Nicht hören, nicht sehen, nicht messen?!

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer schaut bei der Pestizid-Problematik weiter konsequent weg. Statt Risiken ernst zu nehmen, Pestizide zu reduzieren, gefährliche Stoffe zu verbieten und Daten offenzulegen, setzt das Ministerium auf Haushaltseinsparungen. Gefahren werden sprachlich beschönigt und die Bedenken von Umweltschützer:innen ignoriert. Nun will Rainer auch noch die geplanten bundesweiten, staatlichen Pestizid-Luftkontrollen streichen – obwohl wir bereits mehrfach nachweisen konnten, dass Pestizide sich kilometerweit über die Luft verbreiten und bis in Wohngebiete, Schutzgebiete und auf Bio-Felder gelangen.

Die Gefahren durch Pestizide in unserer Luft verschwinden nicht, nur weil die Politik wegschaut.

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Unsere Forderung:

Die staatlichen Pestizid-Luftkontrollen dürfen nicht gestrichen werden!

 

Sehr geehrter Herr Bundesminister Rainer,
sehr geehrte Frau Präsidentin Böl,

Pestizide bleiben nicht dort, wo sie ausgebracht werden. Sie gelangen über die Luft in Gärten, Wohngebiete, Schutzgebiete und auf Bio-Felder. Bisher kontrollieren staatliche Stellen nicht systematisch, wie und in welchem Ausmaß sich Pestizide über die Luft verbreiten. Doch wer Pestizide zulässt, muss auch messen, wo sie tatsächlich landen.

Die Vorarbeiten liegen längst auf dem Tisch: Ein bundesweites Monitoring zur „Verfrachtung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen über die Luft“ wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bereits mit etlichen Vorstudien auf den Weg gebracht. Nun soll die Finanzierung zur Umsetzung dieses Monitorings ersatzlos gestrichen werden.

Gerade in Zeiten von Bürokratieabbau und Sparmaßnahmen ist es wichtig, zentrale Datengrundlagen für den Umwelt- und Gesundheitsschutz zu sichern. Denn nur auf Basis verlässlicher Messdaten kann beurteilt werden, ob bestehende Regelungen und Schutzmaßnahmen wie Anwendungsauflagen, Abstände, abdriftmindernde Technik und Risikominderungsmaßnahmen ausreichend sind. Die in den Zulassungsverfahren von Pestiziden verwendeten Modelle für Abdrift und Ferntransport können nur mit verlässlichen Daten realistische Risiken simulieren.

Zudem besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse: Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, welchen Umweltbelastungen sie ausgesetzt sind – auch in der Luft, die sie täglich einatmen.

Ein staatliches Monitoring würde dazu beitragen, Transparenz zu schaffen, Wissenslücken zu schließen und eine fundierte Grundlage für politische Entscheidungen anhand realer Daten zu bieten.

Ich fordere Sie deshalb auf:

Setzen Sie sich für die Sicherstellung der Finanzierung und Umsetzung des Monitorings „Verfrachtung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen über die Luft“ ein.

Veröffentlichen Sie die Ergebnisse vollständig, verständlich und regelmäßig.

Sorgen Sie dafür, dass die Daten in Zulassung, Risikobewertung und politische Entscheidungen einfließen.

Ein bundesweites Monitoring ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für eine wirksame, faktenbasierte Pestizidpolitik. Ich bitte Sie deshalb, dieses Vorhaben konsequent weiterzuführen.

Hintergrundinfos

Wie verbreiten sich Pestizide über die Luft?

Pestizide bleiben nicht dort, wo sie ausgebracht werden. Sie verteilen sich in der Luft, können verdunsten, an Staubpartikel anhaften und mit dem Wind über weite Strecken weitergetragen werden. So landen sie auch auf Bio-Feldern, Spielplätzen, in Wohngebieten, Privatgärten und sogar in Schutzgebieten. Das konnten wir in mehreren eigenen Messprojekten nachweisen. Hier erfahren Sie mehr über unsere Messprojekte zu Pestiziden in der Luft.

Warum ist die Verbreitung von Pestiziden über die Luft ein Problem?

Pestizide gelangen in Bereiche, in denen sie nicht eingesetzt werden und wo sie auch nichts zu suchen haben, wie zum Beispiel auf Bio-Felder und an Orte, an denen Kinder spielen. Was sich in unserer Atemluft befindet, können wir nicht selbst entscheiden. Pestizide in der Luft gefährden jedoch die menschliche Gesundheit und die Artenvielfalt und verunreinigen zudem Bio-Obst und -Gemüse. Und auch für die Wissenschaft und den Naturschutz ist das Wegsehen fatal. Solange nicht bekannt ist, welche Pestizide wo eingesetzt werden und wo sie tatsächlich landen, können Behörden und Politik weiter wegschauen. Mit einer soliden Datengrundlage fällt es deutlich leichter, notwendige Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit zu ergreifen und die Verfrachtung von Pestiziden in Zulassungsprozesse zu integrieren.

Wen adressieren wir mit unseren Forderungen und warum?

Bundeslandwirtschaftsminister Rainer trägt die politische Verantwortung für die Finanzierung des Pestizid-Luftmonitorings. Wer den Schutz von Umwelt, Verbraucher:innen und landwirtschaftlichen Betrieben ernst nimmt, darf nicht ausgerechnet dort sparen, wo endlich Licht ins Dunkel gebracht werden könnte. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist als Bundesbehörde zentral für die Zulassung und Bewertung von Pflanzenschutzmitteln. Frau Prof. Dr. Böl ist die Präsidentin des BVL. Deshalb erwarten wir, dass sie sich klar für ein wirksames, umfassendes und transparentes Monitoring einsetzt.

Wie lauten unsere Forderungen zur Umsetzung von staatlichen Pestizid-Luftkontrollen?

Damit bundesweite Pestizid-Luftkontrollen ihren Zweck erfüllen, müssen sie umfassend, realitätsnah und langfristig angelegt sein. Dazu gehören:

  • Messung aller in der EU jemals zugelassenen Pestizidwirkstoffe – auch solcher, die nicht mehr auf dem Markt sind.
  • Realistische Nachweisgrenzen, um auch niedrige Konzentrationen und Mehrfachbelastungen zuverlässig zu erfassen.
  • Erhebung der Langzeit‑Exposition, um chronische Belastungen sichtbar zu machen.
  • Berücksichtigung verschiedener Standortbedingungen, von Schutzgebieten bis hin zu spritzintensiven Sonderkulturen.
  • Systematische Einbindung der verpflichtenden Aufzeichnungen von Landwirt:innen zu ihren Spritzeinsätzen.
  • Dauerhafte personelle und finanzielle Ausstattung des Monitorings.

Eine gemeinsame Aktion mit

Logo Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft

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