Der Anlass ist ernst: Wissenschaftliche Analysen zeigen europaweit rekordhohe Konzentrationen des extrem klimaschädlichen Gases Schwefelhexafluorid (SF₆), die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf das Solvay-Werk zurückgehen. Nach derzeitigem Stand trat aus dem Werk über Jahre so viel SF₆ aus, dass der Klimaeffekt fast dem des gesamten innerdeutschen Flugverkehrs entspricht. Das Umweltinstitut fordert Solvay und die Landesregierung in Baden-Württemberg auf, die Produktion unverzüglich zu stoppen, unabhängige Messungen einzuleiten und die Ursache der Leckage lückenlos aufzuklären.

aktuelle meldungen 2025 dezember solvey c joerg farys

Gegen den riesigen Klimaschaden aus der Solvay Chemiefabrik protestieren wir mit der Projektion von Rissen und dem Spruch "Ihr seid nicht ganz dicht"!

Der Verdacht erhöhter SF₆-Emissionen besteht schon seit Langem. Über Jahre hinweg analysierten Wissenschaftler:innen der Goethe-Universität Frankfurt die Luft an der Messstation auf dem Kleinen Feldberg im Taunus. Dabei registrierten sie ungewöhnlich hohe Konzentrationen des Gases Schwefelhexafluorid – die höchsten in ganz Europa. Besonders auffällig: Die stärksten Ausschläge traten regelmäßig dann auf, wenn der Wind aus Süden kam. Modelle zur Ausbreitung des Gases in der Atmosphäre bestätigten schließlich den Verdacht: Der Ursprung musste in der Region Heilbronn liegen. Als Quelle kommt dort praktisch nur das Solvay-Werk in Bad Wimpfen in Frage, da in der Region kein anderes Unternehmen SF₆ verarbeitet.

Chemiekonzern Solvay verschweigt Leckage

Besonders eklatant ist, wie stark Solvay die eigenen Emissionen in der Selbstauskunft herunterspielt. Das Unternehmen gibt einen jährlichen Ausstoß von rund 56 Kilogramm SF₆ an. Tatsächlich aber gehen Forscher:innen von etwa 30 Tonnen aus – also mehr als 500-mal so viel. Ein Kilogramm dieses Gases verursacht denselben Treibhausgaseffekt wie 24 Tonnen CO₂. Der entstandene Schaden für die Allgemeinheit geht in die Milliarden.

Das wollten wir so nicht hinnehmen. Deshalb projizierten wir nachts leuchtende Risse auf die Tanks der Chemiefabrik – zusammen mit der unmissverständlichen Frage: „Solvay, noch ganz dicht?“

Klimareferent Till Irmisch vom Umwetlinstitut vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik Klimareferent Till Irmisch vom Umwetlinstitut vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik

Projektion von SF6-Leck auf die Solvay Chemiefabrik.

Klimateam des Umwetlinstituts vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik Klimateam des Umwetlinstituts vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik

Videobotschaft an die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen in Konzern und Behörden: Schließt das Leck!

Kimateam des Umwetlinstitut vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik Kimateam des Umwetlinstitut vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik

Im Einsatz in Bad Wimpfen vor dem Chemiekonzern Solvay

Klimateam des Umwetlinstituts vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik Klimateam des Umwetlinstituts vor der Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik

Durch SF6 Emissionen entsteht für die Allgemeinheit ein Klimaschaden, der in die Milliarden geht.

Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik

Sonntag Nacht war das SF6-Leck im Solvay Werk sichtbarer als dem Konzern lieb ist.

Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik Projektion von Rissen und Spruch Ihr seid nicht ganz dicht auf Tanks der Solvay Chemiefabrik

"Ihr seid nicht ganz dicht!" Wir protestieren gegen das SF6-Leck in der Solvay Chemiefabrik

Wer mit einem derart klimaschädlichen Gas arbeitet, trägt eine besondere Verantwortung. Stattdessen hat Solvay offenbar über Jahre fehlerhafte Angaben gemacht und den tatsächlichen Umfang der Emissionen verschleiert. Wir fordern daher:

  1. sofortige, unabhängige Messungen und Kontrollen
  2. eine transparente Berichtspflicht und die vollständige Offenlegung aller SF₆-Emissionen in Baden-Württemberg
  3. ein temporäres Produktions- und Emissionsverbot für den Standort Bad Wimpfen, bis die Leckage zweifelsfrei geklärt ist.

Erste Erfolge unseres Protests

Tatsächlich hat die baden-württembergische Aufsichtsbehörde bereits reagiert: Sie verpflichtete Solvay, sämtliche Dichtungen zu überprüfen, und kündigte konkrete Grenzwerte an. Doch anstatt konstruktiv mitzuwirken, ging der Chemiekonzern vor Gericht und startete eine juristische Auseinandersetzung. Erste Erfolge unseres öffentlichen Drucks sind hier bereits erkennbar: Das Regierungspräsidium Stuttgart hat inzwischen den Sofortvollzug für die Auflagen angeordnet.

Was genau ist Schwefelhexafluorid (SF₆)?

 

Die Firma Solvay produziert in Bad Wimpfen das technische Gas Schwefelhexafluorid (SF₆) für den europäischen Markt. Das Gas ist vier Mal schwerer als Luft und wirkt besonders stark elektrisch isolierend. Wegen seiner besonderen Eigenschaften wurde es früher unter anderem für dämpfende Turnschuhe, zur Füllung von Autoreifen, für Schallschutz-Gläser und weitere Alltagsanwendungen verwendet. Weil SF₆ das stärkste bekannte Treibhausgas ist und rund 1.000 Jahre in der Atmosphäre bleibt, wurden diese Anwendungen schrittweise verboten.

Aktuell kommt SF₆ vor allem noch in technischen Anlagen, etwa in elektrischen Schaltanlagen, als Isoliergas zum Einsatz. Der europäische Ausstieg aus diesen Anwendungen hat bereits begonnen.

Helfen Sie, den Klimaschutz voranzubringen

Ihre Spende macht Protest und politische Arbeit möglich.

Weitere Meldungen zu dem Thema

Cocktail-Effekt: Erhöhtes Krebsrisiko durch Pestizidmischungen

Landwirtschaft

– Menschen, die in Regionen mit intensiver Pestizidbelastung leben, weisen ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko auf. Das zeigt eine neue Studie. Vor allem der so genannte Cocktail-Effekt, also die Kombination verschiedener Pestizide, kann dabei zum Problem werden – selbst dann, wenn einzelne Stoffe als vergleichsweise unbedenklich gelten.

Cocktail-Effekt: Erhöhtes Krebsrisiko durch Pestizidmischungen

Katherina Reiches Gaspolitik unter der Lupe

Energie und Klima

– Die Bundeswirtschaftsministerin hat es innerhalb von nur einem Jahr geschafft, die deutsche Energiepolitik in ein teures Chaos zu stürzen. Ihre Entscheidungen führen Verbraucher:innen in die Kostenfalle und Deutschland in neue Abhängigkeiten. Das Umweltinstitut hat deshalb ein breites Bündnis aus 250 Organisationen gegen die geplanten Änderungen am Heizungsgesetz ins Leben gerufen und ruft zu Protesten und weiteren Aktionen auf.

Katherina Reiches Gaspolitik unter der Lupe

Gefährliche Pestizid-Cocktails auf unseren Feldern

Landwirtschaft

– Zahlreiche in der EU zugelassene Pestizide gelten als besonders gefährlich für Umwelt und Gesundheit. Sie sind als sogenannte Substitutionskandidaten eingestuft und sollten eigentlich durch weniger schädliche Alternativen ersetzt werden. Doch dieses Ziel wird allzu oft verfehlt: Auch das Ackergift Pendimethalin, gegen dessen erneute EU-Zulassung wir Klage eingereicht haben, gehört zu diesen hochproblematischen Wirkstoffen.

Gefährliche Pestizid-Cocktails auf unseren Feldern
Zurück nach oben