Hitzewellen mit Höchsttemperaturen von über 40°C in Deutschland, wie wir sie gerade erlebt haben, werden in Zukunft keine Ausnahmeerscheinungen sein. Sie sind die hässliche Fratze der Klimakrise und ihre Auswirkungen sind tödlich – für Menschen, Tiere und Pflanzen. In Portugal sind während der Hitzewelle im Juli in kurzer Zeit 1063 Menschen an der extremen Hitze gestorben.

Die Klimakrise macht das Leben in der Stadt zur Gefahr

Städte sind dabei besonders gefährlich. Durch den städtischen Wärmeinseleffekt sind Städte im Schnitt 3 bis 4°C heißer als ländliche Gebiete und der Temperaturanstieg durch die Klimakrise fällt dort bis zu viermal höher aus als im globalen Durchschnitt. Daraus folgt, dass Sommertage mit Temperaturen über 30°C zur Regel werden und die Temperaturen in Deutschland regelmäßig über 40°C steigen werden. Schon heute sterben in Deutschland 20-Mal mehr Menschen durch Hitze als durch Verkehrsunfälle. Langfristig wird die Sterblichkeit durch Hitze – besonders in eng bebauten Vierteln – deutlich ansteigen, denn wird der menschliche Körper zu lange großer Hitze ausgesetzt, kann er sich nicht mehr richtig kühlen und es kommt zu Überhitzung. Diese Überhitzung kann teils tödliche Hitzekrämpfe, Erschöpfung und Hitzeschläge zur Folge haben. Auch die Schlafqualität nimmt bei hohen Temperaturen ab, wodurch sowohl mentale Fähigkeiten, als auch die Leistung des Immunsystems geschwächt werden.

Stadt vor Himmel, über dem leuchtend orange die Sonne untergeht

Gleichzeitig werden Starkregen- und Hochwasserereignisse wie die Überflutung des Ahrtals vor einem Jahr von einem Jahrhundertereignis zu regelmäßigen Ereignissen. Dabei ist das Risiko für dicht bebaute Gegenden besonders hoch, da eine Zunahme der versiegelten Flächen durch Urbanisierung zu einer Abnahme der Versickerungsfähigkeit von Böden führt. Dadurch kommt es zu einem Verlust des natürlichen Wasserrückhaltevermögens und folglich zu einem Anstieg der Wassermengen, die abfließen müssen. Im Rückschluss bedeutet das mehr Überschwemmungen.

Grüne Schwammstadt gegen Hitze und Hochwasser

Sogenannte Schwammstädte sind eine Kombination von grüner (Pflanzen) und blauer (Wasser) Infrastruktur. Sie sorgen dafür, dass sich Städte auf natürliche Weise abkühlen und Möglichkeiten geschaffen werden, dass Wasser in Städten besser versickern kann und beugt so Überschwemmungen vor. Dabei setzt sie besonders auf Stadtgrün wie Stadtbäume, Parks und begrünte Gebäude sowie entsiegelte Flächen und breite Flussbetten.

Stadtgrün kann die Lufttemperatur um mehr als 5°C senken. Die Begrünung und Beschattung des öffentlichen Raums kann sowohl durch Straßenbäume und Parks erfolgen als auch durch begrünte Dächer und Fassaden. Diese Begrünungsmaßnahmen können den Energiebedarf zur Kühlung von Innenräumen um 10 bis 50 Prozent senken und die Anzahl der Tage, an denen die Temperatur in Innenräumen 25 °C überschreitet, halbieren.

Unversiegelter Boden agiert als Schwamm. Bei Regen speichert er den Niederschlag und reduziert so die Regenmenge, die abfließen muss und mindert wo das Risiko von Überschwemmungen. Das gespeicherte Wasser versorgt Pflanzen wenn der Regen ausbleibt und es sorgt durch Verdunstungskühlung zur Reduktion der Temperatur in Städten. Grünanlagen – besonders entlang von Flüssen – werden in der Schwammstadt außerdem so angelegt, dass sie bei Hochwassern und Starkregenereignissen als Auslaufflächen dienen und so Menschen und kritische Infrastruktur vor Hochwassern schützen.

Über ihre Leistungen für die Anpassung an die Folgen der Klimakrise hinaus bieten „Schwammstädte“ weitere Vorteile: Die Pflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft, wodurch die Luftqualität steigt. Und in den zahlreichen Grünflächen siedeln sich Insekten und andere Tiere an und steigern die Biodiversität.

Weiterführende Links:
> Hitzetote in Deutschland: Der Tod kommt bei Sonnenschein (ZEIT)
> Stadtplanung: So müssen sich Städte auf die Klimakrise vorbereiten (Quarks)
> Video: Die Schwammstadt (Wissen vor Acht)

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