Nachgefragt: Wie geht es voran mit der Wärmewende?

Die Wärmewende ist Kommunensache. Deshalb müssen alle Städte und Gemeinden bis Mitte 2028 einen kommunalen Wärmeplan vorlegen. Dazu sollte auch der Ausstieg aus dem Gas gehören, denn eine echte Wärmewende geht nur ohne den fossile Energieträger. Doch planen die Kommunen auch, ihre Gasnetze stillzulegen? Das haben knapp 1.700 Engagierte mit unserer Aktion bei ihren Bürgermeister:innen nachgefragt. Mehr lesen

Die vielen Nachfragen der Teilnehmer:innen und die Antworten der Bürgermeister:innen haben gezeigt: Die Wärmewende beschäftigt nicht nur die Menschen vor Ort – auch viele Bürgermeister:innen setzen sich intensiv mit dem Thema auseinander. Wir bedanken uns herzlich bei den zahlreichen engagierten Menschen, die bei unserer Aktion teilgenommen haben.

In der Zeit nach unserer Aktion haben sich weiter Kommunen dazu entschlossen, dem fossilen Gas den Hahn abzudrehen. So sieht etwa der Entwurf der Wärmeplanung der Stadt Bochum vor, Teile des Gasnetzes mittelfristig stillzulegen. Auch der Konstanzer Oberbürgermeister spricht sich öffentlich gegen die weitere Nutzung von Gas aus. Stattdessen planen die Stadtwerke in Konstanz, die Gasversorgung durch erneuerbar betriebene Wärmenetze zu ersetzen oder Wohngebiete schrittweise auf Wärmepumpen umzustellen.

Unsere gemeinsame Forderung an die Bürgermeister:innen war: 

Sehr [geehrte/r] [Politiker:in: Frau/Herr] [Politiker:in: Name],

die Wärmewende nimmt derzeit an Fahrt auf, in naher Zukunft werden nicht nur unser Strom, sondern auch unsere Heizungen von erneuerbarer Energie angetrieben werden. Dazu muss auch bei uns in [Ort] ein Wärmeplan erstellt und in den nächsten Jahren regelmäßig aktualisiert werden. Spätestens in 20 Jahren sollen alle Häuser mit erneuerbaren Energien beheizt werden.
Das ist gut so, denn Heizen mit Gas wird immer teurer. Mehr und mehr Menschen steigen schon jetzt auf Wärmepumpen um. Dadurch steigen die Netzgebühren für die übrigen Gasnutzer.
Einige Städte wie Hannover und Mannheim reagieren darauf und planen den Rückzug aus der Gasversorgung. Sie legen nach und nach Teilgebiete des Gasnetzes still, zum Beispiel, wenn ein Stadtgebiet mit Fernwärme versorgt wird.
Wärmewende und Gasausstieg sind komplexe Projekte, die so frühzeitig wie möglich geplant, angekündigt und sorgsam durchgeführt werden müssen.

Daher würde ich gerne wissen:
Sorgen Sie dafür, dass parallel zur kommunalen Wärmeplanung für klimafreundliche Heizungen auch der Rückzug aus der Gasversorgung geplant wird, damit beide Vorgänge Hand in Hand gehen? Sind Sie dazu mit unserem Netzbetreiber im konstruktiven Austausch?
Ist eine baldige Information an alle Bürger und Bürgerinnen geplant, dass sich neue Gasheizungen nicht mehr lohnen?
Setzen Sie sich dafür ein, dass die erneuerbaren Alternativen für unsere Heizungen zügig umgesetzt werden, damit auch [Ort] die Klimaziele erreicht?

[Persönliche Botschaft]

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
[Vorname] [Nachname] aus [Ort]

 

Vielen Dank!

Diese Aktion ist mittlerweile beendet.

Insgesamt 1.690 Personen haben bei unserer Aktion mitgemacht.

Laufzeit der Aktion: Oktober 2025 bis September 2026

Hintergrund

Alle Städte und Gemeinden müssen bis Mitte 2028 ihren kommunalen Wärmeplan vorlegen. Der stellt dar, mit welchen klimafreundlichen Alternativen künftig geheizt werden kann. Wenn alle Heizungen klimafreundlich sind, spielt Gas keine Rolle mehr. Einige Städte gehen deshalb voran und planen jetzt, ihre Gasnetze Schritt für Schritt durch fossilfreie Wärmenetze und Wärmepumpen zu ersetzen. Das ist kein leichter Schritt und muss früh genug organisiert werden. Wir wollen wissen: Wie sieht es in unseren Städten und Gemeinden aus?  Werden Wärmeplanung und Gasausstieg sinnvoll verzahnt? Und werden die Bürger:innen informiert, dass neue Gasheizungen eine Fehlinvestition sind? Mit diesen Fragen wollen wir nicht nur Antworten erhalten, sondern auch den Anstoß geben, dass die Kommunen möglichst bald aktiv werden. Andernfalls wird der Ausstieg später teurer und zur Belastung für die Bürger:innen.

Was ist die kommunale Wärmeplanung?

Alle deutschen Städte sind durch das Wärmeplanungsgesetz dazu verpflichtet, einen Wärmeplan zu erarbeiten. Große Städte mit über 100.000 Einwohner:innen müssen den Plan erstmalig bis Mitte 2026 vorlegen, kleinere Städte bis Mitte 2028. In den Plänen wird für jedes Stadtgebiet dargestellt, welche Heizoptionen für alle Häuser möglich sind. Doch Achtung: Der kommunale Wärmeplan schreibt keine bestimmte Heizlösung vor – er zeigt lediglich auf, welche Möglichkeiten in den einzelnen Stadtgebieten bestehen.

Welche klimafreundlichen Alternativen für unsere Heizungen gibt es?

Im Regelfall wird im Wärmeplan dargestellt, ob Bürgerinnen mit dem Anschluss an ein Wärmenetz rechnen können oder sich selbst um eine erneuerbare Heizung kümmern müssen. Wärmenetze werden meist in dicht besiedelten Gebieten mit Mehrfamilienhäusern von Stadtwerken oder lokalen Genossenschaften betrieben und müssen bis 2045 vollständig auf erneuerbare Wärme umgestellt werden. Diese wird zum Beispiel aus Gewässern oder Erdwärme gewonnen. Wer nicht an ein Wärmenetz angeschlossen wird, kann sich fast immer eine effiziente Wärmepumpe einbauen. In seltenen Fällen, etwa bei baulichen Herausforderungen, kann auch eine Biomasseheizung eine Option sein. Erneuerbare Gase wie Wasserstoff und Biogas hingegen sind viel zu wenig verfügbar, daher teuer und sollten keinesfalls zum Beheizen von Häusern genutzt werden.

Warum sollen Städte und Gemeinden jetzt den Gasausstieg planen und ankündigen?

Obwohl dieses Jahr erstmalig die Wärmepumpe die beliebteste Heizung ist, bauen noch zu viele Menschen eine Gasheizung ein. Doch in spätestens 20 Jahren werden die Gasleitungen, die Wohnhäuser versorgen, in den meisten Kommunen stillgelegt sein. Ausgenommen sind ggf. Leitungen für Industriebetriebe, die auf hohe Temperaturen (>200°C) angewiesen sind und ihren Erdgasverbrauch durch Wasserstoff oder Biomethan ersetzen müssen.
Dieser Prozess kann jedoch nur funktionieren, wenn er geordnet – also Schritt für Schritt – abläuft. In einem Gasnetzstilllegungsplan kann der Netzbetreiber aufzeigen, welche Netzteile er vorerst erhalten und welche er stilllegen möchte. Wenn der Gasnetzbetreiber abwartet, bis der letzte Kunde die Gasheizung ausgebaut hat, wird es richtig teuer. Denn die letzten Gaskund:innen müssten alleine die Netzgebühren zahlen, die bisher von vielen Haushalten geschultert wurden. Um das zu vermeiden, muss der Netzbetreiber unbedingt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde die Ablösung des Gasnetzes durch erneuerbare Alternativen organisieren. Wie das funktionieren kann, zeigen etwa die Schweizer Städte Zürich und Basel.

Was bedeutet das für Haushalte, die kürzlich eine Gasheizung gekauft haben?

Bestehende Gasheizungen haben einen Bestandsschutz und dürfen repariert werden. Allerdings werden die Gaspreise bis zum vollständigen Gasausstieg (also spätestens 2045) stark und stetig steigen. Es ist daher möglich, dass der Netzbetreiber schon deutlich vor 2045 kein Gas mehr verteilen möchte, da sich der Netzbetrieb auch für ihn nicht mehr lohnt. Die meisten Gasnetze werden allerdings voraussichtlich nicht vor 2035-2040 stillgelegt werden.
Für alle, die jetzt eine Kaufentscheidung treffen, lohnt sich der Wechsel zur Wärmepumpe. So gehen sie nicht das Risiko ein, zu den letzten Gaskund:innen zu gehören. Gegebenenfalls kann der Gasnetzbetreiber zeitgleich zur Stilllegung des Gasanschlusses ein Alternativangebot machen, etwa für Fernwärme oder eine geleaste Wärmepumpe.

Welche Wirkung hat meine Email an meine:n Bürgermeister:in?

Sie als potenzielle:r Wähler:in sind diejenigen, die Ihre:n Bürgermeister:in beauftragen und auch wieder abwählen können. Daher legen Bürgermeister:innen im Regelfall großen Wert darauf, was von Bürger:innen ihrer Stadt oder Gemeinde an sie herangetragen wird. Im Idealfall nehmen mehrere Menschen aus Ihrer Kommune an unserer Email-Aktion teil, dann ist die Wirkung umso größer. Doch gerade vor Ort ist nicht die Quantität, sondern die Qualität der Ansprache entscheidend. Durch Ihre freundlichen Nachfragen zum Thema Wärmewende und Gasausstieg regen Sie eine interne Auseinandersetzung an. Dies kann der erste Schritt sein, damit die Kommune ins Handeln kommt!

Wie kann ich mich weiter engagieren?

Es ist nicht sicher, aber durchaus wahrscheinlich, dass Sie von Ihrer Kommune eine Antwort auf Ihre Fragen zu Wärmewende und Gasausstieg erhalten. Bitte leiten Sie uns in diesem Fall die Mail an klimawende@umweltinstitut.org weiter! So erhalten wir einen Überblick darüber, welche Kommunen Wärmewende und Gasausstieg sinnvoll zusammendenken und planen – und welche nicht. Außerdem wäre es toll, wenn Sie auf diese Email der Kommune erneut antworten. So wird noch deutlicher, dass Sie ein ernsthaftes Interesse am Thema haben. Das kann ein einfaches Danke sein oder eine inhaltliche Antwort. Falls letzteres notwendig ist, unterstützen wir Sie gerne fachlich!

Wenn Sie selbst weitere Ideen haben oder sich weiter engagieren möchten, können Sie uns unter klimawende@umweltinstitut.org kontaktieren. Gerne besprechen wir in einem individuellen Telefongespräch oder Videocall, welches Engagement in Ihrer Gemeinde am vielversprechendsten ist.

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