Der Forschungsreaktor wird mit hoch angereichertem Uran betrieben. Bereits vor der Inbetriebnahme im Jahre 2004 setzte sich das Umweltinstitut gegen diesen atomwaffenfähigen Brennstoff ein. Am 18. Juni hat nun der Bayerische Verwaltungsgerichtshof eine Klage des BUND Naturschutz in Bayern e.V.  gegen den Weiterbetrieb abgewiesen. Diese Klage ging auf ein gemeinsam mit dem Umweltinstitut beauftragtes Rechtsgutachten aus dem Jahr 2019 zurück. Dieses hatte festgestellt, dass der Betrieb des FRM II seit 2011 illegal ist, weil der Betreiber die Frist zur Umrüstung auf niedriger angereichertes Uran nicht eingehalten hat.

Luftbild Garchinger Forschungsreaktor FRM II

Der Forschungsreaktor FRM II in München hätte laut Betriebsgenehmigung bereits 2010 auf niedriger angereichertes Uran umgerüstet werden müssen.

Das Gerichtsurteil ist enttäuschend

Doch umgesetzt wurde die vorgeschriebene Umrüstung auf nicht-waffenfähigen Brennstoff bis heute nicht. In der aktuellen politischen Lage ist es brisanter denn je, dass die Technische Universität München das hoch angereicherte Uran in Russland einkauft. Dieses stammt entgegen früherer Aussagen nicht aus Abrüstungsbeständen, sondern nach Informationen des Internationalen Gremiums für spaltbares Material (IPFM) aus einer neu errichteten Anreicherungsanlage. Der Garchinger Reaktor regt somit den zivilen Markt für atomwaffenfähige Stoffe an.

Zwar arbeitet die TUM mit internationalen Partnern an der Entwicklung eines Brennstoffs, der mit einer Urananreicherung von 20 Prozent auskommt. Der neue Brennstoff wird aber, wenn überhaupt, aber erst in den 2030er Jahren zur Verfügung stehen. Schon Ende der 2000er Jahre gab es vielversprechende Forschungsarbeiten, den Reaktor so umzurüsten, dass er mit zu unter 50 Prozent angereichertem Uran auskommt, und so die die Betriebsgenehmigung einhält. Diese wurden jedoch nicht mit Hochdruck weiterverfolgt.

Die TUM hoffte für den Weiterbetrieb auf die Rückendeckung der Bayerischen Atomaufsichtsbehörde und die Duldung der übergeordneten Atomaufsicht des Bundes. Diese hat sie bis heute erhalten und wurde nun sogar vom Gericht bestätigt. Weil so das Risiko des Missbrauchs bestehen bleibt, hält das Umweltinstitut diese Entscheidung für enttäuschend. Eine Revision hat das Gericht nicht zugelassen. Der BUND Naturschutz prüft daher derzeit weitere rechtliche Schritte.

Hintergründe und weitere Informationen

Hintergründe zum Garchinger Forschungsreaktor

Themenseite

Lesen Sie mehr darüber, warum das Umweltinstitut hoch angereichertes Uran im FRM II kritisiert.

Mehr lesen

Faltblatt „Irrweg Atomkraft"

Infomaterial

Bestellen Sie unser Faltblatt „Irrweg Atomkraft – riskant, teuer und überflüssig“
und informieren Sie sich und Ihre Mitmenschen!

Mehr lesen

Gefällt Ihnen unsere Arbeit?

Spende

Erst Ihre Spende oder Ihr Förderbeitrag machen unsere langfristige und unabhängige Arbeit, intensive Recherchen und gezielte Aktionen möglich.

Mehr lesen

Aktuelle Meldungen zum Thema

Wer stoppt endlich das Klimagift?

Energie und Klima

– Die Bundesregierung muss dringend dafür sorgen, dass der Einsatz von SF-Gas in Deutschland die globale Klimakrise nicht weiter anheizt. Unseren offenen Brief mit dieser Forderung brachten wir dem zuständigen Minister Cem Özdemir vergangene Woche persönlich vorbei.

Wer stoppt endlich das Klimagift?

Achtzig Prozent der Menschen weltweit wollen mehr Klimaschutz

Energie und Klima

– Die Vereinten Nationen haben einen repräsentativen Teil der gesamten Menschheit befragt, wie sie zur Klimapolitik in ihrem Land stehen. Das Ergebnis: Vier von fünf Menschen verlangen, dass ihre Regierungen die Klimakrise endlich ernsthaft angehen.

Achtzig Prozent der Menschen weltweit wollen mehr Klimaschutz

Rechtsgutachten bestätigt: Kommunale Wärmeplanung mit Wasserstoff zum Heizen ist derzeit nicht verantwortbar

Energie und Klima

– Obwohl Wasserstoff zum Heizen viel zu knapp und teuer sein wird, wirbt die Gasbranche bei lokalen Energieversorgern und Kommunen dafür. Unser Gutachten zeigt nun: Kommunale Wärmeplanungen mit Wasserstoff zum Heizen sind auch aus rechtlicher Sicht derzeit nicht verantwortbar.

Rechtsgutachten bestätigt: Kommunale Wärmeplanung mit Wasserstoff zum Heizen ist derzeit nicht verantwortbar
Zurück nach oben