Überraschend intensiv Ehrlich gesagt hatte ich keinen blassen Schimmer, was mich bei meinem Praktikum hier im Umweltinstitut so alles erwarten sollte. Und schließlich habe ich Pilze püriert, Papiersorten studiert, ländliche Kommunalpolitik bestaunt, Stromflüsse erforscht, Lebensberatung geleistet, endlose Müllberge begutachtet und bayrische Kühe gezeichnet. Recycling - wieder egal? Mein erstes Projekt war: "Häufig gestellte Fragen zu Recyclingpapier". Mein Mitpraktikant und ich waren zu dem uns vorgelegten Fragenkatalog erst mal ratlos. Wieso will man zu so einem banalen Gebrauchsgegenstand soviel wissen? Doch nach einigen Recherchen wuchs unser Fundus und am Schluss konnten wir uns beinahe Papierwissenschaftler nennen. Überrascht waren wir über die inhaltliche Dünne eines auf Schulheften verbreiteten Logos, welches über die wahren Umweltschutzeigenschaften des Papiers wenig aussagt. Während unsere Texte entstanden, bekamen wir auch Einblicke in Redaktionsabläufe und die Gestaltung von HTML-Seiten. Als unsere Arbeit schließlich im Internet war, mussten wir uns doch mal gegenseitig auf die Schultern klopfen. Die Sache mit dem Müll Doch dafür blieb nicht lange Zeit, denn jetzt wollten wir uns einem weiteren Thema, dem "Müll" widmen. Wohin kommt der Müll, nachdem er in der Abfalltonne gelandet ist? Wir fanden eine der Zwischenstationen heraus, wo der Münchner Plastik- und Dosenmüll eine kurze Bleibe findet: Die Müllsortierungsanlage in Warngau. Tonnenweise karren Laster dort jeden Tag den Müll an, schütten ihn auf riesige Haufen, wovon er auf endlose Fließbänder verfrachtet wird, die ihn kreuz und quer durch einen gewaltigen Lagerhallenkomplex fahren. Ab und zu lässt man ihn an manchen Stationen halten, Siebtrommeln lesen ihn aus, Magneten saugen die Leichtmetalle ab, Angestellte sortieren ihn per Hand aus, bis er schließlich schön in verschieden Sorten verpackt auf neuen Lastern landet, um in eine Verwertungsanlage zu fahren. Von diesen unglaublichen Mengen Müll und dem trotzdem so ausgeklügelten System war ich ganz schön überwältigt. Erst jetzt hatte ich einen wirklichen Eindruck von Müll bekommen und verstanden, dass in Zukunft alles daran gesetzt werden muss, die Müllproduktion zu reduzieren. Gehirn in Gang gesetzt Manchmal half ich auch bei den Berechnungen für ein Standortgutachten von Mobilfunkantennen. Zum ersten Mal seit meinem Abitur musste ich wieder mein Gehirn in Gang setzen, während ich versuchte, die Zusammenhänge zwischen Leistungsflussdichte und elektrischer Feldstärke zu verstehen. Doch tatsächlich kam man schnell wieder in die physikalische Materie rein und erlebte hier zum ersten Mal die praktische Wiedergabe von Physikunterricht in der Schule. Mal fuhr ich auch mit dem anderen Praktikanten auf einen Vortrag des Umweltinstituts über Mobilfunk mit. Während der Referent den Leuten Risiken durch Mobilfunk erklärte und Möglichkeiten aufzeigte, wie die Belastung reduziert werden kann, amüsierten wir uns prächtig über die empörten Reaktionen der Leute zu den Vorgängen rund um die Entstehung der örtlichen Mobilfunkstationen und die darauffolgende hitzige Diskussion über dieses heikle Thema. Mein Hamburger Kollege sah hier zum ersten Mal den Prototypen eines richtigen Bayern und war entzückt. Ein andermal begleitete ich unseren Vorstand Hans Ulrich-Raithel zu einem Interview beim Bayrischen Fernsehen. Während er zu Mobilfunk befragt wurde, servierte mir die Journalistin leckere Schokokekse und ich konnte mir die ganze Fernsehproduktion von innen anschauen. Während meines Praktikums übernahm ich zeitweise auch das Telefon, nahm Bestellungen auf oder leitete Gespräche weiter. Falls der richtige Kollege nicht da war, bot ich nicht immer einen Rückruf an sondern versuchte mich auch mal selbst als Beraterin. So hörte ich mir anderer Leute Fragen und Sorgen an und konnte mit meinen neuen kleinen Umweltwissen dem ein oder andern auch weiterhelfen. Falls ein Anrufer mal zu penetrant wurde, spielte ich wieder die unwissende Sekretärin. Radioaktivität gemessen Zwischendurch hab ich manchmal auch bei den Radioaktivitätsmessungen von z. B. Lebensmitteln und Materialien mitgeholfen. Nicht selten schickten Leute privat ihre fleißig gesammelten Schwammerl und Heidelbeeren, Brombeeren oder Waldhonig. Eine Wildschweinkeule war auch mal dabei. All diese Proben mussten dann gehackt, zerkleinert oder püriert werden. Besonders bei den Pilzen war das immer eine schön matschige Angelegenheit, bis die Messgefäße endlich richtig verschlossen im Gammaspektroskop, dem Messgerät landeten. Krabbeln inclusive Einmal hab ich den Stromverbrauch aller elektrischen Geräte im Institut gemessen. Das Herumkrabbeln zwischen Schreibtischen und Entwirren von Kabelhaufen lohnte sich letztendlich, denn das Ergebnis des Versuch bestätigte nur die Behauptung, dass fast jedes Gerät im ausgeschalteten Zustand noch Strom verbraucht. Vor allem bei den Computer und Monitoren, aber auch der Kaffeemaschine und den Messwaagen konnte ich diesen "heimlichen" Stromverbrauch feststellen. Wenn man aber all diese Geräte an Master-Slave-Steckdosen oder schaltbare Leisten anschließt, kann man nicht nur der Umwelt zu Liebe Strom, sondern auch eine ganze Menge Geld einsparen. Viele Einsparpotentiale, auch im Bereich der Beleuchtung wurden im Umweltinstitut schon genutzt, einige Verbesserungsmöglichkeiten haben wir aber noch gefunden. Jetzt bin ich schon am Ende meines 2-monatigen Aufenthaltes in Umweltinstitut. Eigentlich ging die Zeit verdammt schnell um. Auf der anderen Seite hab ich doch einiges getan in diesen Wochen. Und ich habe einen neuen Blick auf unsere Umwelt bekommen. Ob ich jetzt weniger mit dem Handy telefoniere oder keine Gen-verseuchten Lebensmittel mehr esse, kann ich nicht unbedingt versprechen. Doch zumindest ist mein Bewusstsein dafür eindeutig größer geworden. Schön war's. Nur die Pilze werde ich nicht wirklich missen. Ricarda Hessel, im August 2005
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