Konventionell wirtschaftende Landwirt:innen setzen Pendimethalin ein, um sogenannte Unkräuter zu bekämpfen. Weil Pendimethalin sehr flüchtig ist, bleibt der Stoff aber nicht auf dem Acker, sondern verbreitet sich kilometerweit über die Luft. Das gefährdet nicht nur Umwelt und Gesundheit, sondern auch die Bio-Landwirtschaft. Die Gründe dafür erklärt uns der Bio-Landwirt Reiner Bohnhorst im Interview.

Der Ökolandwirt Reiner Bonhorst (mittelalt, blonde kurze Haare und kurzer Bart, Brille mit braunem Rahmen) steht in einer braunen Jacke vor einer Halle mit Traktoren.

Der Biobauer Reiner Bohnhorst baut auf seinen Feldern in der Lüneburger Heide Kartoffeln an.

Herr Bohnhorst, warum haben Sie sich entschieden, Bio-Landwirt zu werden?
Ich wollte schon immer den Hof meiner Eltern übernehmen. Nach der Schule habe ich zunächst eine Ausbildung auf konventionellen Betrieben gemacht. Doch Naturschutz war mir damals schon sehr wichtig und ich wollte dann einfach nicht mehr mit der Chemie gegen die Natur arbeiten. Ich wollte mit der Natur im Einklang wirtschaften! Deswegen habe ich nach der Ausbildung zusätzlich Landwirtschaft in Witzenhausen [Anm. d. Red.: Standort des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel] studiert und als einer der ersten mein Diplom mit Schwerpunkt Ökolandbau gemacht. 1996 übernahm ich schließlich unseren Hof und stellte ihn sofort auf Ökolandbau um. Damals schien es für mich, wie auch heute noch für viele, ein großes Risiko zu sein, weil es so viele offene Fragen gab. Aber ich wollte so sehr Biobauer sein, und ich habe es niemals bereut.

Warum ist es  ein Problem für Sie als Bio-Landwirt, dass die konventionell wirtschaftenden Kolleg:innen chemisch-synthetische Pestizide wie Pendimethalin einsetzen dürfen?
Als Biobauer wirtschaftet man ja nicht unter eine „Käseglocke“. Man wird von allem, was in der Nachbarschaft geschieht und in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird, beeinflusst. Chemischer Pflanzenschutz birgt immer die Gefahr, dass die Substanzen durch  Abdrift oder Verlagerung über Wind und Wasser auf unsere Felder gelangen könnten. Das liegt zwar nicht im Interesse der konventionellen KollegInnen, ist aber niemals ausgeschlossen.

Was würde denn mit Ihrer Ernte passierten, sollten auf einem Ihrer Felder Pestizidrückstände, z.B. von Pendimethalin gefunden werden?
Sollten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bei den Kontrollen unserer Produkte Rückstände von Pestiziden gefunden werden, dürften wir das betroffene Erntegut nicht mehr als Bioprodukte vermarkten. Das würde dann einen großen finanziellen Verlust für uns bedeuten.

Verbraucher:innen müssen sich aber keine Sorgen machen, dass Bioprodukte mit  Pestizidrückständen belastet sein könnten?
Nein, denn wir setzen im Biolandbau keine chemische-synthetischen Stoffe ein. Und sollte es durch Abdrift von konventionellen Feldern trotzdem zu Rückständen von Pestiziden auf unserer Ernte kommen, dürften unsere Produkte wie gesagt nicht mehr als Bio-Produkte im Laden landen. Die Verbraucher:innen müssen sich also keine Sorgen machen. Die Rückstände wären vor allem für uns als Produzent:innen ein großes Problem: Denn unser Acker würde dann als konventionell bewirtschaftet gelten und wir müssten ihn erneut auf Bio-Anbau umstellen. Das würde drei Jahre dauern und natürlich wieder finanzielle Einbußen bedeuten. Zusätzlich gäbe es Vertragsstrafen. Außerdem müssen wir die staatliche Bio-Förderung der Fläche zurückzahlen. Und natürlich würde ein solcher Vorfall auch emotional nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wenn man aus Überzeugung ökologisch wirtschaftet, ist so etwas eine schlimme Erfahrung. Denn vor dem Gesetz gilt man als betroffener Biobauer als der Verursacher der Pestizid-Belastung. Zum Glück ist so etwas in unserem Betrieb aber noch nicht vorgekommen!

Wie kann aus Ihrer Sicht die Biolandwirtschaft vor Abdrift von Pestiziden wie Pendimethalin geschützt werden?
Der einzige zuverlässige Schutz der Biolandwirtschaft vor Abdrift von Pestiziden wie Pendimethalin ist deren Verbot, bzw. die Aberkennung der Zulassung der Wirkstoffe.

Das Umweltinstitut hat gerade gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft eine Klage gegen die EU-Zulassung von Pendimethalin gestartet. Was erhoffen Sie sich davon?
Ich hoffe, dass Pendimethalin verboten wird. Die Lobby der chemischen Industrie ist allerdings sehr stark. Leider. Daher ist es gut, dass jetzt der Rechtsweg beschritten wird.

Lieber Herr Bohnhorst, vielen Dank für das Interview!

 

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