CCS steht für "Carbon Dioxide Capture and Storage", zu
deutsch: Kohlendioxid-Abscheidung und Speicherung. Kohlendioxid, das zum Beispiel bei der Verbrennung von Kohle oder der Herstellung von Zement oder Stahl entsteht, soll ausgewaschen, konzentriert, verflüssigt und in Pipelines zu Lagerstätten geleitet werden. Hier soll das verflüssigte Kohlendioxid in tiefe geologische Schichten verpresst und
dort auf unbegrenzte Zeit gespeichert werden.
Kohlekraftwerke
verursachen rund 40 Prozent der deutschen Kohlendioxid-Emissionen.
Damit ist
Kohle der mit Abstand klimaschädlichste
Energieträger.
Dennoch befinden sich in Deutschland zehn Kohlekraftwerke im Bau, neun
weitere sind geplant. Allein diese neuen
Kraftwerke würden
jedes Jahr 150 Millionen Tonnen
Kohlendioxid ausstoßen. Dabei hat sich Deutschland
zum
Ziel gesetzt, im
Jahr 2050 insgesamt nur noch 200 Millionen Tonnen CO2 zu
emittieren.
Der
Kohlendioxid-Ausstoß der Kohlemeiler ist aber nicht nur ein Riesenproblem
für das Klima, sondern auch für die Energiekonzerne.
Denn diese müssen für die Emissionen ihrer
Kraftwerke CO2-Zertifikate kaufen. Dies könnte Kohle
schon bald zum teuersten aller Energieträger machen.
Die Lösung dieser
Probleme heißt Carbon Dioxide Capture and Storage (CCS): Mit CCS soll ein
Großteil der riesigen Emissionsmengen aufgefangen
und in geeigneten Gesteinsschichten
gespeichert werden. Kohleverbrennung soll so
"klimafreundlich" werden.
Sicheres Endlager - war da nicht was?
Der Nutzen der CCS-Technik ist mehr als
zweifelhaft.
Bedenken begleiten
den gesamten Prozess, von der Abscheidung über den
Transport bis hin zur Lagerung.
Energieverbrauch:
Die CCS-Technik verbraucht viel Energie. Der
Wirkungsgrad der
Kraftwerke verschlechtert sich durch die energieintensive
Kohlendioxidabscheidung um bis zu 15 Prozent. Der
Primärenergieeinsatz steigt um rund 30 Prozent.
Für die Produktion derselben Strommenge müsste also ein
Drittel mehr Kohle verbrannt werden. Dabei können nur rund
80 bis 90 Prozent des Kohlendioxids abgetrennt werden.
Lagerkapazität:
Die Internationale Energieagentur plant, bis 2050 zehn
Megatonnen Kohlendioxid (10.000.000
Tonnen) unter die Erde zu bringen. Sie sollen in ehemaligen Öl- oder
Gaslagerstätten sowie in Salzschichten verbracht werden. Doch geeignete Lagerstätten sind rar: Für 30 bis 60 Prozent der Emissionen aus dem
Stromsektor wird CCS schon allein deshalb nicht in Frage kommen, weil in erreichbarer Entfernung keine passenden Lagerstätten vorhanden sind.
Sicherheit: Es ist völlig unsicher, ob
das Kohlendioxid
über den angedachten
Zeitraum von 10.000 Jahren
eingeschlossen bleibt. Die Verpressung des CO2 in
Gesteinsschichten könnte zu Rissen und Erdbeben
führen, durch die das Kohlendioxid wieder aus dem Untergrund entweicht. Auch kann Kohlendioxid in gelöster Form
Gesteine und Metalle zerstören. Leckagen sind also wahrscheinlich. Dies führt zu einer Erhöhung der Kohlendioxid-Emission,
da ja aufgrund der CCS-Technik deutlich mehr Kohle verbrannt werden
wird. Schließlich gibt es noch ein besonderes Risiko: Da Kohlendioxid geruchlos ist und schwerer als Luft,
könnte es sich in Senken sammeln und Menschen und Tiere
ersticken.
Trinkwasserqualität:
Beim Verpressen des Kohlendioxids in geologische Formationen kann Salzwasser aus den Gesteinsporen verdrängt werden.
Salze können ins Grundwasser gelangen. Viele Wasserbetriebe
wehren sich daher gegen CCS-Projekte.
Stand der
Forschung: Die Abscheidetechnik ist
von einem kommerziellen Einsatz weit entfernt und frühestens
2030 ausgereift.
Das Prinzip Hoffnung
Trotz aller Unwägbarkeit planen Länder mit
großen Kohlevorräten den Neubau von
Kohlekraftwerken, allen voran China und die USA, aber
auch Indien, Australien, Russland und Deutschland. CCS dient
der Politik und Wirtschaft als Feigenblatt, den
Rohstoff Kohle in Zeiten des Klimawandels weiter zu nutzen und die
Akzeptanz für den Bau neuer Kohlekraftwerke zu
erhöhen. Sowohl auf nationaler wie auf
internationaler Ebene
ist CCS mittlerweile als Baustein in Klimaschutzprogrammen akzeptiert.
CCS dient schon heute als Argument, Kohlekraftwerke zu bauen, obwohl noch gar
nicht geklärt ist, ob die CO2-Speicherung
funktionieren wird.
CCS und CDM
Nach intensiver Lobbyarbeit der globalen
Interessensvertretung für Kohle (World Coal Association) wurde
CCS auf dem Klimagipfel in Durban (2011) als „Clean Development
Mechanism“
(CDM) anerkannt. Dies bedeutet: Energieunternehmen finanzieren CCS-Technik in
Entwicklungsländern. Dafür dürfen sie zu Hause mehr CO2 ausstoßen. Die deutschen Energiekonzerne profitieren so von neuen Kohlekraftwerken in Schwellenländern und in der Dritten Welt.
Stromerzeugung
der großen Energiekonzerne
RWE
E.On
Vattenfall
EnBW
Fossile Quellen
78%
72%
45%
34%
Atomkraft
18%
12%
31%
50%
Erneuerbare Energien
4%
16%
21%
11%
Quellen:
http://de.statista.com,
E.on, Bernd Hirschl/IÖW.
An 100 Prozent fehlende: sonstige
Kohle garantiert Macht
Vier Konzerne dominieren in Deutschland die Stromversorgung. Jedes
neue Kohlekraftwerk, das durchschnittlich 40 bis
50 Jahre am Netz bleibt, zementiert diese monopolistische Struktur der Energiewirtschaft.
Für die großen deutschen Energiekonzerne ist der
Erhalt und
Bau von Kohlemeilern die einzige Chance,
ihre Vormachtstellung zumindest teilweise zu erhalten. Denn ihr Strom kommt zum größten Teil aus Atomkraft und
Kohle (siehe Tabelle "Stromerzeugung der großen
Energiekonzerne"). Da der Atomausstieg in Deutschland beschlossene
Sache ist, ist
der Erhalt der Kohleverstromung für die Energiekonzerne so wichtig.
Widerstand wirkt
Bisher kommt die Umsetzung der CCS-Technologie nicht
recht in Gang: Pilotprojekte wurden verschoben oder
abgebrochen. Vattenfalls Pläne, die CCS-Pilotanlage
„Schwarze Pumpe“ bei Cottbus zu
einer großindustriellen Anlage auszubauen, wurden ebenso
fallen gelassen wie die Pläne von RWE für
ein Demonstrationsprojekt.
Dies liegt vor allem an den sehr hohen Kosten der
CCS-Technologie. Laut
der "CCS Technology Roadmap" der Internationalen Energie Agentur werden
pro Jahr 5 bis 6,5 Milliarden US-Dollar benötigt um die
CCS-Pläne zu realisieren. Die Europäische Kommission veranschlagt
für die weitere Erforschung und zügige
Demonstration der Technologie private und öffentliche Investitionen
in Höhe von rund 13 Milliarden
Euro.
Im Rahmen des europäischen Konjunkturprogramms sollen rund 1,05 Milliarden Euro bereitgestellt werden, um bis 2015 zwölf CCS-Demonstrationsprojekte in Europa zu forcieren.
Ein weiterer Stolperstein der Kohlendioxid-Abscheidung ist die
Ablehnung in der
Bevölkerung. Mehrere Bürgerinitiativen
haben schnell
und heftig mit Mahnwachen, Protestaktionen und Demonstrationen auf
angekündigte CCS-Projekte reagiert. Die Internationale Energie Agentur mahnt
daher Wirtschaft, Forschung und Regierungen, stärker in Lobbyarbeit
für CCS zu investieren.
Auch die fehlende
Flexibilität ist ein Schwachpunkt der CCS-Technologie. CCS-Prozesse sind für Kohlekraftwerke
ausgelegt, die rund um die Uhr in etwa die gleiche Menge Strom
produzieren. Sie sind nicht flexibel genug, um erneuerbare Energien sinnvoll zu ergänzen und bremsen damit die Energiewende aus.
Doch leider ist die Einführung von CCS damit immer noch nicht
vom Tisch. So überlegt EU-Energiekommissar Günther
Oettinger, auf EU-Ebene CCS für neue Kraftwerke verbindlich
vorzuschreiben.
Kohle passt nicht ins Energiepuzzle der Zukunft
Die Stromversorgung der Zukunft
wird regenerativ
und dezentral. Kohlekraftwerke,
die ihre Leistung nicht flexibel an die
schwankende Stromerzeugung aus Sonne und Wind
anpassen können, sind fehl am Platz. Die vielen Milliarden
Fördermittel der EU sollten besser in Effizienz, den Ausbau
der Erneuerbaren Energieerzeugung, in Energiespeicher sowie in
eine moderne Netzinfrastruktur investiert werden.
Das Festhalten an Kohlekraft dagegen wird eine teure Pleite:
durch hohe Umweltkosten,
steigende Rohstoffpreise, teure CO2-Zertifikate und die gewaltigen Kosten
für den Bau der CCS-Anlagen.
CCS
führt zu mehr Kohleverbrennung
CCS
behindert den Umbau der Energieerzeugung
CCS ist riskant und teuer
Das
Umweltinstitut München
fordert daher:
kein Neubau von Kohlekraftwerken
keine öffentliche Finanzierung von
CCS-Projekten
Für diese
Ziele setzt
sich das
Umweltinstitut München ein:
Reduzierung des Energieverbrauchs und
Steigerung der Energieeffizienz
Ausbau der Erneuerbaren Energien
Umbau der Energieversorgung durch intelligente
Stromnetze
dezentrale und flexible Kraftwerke
Stand: April 2012
Fotos: Ch. Schmutz/Greenpeace; Fotolia