Massentierhaltung am Beispiel von Schweinen, Hühnern und Kühen

Wie funktioniert industrielle Tierhaltung? Am Beispiel von Schweinemast, Legehennen- und Milchviehhaltung erklären wir die wichtigsten Merkmale dieses Agrarsystems. Doch wir zeigen auch auf, wie politische Rahmenbedingungen die Haltungsform der Tiere und die klare Kennzeichnung von Lebensmitteln das Einkaufsverhalten der Verbaucher:innen positiv beeinflussen können.

Wie funktioniert industrielle Tierhaltung?

Am Beispiel von Schweinemast, Legehennen- und Milchviehhaltung erklären wir die wichtigsten Merkmale dieses Agrarsystems.

Industrielle Schweinemast

Krank und gestresst

Für die ausgewachsenen Schweine ist ein Quadratmeter Platz pro Tier vorgeschrieben. Die Schweine werden in der Regel zur Mast in Gruppen gehalten. Doch die Enge und Langeweile erzeugt Stress und Aggressivität bei den Tieren und es kommt zu Verhaltensstörungen, wie zum Beispiel Schwanzbeißen. Um derartige gegenseitige Verletzungen unter den Tieren vorzubeugen, werden den Ferkeln die Ringelschwänze gekappt. Das Kupieren der Schwänze findet ohne Betäubung statt und ist Standard in deutschen Schweineställen, obwohl eine europäische Richtlinie diese Praxis seit 1994 nur in Ausnahmefällen erlaubt.

In den Schweineställen ist ein sogenannter Spaltenboden aus Beton ohne Einstreu üblich. Durch die Spalten fließt der Urin und Kot der Schweine ab. Aufwändiges und teures Einstreuen und Ausmisten fällt weg. Doch durch die harten Spaltenböden kommt es zu Verletzungen an den Füßen und zu Beschwerden in den Gelenken. Außerdem ist der ständige Kontakt zu den eigenen Ausscheidungen eine Gefahr für die Klauengesundheit.

Im Schlachthof werden Schweine entweder mit CO2 oder mit einem Elektroschock betäubt. Doch beide Methoden funktionieren nicht immer und die Arbeiter:innen haben in den meisten Fällen nicht die Zeit und Möglichkeit, Fehler zu korrigieren. So kommt es besonders unter Einsatz der weit verbreiteten CO2-Methode immer wieder vor, dass Schweine ohne Betäubung und unter Todesangst geschlachtet werden.

Industrielle Legehennenhaltung

Die Eierproduktion ist ein gutes Beispiel, wie politische Rahmenbedingungen die Haltungsform der Tiere und die klare Kennzeichnung von Lebensmitteln das Einkaufsverhalten der Verbaucher:innen beeinflussen können. Auf der Grafik des statistischen Bundesamts sieht man sehr deutlich, wie die Zahl der Legehennen in Käfighaltung bis 2010 drastisch absinkt und parallel die Zahl der Legehennen in Bodenhaltung stark ansteigt. Der Grund dafür: Ab dem 01.01.2010 griff das Verbot der Käfighaltung in Deutschland, ab 2012 in der ganzen EU. Ausnahmen und die Kleingruppenhaltung in ausgestalteten Käfigen sind noch bis 2025, in bestimmten Fällen sogar bis 2028, zulässig.

Grafik zur Käfighaltung

Damit die Verbraucher:innen beim Einkauf entscheiden können, welche Form der Tierhaltung sie wollen, müssen sie wissen, aus welcher Haltungsform die Produkte stammen. Die einfache, klare und verpflichtende Kennzeichnung von Eiern mit den Ziffern 0 – 3 gibt es seit 2004. Wie man ebenfalls in der obigen Grafik sehen kann, steigt der Konsum von Eiern aus ökologischer Landwirtschaft und Freilandhaltung seitdem stetig an. Bei frischen Eiern findet sich in den Supermärkten kaum mehr ein Ei mit der Ziffer 3, das aus Käfighaltung stammt. Das zeigt: Verbraucher:innen sind bereit, für bessere Bedingungen in der Tierhaltung und bessere Produkte einen höheren Preis zu bezahlen.

Doch trotz dieser Erfolge gibt es noch viel zu tun. Eier aus Käfighaltung werden nun zum Großteil in verarbeiteten Produkten wie Nudeln, Kuchen und anderen Fertigprodukten genutzt, also dort, wo die Verbraucher:innen nicht sehen können, aus welcher Haltungsform die Eier stammen. Der Niedergang der Käfighaltung wird durch Ausnahmen verzögert und vor allem durch eine Zunahme der Bodenhaltung kompensiert. Das ist besser, aber immer noch sehr schlecht.

Deshalb fordern wir:

  • Die Kennzeichnungspflicht muss auch bei Eiern gelten, die in verarbeiteten Produkten stecken, damit Verbraucher:innen auch dort die Käfighaltung aus dem Markt drängen.
  • Eier, Milch und Fleisch, die mit Einsatz genmanipulierter Futtermittel produziert wurden, müssen gekennzeichnet werden.
  • Das Kupieren von Schnäbeln ist durch eine Selbstverpflichtung der Geflügelindustrie de facto verboten – doch Ausnahmen sind die Regel. Das Verbot muss durch eine gesetzliche Regelung ohne Ausnahmen festgeschrieben werden, so wie es in Niedersachsen seit 2017 der Fall ist.
  • Die präventive Vergabe von Antibiotika über das Futter gehört verboten.

Eierkennzeichnung: Was bedeuten die Ziffern 0 bis 3 auf dem Ei?

Kleingruppenhaltung (Ziffer 3 auf dem Ei)

Fast 2,4 Millionen Legehennen in Deutschland leben in Kleingruppenhaltung. Nach dem Verbot der klassischen Käfighaltung, der sogenannten Legebatterien, im Jahr 2010 ist nun die Kleingruppenhaltung der niedrigste Standard in der Legehennenhaltung. Bis zu 60 Hühner werden in einem ausgestalteten Käfig mit Sitzstange, Einstreufläche und Gruppennest gehalten. Doch auch hier leben die Hennen auf extrem engem Raum mit gerade einmal 800 cm² Fläche pro Tier. Das entspricht etwas mehr als einem DIN-A4-Blatt. Das Kupieren von Schnäbeln, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen und die ungezielte prophylaktische Gabe von Medikamenten, wie zum Beispiel Antibiotika, über das Futter oder das Wasser, sind die Regel und nicht die Ausnahme. Ab 2025 wird dann auch diese Form der Käfighaltung verboten sein, da sie laut Bundesverfassungsgericht unvereinbar mit dem im Grundgesetz festgelegten Tierschutz ist.

Bodenhaltung (Ziffer 2 auf dem Ei)

Etwa 26 Millionen Legehennen in Deutschland leben in Bodenhaltung. Hier werden die Hühner in einem großen Stall mit Sitzstangen, einem Lege- und einen Scharrbereich gehalten. Auf einen Quadratmeter Stallboden kommen neun Hühner. Das entspricht etwa 1.100 cm² pro Tier, etwas weniger als zwei DIN-A4-Blätter. Über 90 Prozent der Legehennen in Bodenhaltung leben in Ställen mit mehr als 10.000 Tieren, über 60 Prozent werden in Gruppen von mehr als 50.000 Tieren gehalten. Auf engstem Raum gedrängt, bei beißendem Gestank und großem Lärm sind die Tiere auch bei dieser Haltungsform gestresst, aggressiv und anfällig für Krankheiten. Das Kupieren von Schnäbeln und die ungezielte prophylaktische Gabe von Medikamenten sind auch hier Normalität.

Freilandhaltung (Ziffer 1 auf dem Ei)

Über 9 Millionen Legehennen in Deutschland leben in Freilandhaltung. Die Tiere werden in einem Stall gehalten, der identisch mit der Bodenhaltung ist. Tagsüber haben die Tiere aber einen zusätzlichen Auslauf. Die Freifläche muss dabei mindestens 4m² pro Tier betragen. Die Freilandhaltung stellt den höchsten Standard in der konventionellen Legehennenhaltung dar. Doch auch hier handelt es sich zum größten Teil um Massentierhaltung, in der das Wohl des einzelnen Tieres keine Bedeutung hat und die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht. Knapp 80 Prozent der Tiere leben in Gruppen von über 10.000 Tieren. Der Anteil an Hennen, die in Gruppen von über 50.000 Tieren leben, liegt bei dieser Haltungsform jedoch nur noch bei 20 Prozent.

Ökologische Haltung (Ziffer 0 auf dem Ei)

Mehr als 5,5 Millionen Legehennen werden in Deutschland unter dem Mindeststandard der EU-Öko-Verordnung gehalten. Die Herdengröße ist auf 3.000 Hennen beschränkt und im Stall kommen höchstens 6 Tiere auf einen Quadratmeter. Dazu kommt ein Auslauf von ebenfalls mindestens 4m² pro Tier. Das Kupieren der Schnäbel ist ausnahmslos verboten, ebenso prophylaktische Antibiotikagabe. Das Futter für Bio-Hennen kommt aus dem ökologischen Anbau und wurde ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und Gentechnik erzeugt. Damit liegen die Mindeststandards in der Bio-Legehennenhaltung deutlich über dem Standard der Freilandhaltung in der konventionellen Landwirtschaft.

Industrielle Milchvielhaltung

Im Gegensatz zur Schweine- und Geflügelhaltung, bei der die Bilder von vielen, eng zusammengepferchten Tieren sehr präsent sind, hat die Haltung von Milchkühen einen besseren Ruf in der Gesellschaft. Doch die Vorstellung von Bauernhöfen mit ein paar Milchkühen auf der Weide ist auch hier nicht der Normalfall. Nur etwa 40 Prozent der Kühe in Deutschland haben Weidegang, der Rest ist das ganze Jahr im Stall – u etwa 20 Prozent der Milchviehbetriebe in Deutschland besitzen über 100 Milchkühe.

Besonders aber eine Zahl steht für die Probleme in der intensiven Milchviehhaltung: Die durchschnittliche Kuh gibt in Deutschland nur bis zu drei Jahre lang Milch. Rechnet man die Zeit bis zum ersten Kalb dazu, ergibt das eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren. Dabei kann eine Kuh bis zu 20 Jahre alt werden und auch im Stall ohne Probleme zwölf Jahre oder mehr Milch geben. Der große Unterschied zwischen der Lebenserwartung der Kühe und der durchschnittlichen Nutzungsdauer entsteht, weil die meisten Milchkühe nur unter dem Aspekt gehalten und gezüchtet werden, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Milch zu geben. Seit den 1950er Jahren hat sich die Milchleistung je Kuh mehr als verdreifacht. Für eine dauerhaft hohe Milchleistung muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb bekommen. Das Kalb wird in der Regel kurz nach der Geburt von seiner Mutter getrennt. Während das Muttertier bis zu 30 Liter täglich für den menschlichen Konsum produziert, wird das Kalb oftmals mit Milchersatz gefüttert. Diese sogenannten Milchaustauscher bestehen neben tierischen auch aus pflanzlichen Eiweißen wie Soja, Erbsen und Weizen und sind in der Regel günstiger als die Muttermilch.

Einseitige Zucht und Fütterung auf Milchleistung, die intensive Nutzung, ein zu hoher Kraftfutteranteil und die Haltungsbedingungen führen dazu, dass die Kühe oft krank werden. Aufgrund einer verringerten Milchleistung und höherer Kosten durch tierärztliche Behandlungen und Medikamente werden kranke Tiere sehr schnell aus der Herde aussortiert und zum Schlachthof gebracht.

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