Wachsende Pestizidbelastung

Rund 11,5 Prozent der derzeit in Deutschland zugelassenen Pestizidwirkstoffe sind PFAS. Das bedeutet: Jedes Jahr werden fast 2.000 Tonnen dieser hochproblematischen Substanzen auf unseren Feldern ausgebracht – eine Verfünffachung gegenüber dem Jahr 2000. Besonders alarmierend ist dieser Zuwachs, weil sich Ewigkeitschemikalien dadurch unumkehrbar und im steigenden Tempo im Grundwasser, in Böden und unseren Körpern anreichern. Dabei sind die Folgen für unsere Gesundheit und die Umwelt bislang noch kaum erforscht.

  • Flufenacet Eines der prominentesten PFAS-Pestizide ist Flufenacet, ein Herbizid, das trotz abgelaufener Zulassung jahrelang durch technische Verlängerungen auf dem Markt blieb. Erst kürzlich wurde die Zulassung – auch dank unseres Einsatzes – endlich entzogen. Unter anderem, weil in Folge seines Einsatzes zu viel der PFAS-Gruppe im Molekül als Trifluoracetat (TFA) im Grundwasser nachgewiesen wurde.
Im Hintergrund ein Traktor, der Pestizidnebel auf Kartoffelreihen versprüht. Im Vordergrund ein Warnzeichen mit der Unterschrift

PFAS: Ein Gift, das bleibt

PFAS-Pestizide können in der Umwelt durch natürliche Prozesse nicht vollständig abgebaut werden. Stattdessen bleibt die PFAS-Gruppe im Molekül, Trifluoracetat (TFA), stabil bestehen. Diese Ewigkeitschemikalie ist extrem langlebig und hochmobil – und daher inzwischen nahezu überall zu finden: im Grundwasser, unseren Böden, in Pflanzen und Lebensmitteln und sogar in unserem Blut.

Eine Studie der Universität Freiburg zeigt: Der TFA-Gehalt in Wein hat sich allein in den letzten 15 Jahren verzehnfacht.

Besonders brisant: Auch Bio-Produkte sind betroffen, da TFA auch über den Regen und unsere Böden in die Nahrungskette gelangt. Doch die gute Nachricht: Eine Untersuchung der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zeigt, dass Bio-Produkte um ein Vielfaches geringer belastet sind als konventionelle Lebensmittel – weil sie nicht direkt mit PFAS-Pestiziden besprüht werden dürfen.

Gesundheitsgefahren wurden kleingeredet

Cocktaileffekte mit TFA

Cocktaileffekte sind durch die dauerhafte und omnipräsente Belastung unserer Umwelt durch TFA als unvermeidbar anzunehmen. Welche Wirkungen die Ewigkeitschemikalie in Kombination mit anderen Belastungen (Nitrat, Mikroplastik, Pestizidrückstände) auf unsere Gesundheit entfaltet ist schwer abschätzbar. Auch deshalb ist jeder Eintrag dringlichst zu vermeiden.

Fünf Personen in blauen Oberteilen des

In Dänemark gilt das Vorsorgeprinzip!

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Um Monokulturen, kurze Fruchtfolgen und den Anbau überzüchteter Hybridsorten überhaupt möglich zu machen, werden Pestizide benötigt. Doch ihr Einsatz hat weitreichende Folgen.

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