Gentechnik in Lebensmitteln

Für genmanipulierte Bestandteile in Lebensmitteln gibt es eine Kennzeichnungspflicht. Doch hat sie Lücken.

Was die Wahlfreiheit einschränkt

Die Auswahl in den Supermarktregalen ist riesig. Da fällt es oft nicht leicht, sich zu entscheiden. Wer keine genmanipulierten Bestandteile in seinem Essen will, der muss ins Kleingedruckte schauen.

Bei tierischen Produkten werden Verbraucher:innen im Dunkeln gelassen

Milchprodukte angerichtet

Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier von Tieren, die mit genmanipulierten Pflanzen gefüttert wurden, müssen in der EU jedoch nicht gekennzeichnet werden. Diese bewusste Gesetzeslücke sichert der Gentechnikindustrie derzeit den jährlichen Import von rund 37 Millionen Tonnen zumeist genmanipulierter Sojabohnen oder Sojaschrot in die EU. Über 80 Prozent davon landen im Futtertrog. Erst eine verpflichtende Kennzeichnung dieser tierischen Produkte würde den Kund:innen ermöglichen, solche GVO-Lebensmittel zu erkennen.

Tierische Produkte können zwar freiwillig als gentechnikfrei gekennzeichnet werden, wenn die Tiere den größten Teil ihres Lebens kein Gen-Futter bekommen haben und auf transgene Zusatzstoffe verzichtet wird. Doch erst eine verpflichtende Kennzeichnung dieser tierischen Produkte würde den Kund:innen ermöglichen, genmanipulierte Lebensmittel zu erkennen – somit haben Verbraucher:innen keine Wahlfreiheit. Eine Alternative bietet der Ökolandbau, denn hier dürfen keine gentechnisch manipulierten Organismen eingesetzt werden. Bio-Siegel garantieren neben der Gentechnikfreiheit auch eine artgerechte Tierhaltung.

Ebenfalls nicht gekennzeichnet werden Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker, Vitamine und Enzyme, die „mithilfe“ transgener Mikroorganismen hergestellt wurden.

Honig mit Gen-Pollen

Honiggläser auf Tisch

Intransparenz herrscht auch beim Frühstücksklassiker Honig. Pollen genmanipulierter Pflanzen im Honig sind praktisch nicht kennzeichnungspflichtig. Relevant ist das vor allem für Importware, zum Beispiel aus Kanada. Wer beim Kauf zu deutschem Honig greift, ist auf der sicheren Seite, denn Deutschlands Äcker sind seit 2009 gentechnikfrei.

„Ohne Gentechnik“

Ohne Gentechnik Siegel

Lebensmittelhandel- und industrie reagieren auf den Verbraucher:innenwunsch nach Produkten ohne Gentechnik. So werden in der Schweiz seit 2008 fast ausschließlich gentechnikfreie Futtermittel importiert. In Österreich ist die Herstellung von Milch, Eiern und Geflügelfleisch ohne den Einsatz von Gentechnik mittlerweile Standard. In Bayern ist Milch zu über 40% gentechnikfrei – Trend steigend.

Auch deutsche Lebensmittelproduzent:innen können ihre Produkte auf freiwilliger Basis mit einem „Ohne Gentechnik“-Label bewerben. Diese Kennzeichnung soll Kund:innen auch jenseits von Bio-Läden garantieren, dass sie gentechnikfreie Lebensmittel kaufen. Diese Möglichkeit wird immer mehr auch von Molkereien und in der Eierproduktion, im Handel und in der Gastronomie genutzt.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Es ist möglich, Fleisch, Wurst, Eier, Milch und Milchprodukte herzustellen, ohne Tiere mit Gen-Soja zu füttern. Doch auch, wenn das erfreulich ist: Die Kennzeichnungsregelung in Europa muss dringend überarbeitet werden. Produkte von Tieren, die Gen-Futter bekommen haben, müssen für den/die Verbraucher:in klar erkennbar sein. Erst dann haben die Konsument:innen eine wirkliche Wahlfreiheit. Endgültiges Ziel muss es jedoch sein, genmanipuliertes Tierfutter generell zu verbieten.

Aktuelle Beiträge zu Landwirtschaft und Gentechnik

Glyphosat: neue Hoffnung für ein Verbot?

Landwirtschaft

– Ende des Jahres läuft die EU-Zulassung von Glyphosat aus. Doch weil die Behörden den Zeitplan des Genehmigungsverfahren nicht halten können, hat die EU-Kommission eine formelle Verlängerung um ein Jahr vorgeschlagen. Der Vorschlag fand jedoch zwei Mal nicht die notwendige Mehrheit unter den Mitgliedstaaten. Das gibt neue Hoffnung für ein mögliches Glyphosat-Verbot in Europa.

Export verbotener Pestizide soll eingeschränkt werden

Landwirtschaft

– Pestizide, die in der EU wegen ihrer Gesundheitsrisiken verboten sind, dürfen bisher trotzdem in den Mitgliedstaaten produziert und in Drittstaaten exportiert werden. Diese im Pestizidhandel geltende unsägliche Doppelmoral soll nun endlich gestoppt werden: Das Bundeslandwirtschaftsministerium bereitet ein Exportverbot für bestimmte gesundheitsschädliche Pestizide vor.

200-fach höhere Pestizidbelastung bei Obst und Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft

Landwirtschaft

– Konventionell produziertes Obst und Gemüse ist im Schnitt 200 Mal mehr mit Pestizidrückständen belastet als Ware aus ökologischem Anbau. Bei drei Viertel der untersuchten Bio-Proben konnten keinerlei Pestizidrückstände nachgewiesen werden. Zu diesem Ergebnis kommt das baden-württembergische Ökomonitoring für das Jahr 2021.

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