DEET und Icaridin: Chemischer Mückenschutz mit Risiken

Die effektivsten Mittel gegen Zecken und Mücken sind chemisch. Am weitesten verbreitet sind die Wirkstoffe DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin (auch Picaridin genannt). Vor allem DEET kann zu Reizungen der Haut und Schleimhäute führen. Das Nervengift kann bei unsachgemäßem Gebrauch der Mückensprays (zu hoher Dosierung oder Verschlucken) zudem zu Kopfschmerzen, Schwindel und Krampfanfälle führen. Außerdem greift DEET Kunststoffoberflächen an und sollte nicht in Kontakt mit zum Beispiel Sonnenbrillen oder Handys kommen. Icaridin gilt als verträglicher, hat keine neurotoxische Wirkung und verursacht nur in sehr seltenen Fällen Hautirritationen. Es wirkt jedoch nicht so lange wie DEET und muss dementsprechend öfter aufgetragen werden.

Die Wirkstoffe gelangen unter anderem beim Duschen oder beim Baden im Meer in die Gewässer, wo sie Wasserorganismen schädigen können. Icaridin ist zum Beispiel giftig für die Larven von Lurchen. Das Paradoxe daran: Lurche ernähren sich hauptsächlich von Mückenlarven und sorgen eigentlich dafür, dass sich Mücken in der Natur nicht zu stark vermehren.

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Ätherische Öle: Natürlicher Mückenschutz, aber nicht risikofrei

Neben synthetischen Substanzen schützen auch ätherische Öle gegen Mücken und Zecken, jedoch weniger wirkungsvoll und für deutlich kürzere Zeit. Besonders verbreitet ist PMD (auch Citriodiol genannt), ein Extrakt aus dem Zitroneneukalyptus. Der Wirkstoff wird mittlerweile auch synthetisch hergestellt. Weitere pflanzliche Abwehrstoffe sind Citronella aus Zitronengras, Neemöl des gleichnamigen Neembaums und Lavendelöl. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Die ätherischen Öle können ebenfalls Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen und sind schädlich für Wasserorganismen.

Achtung: Mückenschutz kann für Katzen giftig sein

Katzen reagieren besonders empfindlich auf viele ätherische Öle. Ihnen fehlt ein Enzym, das für den Abbau bestimmter Pflanzenstoffe in der Leber nötig ist. Schon geringe Mengen, z. B. über Raumluft, Hautkontakt oder Abschlecken von behandelten Oberflächen, können zu schweren Vergiftungen führen.

Mückenschutz im Alltag: Diese Maßnahmen helfen auch ohne Spray

Repellentien können in bestimmten Situationen sinnvoll sein – etwa bei Reisen in Malaria-Risikogebiete oder bei längeren Aufenthalten in der Natur. Doch im Alltag sind sie oft nicht nötig. Mückenstiche und Zeckenbisse lassen sich auch anders vermeiden:

  • Tragen Sie lange, helle Kleidung.
  • Verwenden Sie Mückennetze an Fenstern, über dem Bett oder Kinderwagen.
  • Vermeiden Sie abends Lichtquellen mit offenem Fenster.
  • Suchen Sie sich nach Aufenthalten in der Natur auf Zecken ab.

Wenn Sie dennoch zu einem Repellent greifen:

  • Vermeiden Sie Produkte mit dem Inhaltsstoff DEET.
  • Atmen Sie Sprays nicht ein.
  • Wenden Sie Repellentien nicht auf verletzter oder entzündeter Haut an und sparen Sie das Gesicht bei der Anwendung aus.
  • Testen Sie das Mittel auf einer kleinen Hautstelle auf Verträglichkeit, bevor Sie es großflächig anwenden.
  • Um Hautkontakt zu vermeiden, können Sie die Sprays auch nur auf die Kleidung sprühen.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten Sie auf die Anwendung von Repellentien ganz verzichten.
  • Alte Repellentien nicht wegschütten oder im Hausmüll entsorgen. Da es sich bei den Produkten um Schadstoffe handelt, müssen diese auf dem Wertstoffhof entsorgt werden.

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