Fossiles Gas kommt vor allem per Pipeline nach Deutschland. Seit Jahren wird aber diskutiert, ob ein deutsches „LNG-Terminal“ mehr Unabhängigkeit in der Wahl der Lieferanten ermöglichen könnte. LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, also fossiles Erdgas, das verflüssigt wurde und somit platzsparend auf Tankern transportiert werden kann. Durch diese Technik ist es möglich, beispielsweise Gas aus Katar oder den USA zu kaufen und sich so vom aktuellen Hauptlieferanten Russland unabhängiger zu machen

LNG-Terminal

Ein LNG-Terminal ist eine hoch spezialisierte Industrieanlage

Umweltprobleme und schlechte Wirtschaftlichkeit

Die Umweltprobleme liegen auf der Hand: Das Gas muss auf -161°C abgekühlt werden und am Zielort wieder in den gasförmigen Zustand überführt werden. Dabei geht viel Energie verloren. Der Transport über weite Strecken verbraucht weitere Energie und macht die Technologie damit noch ineffizienter. Außerdem wird Erdgas aus den USA zum Teil mittels „Fracking“ gewonnen, mit allen damit einhergehenden Schäden für Natur und Trinkwasser.

Dennoch waren in Deutschland zwischenzeitlich vier Standorte für Terminals im Gespräch: Brunsbüttel, Stade, Rostock und Wilhelmshaven. Nach anfänglich großem Interesse aus Politik und Wirtschaft kamen die Planungen ins Stocken, Investoren wendeten sich ab. Der Grund: Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Hafens ist nicht gegeben.

Denn der Bedarf ist überschaubar. Im vergangenen Jahr kamen die Terminals in Europa nur auf eine Auslastung von 40 Prozent. Lieferungen für Deutschland werden in benachbarten Ländern angelandet und dann per Pipeline weitertransportiert. Damit sich die hohen Investitionen in die Infrastruktur rechnen, muss ein Terminal 30 bis 40 Jahre betrieben werden. Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, wird das allerdings nicht möglich sein.

Neue Pläne außenpolitisch motiviert

Doch in der aktuellen außenpolitischen Lage finden sich unerwartete neue Unterstützer für einen deutschen LNG-Hafen: Robert Habeck, Klimaschutzminister der Grünen, sagte kürzlich im Bundestag, dass er sich der Planung der Terminals in Brunsbüttel und Stade „energisch zuwenden“ wolle, da diese privat nicht finanzierbar seien.

Und auch in Wilhelmshaven hofft man auf ein Revival. So sieht der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) in einem LNG-Terminal Chancen für die Energiewende. Damit spielt er auf ein neues Argument für die fossilen Projekte an: Durch eine mögliche Umnutzung in der Zukunft sollen sie in einem neuen, grünen Licht erscheinen.

Der schleswig-holsteinische Umweltminister Jan Philip Albrecht (Grüne) versuchte in einem Antrag auf dem Landesparteitag der Grünen Schleswig-Holstein die LNG-Pläne seines Amtsvorgängers Habeck ökologisch einzuhegen: Er fordert, dass ein vom Bund gebautes Terminal von vornherein auf emissionsfreie Gase ausgerichtet sein müsse. Eine Bedingung, die dehnbar ist: Theoretisch könnte auch LNG synthetisch und emissionsarm hergestellt werden. Aus Kostengründen dürfte dies aber so schnell nicht passieren.

Nachhaltigkeit fragwürdig, es drohen hohe Verluste

Auch eine weitere Option, die Nutzung der Terminals für Wasserstoff, ist ausgesprochen fragwürdig. Zwar möchte Deutschland große Mengen Wasserstoff importieren, in welcher Form das Gas transportiert werden soll, ist aber noch offen. Eine Möglichkeit, die aktuell in Australien mit einem ersten Tanker getestet wird, ist die Verflüssigung. Diese Technik ähnelt dem Transport von „LNG“. Wasserstoff muss dabei aber weitaus tiefer gekühlt werden als Erdgas (- 253°C).

Aufgrund der niedrigeren Temperatur von flüssigem Wasserstoff (-253°C) im Vergleich zu Erdgas (-161°C), stellt der Transport höhere Anforderungen an Schiffe und Häfen. Beispielsweise müssen Tanker stärker isoliert werden, um hohe Verluste durch vorzeitiges Verdampfen des flüssigen Gases zu verhindern. Auch die Leitungen an einem Terminal müssen besonders gut isoliert sein, damit an ihrer Außenseite keine Luft kondensiert. Denn der dabei entstehende flüssige Sauerstoff ist brandgefährlich und kann beispielsweise bei Kontakt mit Asphalt explodieren.

Equipment für den Transport von LNG lässt sich also nicht einfach für Wasserstoff nutzen, auch wenn manche Formulierungen es so aussehen lassen. Das gilt übrigens genauso für die Erdgas-Pipeline „Nord Stream 2“, die von einem Verein mit dem fantasievollen Namen „Wasserstoff-Hanse“ beworben werden sollte. Ob es für diese fossilen Anlagen künftig tatsächlich eine nachhaltige Verwendung gibt, ist ausgesprochen fraglich. Ohne eine entsprechende Laufzeit drohen diesen Projekten aber hohe finanzielle Verluste.

Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) forderte darum eine Garantie: Die Politik solle versprechen, dass das Terminal in Brunsbüttel mindestens 20 Jahre laufe. Damit macht er das große Risiko dieser Projekte für das Klima deutlich: Es droht ein „Lock-In“, also eine Festlegung auf die weitere Nutzung fossilen Gases in der Zukunft. Das wäre aber unvereinbar mit den deutschen Klimazielen.

Es kann nicht in Deutschlands Interesse sein, ein klimazerstörendes, unwirtschaftliches Projekt mit staatlichen Geldern zu ermöglichen. Habeck muss seine Position jetzt korrigieren und den fossilen Plänen eine Absage erteilen!

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