Patente auf natürlich vorkommende Genvariationen, Saatgut, Pflanzen und deren Ernte bedeuten eines der größten Risiken für die globale Nahrungssicherheit. Denn mit Hilfe von Patenten erlangt eine Handvoll internationaler Konzerne zunehmend die Kontrolle über die Produktion unserer Lebensmittel. Die Unternehmen entscheiden zunehmend darüber, welches Saatgut auf dem Markt verfügbar ist, was Landwirt:innen auf ihren Äckern produzieren, was der Lebensmittelhandel anbietet, was wir konsumieren und wie viel wir schließlich alle dafür bezahlen müssen. Doch gerade im Hinblick auf Kriege, Hungerkrisen und den Klimawandel sind vielfältige, souveräne und an die lokalen Bedingungen angepasste Ernährungssysteme entscheidend für die zuverlässige und ausreichende Versorgung aller Menschen mit Lebensmitteln.

Protest vor dem Europäischen Patentamt in München gegen Patente auf Saatgut

Eigentlich verboten, aber trotzdem erlaubt

Eigentlich sind Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen laut dem europäischen Patentrecht verboten. Doch seit Jahren nutzen das EPA und die Industrie juristische Schlupflöcher, um dieses Verbot zu umgehen – auf Kosten von Landwirt:innen, Pflanzenzüchter:innen, Mittelstand und Verbraucher:innen. Innerhalb der letzten zehn Jahre wurden über 1500 Patentanträge angemeldet, die die herkömmliche Züchtung betreffen. Rund 300 Patente auf herkömmlich gezüchtete Nutzpflanzen wurden vom EPA bereits erteilt. Diese betreffen über 800 verschiedene Pflanzensorten. 120 davon werden gleich in mehreren Patenten erwähnt. Und jedes Jahr kommen etwa 100 neue Patenanträge dazu. Der ursprüngliche Zweck von Patenten, neuartige Erfindungen zu schützen und dadurch einen Anreiz für Forschung und Innovation zu schaffen, wurde damit völlig zweckentfremdet. Patente dienen der Industrie als strategische Waffe, um die Konkurrenz vom Markt zu drängen und deren Forschungsarbeit zu behindern.

Patente auf Bier blockieren Gerstenzüchtung

Ein anschauliches Beispiel dafür sind die „Bier-Patente“ von Carlsberg. Der internationale Brauereikonzern hat in den letzten Jahren mehr als ein Dutzend Patente auf Braugerste beantragt. Drei der Patente wurden bereits vom Europäischen Patentamt (EPA) erteilt. Eines davon wurde vom Konzern selbst wieder zurückgezogen. Bei den patentierten Gerstensorten handelt es sich um herkömmlich gezüchtete Pflanzen ohne den Einsatz von Gentechnik. Die Patente erstrecken sich auf die Pflanzen, die Ernte, das Brauverfahren, das Malz, die Bierwürze und alle Getränke, die mit dieser Methode hergestellt werden. Die „Bier-Patente“ setzen mittelständische Brauereien, Pflanzenzüchter:innen und Verbraucher:innen in Alarmbereitschaft. Denn derartige Patente können weitreichende Folgen haben:

  • Die Biervielfalt nimmt ab, da kleine und mittelständische Brauereien zunehmend vom Markt gedrängt werden.
  • Die Vielfalt an Gerstensorten nimmt ab, da die Züchtungsarbeit durch Patente blockiert wird.
  • Wenn Patentgebühren fällig werden, wird das Bier teurer.

Politik muss Patente auf Saatgut stoppen

Mit unserer Aktion „Patente auf Saatgut stoppen – Biervielfalt retten!“ fordern wir das Europäische Patentamt auf, die Schlupflöcher in der Auslegung des Patentrechts zu schließen und konventionell gezüchtete Pflanzen und deren Saatgut von der Patentierbarkeit vollständig auszuschließen. Wir sehen auch die Politik in der Verantwortung, das Europäische Patentamt in seine Schranken zu weisen. Bundesjustizminister Marco Buschmann muss sich im Verwaltungsrat des EPA klar gegen Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen und Tiere positionieren und dafür sorgen, dass das Verbot derartiger Patente auch umgesetzt wird!

Patente auf Pflanzen und Tiere

Themenseite

Die Vielfalt an Nutzpflanzen und -tiere ist eine der wichtigsten Grundlagen unserer Nahrungsmittelsicherheit. Durch Patente fällt diese mehr und mehr in die Hände weniger Großkonzerne. Informieren Sie sich auf unserer Themenseite über die Auswirkungen von Patente auf Pflanzen und Tiere und über unser Engagement gegen derartige Patente.

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Aktuelle Meldungen zum Thema Landwirtschaft

Gefährliche Pestizid-Cocktails auf unseren Feldern

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– Zahlreiche in der EU zugelassene Pestizide gelten als besonders gefährlich für Umwelt und Gesundheit. Sie sind als sogenannte Substitutionskandidaten eingestuft und sollten eigentlich durch weniger schädliche Alternativen ersetzt werden. Doch dieses Ziel wird allzu oft verfehlt: Auch das Ackergift Pendimethalin, gegen dessen erneute EU-Zulassung wir Klage eingereicht haben, gehört zu diesen hochproblematischen Wirkstoffen.

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Tag des Unkrauts: „Mehr Wildnis wagen!“

Landwirtschaft

– Mehr als 1.000 Wildkräuter wachsen in Deutschland, viele davon werden vorschnell als Unkraut abgestempelt. Dabei sind sie unverzichtbar für Insekten, Vögel und gesunde Böden. Zum „Tag des Unkrauts“ am 28. März sprechen wir mit den Kräuter- und Pilzexpert:innen Vanessa und Norman Glatzer von „Buschfunkistan“ darüber, warum der Begriff Unkraut in die Irre führt, was vermeintliche Störenfriede für die Artenvielfalt leisten und wie sich Giersch, Gundelrebe und Co. ganz praktisch nutzen lassen.

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Keine Endlos-Zulassung für Pestizide!

Landwirtschaft

– Bei der Agrarministerkonferenz (AMK) in Bad Reichenhall stand diese Woche auch die Zukunft des Pestizidrechts auf der Tagesordnung. Das Umweltinstitut hat die Konferenz genutzt, um gegen Pläne zur weiteren Lockerung von Schutzregeln zu protestieren. Mit einer Projektion am Königlichen Kurhaus und einer Protestaktion bei der Eröffnung machten wir deutlich: Gefährliche Pestizide dürfen nicht dauerhaft ohne neue Prüfung auf dem Markt bleiben.

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