Schon länger fordern Vertreter der IT-Branche, den zulässigen Grenzwert für die Energieverbrauchseffektivität (PUE) von Rechenzentren anzuheben. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass bereits eine geringfügige Anhebung des PUE-Grenzwerts für Rechenzentrum-Neubauten von 1,2 auf 1,3 zu einem zusätzlichen jährlichen Strombedarf von fünf Terawattstunden im Jahr 2045 führt. Derzeit schreibt das Gesetz einen Wert von 1,2 vor. Die Berechnungen basieren auf gängigen Modellierungen für das Wachstum der IT-Branche sowie auf Daten, die das Rechenzentrumsregister kürzlich veröffentlich hat.

Noch dramatischer wäre die gleichzeitige Änderung der Bezugsgröße auf einen Design-PUE. Das ist ein hypothetischer Wert, der sich bei idealer Nutzung des Rechenzentrums ergibt und nicht die tatsächliche Nutzung abbildet. Auch diese Änderungen fordern Teile der IT-Branche. Der zusätzliche jährliche Stromverbrauch im Jahr 2045 würde sich in diesem Szenario auf neun Terawattstunden summieren. Um diesen zusätzlichen Strombedarf unter den in der Studie zugrunde gelegten Annahmen jederzeit decken zu können, wären rechnerisch sieben zusätzliche Gaskraftwerke erforderlich.

Zu viele Ausnahmen im Gesetz: Ein Großteil der Abwärme wird wohl weiterhin ungenutzt verpuffen
Die Abwärme von Rechenzentren könnte in vielen Fällen weiter genutzt werden: zum Beispiel zum Heizen, zur Warmwasserbereitung oder zur industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln. Bei der Abwärme-Verwendung von Rechenzentren soll in der Gesetzesnovelle zwar am aktuellen Standard von 20 Prozent festgehalten werden. Da es zusätzliche Ausnahmen geben soll, kommen die Autoren zu dem Schluss, dass viele Rechenzentren weiterhin ihre Abwärme nicht für andere Wärmeanwendungen zur Verfügung stellen könnten. Die Studienautoren befürchten daher, dass Abwärme weiterhin zum Großteil nicht weiter verwendet wird. Aus den Daten des Rechenzentrumsregisters ist ersichtlich, dass derzeit mehr als 97 Prozent der dort erfassten Abwärme nicht wiederverwendet wird.

Wenn die Verwendung von Abwärme nicht strenger geregelt wird, dürfte die ungenutzte Abwärmemenge im Jahr 2045 auf etwa zehn Terawattstunden anwachsen, so die Berechnungen von Fraunhofer ISI. Zum Vergleich: Um diese Wärmemenge durch die Verbrennung von Erdgas bereitzustellen, wäre eine Gasmenge in der Größenordnung von elf durchschnittlichen LNG-Tankerschiffsladungen erforderlich. Diese Wärmemenge würde genügen, um alle Privathaushalte in München über einen Zeitraum von etwa zwei Wintern zu versorgen.

Leonard Burtscher, Referent für Energie- und Klimapolitik kommentiert: „Während Energiepreise explodieren, die Gasversorgung auf wackligen Beinen steht und die Klimakrise weiter voranschreitet, will Wirtschaftsministerin Reiche zulassen, dass die Abwärme von Rechenzentren weiterhin ungenutzt in der Umgebung verpufft. Besonders bedenklich ist die Absenkung der Energieverbrauchseffektivität von Rechenzentren, die offenbar nur auf den immensen Lobbydruck großer amerikanischer Konzerne hin passiert. Ohne gute Regulierung werden wir rechnerisch sieben neue Gaskraftwerke ubauen müssen – nur um die Stromverschwendung durch Rechenzentren auszugleichen.“

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Die Studie finden Sie hier, weitere Informationen zu Energieffizienz finden Sie auf dieser Website des Umweltinstituts.
Die Stellungnahme des Umweltinstituts zur Anhörung im Bundestag am 5. Oktober ist hier hinterlegt.

Pressekontakt
Dr. Leonard Burtscher
Umweltinstitut München e.V.
Referent für Energie- und Klimapolitik
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