Ein Team um Prof. Dr. Carsten Brühl an der RPTU hat die Verbreitung von chemisch-synthetischen Pestiziden, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden, untersucht. Insgesamt 63 Pestizide hat das Forschungsteam nachgewiesen, nahezu alle Messstandorte waren belastet. Das Forschungsgebiet erstreckte sich über 300 Kilometer entlang der Oberrheinischen Tiefebene mit intensivem Obst-, Gemüse- und Weinanbau. Untersucht wurden Oberboden, Vegetation, Fließgewässer und Pfützen an 78 Standorten.

Kulturlandschaft am Oberrhein

Selbst Schutzgebiete bleiben nicht verschont

Auch in abgelegenen Regionen ohne landwirtschaftliche Nutzung waren Pestizidrückstände nachweisbar. So wurden etwa im Nationalpark Schwarzwald vier verschiedene Ackergifte und auf dem Feldberg – auf knapp 1500 Meter Höhe – drei Stoffe festgestellt. Einer der am häufigsten gefundenen Pestizidwirkstoffe war das Fungizid Fluopyram, das in über 90 Prozent aller Proben nachgewiesen wurde. Fluopyram gehört zu den per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), den sogenannten Ewigkeitschemikalien. Diese Stoffe belasten die Umwelt über sehr lange Zeiträume, da sie oder ihre Abbauprodukte nicht durch natürliche Prozesse abgebaut werden können.

Pestizid-Cocktails mit bis zu 26 Wirkstoffen

In 97 Prozent der Boden- und Vegetationsproben wurden Rückstände von Pestiziden gemessen, oft in komplexen Mischungen aus mehreren Wirkstoffen. Im Durchschnitt wurden im Oberboden fünf Stoffe nachgewiesen, wobei einzelne Proben bis zu 26 verschiedene Wirkstoffe aufwiesen. Die Vegetation war im Mittel mit sechs Pestizidwirkstoffen belastet, in einigen Fällen mit bis zu 21 Wirkstoffen.

Solche Pestizidcocktails sind besonders problematisch, da Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Stoffen auftreten und sich negative Effekte verstärken können. Im aktuellen Zulassungsverfahren werden Pestizidwirkstoffe jedoch nur einzeln bewertet und Cocktaileffekte nicht berücksichtigt.

Studie bestätigt Messergebnisse des Umweltinstituts

Bereits 2018 startete das Umweltinstitut München eine Reihe von Messprogrammen zur Verbreitung von Pestiziden über die Luft. Mit dem Pilotprojekt im Südtiroler Obstanbaugebiet Vinschgau konnten wir nachweisen, dass die Ackergifte über die Luft bis in entlegene Bergtäler und geschlossene Ortschaften gelangen. Unsere Messungen ergaben außerdem eine Dauerbelastung der Luft mit mehreren Pestizidwirkstoffen von Mitte März bis Ende August.

2020 veröffentlichten wir die erste deutschlandweite Untersuchung zur Verbreitung von Pestiziden in der Luft. Mit unseren Messungen konnten wir unter anderem beweisen, dass Glyphosat an Staubpartikeln haftet und durch die Luft transportiert wird.

Neubewertung der Risiken ist notwendig

Die zahlreichen Studien zur Ausbreitung von Pestiziden durch die Luft kommen alle zu einem Ergebnis: Pestizide verbleiben nicht dort, wo sie eingesetzt werden, sondern belasten auch weit entfernte Gebiete. Weder machen Pestizide vor Schutzgebieten noch vor Wohngebieten, Spielplätzen oder Parks halt. Sowohl die Natur als auch die Menschen sind vielerorts über einen längeren Zeitraum mehreren Pestizidwirkstoffen gleichzeitig ausgesetzt.

Wir fordern deshalb: Schluss mit chemisch-synthetischen Pestiziden! Nur eine ökologische Landwirtschaft schützt langfristig unsere Gesundheit und die Umwelt.

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