Gene Drive durch CRISPR/Cas

Mithilfe von Gene Drives lassen sich wildlebende Arten gentechnisch verändern, ersetzen oder gar ausrotten. Die Freisetzung von Gene-Drive-Organismen wäre nicht umkehrbar und höchst riskant. So könnte die gezielte Ausrottung bestimmter Arten letztlich die Stabilität ganzer Ökosysteme gefährden.

Die gezielte Ausrottung von Arten

Vor dem Hintergrund, dass das weltweite Artensterben massiv voranschreitet, müssen wir alles dafür tun, um die verbliebenen Arten zu schützen, anstatt absichtlich weitere Arten auszurotten. Der Verlust weiterer Arten destabilisiert das jeweilige Ökosystem und kann schlussendlich zu dessen Kollaps führen.

Hier wird gezeigt wie eine gentechnisch veränderte Mücke sich in der Fortpflanzung duchsetzt

Gentechnik mit Antrieb

Während die Wahrscheinlichkeit für die Vererbung einer genetischen Eigenschaft normalerweise bei 50 Prozent liegt, können Gene Drives die Vererbung von Genen an die Nachkommen auf angeblich nahezu 100 Prozent erhöhen. Damit eröffnet sich eine völlig neue Dimension der Gentechnik: Gene-Drives lösen eine Art gentechnische Kettenreaktion aus, die erst zum Stillstand kommt, wenn das Ziel erreicht ist – oder eine genetische Mutation sie stoppt. Kontrollieren oder gar aus der Natur zurück holen lassen sich solche Gene-Drive-Organismen nach der Freisetzung nicht mehr.

Wird die Anwendung von Gene Drives auch nur in einem einzigen Land zugelassen, so betrifft dies auch alle umliegenden Länder und letztlich alle Länder weltweit. Denn bekanntlich machen Pollen oder Mücken vor Ländergrenzen nicht Halt und die Verbreitung invasiver Pflanzen- und Tierarten durch den globalen Handel ist bereits heute ein bekanntes und weitverbreitetes Problem. Ein Freilandversuch wäre deshalb eine unwiderrufliche Entscheidung.

Erklärvideo unserer Partnerorganisation Save Our Seeds

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Was ist das propagierte Ziel von Gene Drives?

Gene-Drives werden als Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft, zur Entfernung invasiver Arten aus sensiblen Ökosystemen und zur Ausrottung oder Veränderung von krankheitsübertragenden Insekten propagiert. Momentan zielen Anwendungen auf die Ausrottung von Mäusen, Ratten und Stechmücken ab. Erste Freisetzungsversuche sind bereits in der Vorbereitung. Gentechnisch veränderte Gene-Drive-Mücken sollen in Burkina Faso aus dem Labor in die Natur ausgesetzt werden, mit dem Ziel der Ausrottung der Malaria-übertragenden Anopheles-Mücke. Die Entscheidung über die Freisetzung gentechnisch veränderter Mücken in dem westafrikanischen Land wird von sehr wenigen Menschen getroffen. Doch die großen Risiken und womöglich weitreichenden globalen Konsequenzen müsste die ganze Menschheit tragen.

Hier werden einzelne Arten im Fadenkreuz von GenDrive CRISPR/Cas Technologie gezeigt

Im Visier von Gene-Drive-Forscher:innen sind derzeit Insekten und Nagetiere, die als Schädlinge angesehen werden. Sie sollen gentechnisch verändert oder sogar ganz ausgerottet werden.

Unvorhersehbare Risiken durch Gene Drives

Jedes Lebewesen, selbst wenn es uns Menschen gefährlich oder schädlich erscheint, erfüllt wichtige Aufgaben in seinem Lebensraum. Die Manipulation oder gar Ausrottung einer einzigen Art wird daher Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Welche das sind, kann derzeit niemand vorhersagen.

Fehlt beispielsweise eine Mückenart und deren Larven, so bricht eine Nahrungsquelle für Vögel, Fische und andere Tierarten weg. Ganze Nahrungsnetze können kollabieren. Wird eine Art verdrängt, dezimiert oder ausgerottet, können sich aber auch andere Arten stärker ausbreiten. Bei diesen anderen Arten sind wiederum negative Auswirkungen auf uns Menschen nicht ausgeschlossen, da auch sie Krankheiten übertragen können. Das Verändern oder Auslöschen ganzer Populationen oder Spezies kann demnach gravierende Folgen für die empfindlichen Ökosysteme unseres Planeten nach sich ziehen. Je mehr Arten aus einem Ökosystem entfernt werden, desto instabiler wird das System, bis es schließlich sogar ganz kollabieren kann.

Wir sagen Nein zu Gentechnik an wildlebenden Arten!

Wir fordern einen globalen Anwendungsaufschub für die Nutzung und Erzeugung von Gene-Drive-Organismen sowie deren Freisetzung in die Natur!

Denn…

  • Mit Gene Drives wird die Natur zum Gentechniklabor
  • Gene-Drive-Organismen sind nicht rückholbar, ihre Überwachung und Kontrolle in der Natur ist unmöglich
  • Mit Gene-Drive-Organismen werden neue, invasive Arten geschaffen, die sich weltweit verbreiten könnten
  • Die Risiken sind hoch: Gene Drives könnten im Ernstfall zur Auslöschung ganzer Arten oder zum Zusammenbruch von Ökosystemen führen
  • Es besteht die Möglichkeit der Auskreuzung über Artgrenzen hinweg. Oft können sich nah verwandte Arten untereinander paaren und lebensfähigen Nachwuchs produzieren. Auf diese Weise könnte sich ein Gene Drive auch auf andere Arten übertragen.
  • Bei Gene Drives kann es zu unerwünschten und unerwarteten Effekten kommen, auch bei der Nutzung der Genschere CRISPR/Cas9
  • Ihre Effekte auf Ökosysteme, die Landwirtschaft, die menschliche Gesundheit und den Frieden sind kaum erforscht
  • In der landwirtschaftlichen Anwendung bekämpft die Gene-Drive-Technologie nur die Symptome einer verfehlten Landwirtschaftspolitik, nicht deren Ursachen
  • Bereits die Forschung an Gene Drives ist riskant: das Entkommen einzelner Versuchstiere in die Umwelt kann eine gentechnische Kettenreaktion in Gang setzen
Protestaktion gegen Gene Drives
Protestaktion gegen Gene Drives
Protestaktion gegen Gene Drives
Protestaktion gegen Gene Drives
Protestaktion gegen Gene Drives
Protestaktion gegen Gene Drives

Bündnis für ein globales Moratorium

Das Umweltinstitut München ist Teil eines Bündnisses von Organisationen in Europa und weltweit, mit dem Ziel, die Freisetzung von Gene-Drive-Organismen in die Umwelt zu verhindern.

Das Bild zeigt eine Mücke neben einer Lupe unter der DNA zerschnitten wird. Darüber steht: 200 Organisationen fordern: Genveränderungen an Wildtieren golabal stoppen!

Öffentliche Meinung

65 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Freisetzungen von Gene-Drive-Organismen in die Umwelt aufgeschoben werden sollten, bis wissenschaftlich erwiesen ist, dass ihr Einsatz weder die biologische Vielfalt, noch die menschliche Gesundheit, die Landwirtschaft oder den Frieden beeinträchtigt.

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