Tätigkeitsbericht für das Jahr 2010
Tätigkeitsbericht für das Jahr 2010
Radioaktivität
Die neue atomfreundliche Regierung hat uns viel Arbeit verschafft. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg drohte, eine Laufzeitverlängerung für die AKWs wurde immer wahrscheinlicher.
Öffentlichkeitsarbeit / Beteiligungen
Ende März waren wir von der bayerischen SPD-Landtagsfraktion zusammen mit mehreren Münchner Umweltorganisationen geladen, um über Atompolitik in Bayern und deren Konsequenzen zu sprechen. Erste Überlegungen zur Anti-Atom-Demo im Herbst wurden angestellt.

Am 9. Oktober war es dann soweit: Mit einer 10 km langen Kette, an der 50.000 Menschen beteiligt waren, konnten wir auch aus Bayern das klare Signal nach Berlin senden, dass die Menschen die rückwärtsgewandte Energiepolitik der Regierung satt haben und sich für die Abschaltung der Atomkraftwerke einsetzen. Als Mitglied im Trägerkreis waren wir maßgeblich an der Organisation beteiligt. Bei der
Abschlusskundgebung am Odeonsplatz riefen wir in einer Rede dazu auf, beim Atomausstieg zu bleiben und nicht mit einer Laufzeitverlängerung die Risiken der Atomkraft zu verlängern und sogar zu verstärken.
Im April beteiligten wir uns bei der kurzfristig organisierten Münchner Probe-Menschenkette auf dem Marienplatz zur Mobilisierung der bislang längsten
Menschenkette Deutschlands. Am 23. April starteten wir dann zusammen mit vielen Gleichgesinnten mit einem Sonderzug von München nach Elmshorn. Dort reihten wir uns mit Transparenten ein in die bunte Kette, die am 24. April über 120 km vom AKW Brunsbüttel zum AKW Krümmel gebildet wurde. Vor Ort wie auch bereits im Vorfeld hatten wir mehrere Interviews dazu gegeben.
Im Vorfeld des 65. Hiroshima-Gedenktages hat uns das Münchner Friedensbündnis eingeladen, beim Zwischenstopp des einjährigen Friedensmarsches von Sylt auf die Zugspitze auf dem Isartorplatz eine Rede zur zivil-militärischen Verflechtung der
Atomtechnik zu halten.
Nach mehreren Vorlauf-Gesprächen hat sich Ende Juli die „Bayern-Allianz 2010 für Atomausstieg & Klimaschutz“ gegründet. Ein breites Bündnis aus
Umweltorganisationen und den AKW-Standortinitiativen Bayerns hat sich zusammengeschlossen mit dem Ziel, gemeinsam gegen die rückwärtsgewandte Atompolitik der schwarz-gelben Regierung insgesamt und speziell der bayerischen zu agieren.
Im August empfingen wir eine neue Mitarbeiterin der britischen Botschaft, die sich bei uns ausgiebig zum Thema Atompolitik im allgemeinen und der
Entsorgungsproblematik im besonderen informierte.
Im September waren wir vom Schweinfurter Aktionsbündnis bei der Veranstaltung „Brücken verbinden – Atomkraft überwinden“ mit einem Redebeitrag beteiligt.
Im Oktober schickten wir 622 Briefe an alle Bundestagsabgeordneten und legten
ihnen noch einmal unsere Argumente gegen eine Laufzeitverlängerung dar.
Ebenfalls im Oktober besuchte uns ein Journalist aus Colorado, USA, der uns in
einem ausführlichen Interview zur deutschen Atompolitik befragte.
Im Dezember waren haben wir uns beteiligt an der Standbetreuung auf dem
Münchner Tollwood-Festival, wo wir vielen Interessierten die Notwendigkeit der
Abschaltung von Bayerns ältestem AKW Isar 1 erklärten. Außerdem unterstützten wir die Tollwood Aktion „Return to sender“, wo kleine Atommüll-Fässer mit dem Absender der Beteiligten gesammelt und schließlich an Frau Merkel geschickt wurden.
Infomaterial
2010 haben wir vier neue Themenflyer erstellt: „Uranabbau – Giftige Geschäfte fürs AKW“, „Wahnsinn auf Halde – Der atomare Müllberg“, „Krebs durch AKWs – Kinder leben gefährlich“, und „Hand in Hand – Der Atomstrom und die Bombe.
Unseren erfolgreichen Atom-Lügenflyer haben wir neu aufgelegt und konnten ihn bereits über eine Million Mal verteilen. Zusätzlich erstellten wir eine vierteilige
Posterserie zur Atomenergie.
Bildung und Unterricht
Ende Juni besuchte uns eine Schülerklasse eines Frankfurter Gymnasiums, die von uns die kritische Seite der Atomkraft kennen lernen wollte, nachdem sie zuvor das Atomkraftwerk Isar 2 bei Landshut besucht hatten. Nach unserem Impulsreferat ent-spann sich eine sehr lebhafte und kontroverse Debatte mit Schülern und Lehrern.
Anfang September hat uns „Die LINKE“ zu ihrer „Energie-Konferenz“ geladen. Wir waren im Forum zur Sicherheit von Atomkraftwerken eingebunden und gestalteten einen Workshop zum Thema zivil-militärische Verflechtung der Atomenergie.
Messprogramm
Außenluftüberwachung
Das Projekt „Überwachung der Außenluft auf ihren Radioaktivitätsgehalt“ führten wir auch in 2010 weiter. Unser Gammadosisleistungsmessgerät lief rund um die Uhr. Außergewöhnliche Auffälligkeiten konnten nicht registriert werden.
Folgende Grafik zeigt den Verlauf der externen Gammadosisleistung für November 2010. In diesem Zeitraum gab es keinen Hinweis auf künstliche Radioaktivität in der Luft. Jede überdurchschnittliche Erhöhung fiel zeitgleich mit starkem Niederschlag zusammen. Mit dem Niederschlag wird natürliche Radioaktivität (Radon-Zerfallsprodukte) aus der Luft ausgewaschen.
Lebensmittelmessungen
Unser langfristig angelegtes Forschungsprogramm zur Ermittlung der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln konnten wir erfolgreich weiterführen. Die Ergebnisse bestätigen den langjährigen Trend, denn auch 24 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe sind unsere heimischen Waldprodukte zum Teil noch erheblich
radioaktiv kontaminiert. In mehreren Radio- und Fernseh-Interviews gaben wir Auskunft zur derzeitigen Belastung bei uns wie auch zu einer erneuten Grenzwertüberschreitung bei importierten Pfifferlingen aus Rumänien, die wir bei unseren stichprobenartigen Probenahmen von Münchner Märkten auch im vergangenen Jahr wieder gefunden haben. Diese waren mit 1000 Bq/kg Cäsium-137 belastet, der EU-Grenzwert liegt bei 600 Bq/kg. Spitzenreiter in diesem Jahr waren Maronenröhrlinge aus Frontenhausen südlich von Dingolfing mit 1700 Bq/kg.
Energie und Klima
Im Zuge unserer Verbraucherberatung zum Energiesparen wurden die Fragen & Antworten zu den Themen Heizenergie sparen, Energieausweis und Strom sparen komplett überarbeitet.
Anlässlich der anstehenden Entscheidung zur Carbon Capture and Storage (CCS) Technologie haben wir uns eingehend mit der Kohlenstoffspeicherung beschäftigt und unsere Einschätzung in Interviews öffentlich gemacht. Unsere Physikerin referierte auf Einladung der Bürgerinitiative „Kontra-Kohlestrom-Dachau“ zum Thema „Energieversorgung: Sauber und bezahlbar“.
Zum Klimagipfel in Cancun haben wir im Vorfeld in unseren Medien zu den anstehenden Verhandlungen informiert und in Zwischenbilanzen und einer
Abschlusserklärung die Ergebnisse kommentiert.
Wirtschaftlichkeitsberechnungen
Zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit von Wärmedämmung, Solarwärme- und
Photovoltaikanlagen sowie der Nutzung erneuerbarer Energien bieten wir je ein neues Internet-Tool an. Interessierte können in die jeweilige Excel-Tabelle ihre persönlichen Parameter eingeben und erfahren, in welchem Zeitraum sich die Maßnahmen
finanziell amortisieren. Sie erfreuten sich einmal mehr großer Beliebtheit. Verschiedene Energieberatungsfirmen verlinken inzwischen auf unsere Tabellen.
Münchner Klimaherbst
Der Münchner Klimaherbst stand 2010 unter dem Motto „Weniger ist Mehrwert“. Wir beteiligten uns daran mit der Herbstausgabe der Münchner Stadtgespräche mit
Themen wie:
Konsum: Warum weniger einfach mehr ist;
Raus aus dem Stall: Weidehaltung schützt die Umwelt;
Wenig Geld, viel Glück?: Über den Zusammenhang von Erwerbsarbeit, Umweltbelastung und Lebensqualität;
Ackermannbogen: Lebendigkeit, nicht Konsum;
Langeweile im Kleiderschrank?: Dresscode: fair und
Architektur: Aus alt mach passiv.
Das Heft war rege nachgefragt und erntete viel Lob.
Agrosprit
Am 26. Februar fand im Bayrischen Landtag das Europäische Jugendforum zur
Energie- und Klimaschutzpolitik statt, das vom Europäischen Parlament in
Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landtag veranstaltet wurde. Vorbereitet von
Fachreferenten des Umweltinstitut München konnten die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule Freising den Abgeordneten kritische Fragen über aktuelle politische Entscheidungen zu Biokraftstoffen stellen.
Unsere im Frühjahr gestartete Kampagne "Ölpalm-Plantagen sind keine Wälder!" war erfolgreich. Die mehr als 28.000 Protest-Mails haben bei den EU-Kommissaren Wir-kung gezeigt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat die Nachhaltigkeits-Kriterien für "Biokraftstoff" vorgestellt. Auch er kam zu dem Ergebnis: Ölpalm-Plantagen sind keine Wälder.
Die EU-Kommission will nun auch die Auswirkungen der „indirekten
Landnutzungsänderungen“ in ihre Nachhaltigkeitskriterien integrieren, also die Folgen der
Ausweitung industrieller Agrarproduktion, vor allem in Ländern der Dritten Welt. Da die EU-Kommission die verheerenden Folgen des Agrosprit-Anbaus anhand unzureichender Studien EU-naher Institutionen beurteilt hat, hat das Umweltinstitut München e.V. im November einen Einwand an die europäische Kommission geschickt.
Gentechnik
Verbraucherinformationskampagne
2010 starteten wir eine Info-Kampagne mit dem Ziel, sowohl den kommerziellen
Anbau genmanipulierter Pflanzen, als auch deren Freisetzungsversuche in Deutschland zu verhindern. Eine breite Aufklärung über die Risiken der „Grünen“ Gentechnik ist mittels kostenloser Verbreitung aktueller Informationen erfolgt. Diese stehen auch weiterhin allen Interessierten, Aktiven, Bürgerinitiativen und gentechnikfreien
Regionen zur Verfügung.
Im Rahmen dieser Kampagne wurde die Basis-Broschüre „Gentechnik: Manipuliertes Leben“ überarbeitet und deren Umfang konnte von 16 auf 24 Seiten erweitert werden. Die sieben detaillierten Faltblätter wurden ebenfalls überarbeitet und ein Kampagnen-Faltblatt erstellt.
Die Verbraucherinformationskampagne 2010 wurde mit großem Erfolg durchgeführt. Die Resonanz war durchgängig sehr positiv. Insgesamt wurden seit Juni etwa 300.000 Kampagnen-Faltblätter, jeweils über 40.000 Detail-Faltblätter und knapp 40.000 Basis-Broschüren versandt. Gleichzeitig wurden die Broschüre und die
Faltblätter im Downloadbereich der Instituts-Homepage veröffentlicht.
Nach der Ankündigung des EU-Verbraucherkommissars, die Zulassung von neuen Gen-Konstrukten erleichtern zu wollen, wurde im Juni die Kampagne ‚Gentechnik-Durchmarsch stoppen’ durchgeführt. Insgesamt haben sich etwa 9000 Menschen daran beteiligt.
Freisetzungen
Amflora
Im März kam von der EU-Kommission überraschend die Freisetzungsgenehmigung der BASF-Gentechnik Kartoffel „Amflora“. Damit ist zum ersten Mal seit 1998 eine neue Gentechnikpflanze für den Anbau in Europa zugelassen worden, weitere sollten im Laufe des Jahres folgen. Zusätzlich sollten die Zulassungsvoraussetzungen
drastisch erleichtert werden. Daraufhin forderte im April das Umweltinstitut München
zusammen mit einem breiten Bündnis von Verbänden in einer Protest-Postkartenaktion unter dem Motto „Gesunde Vielfalt – statt Risikoknolle. Wir setzen auf
gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft“ Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, sich für Gentechnikfreiheit in Deutschland einzusetzen.
Gen-Lebensmittel
Das Umweltinstitut München hatte im Mai Erdnussbutterkekse in einem Münchner REWE-Supermarkt gefunden, der mehrere genmanipulierte Zutaten enthält. Sofort nach bekannt werden in den Medien nahm die Handelskette bundesweit diese
Süßigkeit aus dem Sortiment.
Kurz darauf fand das Umweltinstitut heraus, dass in Münchens bekanntestem
Feinkostgeschäft illegale genmanipulierte Lebensmittel verkauft werden. Eine
unabhängige Untersuchung hatte ergeben, dass das aus den USA importierte Produkt eine Mischung aus sieben unterschiedlichen Gen-Maissorten enthält. Die Verpackung war nicht gekennzeichnet und hätte somit nicht in Deutschland verkauft werden dürfen.
Ausstellungen
Zum Internationalen Jahr der Biodiversität entstand die Ausstellung: „Gentechnik. Patente. Biopiraten. - Der Ausverkauf der Artenvielfalt“. Neben der virtuellen
Ausstellung auf der Homepage konnten sich Verbraucher über den Zusammenhang
zwischen Gentechnik und Verlust der Artenvielfalt von Mai bis September u.a. beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München, beim Lernfest in Benediktbeuern und bei der Nacht der Umwelt auf dem Stemmerhof in München informieren.
Patente
Im Januar und im Juli beteiligte sich das Umweltinstitut an den Demonstrationen zum „Kuh-‚ und Brokkoli-Patent“ vor dem Europäischen Patentamt in München.
Expertengespräch und Vorträge
Die Einladung zum Expertengespräch der Sendereihe BR alpha - Forum Wissenschaft zum Thema ‚Pflanzen aus der Retorte - der Streit um die grüne Gentechnik’ im August gab dem Umweltinstitut die Chance, vor einer breiten Öffentlichkeit die
falschen Versprechungen der Genlobby zu widerlegen.
Das Umweltinstitut München referierte zum Thema Agrogentechnik:
- Gentechnik in Lebensmitteln, ein Vortrag beim Bayrischen Bauernverband in Lenggries am 14. Januar;
- Gentechnik-Trends in der Europäischen Politik, Pressefachgespräch beim Kreisverband Bündnis 90/ Die Grünen in Eichstädt am 15. Juni;
- Gefahr durch Agrogentechnik, Vortrag bei der Bürgerinitiative Pfaffenhausen am 28. Juli;
- Grüne Gentechnik Versprechen und Wirklichkeit, Vortag bei der Gemeinde Lenggries, am 25. November.
Bildung für nachhaltige Entwicklung
Im Rahmen des vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München geförderten Projekts „Ökolandbau erleben und verstehen“ führten wir 2010 über 50 Exkursionen auf Bio-Bauernhöfe und Projekttage an Schulen durch. Dabei konnten wir etwa 1500 Kindern, Jugendlichen, Lehrern und Erziehern die Vorteile des Ökolandbaus nahe bringen. Trotz einer Verdoppelung des Angebots waren wir wieder restlos ausgebucht. Dieses Projekt ist erneut auch für die Jahre 2011 / 2012 von den Vereinten Nationen als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet worden.
Das Umweltinstitut engagiert sich darüber hinaus zur stetigen Entwicklung der
pädagogischen Aspekte im Netzwerk Umweltbildung.
Landwirtschaft
Die Weichen für eine neue, bessere Agrarpolitik in Europa und Deutschland werden neu gestellt. Der Weg in die Zukunft liegt in einer modernen bäuerlichen
Landwirtschaft: natürlich, regional und ökologisch! Daher hat sich das Umweltinstitut
München 2010 an verschiedenen Aktionen wie zu Klimaschutz durch Weidehaltung und Erntedankplakaten für eine zukunftsfähige Landwirtschaft beteiligt.
Elektrosmog / Mobilfunk
Im Bereich Mobilfunk liegt der Schwerpunkt des Umweltinstitut München e.V. in der Immissionsminimierung. Wir setzen eine besonders realitätsnahe, in einem
wissenschaftlichen Verfahren weit entwickelte Prognosetechnologie ein, an dessen
Entwicklung wir im Rahmen eines Forschungsprojektes mitwirkten. Wir erweiterten die
Prognosetechnik um die neuen Funkstandards LTE (Mobilfunk und funkgestützte
Breitbandversorgung) und TETRA (Digitaler Behördenfunk), so dass wir neben
Immissionsprognosen auch hier betreiberunabhängige Versorgungsprognosen erstellen können.
Die Immissionskarte bietet der Kommune sowie den Bürgerinnen und Bürgern einen anschaulichen Einblick in die sehr ungleichmäßige räumliche Verteilung der
Strahlungsintensitäten. Es wird ersichtlich, dass sich die Strahlenbelastungen im Umfeld der einzelnen Mobilfunkanlagen stark unterscheiden. Die differenzierten
Informationen führen zu einer Versachlichung der Diskussion, eine wichtige Grundlage zu
strategischem und lösungsorientiertem Handeln im Sinne der Immissionsminimierung.
Allgemein empfehlen wir, bei der Mobilfunk-Standortwahl das dialogische Verfahren zu bevorzugen. Unterstützt durch unabhängige technische Beratung lässt sich im Sinne der Immissionsminimierung oft ein tragbarer Kompromiss erzielen. Bezüglich der jeweils ungünstig betroffenen Anwohner werden bei der Strahlenbelastung häufig Reduktionen von 30 bis 90 Prozent erreicht.
Einzelne Fälle konnten dialogisch nicht gelöst werden, so dass sich Kommunen
veranlasst sahen, baurechtliche Schritte zu ergreifen. Bei Bauleitplanungen, denen un-sere technische Beratung zugrunde liegt, war neben der Immissionsminimierung die Sicherstellung der uneingeschränkten Versorgung ohne Einschränkung des
Versorgungsziels und Nachweis derer anhand eigener Versorgungskarten wesentlicher
Bestandteil. Dank unserer Mitwirkung an der Entwicklung der Prognosetechnologie
verfügen wir über ein hochfeines Instrument, welches funktechnisch belastbare
Aussagen zur Versorgungsqualität innerhalb und außerhalb von Gebäuden in einer Karte liefert. Die Versorgungsqualität spielt bei unseren alternativen Planungen eine ent-scheidende Rolle und hat diesen auch bei gerichtlicher Überprüfung zum Erfolg
verholfen.
Agenda21
Münchner Stadtgespräche
Die Münchner Stadtgespräche erscheinen in Zusammenarbeit mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München. Wegen der großen Nachfrage haben wir in 2010 die Auflage erhöht von bislang 10.000 auf 12.000 Hefte und dafür die Ausgaben von vier auf drei pro Jahr reduziert.
Die Themen:
Nr.56 „Natur in der Stadt“ im April,
Nr.57 „Weniger ist Mehrwert“ als Beitrag zum Münchner Klimaherbst im Oktober und
Nr.58 „Protest“ im Dezember.
www.muenchner-stadtgespraeche.de
Die Ausgaben der Münchner Stadtgespräche stellen wir im pdf-Format auf der Webseite www.muenchner-stadtgespraeche.de Internet-NutzerInnen als Download zur Verfügung. Aufgrund der Umstellung von bislang vier auf nunmehr drei Hefte pro Jahr ging die Anzahl der Aufrufe leicht zurück, liegt aber weiter auf hohem Niveau. Auf der Webseite veröffentlichen wir auch die Agenda-Termine, die wir monatlich per Newsletter verschicken.
Agenda-E-Mail-Newsletter
Auch 2010 erstellte die Redaktion der Münchner Stadtgespräche den monatlichen E-Mail-Termine-Newsletter mit ausgewählten Terminen zu
Agenda-Themen.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
2010 starteten wir zwei große Infokampagnen: zu Gentechnik und Atomtechnik. Dazu gestalten wir unsere Infomaterialien völlig um: In neuem Layout und Format finden die Flyer und Broschüren reißenden Absatz. Die Basis-Broschüre „Gentechnik: Manipuliertes Leben“ haben wir überarbeitet und erweitert. Die sieben detaillierten Faltblätter wurden ebenfalls überarbeitet und um den nächsten Lügenflyer „Alles manipuliert – Die Lügen der Genlobby.“ ergänzt.
Unser neu aufgelegter Atomlügenflyer „In Wahrheit ist alles gelogen“ war bereits über eine Million Mal verteilt. Dazu kamen vier neue Themenflyer: „Uranabbau“, „Der atomare Müllberg“, „Kinderkrebs durch AKWs“, und „Der Atomstrom und die Bombe“. Zusätzlich erstellten wir eine vierteilige Posterserie zur Atomenergie.
Zum Internationalen Jahr der Biodiversität kreierten wir die Ausstellung: „Gentechnik.Patente.Biopiraten. - Der Ausverkauf der Artenvielfalt“., die wir auf dem 2.
Ökumenischen Kirchentag in München präsentierten.
Mit drei Online-Kampagnen forderten wir die jeweils Verantwortlichen zum Handeln auf: Im Sommer starteten wir die Aktion „Endlagersuche nicht privatisieren“, wo mehr als 7000 Unterstützer an Bundeskanzlerin Merkel und Umweltminister Röttgen einen verantwortungsvollen Umgang mit Atommüll forderten. Im Herbst protestierten über 9000 Menschen gegen die drohende Laufzeitverlängerung in einem Brief an Frau Merkel, Herrn Röttgen, den damaligen Wirtschaftsminister Brüderle und die
Ministerpräsidenten der schwarz-gelb geführten Länder: „Deutschland darf nicht an die A-tomkonzerne verkauft werden“.
Die dritte Online-Kampagne im Bereich Agrosprit richtete sich an die EU-Kommissare mit der Aufforderung, dass Ölpalmplantagen nicht als Wald definiert werden dürfen – mit Erfolg: Zusammen mit Pro Regenwald schickten wir 28.000 Protestbriefe an die EU, die die geplante Definition verhindern konnten.
www.umweltinstitut.org
Das Internet ist inzwischen ein wesentlicher Faktor bei der Verbreitung unserer
Informationen und Aktionen geworden. Auf unserer Homepage verzeichneten wir im Jahr 2010 mehr als 1,1 Millionen Besucher.

Zunehmend machen die BesucherInnen der Homepage von der Möglichkeit Gebrauch, unsere Broschüren und Faltblätter online bestellen zu können.
E-Mail-Newsletter
Im Jahr 2010 haben wir 23 Newsletter an fast 45.000 Empfänger verschickt und
informierten über aktuelle Aktionen, Termine und wichtige Ereignisse.
Häufig gestellte Fragen
Das von der Stadt München geförderte Projekt „Häufig gestellte Fragen unserer Umweltberatung“ (FAQ) wächst immer weiter und freut sich über stetig wachsenden Zuspruch. Die Zahl der Seitenabrufe des FAQ-Projekts lag 2010 bei knapp 270.000.

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In der praktischen Arbeit kommen bestimmte Fragestellungen immer wieder vor. Um diese Grundkenntnisse über das Medium Internet effizient zu vermitteln, haben wir sie mit den entsprechenden Antworten in die Homepage aufgenommen. Über das FAQ-Projekt wird eine Personengruppe erreicht, die nicht in erster Linie telefonisch oder im Rahmen eines Besuchs um Rat fragen würde.
Durch die umfassende Information der Seitenbesucher zu einzelnen Themenkomplexen des gesamten Umfelds seiner Fragestellung wird der Internet-Besucher
präzise und kompetent informiert. So erhält er umfassend Antwort auf seine Fragen. Bei weiterem Bedarf nach persönlicher Beratung findet der Nutzer am Ende jedes
Themenblocks eine verlinkte E-Mail-Adresse, an die er seine zusätzlichen Fragen richten kann. Diese E-Mails werden ebenfalls zur Ergänzung des Fragenkatalogs
herangezogen. Über das Medium Internet wird somit zusätzliches Potenzial für eine
Änderung des Umweltverhaltens genutzt.
Medienkontakte
Die Pressearbeit wurde kontinuierlich fortgesetzt. Die Berichterstattung findet in allen Medien statt: Print, Hörfunk, Fernsehen, Internet. Das Umweltinstitut München ist bei JournalistInnen ein bundesweit gefragter Ansprechpartner.
Printmedien
Im Februar ist die Ausgabe Nr. 06 unseres „Infobriefs“ erschienen, der auf vier Seiten die wichtigsten Nachrichten aus unseren Arbeitsbereichen bringt.
Unser Atomlügenflyer bekam ein neues Outfit und hat die Millionenauflage übersprungen. Im Bereich Radioaktivität haben wir vier neue Atom-Faltblätter und eine Posterserie erstellt.
Unsere Basis-Gen-Broschüre wurde gründlich überarbeitet und erweitert und kam ebenfalls in neuem Layout heraus.
Insgesamt konnten wir 2010 über 2000 Pakete mit Infomaterial verschicken.
Infostände
Durch Infostände und Vorträge zu den Themen ökologischer Landbau und Gentechnik in der Landwirtschaft unterstützte das Umweltinstitut München die gebotene Vielfalt bei der Dult im Ökologischen Bildungszentrum am 02. Mai, auf dem Lernfest in Benediktbeuern im Juni, beim Stemmerhoffest am 19. September und auf dem Ökologischen Hoffest im Riem am 20. September.
Weiter waren wir im Mai vertreten beim Ökumenischen Kirchentag mit unserer viel beachteten Biodiversitätsausstellung und bei den Bio-Erlebnistagen auf dem Streetlife-Festival im September. Wie jedes Jahr standen wir zum Tschernobyl-Jahrestag den interessierten Bürgerinnen und Bürgern auf dem Marienplatz zur Verfügung. Die Nacht der Umwelt gestalteten wir diesmal auf dem Stemmerhof mit Ständen zu Gentechnik und Landwirtschaft wie auch zur Atomkraft mit unserer neu gestalteten Posterserie.
Beratung
Umweltberatung
Auch im Jahr 2010 haben viele Bürgerinnen und Bürger unsere Umweltberatung in Anspruch genommen. Dank der finanziellen Unterstützung des lokalen Anteils durch die Stadt München konnten wir wieder zahlreiche telefonische, persönliche oder auch E-Mail-Anfragen beantworten. Viele der Interessenten wünschten eine
ergänzende Informationsquelle zu behördlichen oder Firmeninformationen. Sie zeigten sich über unsere differenzierte, unabhängige und engagierte Herangehensweise in den Themenbereichen Elektrosmog / Mobilfunk, Radioaktivität / Strahlenschutz, Energieeinsparung / Klimaschutz, Wohngifte / gesundes Bauen, Gentechnik /
Landwirtschaft, Agrosprit und Verbraucherschutz in der Regel sehr zufrieden. Dies zeigte sich auch daran, dass viele Personen unsere Umweltberatung wiederholt in
Anspruch nehmen.
Im Bereich Elektrosmog informierten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger über die Auswirkungen von Funkanwendungen und Alternativen dazu. Ungebremst
intensiven Beratungsbedarf gibt es, wenn neue Funkmasten geplant oder gebaut werden. Auch der Beratungsbedarf zu Schnurlostelefonen war ungebrochen groß – die
Verkäufer sind selten gut informiert und die Auslobungen der Hersteller zu den Geräten, welche in unterschiedlichem Umfang strahlungsminimiert arbeiten, führen nicht
immer dazu, dass kritische Vorsorge-orientierte Verbraucher das bekommen, was sie wünschen.
Im Bereich Gentechnik konnten wir auch in 2010 wieder viele Bürgerinnen und
Bürger zu genmanipulierten Pflanzen beraten und betreuen. Darüber hinaus hatten wir einen hohen Bedarf an Beratung zu Fragen der Risiken von Agro-Gentechnik und ökologischem Landbau.
Informationen rund um die Atomenergie waren vor allem zu den geplanten
Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke gefragt. So beantworteten wir zahlreiche Fragen zu unserem Flyer „Die Lügen der Atomlobby“, zur Sicherheit von AKW, wenn sie
länger laufen als bisher vorgesehen, zum Strahlenschutz, zur Belastung von Baustoffen oder Lebensmitteln, nicht zuletzt, weil wir einmal mehr gekaufte rumänische
Pfifferlinge beprobten, die deutlich über dem zulässigen Grenzwert lagen und nicht in den Handel hätten gelangen dürfen.
Viele Anfragen im Bereich Klimaschutz / Energie kamen wieder in Zusammenhang mit unserer Wirtschaftlichkeitsberechnung von Solaranlagen wie auch zu
energiesparenden Maßnahmen bei Hausrenovierungen.
Naturschutz
Im Jahr 2010 wurde in dem von uns betreuten Biotop in München-Denning die für Führungen des benachbarten Ökologischen Bildungszentrums (ÖBZ) vorgesehene Referenzfläche weiter gestaltet und gepflegt. Hier kann man viele Tier- und
Pflanzenarten auf kleinem Raum beobachten. Insbesondere wurden verschiedene Typen von Landlebensräumen weiterentwickelt, darunter eine kleine Magerrasenfläche für die Wechselkröte und die Gelbbauchunke sowie ein Gehölzbereich.
Die Situation der Amphibien hat sich – bezogen auf die seltenen Arten Wechselkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch – wieder etwas verschlechtert, wobei jährliche Schwankungen der Populationsgrößen völlig normal sind.
Dennoch liegen die Individuenzahlen dieser drei und weiterer Arten auf einem derart niedrigen Niveau, dass ihr Fortbestand alles andere als gesichert erscheint.
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