Atommüll - das ungelöste Problem

Die strahlenden Abfälle aus Uranbergbau, Urananreicherung, Wiederaufarbeitung der Brennstäbe sowie Betrieb und Abriss von Atomkraftwerken werden noch sehr viele Generationen beschäftigen.

Strahlende Abfälle

Strahlende Abfälle wurden früher im Meer verklappt. Mittlerweile werden langfristig sichere Lagerstätten meist in geologischen Formationen gesucht. Dies kann nur gelingen, wenn Atomkraftwerke abgeschaltet und kein weiterer Atommüll produziert wird.

Die Atommüllproduktion fängt beim Uranabbau an

Für die Gewinnung einer Tonne Uran müssen bei einem heute normalen Urangehalt von 0,1 Prozent 1.000 Tonnen Uranerz abgebaut werden. Darin sind lediglich 7,11 Kilogramm spaltbares Uran-235 enthalten. Etwa 99,9 Prozent der radioaktiven und chemotoxischen Uranerze verbleiben vor Ort.

Meist findet in der Nähe des Bergwerks die Uranaufbereitung statt, wo aus dem Erz das Uran extrahiert und zu sogenanntem Yellowcake verarbeitet wird. Zurück bleiben giftige Schlämme, die noch bis zu 85 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität enthalten, dazu noch Schwermetalle und chemische Zusatzstoffe. Die giftigen Stäube verteilen sich mit dem Wind und tragen zur Kontamination von Mensch und Umwelt bei.

Themenseite Radioaktivität Viel Atommüll entsteht beim Uranbergbau. Im Bild ist eine Uranmine in Namibia zu sehen.

Strahlender Arbraum: Uranmine in Namibia

Atommüllproduktion in Atomkraftwerken

Der Atommüll aus Atomkraftwerken wird nach der Stärke der Radioaktivität unterteilt in hochradioaktive sowie schwach- und mittelaktive Abfälle. Aufgrund der langen Halbwertszeiten einiger radioaktiver Inhaltsstoffe behalten sie ihre gefährlichen Eigenschaften über sehr lange Zeiträume bei – teilweise über Millionen von Jahren. Für den sicheren Einschluss der Radioaktivität über diese unvorstellbaren Zeiträume wird derzeit nach einem „Endlager“ in tiefen geologischen Schichten gesucht.

  • Hochradioaktive Abfälle
    Im Mittel produziert ein AKW pro Jahr gut 30 Tonnen hoch radioaktiven Abfall. Bis zum geplanten Abschalttermin aller Atomkraftwerke in Deutschland werden nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) insgesamt 10.550 Tonnen Schwermetall aus bestrahlten Brennelementen von Leistungsreaktoren anfallen. Dazu kommen 6662 Tonnen, die an Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) abgegeben wurden, wie z.B. nach La Hague in Frankreich, nach Sellafield oder ins inzwischen stillgelegte Dounreay in Großbritannien, in die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) oder die in „sonstigen Anlagen“ im europäischen Ausland, wie z.B. in Belgien, Schweden oder Ungarn, „entsorgt“ wurden.
    Das für die anfallenden Abfälle benötigte Lagervolumen wird mit 21.000 Kubikmetern (m3) prognostiziert, mit den Rückführungen des Restmülls aus den WAA ergibt sich ein Gesamtvolumen von 27.500 m3. Darin eingerechnet sind mit 500 m3 die hochaktiven Abfälle aus dem Versuchsreaktor Jülich und dem Hochtemperaturreaktor Hamm Uentrop, für die aber trotz Exportverbot Atommüll-Transporte ins Ausland diskutiert werden.
  • Schwach- und mittelaktive Abfälle
    Der Anteil der schwach- und mittelaktiven Abfälle am gesamten Atommüll ist mit etwa 90 bis 95 Prozent deutlich größer als der Anteil der hochaktiven Abfälle. Das BfS gibt die Menge an schwach- und mittelaktiven Abfällen hochgerechnet bis zum Jahr 2050 mit gut 300.000 m3 an, für die vor allem das geplante Endlager Schacht Konrad vorgesehen ist. Die Abfälle, die aus dem „Versuchsendlager“ Asse rückgeholt werden sollen, werden mit bis zu 220.000 m3 angegeben, dazu kommen 100.000 m3 Abfälle aus der Urananreicherungsanlage Gronau, die bisher als Wertstoff und nicht als Atommüll eingestuft wurden. Da für Schacht Konrad aber nur eine Genehmigung für 303.000 m3 erteilt wurde, sollen die restlichen Abfälle in das im Standortauswahlverfahren zu bestimmende Endlager für hochradioaktive Abfälle mit eingelagert werden. Das benötigte Volumen wird damit maßgeblich vergrößert.

Atom-Sondermüll aus Bayern

Fragen und Antworten zum Thema Atommüll

Warum hat Deutschland Atommüll-Wiederaufarbeitung verboten?

AKW-Betreiber in Deutschland müssen gemäß dem Atomgesetz einen „Entsorgungsnachweis“ vorlegen, der eine „schadlose Verwertung“ oder „geordnete Beseitigung radioaktiver Abfälle“ garantiert. Bis 2005 hat dafür der Weg in die Wiederaufarbeitung gegolten. Dahinter stand die Idee des „Recycling“ zu neuem Brennstoff, die aber nicht voll praxistauglich ist. Im Wiederaufarbeitungsprozess werden zwar Uran und Plutonium separiert, aber nur ein kleiner Teil wird zu Mischoxid-Brennstoff (MOX) verarbeitet und in Reaktoren wieder eingesetzt. Der Rest ist giftiger Abfall, der nicht wiederverwertet werden kann und endgelagert werden muss.

Die Wiederaufarbeitung der abgebrannten Brennelemente hat die Atommüllproblematik bislang weder entschärft, noch die Mengen an Atommüll verringert. Mit dem Umwandlungsprozess hat man nur die Zeit bis zur Endlagerung hinausgeschoben. Am Ende muss der gesamte radioaktive Müll dennoch in einem Endlager verwahrt werden. Atomstrom wird seit den 1950er Jahren erzeugt, doch noch immer ist weltweit kein einziges Endlager für hoch radioaktive Abfälle in Betrieb. Und da es ein wirklich sicheres Endlager nie geben wird, ist es höchste Zeit, die Atommüll-Produktion endlich zu stoppen.

Warum sind die Atommülllager in Deutschland unsicher?

Nach dem Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung wurden die AKW-Betreiber gesetzlich verpflichtet, an jedem AKW-Standort ein Zwischenlager für die abgebrannten Brennelemente zu errichten, die nach einer Abklingzeit direkt „endgelagert“ werden sollen. Die Genehmigung der Lager ist auf 40 Jahre begrenzt, Mitte der 2040er Jahre laufen sie aus. Bis dahin wird mit dem 2017 initiierten sogenannten Standortauswahlverfahren aber noch kein langfristiges Atommülllager zur Verfügung stehen. Aus den Standort-Zwischenlagern und den zentralen Zwischenlagern werden also entweder schlecht gesicherte Langzeitlager oder es werden neue Zwischenlager gebaut. Im Rahmen der Atommüllkonferenz hat das Umweltinstitut gemeinsam mit über 70 Initiativen und Verbände ein Positionspapier Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle erarbeitet, in welchem sie Sicherheitsdefizite aufzeigen und Forderungen an die verantwortlichen Behörden richten.

Atommüll lagert an folgenden Orten in Deutschland

  • Im „Endlager“ für radioaktive Abfälle Morsleben in Sachsen-Anhalt wird seit Anfang des Jahrtausends kein weiterer Abfall mehr eingelagert, nachdem Teile der Grube einstürzten.
  • Das „Versuchsendlager“ Asse II befindet sich in Niedersachsen. Durch Laugenzuflüsse und fehlende Standsicherheit ist die Asse für radioaktive Abfälle völlig ungeeignet und wurde äußerst schlampig betrieben. Geplant ist, alle 126.000 dort verklappten Fässer zurückzuholen, was ein schwieriges Unterfangen wird.
  • Für die „Endlagerung“ schwach- und mittelaktiver Abfälle ist das ehemalige Erzbergwerk Schacht Konrad in Niedersachsen geplant. Ursprünglich sollte das Lager 2013 fertig sein, inzwischen ist von frühestens 2027 die Rede. Klar ist, dass dort weder Abfälle aus der Asse noch aus Gronau eingelagert werden können.
  • Es gibt drei zentrale Zwischenlager in Deutschland: in Gorleben ein Transportbehälterlager, wo u.a. rückgeführte Castoren aus La Hague lagern sowie ein Fasslager mit Abfällen aus allen deutschen AKW; weiter das Transportbehälterlager in Ahaus in Nordrhein Westfalen und das Zwischenlager Nord in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern.
  • Weiterhin gibt es noch eine Reihe von kleineren Zwischenlagern von Nuklear-Firmen, wovon zwei in Wohngebieten liegen: eines in Duisburg, und eines in Braunschweig, das nicht nur in einem Wohngebiet, sondern auch noch neben einem Schulzentrum und in der Einflugschneise des nur drei Kilometer entfernten Flughafens angesiedelt ist.
  • In Bayern gibt es das Zwischenlager Mitterteich, das zugleich die Landessammelstelle Süd ist, und verschiedene kleinere Landessammelstellen, u.a. in Neuherberg bei München.
  • Hinzu kommen die Standort-Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente, die jeweils an den AKW-Standorten errichtet wurden.

Warum gelangt Atommüll auf Hausmülldeponien?

Die größten Volumenteile von radioaktiven Abfällen fallen beim Abriss von stillgelegten Atomanlagen und -meilern an. Die Millionen Tonnen radioaktiv belasteter Bauschutt landen zum größten Teil auf normalen Hausmüll-Deponien. Um Kosten zu sparen, sollen sie zum Teil aber auch im Straßenunterbau oder als Metallschrott in alltäglichen Produkten wie Kochtöpfe oder Heizkörper verwendet werden. Dafür sind in der Strahlenschutzverordnung von 2001 bereits „Freigabewerte“ festgelegt worden, die vorsorglich deutlich erhöht wurden.

Nach der Freigabe unterliegt ein radioaktiver Stoff nicht mehr dem Atomgesetz und es ist nicht mehr nachvollziehbar, welche Mengen an radioaktivem Material wo eingelagert oder weiterverwendet werden. Da beim gleichzeitigen Abriss vieler Atomkraftwerke sehr große Mengen anfallen werden, wäre das sichere Einhalten der Strahlenschutzziele nur mit einer besseren Überwachung der Stoffe möglich. Zu diesem Schluss kommt eine intac-Studie.

Menschen, die in der Nähe von Deponien leben, protestieren gegen die Einlagerung radioaktiven Bauschutts. Auch wenn der Schutt „freigemessen“ wurde und die Radioaktivität unter den (teils hohen) Grenzwerten liegt, wollen Bürger:innen sowie Kommunen das Material nicht in normalen Deponien haben.

 

Warum gibt es weltweit kein sicheres Endlager für Atommüll?

Es besteht überwiegende Einigkeit, dass der Atommüll in tiefen geologischen Formationen eingelagert werden soll, obwohl bisher die Langzeitsicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Als sogenannte Wirtsgesteine werden Steinsalz, Tongestein und kristallines Gestein wie Granit. In Deutschland sucht man nach dem Standortauswahlgesetz von 2017 nach Lagerstätten in Salz, Ton oder Granitgestein. Die grundlegend verschiedenen Sicherheitskonzepte für verschiedene Gesteinsarten sind allerdings schwer zu vergleichen.

Für hochaktive Abfälle war bislang Gorleben in Niedersachsen als „Endlager“ vorgesehen. Aufgrund jahrzehntelanger Proteste gegen diese politische Entscheidung wurde 2015 ein neuer Endlagersuchprozess gestartet. Gorleben ist im September 2020 aus geowissenschaftlichen Gründen für die Standortsuche ausgeschlossen worden, da das Deckgebirge nicht mächtig genug, das Rückhaltevermögen zu gering und mit Wassereintritt zu rechnen ist. Doch noch immer gibt es massive Kritik am Verfahren und den Vorwurf, die Fehler der Vergangenheit fortzusetzen.

Im Norden Deutschlands gibt es eine Reihe von möglichen Salz- und Tongestein-Formationen. Als möglicher Standort im Süden kommt ein Gebiet mit Tongestein zwischen Baden-Württemberg und Bayern infrage. Granitvorkommen gibt es etwa im Nordosten Bayerns, sowie im Süden Sachsens. Im Standortauswahlverfahren wird ausdrücklich nach einem gemeinsamen Lager für hochradioaktive Abfälle und mittelaktive Abfälle gesucht, die nicht in Konrad eingelagert werden. Selbst wenn dies gelingen sollte, wird der Prozess noch Jahrzehnte dauern.

Nur wenige Länder sind im Prozess, Atommüll zu lagern, ähnlich oder weiter fortgeschritten. So wollen Frankreich und die Schweiz in Ton einlagern, stehen aber vor technischen Herausforderungen. Schweden und Finnland planen mangels Alternativen ein Endlager im Granit, was wegen der Durchlässigkeit des Gesteins hohe Anforderungen an die Beständigkeit des Behälters stellt. Das bisherige “Schwedische” Konzept mit Kupfer-Kanistern gilt als gescheitert, da diese in Versuchen deutlich schneller von Korrosion zersetzt werden, als zunächst angenommen. Dennoch will Finnland die Einlagerung ohne weitere Versuche durchführen.

Die Suche nach einem „Endlager“ ist brisant. Niemand will das strahlende Erbe vor der Haustür haben. Dennoch muss ein möglichst sicherer Umgang damit gefunden werden. Damit dies gelingen kann, ist es essentiell, die Atommüllproduktion unverzüglich zu stoppen. Denn mit jedem Tag Atomstromproduktion vergrößert sich der für hunderttausende Jahre strahlende Müllberg.

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