Ökolandbau: Die Zukunft unserer Lebensmittelproduktion

Nur eine ökologische Wirtschaftsweise und regionale bäuerliche Strukturen können die Menschen weltweit mit gesunden Lebensmitteln ausreichend versorgen.

Die Vorteile von Ökolandbau und Biolebensmitteln

Mit dem Kauf von Biolebensmitteln tun Sie nicht nur sich selbst etwas Gutes. Sie unterstützen auch eine zukunftsfähige, umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft.

Ziel des ökologischen Landbaus ist es, Lebensmittel zu produzieren, ohne Menschen, Natur und Tiere auszubeuten. Die natürlichen Ressourcen, wie Boden, Wasser und Artenvielfalt, werden auf der einen Seite für die Lebensmittelproduktion genutzt, auf der anderen Seite aber auch geschützt und gepflegt.

Die fünf Grundsätze des Ökolandbaus

Geschlossener Betriebskreislauf

Systeme, die aus eigener Kraft heraus und dauerhaft bestehen wollen, müssen in Kreisläufen angelegt sein. Biologisch wirtschaftende Betriebe richten ihr Handeln möglichst nach diesem Grundsatz aus. Die Tierhaltung ist an den Ackerbau gekoppelt. Auf den Ackerflächen werden Lebensmittel und Futterpflanzen angebaut. Mit den pflanzlichen Abfällen und dem Mist der Tiere werden wiederum die Ackerflächen gedüngt. Auf diese Weise entsteht ein geschlossener Betriebskreislauf, in dem möglichst wenig Nährstoffe verloren gehen und möglichst wenig Nährstoffe hinzugekauft werden.

Grafik geschlossener Betriebskreislauf

Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit

Ein fruchtbarer Boden ist Grundvoraussetzung für eine funktionierende Landwirtschaft. Doch hoher Düngemittel- und Pestizideinsatz, schwere Landwirtschaftsmaschinen und der Verzicht auf biologisch sinnvolle Fruchtfolgen belasten unsere Böden. In der ökologischen Landwirtschaft wird der Boden als lebendiger Organismus betrachtet, der geschützt und gepflegt werden muss. Eine abwechslungsreiche und weite Fruchtfolge, sowie der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger, ermöglichen einen gesunden Boden. Das Ergebnis ist ein hoher Humusgehalt, der den Boden locker und saugfähig macht. So kann der Boden mehr Wasser und Nährstoffe speichern und ist besser durchlüftet. Dadurch werden die Pflanzen optimal versorgt sowie Bodenerosion und Hochwasserereignisse verhindert.

Biologischer Pflanzenschutz

Im Biolandbau ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden verboten. Biobäuerinnen und Biobauern wenden vielfältige Techniken an, um ihre Ernte auch ohne Ackergifte vor Unkraut, Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Die abwechslungsreichen und weiten Fruchtfolgen beugen der Ausbreitung von Fressfeinden und Krankheiten vor. Eine vielfältige Landschaftsstruktur mit Blühstreifen, Hecken und Bäumen bietet vielen Tieren Lebensraum, die den Landwirt:innen bei der Schädlingsbekämpfung behilflich sind: Vögel fressen Insekten, Marienkäfer lieben Blattläuse und bei Igeln stehen unter anderem Schnecken auf dem Speiseplan. Mechanische Unkrautbekämpfung (z. B. Hacken und Striegeln) und das Abdecken von Obst- und Gemüsekulturen mit einem Pflanzenvlies zum Schutz vor Schädlingen sind weitere Varianten des biologischen Pflanzenschutzes.

Verzicht auf Kunstdünger

In der konventionellen Landwirtschaft erfolgt die Ernährung der Kulturpflanzen hauptsächlich über die Düngung mit leicht löslichen Mineralstoffen. Im Ökolandbau steht dagegen die Erhaltung bzw. Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit im Mittelpunkt. Nitrat-, Ammonium- und Harnstoffdünger sowie leicht lösliche Phosphordünger sind in der Biolandwirtschaft verboten. Hier sind Leguminosen (Hülsenfrüchte, wie zum Beispiel Klee, Bohnen, Erbsen und Linsen) die wichtigste Quelle, um dem Boden auf natürlichem Weg Stickstoff zuzuführen. In den Wurzeln der Hülsenfrüchte leben Bakterien, die Stickstoff aus der Luft fixieren und für Pflanzen verfügbar machen. Weitere wichtige Bausteine der Düngung im Ökolandbau sind Gülle und Mist sowie Pflanzenabfälle.

Flächengebundene Tierhaltung

In der Ökolandwirtschaft ist der Tierbestand immer an eine bestimmte Fläche gebunden Denn ein geschlossener Betriebskreislauf kann nur gewährleistet werden, wenn nicht mehr Tiere auf einem Betrieb gehalten werden, als von der zur Verfügung stehenden Fläche ernährt werden können. Auf diese Weise muss kein Regenwald am anderen Ende der Welt für den Anbau von Futtermitteln für unsere Tiere abgeholzt werden. Außerdem wird eine Überdüngung der Felder mit Gülle und Mist verhindert und damit unsere Gewässer vor einem zu hohen Nitratgehalt geschützt. Auch das Wohl der Tiere ist ein zentrales Anliegen im Ökolandbau. Hierzu gehören eine artgerechte Ernährung mit ökologisch produzierten Futtermitteln, ausreichend Platz im Stall und Auslauf oder Weidegang, sowie die Auswahl von widerstandsfähigen und standortangepassten Rassen. Das Ergebnis sind zufriedenere und gesündere Tiere, die qualitativ hochwertige Produkte liefern und nur in sehr seltenen Fällen mit Medikamenten behandelt werden müssen.

Sieben gute Gründe für den Ökolandbau und Biolebensmittel

1. Bio ist gesünder
Bio-Obst und -Gemüse enthalten mehr Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Milch, Eier und Fleisch sind reicher an wertvollen Omega-3-Fettsäuren.

2. Bio ist natürlicher
Biolebensmittel werden so naturbelassen wie möglich verarbeitet. Von fast 400 in der EU zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffen sind nur rund 50 Stoffe für Biolebensmittel erlaubt.

3. Bio schützt den Boden und das Wasser
Die biologische Bewirtschaftung von Ackerflächen erhöht die Fruchtbarkeit der Böden. Die Wasserbelastung durch Schadstoffe, wie Pflanzengifte, Nitrat und Medikamente, ist kleiner.

4. Bio fördert die Artenvielfalt
Biologisch bewirtschaftete Betriebe bieten durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide sowie durch einen höheren Anteil an naturnahen Flächen wilden Pflanzen- und Tierarten Lebensraum.

5. Biotiere haben es besser
Mehr Platz, Einstreu, frische Luft und Tageslicht sind im Ökolandbau verpflichtend. Außerdem werden die Tiere mit ökologisch hergestellten Futtermitteln versorgt.

6. Bio ist frei von Gentechnik
Der Einsatz von Gentechnik ist bei Biolebensmitteln verboten. Anstatt Risikotechnologien zu fördern, entwickelt der Ökolandbau ganzheitliche Lösungen für die Natur und die Menschen.

7. Bio bietet Sicherheit
Lebensmittel dürfen nur „Bio“ oder „Öko“ heißen, wenn die gesetzlich festgelegten Ökostandards erfüllt sind. Die Biobetriebe werden mindestens einmal im Jahr von unabhängige Kontrollstellen überprüft.

Wie erkenne ich Biolebensmittel?

Um Biolebensmittel für den Verbraucher eindeutig zu kennzeichnen, gibt es ein einheitliches europäisches Biosiegel. Alle in der EU vorverpackten Biolebensmittel müssen dieses Siegel auf ihrer Verpackung abgebildet haben. Zusätzlich zu dem EU-Biosiegel kann auch noch das deutsche Biosiegel, das ebenfalls die Einhaltung des europäischen Mindeststandards garantiert, verwendet werden. Wurden bei der Herstellung des Produktes die weitergehenden Standards von einem der Öko-Anbauverbände eingehalten und kontrolliert, so darf auf der Verpackung auch noch das Verbandssiegel abgebildet sein. Daneben sind die Herkunftsangabe der Zutaten, wie zum Beispiel EU-Landwirtschaft, Nicht-EU-Landwirtschaft, oder auch die alleinige Angabe des Herkunftslandes, wenn alle Zutaten aus diesem kommen, und die Code-Nummer der Öko-Kontrollstelle, die die Herstellung des Produktes überprüft, erforderlich.

Das deutsche und europäische Biosiegel

Was sind die Öko-Anbauverbände?

Die Richtlinien der EG-Öko-Basisverordnung gelten europaweit. Sie definieren den sogenannten Mindeststandard. Doch einigen Landwirt:innen und Lebensmittelhersteller:innen ist dieser Mindeststandard nicht ausreichend. Sie setzen sich dafür ein, dass es noch strengere Regeln für die Herstellung von Biolebensmitteln gibt. Auf diese Weise haben sich unterschiedliche Öko-Anbauverbände gebildet mit eigenen, strengeren Vorschriften. In Deutschland gibt es insgesamt zehn Anbauverbände. Die drei größten sind Bioland, Naturland und Demeter.

Die Siegel der deutschen Anbauverbände

Ist Bio wirklich Bio?

Bei Lebensmitteln sind die Begriffe „Bio“ und „Öko“ rechtlich geschützt. Das heißt, dass ein Lebensmittel nur den Zusatz „Bio“ oder „Öko“ haben darf, wenn es den rechtlichen Anforderungen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft entspricht. Einen Unterschied zwischen den Begriffen „Bio“ und „Öko“ gibt es nicht. Sie bedeuten in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich genau dasselbe.

Alle Betriebe, die Bioprodukte erzeugen oder mit diesen handeln, werden von einer Öko-Kontrollstelle auf die Einhaltung der Ökostandards überprüft. Die Kontrollstellen in Deutschland sind private Unternehmen, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zugelassen werden und von den Kontrollbehörden der Bundesländer überwacht werden. Kontrolliert werden die Betriebe mindestens einmal im Jahr. In der Regel finden die Kontrollen angemeldet statt, damit die Betriebsleiter die notwendigen Unterlagen vorbereiten können. Doch es können auch unangemeldete Stichprobenkontrollen zusätzlich durchgeführt werden. Die Kontrollen umfassen den gesamten Betriebsablauf. Dazu gehört ein Rundgang mit Besichtigung aller zum Betrieb gehörenden Räume und Flächen, wie zum Beispiel Felder, Weiden, Ställe und Lagerstätten sowie Produktions- und Verkaufsstätten. Ergänzend werden alle Warenflüsse, wie zum Beispiel Erntevolumen und Futterrationen sowie Lager-, Produktions- und Verkaufsmengen erfasst, verglichen und auf Plausibilität überprüft. Wenn der Verdacht besteht, dass unerlaubte Substanzen eingesetzt wurden, können auch Proben von Böden, Pflanzen und Waren analysiert werden. Betriebe, die gegen die rechtlichen Vorschriften der ökologischen Lebensmittelwirtschaft verstoßen, werden bestraft. Die Sanktionen reichen von Auflagen und kostenpflichtigen Nachkontrollen bei geringfügigen Verstößen bis zur Aberkennung des Status als Biobetrieb in schwerwiegenden Fällen. Lebensmittel, die außerhalb der EU erzeugt wurden, dürfen ebenfalls nur dann als Bioware vermarktet werden, wenn sie nach Standards produziert und kontrolliert wurden, die denen der EU gleichwertig sind.

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Wie ernähre ich mich umweltfreundlich?

Die Verknüpfungen von Ernährung und Umweltschutz sind vielfältig und weitreichend. Mit der Wahl unserer Lebensmittel können wir jeden Tag direkt Einfluss auf die ökologischen Auswirkungen unseres Konsums nehmen.

Konventionell oder Bio
Biobäuerinnen und Biobauern verzichten auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und künstlichen Düngemitteln. Das wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt sowie auf die Qualität unserer Gewässer und Böden aus. Außerdem ist die Herstellung von Pestiziden und künstlichen Düngemitteln sehr energieintensiv. Je weniger von ihnen verwendet wird, umso besser für das Klima.

Tierisch oder pflanzlich
Nur mit Massentierhaltung kann der riesige Bedarf an Fleisch, Eiern und Milchprodukten in Deutschland gedeckt werden. Neben den furchtbaren Bedingungen für die Tiere im Stall, hat die Massentierhaltung auch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt. Eine hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat und Medikamenten findet man überall dort, wo viele Tiere gehalten werden. Außerdem werden jedes Jahr über sechs Miollionen Tonnen Soja, vor allem aus Brasilien und Argentinien, als Futtermittel nach Deutschland importiert. Regenwaldabholzung und der Einsatz von gentechnisch manipuliertem Saatgut und extrem hohen Mengen an Pflanzengiften charakterisiert den Sojaanbau in Südamerika.

International und ganzjährig oder regional und saisonal
Natürlich müssen Sie nicht auf Ihren morgendlichen Kaffee oder den Pfeffer in der Suppe verzichten. Doch gerade beim Einkauf von Obst und Gemüse lohnt sich der bewusste Griff zum saisonalen und regionalen Angebot. Zum einen sind die Produkte in der Regel frischer, was sich positiv auf Geschmack und gesunde Inhaltsstoffe auswirkt, zum anderen wird der hohe Energieaufwand für den Transport minimiert. Das ist gut für das Klima und darüber hinaus unterstützen Sie die heimischen LandwirtInnen.

Wasserflasche oder Wasserhahn
Wie ein Lebensmittel verpackt ist, trägt maßgeblich zu dessen Ökobilanz bei. Hier gilt:

  • Je weniger Verpackung, umso besser.
  • Verpackungen aus Papier und Karton sind besser als Plastik, Styropor und Aluminium.
  • Mehrweg ist besser als Einweg. Ob es sich bei einer Pfandflasche um ein Mehrweg- oder Einwegprodukt handelt, steht auf der Verpackung.
  • Verzichten Sie auf Getränkedosen. Hier ist trotz Dosenpfand eine Wiederverwertung nie möglich.
  • Trinken Sie Leitungswasser. Die Vorteile für die Umwelt liegen auf der Hand: Keine Verpackung und kein Transport.

Sind Biolebensmittel wirklich gesünder als konventionelle Lebensmittel?

Ja. Es gibt viele Gründe, warum Bio-Lebensmittel besser für ihre Gesundheit sind als konventionelle Lebensmittel:

Weniger Pflanzengifte
Die Ergebnisse des baden-württembergischen Ökomonitoring aus dem Jahr 2021 zeigen: Konventionelles Obst und Gemüse enthält im Durchschnitt 200 mal mehr Pestizidrückstände als Obst und Gemüse aus biologischem Anbau.

Weniger Nitrat
Eine intensive Stickstoffdüngung führt zu einem hohen Gehalt an Nitrat im Boden und im Grundwasser. Im Ökolandbau ist die Zufuhr von Stickstoff stark begrenzt und der Einsatz von künstlichen Stickstoffdüngemitteln verboten. Dementsprechend ist Bio-Gemüse deutlich weniger mit Nitrat belastet als konventionell angebautes Gemüse. Nitrat wird im Körper oder noch in der Pflanze zu krebserregendem Nitrit umgewandelt.

Weniger Zusatzstoffe
In Europa sind fast 400 Zusatzstoffe in der Lebensmittelherstellung zugelassen. Für die Produktion von Bio-Lebensmitteln dürfen davon nur gut 50 eingesetzt werden. Die Bio-Anbauverbände sind mit rund 20 erlaubten Zusatzstoffen noch einmal deutlich strenger. Da manche Stoffe bei empfindlichen Menschen Allergien und Unverträglichkeiten hervorrufen und einige sogar unter dem Verdacht stehen, Krebs auszulösen, sollten Sie Lebensmittel mit Zusatzstoffen so gut es geht meiden.

Mehr gesunde Inhaltsstoffe
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Bio-Obst und –Gemüse mehr Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente enthalten. Der Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide ist dafür eine Erklärung. Denn Pflanzen bilden viele ihrer gesunden Inhaltsstoffe als Reaktion auf Stress durch Schädlinge oder Nährstoffmangel. Auch bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs konnten Unterschiede zwischen den Inhaltsstoffen von konventionellen und biologischen Produkten nachgewiesen werden. So enthalten Milch, Eier und Fleisch aus Bio-Landbau mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren, was auf den hohen Grünfutteranteil zurückzuführen ist.

Warum sind Biolebensmittel in der Regel teurer als konventionelle Produkte?

  • Ein ökologisch wirtschaftender Betrieb ist arbeitsintensiver, da vieles mechanisch oder in Handarbeit gemacht wird. Während der konventionelle Bauer mit der Giftspritze Unkraut auf seinem Acker beseitigen kann, setzt der Bio-Bauer auf umweltverträgliche Unkrautbekämpfung wie Hacken, Striegeln und von Hand auszupfen.
  • Bei der Produktion von Biolebensmitteln geht die Qualität sowie der Umwelt- und Tierschutz vor der Mengenmaximierung und der Wirtschaftlichkeit. Chemische Düngemittel und Pflanzengifte auf den Äckern sowie Leistungsförderer und übermäßige Gabe von Kraftfutter in den Ställen hat zur Folge, dass die Erträge der industriellen Landwirtschaft knapp 20 Prozent höher sind als im ökologischen Landbau. Diese höheren Erträge basieren jedoch auf einer massiven Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umweltressourcen und können langfristig gesehen nicht auf diesem Niveau gehalten werden.
  • Bio-Lebensmittel werden nach strengen Kriterien des Umweltschutzes und der Tierhaltung produziert. Im Gegensatz zu konventionellen Produkten unterliegen Bio-Lebensmittel regelmäßigen Kontrollen von unabhängigen Kontrollstellen. Der hohe Kontrollaufwand wird über einen höheren Verkaufspreis finanziert.
  • Bei der Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln sind deutlich weniger Zusatzstoffe erlaubt. Um ein schmackhaftes Produkt herzustellen, sind hochwertige Rohstoffe und schonende Verarbeitungsverfahren Voraussetzung. Bei konventionellen Produkten ersetzt die Lebensmittelindustrie häufig teure Rohstoffe durch billige künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und Farbstoffe.

Wo kaufe ich am besten Biolebensmittel?

Im Bioladen / Naturkostladen
In einem Bioladen bzw. Naturkostladen dürfen ausschließlich Bio-Lebensmittel verkauft werden. Viele Bioläden gehen Kooperationen mit lokalen ökologisch wirtschaftenden Betrieben ein und beziehen von diesen einen Teil ihrer Produkte. Außerdem ist ein Großteil des Sortiments in einem Bioladen Verbandsware. Das heißt, die Lebensmittel wurden unter strengeren Auflagen produziert, als es der EU-Mindeststandard vorgibt.

Im Bio-Supermarkt
Während die kleinen, individuellen Bioläden in Deutschland immer weniger werden, sind große Bio-Supermarktketten, wie zum Beispiel Alnatura, denn’s oder Basic, auf dem Vormarsch. Hier findet der Kunde ein riesiges Angebot an Bio-Produkten zu relativ günstigen Preisen. Durch die Philosophie des kleinen Preises bleibt die Regionalität der Ware oft auf der Strecke und Verbandsware wird deutlich weniger angeboten.

Im Reformhaus
Auch in Reformhäusern wird viel Bio-Ware angeboten, doch ein zwingend notwendiges Kriterium ist das Bio-Siegel nicht. Die Produktauswahl der Reformhäuser unterliegt eigenen Kriterien, bei denen der Gesundheitsaspekt im Vordergrund steht. Zum Beispiel müssen Produkte in Reformhäusern frei von isoliertem Zucker, Weißmehlen, gehärteten Fetten, Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromen sein.

Direkt nach Hause liefern lassen
Mit einer Öko-Kiste bekommen Sie Bio-Produkte direkt zu Ihnen nach Hause geliefert. In der Regel können Sie die Produkte in ihrer Kiste individuell zusammenstellen, oder Sie entscheiden sich für eine vorgepackte Kiste. Ob das Obst und Gemüse ausschließlich aus der Region und frisch vom Feld stammen soll, können Sie ebenfalls entscheiden. Hier finden Sie Ihren regionalen Öko-Kisten-Partner.

Direkt vom Bauern
Viele Bio-Bauern vermarkten ihre Produkte direkt ab Hof. Bei dieser Form des Einkaufs wissen Sie genau, woher die Ware kommt. Der persönliche Kontakt zwischen Öko-Bauer und Kunde gibt Sicherheit und garantiert Qualität, Frische und faire Preise. Bedenken Sie aber, dass der wöchentliche Ausflug mit dem Auto zum Bio-Bauern ökologisch auch nicht sinnvoll ist.

Von einer solidarischen Landwirtschaft
Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) ermöglicht eine 100 Prozent transparente, regionale und von der freien Marktwirtschaft abgekoppelte Produktion von Lebensmitteln. Sie ist ein Zusammenschluss von einem landwirtschaftlichen Betrieb und einer Gruppe von privaten Haushalten. Für die Gründung einer Solawi ist die Produktion von Bio-Lebensmitteln nicht zwingend notwendig. Doch fast alle Solawis arbeiten nach den Prinzipien des Ökolandbaus. Hier finden Sie solidarische Landwirtschaft in Ihrer Nähe.

Auf einem Wochenmarkt
In fast jeder Stadt finden auf öffentlichen Plätzen Wochenmärkte statt. Hier bieten Händler:innen regelmäßig ein- oder auch mehrmals die Woche frische Produkte, wie Obst und Gemüse, Wurst und Käse, Blumen, Kräuter und vieles mehr an. Zwischen meist konventionellen Marktständen ist auch immer mal wieder ein Stand mit Bio-Produkten dabei. Selten gibt es auch Wochenmärkte, die ausschließlich Bio-Ware anbieten.

Auf einem Bauernmarkt
Eine schöne Variante des Wochenmarktes ist der Bauernmarkt. Auf Bauernmärkten werden die Produkte direkt durch die Landwirt:innen vermarktet. Das garantiert den Verbraucher:innen frische und regionale Lebensmittel und den direkten Kontakt zu den Erzeuger:innen. Doch auch hier ist Bio meist nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Im Supermarkt und Discounter
Mittlerweile haben auch Supermärkte und Discounter eine Auswahl an Bio-Lebensmitteln in ihrem Sortiment. Diese erkennen Sie am Bio-Siegel auf der Verpackung. Außerdem dürfen Produkte nur mit „Bio“ bzw. „Öko“ beworben werden, wenn sie die gesetzlichen Mindestanforderungen der EG-Öko-Verordnung erfüllen. Mehr können Sie aber von Bio-Produkten in konventionellen Geschäften nicht erwarten. Denn der extrem hohe Wettbewerbsdruck in der Lebensmittelbranche macht auch nicht vor Bio-Erzeuger:innen halt.

Sind Biolebensmittel ökologisch immer sinnvoll?

Mit dem Kauf von Biolebensmitteln wird eine Landwirtschaft ohne Pestizide, künstlichen Düngemittel und Gentechnik gefördert. Darüber hinaus leistet die flächengebundene Tierhaltung und die Fütterung der Tiere mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an betriebseigenen Futtermitteln und geringem Kraftfuttereinsatz einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz.

Trotzdem gibt es auch Bio-Produkte, deren gesamte Ökobilanz eher schlecht ausfällt. Denn ökologisch durchaus relevante Kriterien, wie zum Beispiel der Wasser- und Energieverbrauch, Transport und Verpackung, spielen bei der Bio-Zertifizierung keine Rolle. Beispiele für Bio-Lebensmittel mit einer schlechten Ökobilanz sind Südfrüchte, die mit dem Flugzeug transportiert werden, Kartoffeln, deren Anbaugebiet Wüstenregionen sind und Bio-Lebensmittel mit unnötig hohem Verpackungsmaterial. Bei solchen Produkten einfach auf konventionelle Alternativen zurückzugreifen ist keine Lösung. Vielmehr sollten solche Lebensmittel wo immer möglich mit einer umweltfreundlicheren Bio-Variante ersetzt werden.

Geht es Tieren auf Bio-Bauernhöfen wirklich besser?

Grundsätzlich ja. Abgesehen davon, dass die meisten Bio-Landwirt:innen aus Überzeugung und mit sehr viel Engagement eine tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft betreiben, sind die Öko-Standards deutlich strenger als die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen in der Tierhaltung. Andererseits muss auch gesagt werden, dass durch die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten und die Ausweitung des Absatzmarktes auf Discounter und Supermärkte Betriebe in die Bio-Branche drängen, die sich an dem üblichen Diktat des freien Marktes „Besonders viel besonders billig“ orientieren. Da die EU-Ökoverordnung solchen Betrieben leider noch zu viel Spielraum bietet, gibt es in der Bio-Branche durchaus schwarze Schafe, bei denen sich die Realität im Stall wenig mit den Vorstellungen der Verbraucher:innen von einer ökologischen Tierhaltung deckt. Deshalb sollte gerade beim Einkauf von tierischen Produkten etwas genauer hingesehen werden.

  • Die sicherste Möglichkeit, sich vom Wohl der Tiere überzeugen zu können, bietet der Einkauf in einem Hofladen und das direkte Gespräch mit dem Landwirt vor Ort.
  • Produkte, die neben dem Bio-Siegel auch noch das Siegel eines Bio-Anbauverbandes tragen, unterliegen nochmal deutlich strengeren Vorgaben.
  • Bioläden pflegen oft persönliche Handelsbeziehungen mit ausgesuchten Bio-Betrieben, bei denen eine ordentliche Tierhaltung gewährleistet ist. Hier kann das Ladenpersonal über die genaue Herkunft befragt werden.
  • Bei Billig-Bio-Produkten aus dem Discounter bleibt das Tierwohl oft auf der Strecke. Im Vergleich zu konventionellen Billig-Produkten sind diese aber immer noch besser.

Ist eine ökologische Landwirtschaft auch eine faire Landwirtschaft?

In der EU-Ökoverordnung, die den rechtlichen Rahmen für die ökologische Landwirtschaft absteckt, werden soziale Standards nicht berücksichtigt. Trotzdem verbessert eine ökologische Wirtschaftsweise in der Regel auch die Lebensqualität der Menschen. Der Verzicht auf den Einsatz von Pflanzengiften schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Menschen. Vor allem in den Ländern des Südens, in denen oftmals das Wissen und die Ausrüstung für eine sichere Anwendung von Pestiziden fehlt und das Trinkwasser teilweise extrem mit Giftstoffen aus der Landwirtschaft belastet ist, trägt die ökologische Landwirtschaft maßgeblich zum Wohlbefinden der Menschen bei. Außerdem bietet die ökologische Landwirtschaft gerade für Kleinbauern finanzielle Vorteile, da zum einen Ausgaben für Pestizide und Düngemittel wegfallen, und zum anderen die Preise für ökologisch erzeugte Lebensmittel höher sind. Nicht ohne Grund stammen über die Hälfte der mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichneten Produkte auch aus kontrolliert biologischem Anbau.

Aktuelle Meldungen

Hier finden Sie aktuelle Beiträge zu den Themen Landwirtschaft, Ökolandbau, Tierhaltung, Gentechnik und Pestizide.

Glyphosat: neue Hoffnung für ein Verbot?

Landwirtschaft

– Ende des Jahres läuft die EU-Zulassung von Glyphosat aus. Doch weil die Behörden den Zeitplan des Genehmigungsverfahren nicht halten können, hat die EU-Kommission eine formelle Verlängerung um ein Jahr vorgeschlagen. Der Vorschlag fand jedoch zwei Mal nicht die notwendige Mehrheit unter den Mitgliedstaaten. Das gibt neue Hoffnung für ein mögliches Glyphosat-Verbot in Europa.

Export verbotener Pestizide soll eingeschränkt werden

Landwirtschaft

– Pestizide, die in der EU wegen ihrer Gesundheitsrisiken verboten sind, dürfen bisher trotzdem in den Mitgliedstaaten produziert und in Drittstaaten exportiert werden. Diese im Pestizidhandel geltende unsägliche Doppelmoral soll nun endlich gestoppt werden: Das Bundeslandwirtschaftsministerium bereitet ein Exportverbot für bestimmte gesundheitsschädliche Pestizide vor.

200-fach höhere Pestizidbelastung bei Obst und Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft

Landwirtschaft

– Konventionell produziertes Obst und Gemüse ist im Schnitt 200 Mal mehr mit Pestizidrückständen belastet als Ware aus ökologischem Anbau. Bei drei Viertel der untersuchten Bio-Proben konnten keinerlei Pestizidrückstände nachgewiesen werden. Zu diesem Ergebnis kommt das baden-württembergische Ökomonitoring für das Jahr 2021.

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