Klimaschutz
statt KI-Wahn!

Schon bald sollen sie auch in Deutschland überall aus dem Boden schießen: neue KI-Rechenzentren, von denen jedes Einzelne so viel Strom verbraucht wie eine Großstadt. Die amerikanischen Tech-Giganten treiben diese Entwicklung an. Dabei drohen der Klimaschutz und die Interessen der Kommunen und Anwohner:innen auf der Strecke zu bleiben. In den nächsten Wochen entscheidet der Bundestag über die künftigen Energiesparregeln für Rechenzentren. Im Hintergrund versucht die Lobby, geltende Standards aufzuweichen. Helfen Sie uns jetzt, das zu verhindern! Mehr lesen

Die von Großkonzernen geplanten Monster-Rechenzentren überheizen unsere schon viel zu warmen Städte. Sie verbrauchen das knapper werdende Wasser und versiegeln wertvolle Flächen, die wir für den Erhalt der Artenvielfalt brauchen. Und sie verlangen nach neuen fossilen Kraftwerken für ihren enormen Energiebedarf. Eine nachhaltige digitale Entwicklung sieht anders aus. Wir wollen keine KI-Gigafabriken, die nur wenigen Tech-Konzernen Profite bringen. Wir setzen auf einheimische Rechenzentren, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, ihre Abwärme zum Heizen bereitstellen und wichtige Rohstoffe wiederverwenden. Zugleich brauchen wir eine unabhängige digitale Infrastruktur, bei der unsere Daten vor dem Zugriff ausländischer Geheimdienste geschützt sind.

Schon heute lassen die Betreiber von Rechenzentren die Bürger:innen vor Ort über die Details ihrer Pläne im Dunkeln. Deren Anliegen drohen dabei auf der Strecke zu bleiben. Die Lobby wirkt mit all ihrer Macht auf die Bundestagsabgeordneten ein. Lassen Sie uns jetzt dagegenhalten!

Im November beschäftigt sich der Bundestag mit  der entscheidenden Reform des Energieeffizienzgesetzes. Deshalb braucht es jetzt Druck auf die Abgeordneten: Schreiben Sie ihnen eine E-Mail und fordern Sie, dass Klimaschutzregeln nicht zugunsten der reichsten Unternehmen der Welt aufgeweicht werden!

Fordern Sie jetzt mit uns: Klimaschutz in Rechenzentren nicht abschwächen!

Hier finden Sie den E-Mail-Text, der in Ihrem Namen versandt wird:

Sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft und Energie,

die Bundesregierung will den Ausbau von Rechenzentren in Deutschland massiv vorantreiben: Bis 2030 soll sich die Anschlussleistung insgesamt verdreifachen, die von besonders energieintensiven KI-Rechenzentren sogar vervierfachen. Im Jahr 2045 könnten Rechenzentren damit bereits rund 13 Prozent des Endenergiebedarfs der Industrie ausmachen.
Im seit 2023 geltenden Energieeffizienzgesetz sind einige wichtige Regelungen für Rechenzentren verankert. Diese sollen nun abgeschwächt werden. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Projekte mit einer solchen Gewinnmarge nicht auch so gestaltet sein sollen, dass sie der Allgemeinheit nicht schaden. Ich bitte Sie eindringlich, sich gegen Abschwächungen und Ausnahmen einzusetzen, die dem Klimaschutz schaden.

Konkret geht es um drei wichtige Regelungen:
• Energieeffizienz: Die Energieverbrauchseffektivität (PUE) soll abgesenkt werden und zusätzlich soll nicht mehr die tatsächlich erreichte Effizienz zählen, sondern ein theoretischer Wert, der in der Realität nicht erreicht wird (Design-PUE). Wird diese Abschwächung umgesetzt, erzeugt dies zusätzlichen flexiblen Strombedarf in der Größenordnung von sieben Gaskraftwerken im Jahr 2045. [1]
• Abwärmenutzung: Für die Abwärmenutzung soll es weitere Ausnahmen geben, die es unwahrscheinlich machen, dass die Abwärme zum Heizen wiederverwendet wird. Bleibt die Abwärmenutzung bei unter drei Prozent, statt auf 20 Prozent zu steigen, brauchen wir bis 2045 zusätzliche Heizenergie in der Größenordnung von zehn großen LNG-Tankschiffen. [1]
• Transparenz: Transparenzregeln sollen so abgeschwächt werden, dass Unternehmen kaum noch offenlegen müssen, wie viel Energie und Wasser ihre Rechenzentren verbrauchen und welche Flächen sie beanspruchen. Dabei gehen die geforderten Angaben nicht über übliche Berichtspflichten hinaus. Die aktuell vorgesehenen Ausnahmen sind dagegen viel zu weitreichend und hätten vor Gericht kaum Bestand. [2]

Die Folgen der geplanten Änderungen am Energieeffizienzgesetz wären gravierend. Ohne klare Vorgaben für den Ausbau von Rechenzentren erhalten die größten Konzerne der Branche einen Freifahrtschein für einen ungebremsten Ressourcenverbrauch. Jetzt ist es an der Zeit, Leitplanken zu setzen: Sind die Rechenzentren erst einmal gebaut, lassen sich die negativen Folgen für Klima und Bürger:innen kaum noch rückgängig machen.

Ich bitte Sie daher: Verhindern Sie diese Abschwächungen! Setzen Sie sich im Ausschuss für Wirtschaft und Energie für wirksamen Klimaschutz bei Rechenzentren ein.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
[Ihr Name und Wohnort werden automatisch ergänzt. Ihre Mailadresse wird nicht weitergegeben.]

Quellen:

[1] Studie zu den Auswirkungen schlechterer Effizienzstandards, Oktober 2026 https://umweltinstitut.org/pressemitteilung/studie-lockerung-von-effizienzstandards-koennte-strombedarf-von-rechenzentren-massiv-erhoehen/

[2] Rechtliche Analyse zu Veröffentlichungspflichten, April 2026 https://umweltinstitut.org/wp-content/uploads/2026/10/2026-04-22-Kurzgutachten-EnEfG-Transparenz.pdf

Jetzt mitmachen

Schreiben Sie den Mitgliedern des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie!

Bereits teilgenommen:

10.000
4.018

„*“ zeigt erforderliche Felder an

Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Daten speichern?

Hiermit gebe ich meine freiwillige Einwilligung, dass das Umweltinstitut München meine hier angegebenen personenbezogenen Daten zur Versendung einer E-Mail in meinem Namen an den Adressaten der Aktion verarbeiten darf. Die Einwilligung ist jederzeit widerrufbar. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
* Pflichtangaben.

Hintergrundinformationen

Ist das Umweltinstitut gegen den Bau neuer Rechenzentren?

Das Umweltinstitut ist nicht grundsätzlich gegen den Bau von Rechenzentren. Wir fordern aber, dass ihr Ausbau maßvoll, am tatsächlichen Bedarf orientiert und nach modernsten Effizienzstandards erfolgt. Um unabhängiger von ausländischen Tech-Konzernen zu werden, ist es für Deutschland wichtig, über eine eigene IT-Infrastruktur zu verfügen. Das ist aber nur dann nützlich, wenn auf dieser Infrastruktur auch offene, autarke Software gesetzt wird. Wenn dagegen Gigafabriken von amerikanischen Tech-Riesen in Deutschland betrieben werden, bleibt der Nutzen für Deutschland begrenzt.

Wie sähe ein umweltschonendes Rechenzentrum aus?

Umweltschonende Rechenzentren zeichnen sich durch moderne, energieeffiziente Gebäudtechnik, klimaschonende Kältemittel und einen sparsamen Umgang mit knappen Flächen aus. So sollten neue Rechenzentren möglichst auf bereits versiegelten Flächen entstehen, damit keine zusätzlichen Grünflächen verloren gehen. Wichtig ist außerdem ein langfristiges Konzept zum ressourcenschonenden Umgang mit den großen Mengen an Elektroschrott, die durch den Betrieb von großen Serverfarmen nach deren Lebensende anfallen. Es gibt bereits zahlreiche Rechenzentren in Deutschland, die diese Standards erfüllen. Eine gute Orientierung bietet die Auszeichnung „Blauer Engel“, die durch das Umweltbundesamt nach unabhängiger Prüfung vergeben wird.

Was können Energiespar-Regeln bei Rechenzentren bewirken?

Wenn Rechenzentren wie prognostiziert weiter wachsen, könnten sie im Jahr 2045 rund 13 Prozent des Endenergiebedarfs der deutschen Industrie ausmachen. Energiesparregeln für Rechenzentren sind daher jetzt besonders wichtig. Eine wichtige Kennzahl für die Energieeffizienz von Rechenzentren ist der sogenannte PUE-Wert. Er gibt an, wie viel Strom ein Rechenzentrum zusätzlich zum Betrieb der Server etwa für Kühlung und Lüftung benötigt. Ein älteres Rechenzentrum mit einem PUE von 2 braucht genauso viel Strom zur Kühlung oder Lüftung wie für den Betrieb seiner Server. Ein modernes Rechenzentrum mit einem PUE von 1,2 benötigt dafür nur 20 Prozent des Stroms. Das Energieeffizienzgesetz schreibt deshalb diesen Grenzwert für den PUE-Wert von neuen Rechenzentren vor. Wird dieser aufgeweicht, könnte bis 2045 der Strombedarf um etwa neun Terawattstunden zusätzlich steigen. Dieser unnötige Stromverbrauch lässt sich durch wirksame Effizienzstandards vermeiden. Die Abwärme moderner, warmwassergekühlter Rechenzentren lässt sich außerdem gut zur Beheizung von Gebäuden nutzen. Würden künftig 20 Prozent der Abwärme von Rechenzentren verwendet statt wie heute knapp drei Prozent, könnte im Jahr 2045 zusätzliche Heizenergie in der Größenordnung von zehn großen LNG-Tankschiffen eingespart werden.

Betreffen mich neue Rechenzentren auch persönlich?

Ja, insbesondere wenn in Ihrer Nähe ein neues Rechenzentrum entsteht. Rechenzentren können durch ihren Wasserverbrauch lokal Wasserknappheiten verschlimmern. Auch die Abwärme der Anlagen kann die unmittelbare Umgebung zusätzlich erwärmen. Diesel-Notstromaggregate laufen mitunter nicht nur zur Absicherung von Blackouts, sondern auch, um Energiepreisspitzen zu drücken, und können hohe Feinstaubbelastungen produzieren. PFAS-haltige Kältemittel sind klimaschädlich und können auch lokal Gesundheitsgefahren verursachen. Bei dieser Aktion setzen wir uns für wirksame Effizienzstandards ein, damit Rechenzentren weniger Energie verbrauchen und ihre Umweltbelastung verringern. Diese Standards stehen auch bei der aktuellen Reform des Energieeffizienzgesetzes zur Debatte. Die weiteren Auswirkungen von Rechenzentren behalten wir aber ebenfalls im Blick. Fragen Sie auch bei Ihren Gemeinde- oder Stadrät:innen nach, ob in Ihrer Gemeinde ein Rechenzentrum geplant ist und melden Sie uns das gerne!

Eine gemeinsame Aktion mit

Logo foodwatch, INKOTA, PAN Germany

Zurück nach oben