Pestizide in der Umwelt: Auswirkungen auf Mensch und Natur

In Deutschland werden Pestizide als „Pflanzenschutzmittel“ bezeichnet. Doch der Begriff ist irreführend, da Pestizide unerwünschte Lebewesen töten sollen. Wir bezeichnen sie deshalb als „Ackergifte“ oder „Pestizide“.

Welche Auswirkungen haben Pestizide auf Umwelt und Menschen?

Um Monokulturen, enge Fruchtfolgen und den Anbau überzüchteter Hybridsorten überhaupt möglich zu machen, werden Pestizide benötigt.

Ihr Einsatz hat jedoch weitreichende Folgen: Die Gifte verbreiten sich unkontrolliert über die Luft und gelangen in Böden und Gewässer. Sie können die biologische Vielfalt beeinträchtigen und bergen gesundheitliche Risiken für den Menschen.

Was sind Pestizide?

Unter Pestiziden versteht man Substanzen, die unerwünschte Organismen in der Landwirtschaft beseitigen. Je nachdem, ob sie gegen Beikräuter, Insekten oder Pilze eingesetzt werden, spricht man von Herbiziden, Insektiziden oder Fungiziden.

In der  konventionellen Landwirtschaft werden chemisch-synthetische Pflanzengifte wie zum Beispiel Glyphosat nicht nur zur Unkrautbekämpfung eingesetzt, sondern auch, um den Reifeprozess bei Getreide zu beschleunigen. In Deutschland ist dies inzwischen aber nicht mehr erlaubt.

Wie viele Pestizide werden in Deutschland eingesetzt?

In Deutschland sind 278 verschiedene Pestizidwirkstoffe zugelassen. Jährlich werden davon zwischen 27.000 und 35.000 Tonnen verkauft. Mit vielen dieser Pestizide beschäftigt sich das Umweltinstitut seit Jahren intensiv.

Darunter befindet sich zum Beispiel Glyphosat, der jährlich wiederkehrende Kassenschlager unter den Pestiziden. Allein im Jahr 2024 wurden circa 4100 Tonnen des umstrittenen Unkrautvernichters abgesetzt – und das, obwohl zahlreiche Studien die gesundheits- und umweltgefährliche Wirkung von Glyphosat bestätigen.

Ein weiterer Wirkstoff, für dessen Verbot sich das Umweltinstitut seit vielen Jahren einsetzt, ist der Unkrautvernichter Pendimethalin. Pendimethalin verbreitet sich kilometerweit über die Luft  und gilt als so gefährlich, dass es in der EU seit langem auf der offiziellen Liste der Pestizide steht, die durch weniger schädliche Wirkstoffe ersetzt werden sollen.

Häufig kommen auch Pestizide zum Einsatz, deren eigentliche Genehmigung in der EU längst ausgelaufen ist. Durch sogenannte technische Verlängerungen können sie aber trotzdem weiter eingesetzt werden, obwohl ihre letzte Risikoprüfung teils schon viele Jahre zurückliegt.

Wie schädigen Pestizide Mensch und Umwelt?

Pestizide können die biologische Vielfalt beeinträchtigen, sich über Luft, Boden und Wasser verbreiten und die menschliche Gesundheit gefährden. Besonders problematisch ist, dass Menschen und Umwelt gleichzeitig mehreren Wirkstoffen ausgesetzt sein können und deren Wechselwirkungen nicht ausreichend erforscht sind.

1. Pestizide tragen zum Artensterben bei

Manche Pestizide töten Pflanzen und Insekten direkt ab und verringern damit die biologische Vielfalt. So verteilen sich beispielsweise bestimmte Insektizide in allen Teilen der Pflanzen und treffen auch Bestäuber wie Bienen, wenn diese zum Beispiel Pollen oder Nektar sammeln. Doch auch indirekt können Pestizide zum  Artensterben beitragen, indem sie beispielsweise das Nahrungsangebot wildlebender Tiere reduzieren (zum Beispiel insektenfressende Vögel). Außerdem werden durch den Einsatz von Pestiziden hochintensive Anbauweisen wie großflächige Monokulturen gefördert, die ebenfalls die biologische Vielfalt bedrohen.

2. Vor Pestiziden kann man sich nur schwer schützen

Pestizide können sich weit über die Luft verbreiten. So konnte das Umweltinstitut bei deutschlandweiten Messungen Pestizide selbst in Schutzgebieten, in Großstädten und auf Bio-Äckern nachweisen. Gleichzeitig lassen sich Pestizide von gespritztem Obst und Gemüse durch Abwaschen nicht immer ganz entfernen. Denn sie gelangen auch in die Lebensmittel und befinden sich nicht nur auf der Schale. Dadurch haben Konsument:innen nur eingeschränkt die Möglichkeit, sich zu schützen.

3. Pestizide können Menschen krank machen

Die Belastung mit Pestiziden steht im Verdacht, verschiedenste Krankheiten zu verursachen. Wissenschaftliche Studien belegten beispielsweise einen Zusammenhang zwischen Pestiziden und Parkinson sowie Krebserkrankungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen und Unfruchtbarkeit.

4. Pestizide können Föten während der Schwangerschaft schädigen

Es lassen sich unter anderem Fehlbildungen, Wachstumsstörungen, Frühgeburten und Hirnentwicklungsstörungen auf Kontakt mit Pestiziden zurückführen.

5. Wechselwirkungen von Pestiziden sind nicht ausreichend erforscht

Pestizide werden oft in Mischungen gespritzt bzw. Rückstände verschiedener Pestizidwirkstoffe treffen in der Umwelt aufeinander. Dabei ist unklar, welche Wirkung diese Giftcocktails auf Menschen, Tiere und die Umwelt haben.

6. Pestizide reichern sich im Boden an

Pestizide reichern sich im Boden an und schädigen dort die vielfältigen Bodenlebewesen, wie zum Beispiel Regenwürmer, Nematoden oder Springschwänze, die für einen gesunden und fruchtbaren Boden sorgen.

7. Pestizide belasten unsere Gewässer

Vor allem durch die intensive Landwirtschaft gelangen Pestizide in Bäche, Flüsse, Seen, Küstengewässer und ins Grundwasser. Da die Stoffe nur schwer aus dem Wasser entfernbar sind und sich teilweise nur langsam abbauen, gefährden sie dadurch nicht nur Tiere und Pflanzen, die im Wasser leben, sondern auch unsere Gesundheit.

Wie gelangen Pestizide in Lebensmittel?

Während Kontaktgifte nur oberflächlich wirken, werden systemische Gifte von den Pflanzen aufgenommen und in alle Pflanzenteile transportiert. Man findet sie also in Wurzeln, Blättern, Blüten, Pollen, Samen und Früchten.

Kontaktgifte können wir zwar nicht vollständig, aber zum größten Teil durch gründliches Waschen oder Schälen von unserem Obst und Gemüse entfernen. Bei systemischen Giften ist das nicht möglich. Sie sind in unseren Lebensmitteln und wir nehmen sie mit unserer Nahrung auf.

Pestizide in Lebensmitteln: Wie gut werden Rückstände kontrolliert?

Die Kontrolle unserer Lebensmittel auf Pestizidrückstände ist aufwändig und kann nur einen Ausschnitt des Lebensmittelmarktes erfassen. Nicht jede Probe wird auf alle relevanten Pestizidwirkstoffe untersucht. Hinzu kommt: Bis die bundesweit ausgewerteten Kontrolldaten veröffentlicht werden, ist insbesondere frische Ware in der Regel längst verkauft und verzehrt. Pestizidrückstände in unseren Lebensmitteln können sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Um dem vorzubeugen, wurden Grenzwerte für Pestizidrückstände in Lebensmitteln eingeführt. Diese erscheinen jedoch oft willkürlich und orientieren sich stark an der landwirtschaftlichen Praxis, also auch daran, wie oft und wie viel von einem bestimmten Wirkstoff auf einer bestimmten Kulturpflanze eingesetzt wird. So können je nach Kultur die Rückstandshöchstwerte für einen einzelnen Pestizidwirkstoff stark variieren.

Die Pestizidgrenzwerte für unsere Lebensmittel beziehen sich immer nur auf einen Wirkstoff. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Wirkstoffen – der sogenannte Cocktaileffekt – werden bei diesen Grenzwerten nicht berücksichtigt.

Wie lassen sich Pestizide im Essen vermeiden?

Im Jahr 2024 wurden bei 76 Prozent der untersuchten Obst- und Gemüseproben aus ökologischem Anbau keinerlei Rückstände chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel nachgewiesen.

Wie stark  besonders Äpfel mit Pestiziden belastet sind und was dagegen hilft, erfahren Sie auf unserer Themenseite „Äpfel und Pestizide“.

Wenn Sie die Aufnahme von Pestiziden über die Nahrung vermeiden möchten, greifen Sie, wo immer möglich, zu Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft. Damit tun Sie nicht nur Ihrer Gesundheit etwas Gutes, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz.

 

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