Pestizide in der Luft? Messen statt unter den Teppich kehren!

Die geplanten staatlichen Pestizid-Luftkontrollen lassen auf sich warten.

Pionierarbeit für den Umweltschutz: Pestizid-Luftmonitoring im Fokus

Wie verbreiten sich Pestizide über die Luft, woher stammen sie und wo landen sie? Eigentlich wäre es Aufgabe des Staates, diese Fragen zu beantworten – doch in Deutschland ist das über viele Jahre nicht passiert. Wir haben Bewegung in die Sache gebracht.

Unsere Messungen zeigen: Pestizide verbreiten sich kilometerweit

Wie wir das staatliche Pestizid-Luftmonitoring ins Rollen brachten

Ackergifte verbleiben nicht dort, wo sie ausgebracht werden. Stattdessen verbreiten sie sich durch Abdrift und Fertransport über die Luft, teilweise viele Kilometer weit. Messen lässt sich das mit Hilfe sogenannter Passivsammler.

Auch in Schutzgebieten haben wir Pestizide in der Luft gemessen - und wurden fündig. So zum Beispiel im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg.

Pestizide verbreiten sich über die Luft bis in Dörfer, Klein- und Großstädte. Die Bevölkerung ist sowohl auf dem Land als auch in der Stadt Pestiziden in der Luft ausgesetzt.

Zur Vorstellung unseres deutschlandweiten Messprojektes - zusammen mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft - hielten wir 2020 eine Pressekonferenz ab. Das Interesse von Seiten der Presse war groß.

Pestizid-Luftkontrollen in der Schwebe

Vom Start unserer eigenen Messungen über die größte Studie zur Pestizidbelastung in Deutschland bis hin zur aktiven Beteiligung im Begleitgremium: Das Umweltinstitut hat entscheidend dazu beigetragen, dass es die Pestizid-Luftkontrollen auf die To-Do-Listen von Politik und Behörden geschafft haben. Wir bleiben dran, bis ein wirksames, umfassendes und transparentes Monitoring in Deutschland Realität ist – für die Gesundheit der Menschen, den Schutz der Natur und die Zukunft einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Ein zentraler Punkt ist jedoch nach wie vor ungeklärt: Die Finanzierung des Monitorings. Diese droht zugunsten eines angeblichen „Bürokratieabbaus“ gestrichen zu werden. Im aktuellen Haushalt des BVL sind bereits keine Mittel mehr für das Projekt zu finden. Damit könnten jahrelange Vorbereitungen und teure Vorstudien einfach im Papierkorb landen. Das darf nicht passieren! Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Bundesregierung ihrer Pflicht nachkommt und eine entsprechende Finanzierung zur Verfügung stellt.

Unsere Forderungen für ein wirksames Monitoring

Damit ein bundesweites Pestizid‑Luftmonitoring seinen Zweck erfüllt, fordern wir

  • Messung aller in der EU jemals zugelassenen Pestizidwirkstoffe – auch solcher, die nicht mehr auf dem Markt sind.
  • Realistische Nachweisgrenzen, um auch niedrige Konzentrationen und Mehrfachbelastungen zuverlässig zu erfassen.
  • Erhebung der Langzeit‑Exposition, um chronische Belastungen sichtbar zu machen.
  • Berücksichtigung verschiedener Standortbedingungen, von Schutzgebieten bis hin zu spritzintensiven Sonderkulturen.
  • Systematische Einbindung der verpflichtenden Aufzeichnung der Landwirt:innen zu ihren Spritzeinsätzen.
  • Dauerhafte personelle und finanzielle Ausstattung des Monitorings.

Diese Forderungen haben wir zuletzt gemeinsam mit einem großen Bündnis in einem offenen Brief an das Bundeslandwirtschafts- und Bundesumweltministerium gerichtet. Hier geht’s zum offenen Brief.

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