„Das Bundeswirtschaftsministerium plant, in den kommenden drei Jahren etwa 3,1 Milliarden Euro einzusetzen, um die Stromkosten für die Industrie zu senken. Das droht eine kostspielige Subventionsspirale in Gang zu setzen. Mit dem Industriestrompreis wählt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche den teuersten Weg, um Elektrifizierung zu fördern, setzt dabei aber nur wenige und zudem umständlich zu erfüllende Effizienzanreize. Denn ohne starke Investitionen in Energieeffizienz wird die Industrie auch weiterhin etwa 40 Prozent der eingesetzten Energie verschwenden. Die damit verbundenen Kosten in Höhe von etwa 29 Milliarden Euro dauerhaft zu subventionieren, ist für den Staatshaushalt kaum leistbar.

Eine bürokratiearme und gleichzeitig effizienzfördernde Alternative liegt auf der Hand: Das gleiche Subventionsvolumen sollte pauschal auf 80 Prozent des Stromverbrauchs angewendet werden, inklusive neu elektrifizierter Anlagen. Für den Rest des Stromverbrauchs gilt der bisherige Tarif. Im Gegenzug entfällt die Nachweispflicht für die Umsetzung von Maßnahmen. So entstünde ein starker Anreiz für die Industrie, tatsächlich ihren Stromverbrauch zu senken oder ihren Strombedarf durch den Ausbau eigener erneuerbarer Erzeugung zu decken – bei minimalem bürokratischen Aufwand.”

Hintergrund:

Im Oktober 2025 veröffentlichte das Umweltinstitut die Studie „Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Bewertung der Energieeffizienz in der Industrie“, erstellt von der Hochschule Niederrhein (Prof. Jörg Meyer et al.). Die Kernergebnisse der Studie sind:

  • Das wirtschaftliche Energie-Einsparpotenzial in der deutschen Industrie beträgt 263 Terrawattstunden pro Jahr oder etwa 40 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs in der Industrie.
  • Damit verbunden sind vermeidbare Energiekosten in Höhe von 29 Milliarden pro Jahr, die durch einmalige Investitionen in Höhe von etwa 104 Milliarden Euro gehoben werden können. Die Amortisationszeit beträgt im Durchschnitt drei bis vier Jahre. Kumuliert über 20 Jahre beträgt die gesamte Einsparung etwa 250 Milliarden Euro.
  • Diese Potenziale müssen gehoben werden, um eine kosteneffiziente Umstellung auf erneuerbare Energien zu gewährleisten. Alleine mit diesen Einsparungen können etwa vier LNG-Terminals und etwa acht Gaskraftwerke eingespart werden.
  • Im Koalitionsvertrag sind zusätzliche fossile Subventionen in Höhe von 9 bis 15 Milliarden Euro vorgesehen, davon etwa eine Milliarde Euro allein für ausgeweitete Kompensationen für den Emissionshandel. Dieses Geld ist in Investitionen für Energieeffizienz deutlich sinnvoller angelegt.
  • Investitionen in Effizienzmaßnahmen und klimaneutrale Prozesswärme erzeugen lokale Wertschöpfung von bis zu 91 Milliarden Euro pro Jahr sowie eine Million Arbeitsplätze bis 2050 etwa im Handwerk und Anlagenbau.

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