Infrastruktur für LNG und blauen Wasserstoff

Wir haben die Projekte an der Nord- und Ostseeküste in der folgenden Karte gesammelt. Gehen Sie mit der Maus auf die Symbole für mehr Informationen:

Blauer Wasserstoff: Altes Gas in neuen Schläuchen

Wasserstoff ist heiß begehrt, denn das Gas soll helfen, Industrie und Verkehr klimafreundlich zu machen. Zur Unterscheidung der möglichen Herstellungswege haben sich Farben etabliert: So wird Wasserstoff, der unter Verwendung von Ökostrom durch Spaltung von Wasser hergestellt wird, als grün bezeichnet. Doch Ökostrom ist knapp und grüner Wasserstoff entsprechend teuer.

Darum wird der Großteil des Wasserstoffs bis jetzt aus Erdgas hergestellt. Dabei werden klimaschädliche Gase wie Methan und Kohlenstoffdioxid frei. Gas-Konzerne wollen diesem Wasserstoff einen vermeintlich nachhaltigen Anstrich verleihen: Das CO2 soll aufgefangen und eingelagert werden, um die Klimabilanz zu verbessern. Der so produzierte Wasserstoff wird dann als blauer Wasserstoff bezeichnet. Doch Wissenschaftler:innen haben berechnet, dass diese Technologie dem Klima nichts bringt: Blauer Wasserstoff bleibt ein fossiler Energieträger, der das Klima zerstört.

Gas-Infrastruktur: Bau-Boom durch Energiekrise

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat Europa in eine Energiekrise gestürzt: Fieberhaft wird nach Ersatz für das ehemals günstige russische Erdgas gesucht. Dabei setzt die Bundesregierung vor allem auf den Import verflüssigten Erdgases (sogenanntes LNG), langfristig soll aber auf Wasserstoff umgestellt werden. Die politischen Bedingungen für den Neubau von Pipelines und Häfen sind darum aktuell günstig und neben neuen LNG-Häfen werden auch Anlagen für den Import von Wasserstoff vorbereitet. Brisant für den Klimaschutz: Viele Projekte setzen weiter auf fossile Rohstoffe und sind dabei kaum auf erneuerbare Energieträger umrüstbar.

Ein alter Bekannter: Wintershall Dea

Besonders aktiv ist Wintershall Dea, ein deutscher Konzern, der bereits seit mehr als 100 Jahren weltweit Erdöl und -gas fördert. Die Firma möchte in Wilhelmshaven aus norwegischem Erdgas Wasserstoff herstellen. Das dabei anfallende CO2 soll aufgefangen und nach Dänemark oder Norwegen transportiert werden, wo es dann unter den Meeresgrund gepresst werden soll. Für dieses Projekt arbeitet Wintershall Dea mit dem norwegischen Unternehmen Equinor zusammen, das Erfahrungen mit der Lagerung von CO2 in Gesteinsschichten unter dem Meer mitbringt.

Gemeinsam plant man einen „CO2-Hub“ in Wilhelmshaven, also einen Hafen, über den auch anderen Firmen die Entsorgung des Klimagases angeboten werden soll. Das Gas soll anfangs per Schiff, in Zukunft aber auch über eine neu zu bauende CO2-Pipeline nach Skandinavien abtransportiert werden.

Dieses Projekt verdeutlicht zwei Aspekte, die typisch für das Geschäft mit blauem Wasserstoff sind:

  • Firmen, die mit blauem Wasserstoff Geld verdienen wollen, haben größtenteils bis jetzt mit Erdgas und -öl ihr Geld verdient. Sie wollen ihr klimazerstörendes Geschäftsmodell retten und weiter Energie aus fossilen Quellen verkaufen.
  • Neben blauem Wasserstoff soll auch mit der Entsorgung von CO2 Geld verdient werden; so soll das Know-how möglichst gewinnbringend genutzt werden. Hier droht eine technische Ausrede, die notwendige Umstellung der Industrie auf erneuerbare Energieträger aufzuschieben.
Gefährlicher Irrweg für das Klima

Für das Klima sind diese Projekte brandgefährlich, denn blauer Wasserstoff schadet dem Klima und verlängert die Förderung fossilen Erdgases. Viele Konzerne scheinen auf einen lukrativen Markt zu hoffen. Sie setzen dabei darauf, dass der Staat die Verwendung ihres schmutzigen Produkts subventionieren wird. Die Bundesregierung muss hier darum dringend gegensteuern und blauen Wasserstoff von geplanten Förderungen ausschließen. Sonst fließen noch mehr Ressourcen in neue Infrastruktur für die Nutzung fossilen Erdgases, Ressourcen, die dringend für die Energiewende gebraucht werden.

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