Anders als bei „Glyphosat“ schrillen bei den meisten Menschen noch nicht die Alarmglocken, wenn sie „Pendimethalin“ hören. Das sollten sie aber, denn Pendimethalin hat viele Ähnlichkeiten mit dem berüchtigten Unkrautvernichter. Es wird ebenfalls gegen „Unkräuter“ eingesetzt und birgt nicht nur Gefahren für die Artenvielfalt, sondern auch für die menschliche Gesundheit: Pendimethalin kann laut offizieller EU-Einstufung vermutlich das ungeborene Kind während der Schwangerschaft schädigen. In den USA wird Pendimethalin von den Behörden sogar als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Zahlreiche Studien stützen diesen Verdacht. In der EU fehlt eine entsprechende Einstufung allerdings. Außerdem gibt es Studien, die nahelegen, dass Pendimethalin in das menschliche Hormonsystem eingreift sowie das Erbgut verändert.

Das Bild zeigt zwei Kinder, die auf einer weitläufigen, grünen Wiese einem Fußball hinterherlaufen. Beide Kinder sind von hinten zu sehen. Das Mädchen auf der linken Seite trägt eine beigefarbene Jacke und Jeans, während der Junge rechts ein graues Langarmshirt und ebenfalls Jeans trägt. Die Szene findet an einem sonnigen Tag statt, die Sonne wirft lange Schatten auf den Rasen, und im Hintergrund sind Bäume zu erkennen, die eine herbstliche Stimmung vermitteln.

Pendimethalin bleibt nicht auf dem Acker, sondern verbreitet sich kilometerweit über die Luft - sogar bis dorthin, wo Kinder spielen.

Das gefährliche Überall-Gift

Pendimethalin müsste längst verboten sein

Aufgrund seiner Gefährlichkeit steht Pendimethalin bereits seit 2017 auf der Liste der sogenannten „Substitutionskandidaten“ der EU. Dies sind Stoffe, die so gefährlich sind, dass sie eigentlich vom Markt genommen und durch weniger gefährliche Alternativen ersetzt werden müssten. Trotzdem hat die EU vor kurzem den Einsatz von Pendimethalin für weitere zwei Jahre genehmigt – obwohl nicht einmal eine aktuelle Risikobewertung vorliegt. Diese Entscheidung gefährdet Mensch und Umwelt – und genau deshalb ziehen wir jetzt vor Gericht! Möglich machen dies die zahlreichen Spenden unserer Unterstützer:innen. Dank Ihnen konnten wir gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft (BEL) eine Top-Anwältin beauftragen, die bereits die ersten Schritte für die Klage eingeleitet hat. Vielen Dank an alle, die das mit ihrer Spende ermöglicht haben!

Wir haben das Recht auf unserer Seite

Um Pendimethalin trotz der fehlenden Risikobewertung bis 2027 weiter zulassen zu können, hat sich die EU eines besonderen Kniffs bedient, der sogenannten „technischen Verlängerung“. Dazu hat unsere Anwältin Dr. Caroline Douhaire folgendes zu sagen:

 „Technische Verlängerungen sollten nur in Ausnahmefällen gewährt werden, doch die EU-Kommission greift sehr häufig darauf zurück. Das hat zur Folge, dass potenziell gefährliche Pestizidwirkstoffe oft über lange Zeiträume hinweg weiter eingesetzt werden, ohne dass ihre Risiken für Mensch und Umwelt anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gründlich überprüft wurden. Zudem legt die fundierte Recherche des BEL und des Umweltinstituts nahe, dass es erhebliche Gründe gibt, die Genehmigung von Pendimethalin zu überdenken.“

In einem ersten Schritt haben wir nun bei der EU-Kommission eine interne Überprüfung der Genehmigung von Pendimethalin beantragt. Den ausführlichen Antrag können Sie hier nachlesen. Wird dieser abgelehnt, werden wir im nächsten Schritt eine so genannte Nichtigkeitsklage einreichen. Das anschließende Gerichtsverfahren kann sich dann über mehrere Monate oder noch länger hinziehen. Wir werden Sie selbstverständlich über alle Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Unterstützen Sie uns im Kampf gegen Pendimethalin!

Für unseren Kampf gegen das Gift, das überall ist, brauchen wir einen langen Atem. Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie es uns, den Prozess bis zum Ende zu führen.

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