Rebhuhn in Gefahr: Was der Vogel des Jahres 2026 über das Artensterben verrät
Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026 – und ein Mahnmal für das Artensterben auf unseren Äckern. Die scheue Feldvogelart war einst weit verbreitet, doch inzwischen ist sie in Deutschland stark gefährdet. Eine der Hauptursachen: Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, ihrem hohen Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und dem Verlust strukturreicher Lebensräume.
Landwirtschaft und Artenschwund: Das Rebhuhn als Warnsignal
Wo das Rebhuhn lebt, lebt die Vielfalt. Doch der Bestand der Rebhühner ist in den vergangenen 25 Jahren europaweit um 90 Prozent eingebrochen. Diese Zahl ist deshalb besonders beunruhigend, weil das Rebhuhn als sogenannte „Indikatorart“ stellvertretend für die ökologische Qualität von Agrarlandschaften steht: Wo es lebt, gedeihen auch viele andere Arten wie Wildkräuter, Insekten und Feldlerchen. Verschwindet das Rebhuhn, ist das ein Alarmsignal für das gesamte Ökosystem.
Der Blick auf andere heimische Tier- und Pflanzenarten in der deutschen Agrarlandschaft zeigt: Wir müssen dieses Alarmsignal ernst nehmen. Denn die Bestände vieler Arten gehen drastisch zurück. Besonders stark betroffen sind Vögel und Insekten. Mittlerweile gelten selbst früher weit verbreitete Arten als gefährdet: Neben den Rebhühnern schrumpften zum Beispiel auch die Bestände der Feldlerche (um rund die Hälfte) und der Kiebitze (Schätzungen variieren zwischen 65 und 90 Prozent ).
Bei den Insekten zeigt sich ein ähnlich dramatisches Bild: Drei Viertel der fliegenden Insekten sind verschwunden. Allein in Schutzgebieten ging ihre Biomasse in weniger als 30 Jahren um über 75 Prozent zurück. Von den rund 600 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten gilt etwa die Hälfte als gefährdet , vom Aussterben bedroht, oder als bereits ausgestorben.
Bedrohte Arten im Porträt:
Rebhuhn (stark gefährdet): Die Vögel finden in eintönigen Agrarlandschaften kaum noch Deckung und Nahrung.
Haselmaus (selten): Sie kommt hauptsächlich in Laub- und Mischwäldern und artenreichen Hecken vor. Die kleinen Nagetiere leiden unter dem zunehmenden Lebensraumverlust.
Moorfrosch (gefährdet): Durch die Trockenlegung von Mooren und anderen Feuchtgebieten verliert der Moorfrosch seinen Lebensraum. Außerdem machen ihm die Belastung der Gewässer, zum Beispiel durch Pestizide und Dünger, zusätzlich das Leben schwer.
Himmelblauer Bläuling (gefährdet): Der Schmetterling lebt auf trockenen und mageren Wiesen. Durch ihre hohe Spezialisierung ist die Art besonders empfindlich für Eingriffe in ihren Lebensraum.
Kreuzotter (stark gefährdet): Die Schlange lebt in lichten Wäldern, Moore und Heiden. Der zunehmende Verlust ihres Lebensraums ist die Hauptursache für den Rückgang der Art.
Pestizide als Ursache für das Artensterben
Als eine der Hauptursachen für das Artensterben gilt die Nutzung chemisch-synthetischer Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft. Pestizide haben dabei sowohl einen direkten als auch einen indirekten negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt. Denn sie können bestimmte Arten, vor allem Insekten, direkt schädigen oder töten und entziehen anderen Arten die Lebensgrundlage und schaden ihnen damit indirekt.
Beispielsweise ernähren sich Rebhuhn-Küken in den ersten Wochen vor allem von Insekten und Spinnen. Fehlt diese Nahrung, ist ihr Überleben gefährdet. Erwachsene Rebhühner wiederum ernähren sich hauptsächlich von Grasspitzen und Wildkräutern, die jedoch häufig als „Unkräuter“ gelten und durch sogenannte Herbizide beseitigt werden.
Öko wirkt: Höhere Artenvielfalt in der biologischen Landwirtschaft
Ganz anders sieht es auf ökologisch bewirtschafteten Flächen aus. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen: Dort finden sich deutlich mehr Tier- und Pflanzenarten als auf konventionellen Äckern. Eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass die Wildpflanzenvielfalt auf Bio-Flächen im Durchschnitt um 95 Prozent höher ist. Auch Tiere, wie blütenbesuchende Insekten und Feldvögel, sind laut Metaanalyse auf Bio-Flächen in größerer Artenzahl vertreten, im Mittel um 23 (Insekten) und 35 (Vögel) Prozent.
Unsere Forderung: Geld nur für umweltgerechte Landwirtschaft!
Trotz klarer wissenschaftlicher Erkenntnisse subventioniert die EU weiterhin eine Landwirtschaft, die Artenvielfalt zerstört statt sie zu schützen. Das Umweltinstitut München fordert daher: Öffentliche Gelder dürfen künftig nur noch an Betriebe vergeben werden, die Umwelt, Klima und Artenvielfalt aktiv schützen. Außerdem fordern wir ganz grundsätzlich die Umstellung das Landwirtschaft auf 100 Prozent Ökolandbau und damit verbunden ein Komplettverbot chemisch-synthetischer Pestizide.
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