Unser Protest zeigt Wirkung: Solvay muss Emissionen senken!
Wir machen den Klimaskandal sichtbar!
Aus dem Solvay-Werk in Bad Wimpfen entwichen große Mengen des stärksten bekannten Treibhausgases: Schwefelhexafluorid (SF₆). Mit einer Protestaktion machten wir den Klimaskandal öffentlich und forderten Konsequenzen. Inzwischen hat das Land Baden-Württemberg konkrete Maßnahmen angeordnet und die Emissionen sind bereits deutlich gesunken.
Rekordhohe SF₆-Werte führen zum Solvay-Werk in Bad Wimpfen
Ausgangspunkt unserer Protestaktion waren auffällig hohe Konzentrationen des extrem klimaschädlichen Gases Schwefelhexafluorid (SF₆), die im Winter 2025 in ganz Europa gemessen wurden. Wissenschaftler:innen der Goethe-Universität Frankfurt konnten die Emissionen auf das Solvay-Werk in Bad Wimpfen in Baden-Württemberg zurückführen.
Die Größenordnung war enorm: Forschende schätzten die jährlichen Emissionen aus dem Solvay-Werk auf rund 30 Tonnen SF₆. Wegen der extrem hohen Klimawirkung des Gases entspricht das 720.000 Tonnen CO₂ – also fast einem Drittel der Emissionen des gesamten innerdeutschen Flugverkehrs. Solvay selbst hatte lediglich 56 Kilogramm angegeben.
Die enorme Differenz zwischen den von Solvay angegebenen Emissionen und den gemessenen Werten deutete darauf hin, dass neben den regulär bei der Produktion von SF₆ entstehenden Emissionen weitere Emissionsquellen bestehen müssen. Als mögliche Ursache kamen dabei Leckagen in Betracht. Damit war klar: Hier bestand dringender Handlungsbedarf!
Protest gegen die hohen SF₆-Emissionen bei Solvay
Obwohl Solvay und den Behörden in Baden-Württemberg das Problem bekannt war, blieben wirksame Gegenmaßnahmen lange aus. Deshalb protestierten wir im Dezember 2025 direkt vor dem Solvay-Werk und wandten uns mit einem offenen Brief an die württembergische Umweltministerin Thekla Walker.
Mit unseren Protestaktionen machten wir die hohen SF₆-Emissionen öffentlich sichtbar und erhöhten den Druck auf das Unternehmen und die zuständigen Behörden. Wir forderten unabhängige Messungen und Kontrollen, Transparenz über die tatsächlichen Emissionen sowie wirksame Maßnahmen gegen die Leckagen.
Baden-Württemberg ordnet Maßnahmen gegen SF₆-Emissionen an
Im Zuge unserer Protestaktionen verpflichtete das Land Baden-Württemberg Solvay dazu, technische Verbesserungen an den Anlagen vorzunehmen, um die Lecks zu schließen. Außerdem wurden unabhängige Messungen vor Ort angeordnet. Seit Dezember 2025 darf die Anlage nur unter strenger Überwachung betrieben werden. In diesem sogenannten Testbetrieb wird kontrolliert, wie stark die technischen Maßnahmen die SF₆-Emissionen reduzieren. Außerdem setzt sich die baden-württembergische Landesregierung inzwischen für einen verbindlichen Grenzwert für SF₆-Emissionen ein und hat einen Antrag für fest definierte Grenzwerte für SF₆-Emissionen im Bundesrat eingebracht.
SF₆-Emissionen bei Solvay deutlich gesunken
Die bisherigen Messungen, die ein externes Institut durchführt, zeigen: Im regulären Betrieb der Anlage sind die SF₆-Emissionen deutlich zurückgegangen. Damit ist ein wichtiger Schritt erreicht. Die Kombination aus stärkerer Kontrolle, technischen Verbesserungen und unabhängigen Messungen hat dazu geführt, dass die Emissionen heute niedriger liegen als zuvor.
Testbetrieb läuft weiter: Wir bleiben dran!
Wir begrüßen, dass inzwischen Maßnahmen angeordnet wurden, um die SF₆-Emissionen zu reduzieren. Vollständige Entwarnung können wir aber noch nicht geben. Denn in einzelnen Betriebszuständen treten weiterhin deutlich erhöhte Emissionen auf. Deshalb wurde der streng überwachte Testbetrieb bis zum 31. Januar 2027 verlängert – mit dem Ziel, den SF₆-Ausstoß der Anlage weiter zu minimieren. Wir werden die Entwicklung also weiter beobachten und uns, wenn nötig, wieder einmischen.
Was genau ist Schwefelhexafluorid (SF₆)?
Der Chemiekonzern Solvay stellt in Bad Wimpfen das technische Gas Schwefelhexafluorid (SF₆) für den europäischen Markt her. SF₆ ist etwa viermal schwerer als Luft und eignet sich besonders zur elektrischen Isolierung. Früher wurde SF₆ unter anderem in dämpfenden Sportschuhen, Autoreifen und Schallschutzfenstern eingesetzt. SF₆ gehört zu den stärksten bekannten Treibhausgasen und verbleibt rund tausend Jahre in der Atmosphäre. Deshalb wurden viele frühere Anwendungen breeits schrittweise verboten.
Heute wird SF₆ vor allem noch als Isoliergas in technischen Anlagen eingesetzt, zum Beispiel in elektrischen Schaltanlagen. Die Europäische Union ist sich des Problems bewusst und hat mit der F-Gas-Verordnung klare Fristen für den schrittweisen Ausstieg beschlossen. Bis 2050 soll so auch die Nutzung von SF₆ auf null reduziert werden.
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