Gentechnik bei Tieren

Neue Gentechnikmethoden machen es möglich, dass nun auch in die Gene von Nutztieren eingegriffen wird. Ziel dabei ist es, sie an die katastrophalen Verhältnisse der industriellen Tierhaltung anzupassen.

Wachsender Fleischhunger

Neue Gentechnologien sollen das Unmögliche möglich machen: Die Massenproduktion von schnell wachsenden, billigen, robusten und schmackhaften Tieren, welche die unnatürlichen Bedingungen der industriellen Tierhaltung überstehen.

Forellenzuchtfarm Aquakultur

Exkurs: Ökologische Risiken von Aquakulturen

  • Austausch mit Gewässern Zuchtbecken haben entweder direkten Zugang zum Meer oder liegen in unmittelbarer Nähe der Gewässer. Erfahrungen zeigen, dass Tiere, deren Sperma, Eier oder deren Brut regelmäßig daraus entweichen.
  • Fütterung der Zuchtfische Die meisten Zuchtfische sind Fleischfresser. Um ein Kilo Zuchtfisch heranzuziehen werden bis zu vier Kilo Fischmehl benötigt. So verschlingen die Fischzuchtfarmen den größten Teil an Fischmehl, überwiegend hergestellt aus gefangenen Meeresfischen.
  • Eutrophierung von Gewässern Ähnlich wie bei der Massentierhaltung von Schweinen, Rindern und Hühnern entsteht auf engstem Raum eine hohe Konzentration an organischen Abfällen. Die meisten Abwässer solcher Anlagen werden ungeklärt in die Flüsse oder in das Meer abgegeben, was zu weiterer Überdüngung der Gewässer führt.

Eber mit Brüsten

Wissenschaftler:innen des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit haben Schweine mit Hilfe der neuen Gentechnikmethode CRISPR/Cas genmanipuliert . Die daraus resultierenden Eber bilden trotz männlicher Chromosomen weibliche, missgestaltete Geschlechtsmerkmale aus. Damit will man den Geruch des Fleisches beim Kochen ausschalten, der durch ein Stresshormon verursacht wird. Dieser tritt bei etwa 5 Prozent aller Eber auf und wird lediglich von einigen Menschen als unangenehm empfunden

Bisher werden männliche Tiere deshalb hauptsächlich kastriert. Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass dieses Phänomen im Vergleich zur industriellen Massentierhaltung bei ökologischer Ebermast deutlich seltener auftritt. Artgerechtere Haltung bei den Tieren führt zu weniger Stress und damit zu geringerer Produktion der geruchsauslösenden Hormone. Doch anstatt Masteber artgerecht zu halten, wird in die Gene der Tiere eingegriffen. Durch solche Tierversuche wird die Gesundheit der Schweine massiv beeinträchtigt.

Nutztierhaltung Ferkel

Gentechnisch veränderte Mücken

Zur geplanten Ausrottung der Malaria-übertragenden Anopheles-Mücke ist in Burkina Faso die Freisetzung genetisch veränderter Mücken in die Natur geplant. Die Entscheidung über die Freisetzung gentechnisch veränderter Mücken wird von sehr wenigen Menschen getroffen. Doch die großen Risiken und womöglich weitreichenden globalen Konsequenzen müsste die ganze Menschheit tragen.

Jedes Lebewesen, selbst wenn es uns Menschen gefährlich oder schädlich erscheint, erfüllt wichtige Aufgaben in seinem Lebensraum. Die Manipulation oder gar Ausrottung einer einzigen Art wird daher Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Welche das sind, kann derzeit niemand vorhersagen.

Fehlt beispielsweise eine Mückenart und deren Larven, fällt eine Nahrungsquelle für Vögel, Fische und andere Tierarten weg. Ganze Nahrungsnetze können zusammenbrechen. Wird eine Art verdrängt, dezimiert oder ausgerottet, können sich aber auch andere Arten stärker ausbreiten, die wiederum negative Auswirkungen auf mit sich bringen, indem sie etwa Krankheiten übertragen. Diese gentechnisch veränderten Mücken können demnach gravierende Folgen für die empfindlichen Ökosysteme unseres Planeten nach sich ziehen.

Mückenschwarm

Dürfen genveränderte Tiere in Deutschland verkauft oder gehalten werden?

Weltweit gesehen sind derzeit vier gentechnisch veränderte Tiere als Lebensmittel zugelassen: Lachse (USA und Kanada), Rote Meerbrassen (Japan), Schweine (USA) und Rinder (USA). Der Import nach Deutschland ist jedoch nicht erlaubt. Doch da in den Hersteller-Ländern entweder keine oder nur eine unzureichende Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel vorgeschrieben ist und die Kontrollen durch die inländischen Behörden mangelhaft sind, könnten die Tiere bzw. deren Fleisch trotzdem unwissentlich nach Deutschland importiert werden. Ein Zustand, der nicht hinnehmbar ist, da das europäische Recht eine Kennzeichnungspflicht für genmanipulierte Lebensmittel vorschreibt.

Genmanipulierte Nutztiere zu halten, ist in Deutschland nicht erlaubt. Verboten ist außerdem, aus ihnen hergestellte Lebensmittel hier zu verkaufen.

Weitere Infos

Erfahren Sie mehr zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft.

Gene Drive durch CRISPR/Cas

Themenseite

Mithilfe von Gene Drives lassen sich wildlebende Arten gentechnisch verändern, ersetzen oder gar ausrotten. Die Freisetzung von Gene-Drive-Organismen wäre nicht umkehrbar und höchst riskant. So könnte die gezielte Ausrottung bestimmter Arten letztlich die Stabilität ganzer Ökosysteme gefährden.

Mehr lesen

Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln

Themenseite

Für genmanipulierte Bestandteile in Lebensmitteln gibt es eine Kennzeichnungspflicht. Doch hat sie Lücken.

Mehr lesen

Massentierhaltung und ihre Folgen für Tiere, Klima, Umwelt und Menschen

Themenseite

Fleisch, Milch und Eier waren noch nie so billig und in so großen Mengen vorhanden wie heute. Möglich macht das eine hoch spezialisierte und rationalisierte Massentierhaltung mit katastrophalen Auswirkungen auf Tiere, Klima, Umwelt und Menschen.

Mehr lesen

Aktuelle Meldungen

Hier finden Sie aktuelle Beiträge zu den Themengebieten Landwirtschaft und Gentechnik.

EU-Parlament diskutiert über Pestizidverbot

Landwirtschaft

– Die Europäische Bürgerinitiative "Bienen und Bauern retten!" hat ihre Forderungen im Europaparlament vorgestellt. Hier berichten wir über die Reaktionen der EU-Abgeordneten.

EU-Parlament diskutiert über Pestizidverbot

Veröffentlichung der Vinschgauer Spritzhefte schlägt hohe Wellen

Landwirtschaft

– Welche Pestizide werden wann wo und in welcher Menge gespritzt? Obwohl Landwirt:innen in der EU über ihre Pestizideinsätze Buch führen müssen, sind diese Daten bisher nicht öffentlich zugänglich. Das Umweltinstitut konnte nach monatelanger Arbeit die reale Spritzpraxis in einer intensiv bewirtschafteten Region auswerten. Der Veröffentlichung schlug in Südtirol hohe Wellen.

Veröffentlichung der Vinschgauer Spritzhefte schlägt hohe Wellen

„Mit ‚naturnah‘ und ‚nachhaltig‘ hat das nichts mehr zu tun"

Landwirtschaft

– Das Umweltinstitut hat in einem umfassenden Bericht den Pestizideinsatz von Südtiroler Apfelanbaubetrieben ausgewertet. Im Interview ordnen wir die Ergebnisse ein.

„Mit ‚naturnah‘ und ‚nachhaltig‘ hat das nichts mehr zu tun"
Zurück nach oben