheben wir Einspruch. Nach dessen Genehmigung leiten wir eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen leitende Beamte der Behörde ein wegen Verdachts auf Befangenheit. In einer TV-Diskussion setzen wir uns u.a. mit Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer über die Agro-Gentechnik auseinander.

Der ökologische Landbau nimmt immer mehr Raum in unserer Arbeit ein. Mit dem neuen Projekt "Ökologische Ernährung aus der Region" beraten wir Schulen und Kindergärten zur Umstellung auf ökologische Verpflegung und geben die Broschüre "Gesunde Umwelt - gesunde Menschen" heraus.

Das Thema Mobilfunk hält uns ebenfalls weiterhin auf Trab: Wir sind an der Podiumsdiskussion "Wieviel Elektrosmog verträgt der Mensch" an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) beteiligt und werden als Referent zur Anhörung "Einfluss des Mobilfunks auf die menschliche Befindlichkeit" im bayerischen Landtag geladen. Unsere Mobilfunkbroschüre geht mittlerweile in die fünfte Auflage.



2007

75.000 Einwendungen gegen einen Freisetzungsversuch genmanipulierter Pharmaerbsen auf dem Gelände der Pflanzen-Genbank in Gatersleben führt zu einem Teilerfolg: Der Anbau traditioneller Erbsensorten der Genbank in unmittelbarer Nähe der Freisetzung wird während der Versuchsdauer untersagt. Wir starten eine Onlineaktion gegen die geplante Verwässerung des Gentechnikgesetzes und eine weitere gegen einen Freisetzungsversuch von genmanipulierten Zuckerrüben.

Unser Ökolandbau-Projekt wird erweitert: Gefördert von der LH München starten wir das Projekt "Ökolandbau erleben und verstehen", wo wir Kindern auf Ökobauernhöfen die Vorzüge einer nachhaltigen Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung nahe bringen.

Angefragt von der Organisation WECF, als Sachverständige im Bereich Radioaktivität und Atompolitik auf der Internationalen Klimakonferenz in Bali teilzunehmen, produzieren wir eine Poster-Ausstellung. Ebenfalls dafür erstellen wir den Flyer "Klimaretter Atomkraft? Mit Volldampf in die Katastrophe", den wir auch als englische, französische, spanische und russische Variante mit im Gepäck haben. Mit unseren Beiträgen auf der Konferenz mit Posterausstellung, Infostand, Veranstaltungen zusammen mit verschiedenen internationalen Anti-AKW-Gruppen können wir dazu beitragen, dass die Atomkraft nicht - wie von einigen Nationen gewünscht - als CDM (Clean Development Mechanism) anerkannt wird.

Während wir auf Bali gegen die Atomkraft als angeblicher Klimaretter kämpfen, wird in Deutschland die so genannte KiKK-Studie veröffentlicht. Sie basiert auf unseren bereits 1999 erstellten Nachberechnungen der Michaelis-Studie (s. 1999). Die Studie schlägt hohe Wellen, unsere Berechnungen werden nun erstmals offiziell bestätigt: Kleinkinder, die im 5-km-Umkreis eines deutschen Atomkraftwerks leben, haben ein signifikant höheres Leukämie- und Krebsrisiko als Kinder in entfernteren Gegenden. Zur amtlichen Feststellung, dass die Atomkraftwerke mit ihren radioaktiven Freisetzungen die Ursache dafür sind, kommt es jedoch nicht. Weitere Studien sollen klären, ob ein Zusammenhang besteht. Was nicht sein darf, kann offenbar noch nicht sein.

Ein weiterer "Klimaretter" kommt ins Visier: der Agrosprit. In einer Sonderausgabe der Münchner Stadtgespräche widmen wir uns den falschen Versprechungen von Politik und Autoindustrie zum vermeintlichen ökologischen Ersatz der fossilen Treibstoffe - und machen uns damit nicht nur Freunde. Selbst kritische Umweltorganisationen erliegen dem Charme der "Bio"-Energie und bezeichnen uns als Nestbeschmutzer. Heute gibt uns der Erfolg recht: "Bio"-Sprit wird nicht mehr unterstützt. Die Einführung von E10 an Deutschlands Tankstellen wird der Flopp des Jahres 2011.

Beim Thema Elektrosmog halten wir es wie immer mit dem Vorsorgegedanken. Bei einer Anhörung im bayerischen Landtag setzen wir uns für einen Verzicht von WLAN in Schulen ein. Die Wellen schlagen bis nach Berlin: In einer Bundestagsdrucksache empfiehlt die Bundesregierung, "die persönliche Strahlenexposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten ..." Im Sommer-Tollwood-Festival beteiligen wir uns mit einem Dosimetertest mit Münchner "Promis": In einem überfüllten Zelt präsentierten wir die individuellen Ergebnisse der einzelnen Beteiligten.

Erfreulich: Unsere Newsletter-Empfänger haben sich innerhalb eines Jahres von 4350 auf über 10.300 mehr als verdoppelt!



2008

Percy Schmeiser, alternativer Nobelpreisträger und kanadischer Gentechnik-Gegner, ist unser Gast bei einer Pressekonferenz zur Agro-Gentechnik. Zum gleichen Thema sind wir bei der 3sat-Sendung "scobel" Diskussionsteilnehmer, auf dem Winter-Tollwood-Festival sitzen wir zum Thema Agro-Gentechnik auf dem Podium.

Wir starten Onlinekampagnen zu Freisetzungsversuchen von Zuckerrüben und transgenem Weizen - und können fast 20.000 Unterstützer gewinnen. Viel Beachtung findet unsere Aufdeckung des "Gen-Filz", bei der wir die Verflechtung von einzelnen Personen und Firmen bei den Gentechnik-Zulassungsverfahren aufzeigen.

Unser Schulprojekt "Ökolandbau erleben und verstehen" wird von den Vereinten Nationen als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet.



2009

Das Superwahljahr hat begonnen. Als Entscheidungshilfe für die Wählerinnen und Wähler sowohl der Europa- als auch der Bundestagswahl erstellen wir den Flyer "Atomkraft abwählen", in dem wir die Lügen der Atomlobby aufdecken. Mithilfe vieler engagierter Menschen und Organisationen können wir diesen über 500.000 Mal verteilen!

Leider gelingt es uns nicht zu verhindern, dass die Regierungskoalition mit schwarz-gelb den Ausstieg aus dem Ausstieg vollzieht. Dafür setzen wir uns in Kopenhagen bei der internationalen Klimakonferenz einmal mehr dafür ein, dass nicht auch noch der Rest der Welt in die Atomeuphorie verfällt und wiedermal versucht wird, die Atomkraft als CDM (Clean Development Mechanism) also als saubere Energieerzeugungsform zu etablieren. Dazu haben wir eine Klima-Flyer-Serie aufgelegt: Als "falsche Freunde" im Klimaschutz entlarven wir die Atomkraft, die CO2-Speicherung und den Agrosprit.

Mit 57.000 Einwendungen gegen die genmanipulierte "Cholera-Kartoffel" gelingt es uns, ihren Anbau zu verhindern. Zusammen mit einem breiten Bündnis aus Verbänden wenden wir uns mit einem Offenen Brief an Bundesverbraucherministerin Aigner und Nochumweltminister Gabriel mit der Forderung, eine eindeutige Position der Bundesregierung gegen die Zulassung neuer Gen-Maissorten durch die EU einzunehmen.

Mal wieder im bayerischen Landtag beteiligen wir uns an einer öffentlichen Anhörung zum Thema "Elektrosmog und Gesundheit" und zu "Breitbandversorgung - technische Alternativen". Unsere Beratung von Kommunen und Gemeinden zur Standortoptimierung von Mobilfunkmasten erfreut sich wachsender Beliebtheit. Fast in jedem Fall wird das Umweltinstitut zurate gezogen.

Newsletter, Internetauftritt, Mailings und Logo: Alles wird neu. So manch altbackenes Layout erfährt eine umfangreiche Neugestaltung und frischt unser Erscheinungsbild auf. Nach fast 25 Jahren ist es bestimmt nicht zu früh!

Unsere Kampagne "Münchner Erklärung gegen den ökologischen Wahnsinn", die wir 2008 starteten und in der wir uns gegen die Atomkraft, die Gentechnik und den Agrosprit wenden, geht online. Bis Ende 2009 haben wir 42.000 UnterstützerInnen! Und unsere Newsletter-Abonnenten zählen inzwischen knapp 32.000 Nutzer, mit steigender Tendenz!



2010

Mit der neuen atomfreundlichen Regierung haben wir alle Hände voll zu tun. Wir unterstützen die Neugründung der "Bayern-Allianz" gegen Atomtechnik und wollen damit eine bessere und engere Zusammenarbeit der bayerischen Atomstandorte erreichen.

Die eng geschlossene Menschenkette über 120 km zwischen den Pannen-AKW Brunsbüttel und Krümmel hat uns ermutigt, auch in München ein Zeichen zu setzen. Im Oktober organisieren wir mit der Bayern-Allianz eine Menschenkette quer durch München mit einer ungeahnten Beteiligung: Etwa 50.000 Menschen säumen die 10 km lange Route. Ein beeindruckendes Signal nach Berlin, dass sogar die Menschen in Bayern keine Atomkraft wollen!

Wir starten zwei große Infokampagnen: zu Gentechnik und Atomtechnik. Dazu gestalten wir unsere Infomaterialien völlig um: In neuem Layout und Format finden die Flyer und Broschüren reißenden Absatz. Die Basis-Broschüre "Gentechnik: Manipuliertes Leben" wird überarbeitet und erweitert. Die sieben detaillierten Faltblätter werden ebenfalls überarbeitet und um den nächsten Lügenflyer "Alles manipuliert - Die Lügen der Genlobby." ergänzt. Unser neu aufgelegter Atomlügenflyer "In Wahrheit ist alles gelogen" ist bereits über eine Million Mal verteilt. Dazu kommen vier neue Themenflyer: "Uranabbau", "Der atomare Müllberg", "Kinderkrebs durch AKWs", und "Der Atomstrom und die Bombe". Zusätzlich erstellen wir eine vierteilige Posterserie zur Atomenergie.

Zum Internationalen Jahr der Biodiversität kreieren wir die Ausstellung: "Gentechnik.Patente.Biopiraten. - Der Ausverkauf der Artenvielfalt"., die wir auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München präsentieren.

Überraschend entdecken wir in einem Münchner Supermarkt Erdnussbutterkekse, die mehrere genmanipulierte Zutaten enthalten. Unsere Pressemitteilung dazu bringt den gewünschten Erfolg: Die Handelskette nimmt diese Süßigkeit bundesweit aus dem Sortiment. Ebenso werden wir in einem Münchner Feinkostgeschäft fündig, wo illegale genmanipulierte Lebensmittel angeboten werden. Das daraufhin eingeleitete Verfahren gegen den Importeur ist noch nicht abgeschlossen.



2011

Seit Februar ist das Agrobenzin E10 im Handel. Trotz anhaltender Kritik durch Umweltschützer und Menschenrechtler jubelt die Regierung den neuen Kraftstoff als Zukunftslösung für "grüne" Mobilität hoch. Doch in Wahrheit ist es nur eine dreiste Form des Greenwashing. Wir organisieren eine Protestaktion und fordern in einer E-Mail-Aktion an die Verantwortlichen die Abschaffung des Beimischungszwangs.

Unterwegs zur Menschenkette gegen die Laufzeitverlängerung des Alt-AKW Neckarwestheim am 12. März, hören wir ständig die Nachrichten über die Erdbebenkatastrophe in Japan. Vor allem die Probleme im Atomkomplex Fukushima machen uns zunehmend nervös. Schließlich entscheiden wir uns, vorzeitig nach München zurückzufahren und geben noch am selben Abend die Intensivierung unseres Überwachungssystems in einer Pressemitteilung bekannt. Von nun an stehen die Telefone nicht mehr still. Wochenenden sind gestrichen, der Messdienst in Schichten gewährleistet die Rundum-Überwachung. Wir nehmen Regenwasser- und Staubwischproben und stellen die Messwerte unserer Außenüberwachung mehrmals täglich ins Netz. In Windeseile werden Kundgebungen organisiert. Allein in München zeigen am 26. März mehr als 40.000 Menschen, dass sie es nun satt haben und endgültig das Aus für die Atomenergie einfordern. In einer weiteren bundesweit organisierten Demo Ende Mai gehen insgesamt 160.000 Menschen auf die Straße. Deutlicher kann die Ablehnung kaum mehr sein.

Die Rundfunk- und Fernsehteams geben sich die Klinke in die Hand. Schnell kehren die Erinnerungen an Tschernobyl zurück, die Menschen haben die gleichen Ängste wie damals. Ein monatelanger Kraftakt beginnt, mit Erfolg: Der Atomausstieg ist zum zweiten Mal besiegelt, acht von 17 Atomkraftwerken gehen sofort vom Netz und bleiben es dauerhaft. Für die restlichen ist eine Zeitspanne von etwa zehn Jahren festgesetzt - was allerdings in deutlich kürzerer Zeit möglich wäre. In einer E-Mail-Aktion fordern wir, den Atomausstieg im Grundgesetz zu verankern.

Mit Fukushima entsteht ein Grenzwertchaos: Heimlich über´s Wochenende setzt die EU-Kommission eine "Schubladenverordnung" in Kraft, die Grenzwerte für den Import japanischer Lebensmittel festsetzt. Sie basiert auf einer bereits 1987 besiegelten Verordnung, die für den Fall einer neuen Atomkatastrophe vorsorglich erarbeitet wurde. Zusammen mit der Organisation foodwatch kritisieren wir die viel zu hohen Grenzwerte und erreichen, dass sie deutlich gesenkt und den japanischen Grenzwerten angeglichen werden.

Wir starten eine E-Mail-Aktion gegen das weltweit am meisten eingesetzte Herbizid Glyphosat, bekannt unter dem Namen Roundup von Monsanto. Wir nehmen Bundesverbraucherministerin Aigner beim Wort "Verbraucherpolitik muss Transparenz schaffen, für Rechtssicherheit sorgen und gesundheitlichen Schutz gewährleisten" und fordern ein Ende von Roundup, Gyphosat und Gentechnik in Deutschland und Europa.