Rad eines Kohlebaggers inmitten idyllischer Landschaft

Der Kohlebagger steht kurz vor Lützerath | Lukas Schulz / lukas.studio

100 Jahre Zerstörung durch Kohleabbau

Lützerath steht in einer Reihe von mehreren hundert Dörfern, die seit 1920 in Deutschland dem Kohleabbau weichen mussten. In Deutschland betrifft diese Zerstörung vor allem das Rheinland und die Lausitz, doch auch weltweit müssen Menschen ihr Zuhause für den Abbau von fossilen Rohstoffen aufgeben. So werden beispielsweise in Kolumbien indigene Gemeinden mit Gewalt bedroht, um mehr Steinkohle für den Export nach Deutschland abbauen zu können.

Die 1,5-Grad-Grenze verläuft vor Lützerath

Doch Beispiele wie das gerettete Dorf Pödelwitz bei Leipzig zeigen, dass sich der Kampf gegen die Zerstörung lohnt. Und er ist so notwendig wie nie: Um die Klimakrise auf ein für den Menschen erträgliches Maß zu begrenzen, darf die Kohle unter den bedrohten Dörfern nicht verfeuert werden. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat untersucht, wie viel Kohle aus dem Rheinland noch genutzt werden darf, ohne die Klimaziele zu gefährden. Das Ergebnis: Wenn Deutschland sein Budget für eine 1,5-Grad-Erhitzung nicht überschreiten will, muss die Kohle unter Lützerath im Boden bleiben!

Kohleausstieg 2030: Ein fragwürdiger Deal

Doch Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur haben einen Deal mit RWE geschlossen: Der Konzern darf das Dorf Lützerath abbaggern und zwei Kraftwerke weiterbetreiben, dafür soll der Kohle-Ausstieg in NRW von 2038 auf 2030 vorgezogen werden. Außerdem sollen fünf andere Dörfer erhalten bleiben.

Ob dieser Handel das Klima wirklich schützt, ist mehr als fragwürdig: Kurzfristig wird sogar deutlich mehr Kohle genutzt als ursprünglich geplant und ob Braunkohle wirklich bis 2038 wirtschaftlich gewesen und dementsprechend abgebaut worden wäre, ist angesichts des steigenden CO2-Preises zu bezweifeln.

Politiker:innen begründen den Abriss des Dorfes mit der aktuellen Energiekrise durch den Ukraine-Krieg. Doch auch ohne die Zerstörung Lützeraths lassen sich noch 170-190 Mio. Tonnen Braunkohle aus der Grube fördern. Das reicht für mehrere Jahre, laut manchen Berechnungen sogar bis 2030. Dass ohne den Abriss von Lützerath das Licht ausgeht, stimmt also nicht.

Besonders pikant: Noch im Wahlkampf hatten Politiker:innen wie der NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) das Gesetz, das jetzt der schwarz-grünen Landesregierung als rechtliche Grundlage für die Räumung Lützeraths dient, als „Quatsch“ bezeichnet.

Großdemo am 14.1. – auf nach Lützerath!

Noch ist das Dorf noch nicht verloren, sondern wird von Klimaaktivist:innen gegen die laufende Räumung verteidigt. Zur Unterstützung veranstaltet ein Bündnis rund um die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ am 14.1. eine Großdemonstration. Die Demonstration startet um 12 Uhr in Keyenberg und ist angemeldet, die Teilnahme also für alle Teilnehmer:innen legal. Aus vielen deutschen Städten wurden gemeinsame Anreisen organisiert. Wir sagen: Auf geht’s! Gegen die Räumung – für Kohleausstieg & Klimagerechtigkeit!

 

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