Riesige Emissionen – keine Konsequenzen
Messungen der Goethe-Universität Frankfurt ergaben 2023, dass aus dem Solvay-Werk offenbar große Mengen Schwefelhexafluorid (SF₆) entweichen. Die Forschenden schätzten die Emissionen auf rund 30 Tonnen – Solvay selbst hatte lediglich 56 Kilogramm angegeben. Wegen der extrem hohen Klimawirkung von SF₆ entspricht das rund 720.000 Tonnen CO₂. Das sind mehr als zwei Drittel der Treibhausgasemissionen, die der gesamte innerdeutsche Flugverkehr in einem Jahr verursacht. Obwohl Solvay und die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg von dem Problem wussten, blieben wirksame Gegenmaßnahmen lange aus.
Wir machen Druck auf Solvay
Damit endlich gegen die Emissionen vorgegangen wird, protestierten wir im Dezember 2025 vor dem Solvay-Werk. Mit der Botschaft „Solvay, ihr seid nicht ganz dicht!“ forderten wir den Konzern und die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker auf, die Produktion unverzüglich zu stoppen, unabhängige Messungen einzuleiten und die Ursachen der Leckagen lückenlos aufzuklären. Inzwischen wurden konkrete Maßnahmen ergriffen, um die Emissionen zu reduzieren.
Behörden ordnen erste Maßnahmen an
Nach unserer Protestaktion verpflichtete das Regierungspräsidium Stuttgart den Konzern, die Anlagen auf Lecks zu überprüfen und technische Verbesserungen vorzunehmen. Zudem wurden unabhängige Messungen vor Ort angeordnet. Seit Dezember 2025 darf die Anlage nur unter strenger Überwachung betrieben werden. Im Rahmen eines Testbetriebs wird überprüft, wie stark die technischen Maßnahmen die SF₆-Emissionen reduzieren. Auch die baden-württembergische Landesregierung setzt sich inzwischen für einen verbindlichen Grenzwert für SF₆-Emissionen ein.
Die Lecks sind noch nicht gestopft
Die bisherigen Maßnahmen reichen noch nicht aus. Die Messergebnisse zeigen zwar eine deutliche Reduktion der Emission im regulären Anlagenbetrieb. In einzelnen Betriebszuständen kommt es jedoch weiterhin zu deutlich erhöhten Emissionen. Der streng überwachte Testbetrieb wurde daher bis zum 31. Januar 2027 verlängert. So sollen weitere technische Maßnahmen umgesetzt und ihre Wirksamkeit durch fortlaufende Messungen überprüft werden. Ziel ist, den SF₆-Ausstoß der Anlage weiter zu minimieren.
Wir bleiben dran!
Wir begrüßen, dass inzwischen Maßnahmen ergriffen wurden, um die SF₆-Emissionen zu reduzieren. Das zeigt: Es lohnt sich, Umweltskandale öffentlich zu machen und Druck auf Unternehmen und Behörden auszuüben. Entwarnung können wir aber noch nicht geben. Solange weiterhin das extrem klimaschädliche SF₆ entweicht, besteht Handlungsbedarf. Unsere Forderung bleibt deshalb: Solvay muss alle Lecks schließen und die Emissionen dauerhaft auf ein Minimum reduzieren. Wir werden die weitere Entwicklung genau beobachten und mischen uns wieder ein, wenn es nötig ist.